Antike und AltertumRatgeber
Der Trojanische Krieg: was der Mythos erzählt und was Troja zeigt
Der Trojanische Krieg ist eine griechische Sage über die zehnjährige Belagerung Trojas, die vor allem aus Homers Ilias und Odyssee bekannt ist. Antike Autoren datierten den Fall der Stadt zwischen 1334 und 1135 v. Chr. Ob es den Krieg gab, ist umstritten; die Stadt selbst lag sehr wahrscheinlich auf dem Hügel Hisarlık in der heutigen Türkei.

Paris raubt Helena, die Griechen segeln los, zehn Jahre lang belagern sie Troja: So erzählt die griechische Sage den Trojanischen Krieg [3]. Die Stadt dazu gab es. Sie lag sehr wahrscheinlich auf dem Siedlungshügel Hisarlık nahe den Dardanellen in der türkischen Provinz Çanakkale [2, 7]. Ob dort auch der Krieg der Sage stattfand, ist bis heute umstritten [3].
Die Sage in Kürze
Am Anfang steht ein Streit unter Göttinnen. Eris, die Göttin der Zwietracht, warf einen goldenen Apfel unter die Gäste einer Hochzeit, und der trojanische Prinz Paris sollte entscheiden, wem er zusteht [3]. Er gab ihn Aphrodite, die ihm dafür Helena versprochen hatte, die Frau des spartanischen Königs Menelaos [3]. Die Entführung Helenas nach Troja gilt in der Sage als Auslöser des Krieges [3]. Es gibt auch abweichende Fassungen. Bei Stesichoros und Euripides kam nur ein Trugbild Helenas nach Troja, während die echte Helena in Ägypten war [3].
Die Vorgeschichte stand in einem Epos namens Kyprien, das verloren ist [3]. Die Sage kennt man deshalb aus mehreren Werken, die einzeln nur Ausschnitte erzählen: Homers Ilias und Odyssee, die übrigen Epen des sogenannten Epischen Zyklus, Vergils Aeneis und zwei spätlateinische Texte, die unter den Namen Dictys Cretensis und Dares Phrygius überliefert sind [3].
Was die Ilias erzählt
Die Ilias umfasst 15.693 Verse in 24 Gesängen [4]. Von den zehn Jahren der Belagerung berichtet sie nur über 51 Tage [3]. Ihr Thema ist der Zorn des Achilleus, der in dieser kurzen Handlungszeit immer weitere Kreise zieht [4]. Den Fall Trojas schildert sie nicht. Die Verse sind daktylische Hexameter, und die Sprache wurde wohl mündlich mit festen Formeln und Wiederholungen gestaltet [4]. Sänger, die Aöden, trugen solche Stoffe an Fürstenhöfen und bei Festen aus dem Gedächtnis vor [4].
Wann die Ilias entstand, ist nicht genau bekannt. Heute wird sie meist ins 8. oder 7. Jahrhundert v. Chr. datiert [4]. Eine verbreitete Einordnung setzt sie in die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. [4]. Der Altphilologe Martin L. West vertrat eine spätere Datierung und hielt die Jahre 660 bis 650 v. Chr. für möglich [4]. Zwischen den Ereignissen, auf die sich die Sage bezieht, und der Niederschrift liegen damit mehrere Jahrhunderte. Auch im Aufbau unterscheiden sich die beiden Epen: Die Ilias erzählt eher geradlinig, die Odyssee verschränkt mehrere Erzählstränge [4].
Das Trojanische Pferd
Die bekannteste Szene der ganzen Sage steht nicht in der Ilias. Das hölzerne Pferd wird in der Odyssee im vierten und achten Gesang erwähnt, ausführlich erzählt es Vergil im zweiten Buch der Aeneis [5]. Dazu kam ein Epos über den Fall Trojas, die Iliupersis, das zum Epischen Zyklus gehörte [5]. Gebaut hat das Pferd nach der Sage Epeios, dem Athene im Traum Hilfe versprochen hatte [5].

Die Trojaner zogen das Pferd in ihre Stadt, weil der Grieche Sinon ihnen weismachte, es sei ein Weihgeschenk für Athene [5]. Der Priester Laokoon warnte vergeblich [5]. Seine Warnung ist als lateinisches Sprichwort bekannt: "Timeo Danaos et dona ferentes", "Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen" [5].
Wie die Geschichte vom Pferd entstand, ist offen. Diskutiert werden ein Rammbock, dessen Name in der mündlichen Überlieferung verändert worden sein könnte, ein Erdbeben, weil Poseidon zugleich Gott der Pferde und der Erdbeben war, und eine frühe Bezeichnung für Schiffe als "hölzernes Pferd" [5].
Wann soll der Krieg gewesen sein?
Schon die antiken Autoren waren sich nicht einig. Sie setzten den Fall Trojas zwischen 1334 und 1135 v. Chr. an [3]. Duris nannte 1334, Herodot etwa 1230, Eratosthenes 1184/1183 und Ephoros 1135 v. Chr. [3]. Die heutige Forschung verlegt den Krieg, falls es ihn gab, ins 13. oder 12. Jahrhundert v. Chr. [3].
Hisarlık und seine Schichten
Hisarlık ist ein 15 Meter hoher Siedlungshügel [2]. In ihm liegen Reste von mehr als zehn Siedlungsschichten übereinander, die älteste stammt aus der frühen Bronzezeit [1]. Die Forschung zählt sie als Troia I bis X, Troia X war ein byzantinischer Bischofssitz bis ins frühe Mittelalter [2]. Die Universität Tübingen datiert die bronzezeitlichen Siedlungen insgesamt auf etwa 3000 bis 950 v. Chr. [7]. Für die einzelnen Schichten nennt eine Übersicht der Wikipedia diese Zeiträume [2]:

| Schicht | Zeitraum |
|---|---|
| Troia I | etwa 3000 bis 2500 v. Chr. [2] |
| Troia II | etwa 2500 bis 2300 v. Chr. [2] |
| Troia III bis V | etwa 2300 bis 1700 v. Chr. [2] |
| Troia VI | etwa 1700 bis 1250 v. Chr. [2] |
| Troia VIIa | etwa 1250 bis 1180 v. Chr. [2] |
| Troia VIIb | etwa 1180 bis 1000 v. Chr. [2] |
| Troia VIII | etwa 1000 bis 85 v. Chr. [2] |
| Troia IX | 85 v. Chr. bis 400 oder 600 n. Chr. [2] |
Die Angaben schwanken je nach Quelle. Planet Wissen datiert Troia I auf etwa 2920 bis 2450 v. Chr. [1]. Wie die Bronzezeit insgesamt verlief, erklärt der Artikel Die Bronzezeit.
Die Ausgrabungen von Schliemann bis heute
Heinrich Schliemann kam am 9. August 1868 in die Troas und grub nach Angaben der Universität Tübingen von 1870 bis 1890 in Hisarlık, die Wikipedia nennt 1871 als Beginn der Ausgrabungen [2, 3, 7]. 1873 verkündete er, Troja gefunden zu haben, und entdeckte im selben Jahr den sogenannten Schatz des Priamos [2]. Der Schatz ist nach heutigem Stand etwa 1000 Jahre älter als der Trojanische Krieg [2]. Er wurde in Berlin gezeigt, kam nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sowjetunion und ist seit 1996 im Moskauer Puschkin-Museum ausgestellt [2]. Homers Troja vermutete Schliemann in der Schicht II [1].

Sein Mitarbeiter Wilhelm Dörpfeld zeigte, dass das bronzezeitliche Troja der Schicht VI entspricht, und hielt diese für die Stadt Homers [1, 2]. Von 1932 bis 1938 leitete Carl Blegen die Grabungen der University of Cincinnati [1, 6]. Er sah in Troia VIIa die homerische Stadt [2].
Nach einer Pause von 50 Jahren begann 1988 ein internationales Team unter dem Tübinger Prähistoriker Manfred Korfmann neu zu graben (Vorarbeiten der Universität Tübingen laufen seit 1987) [1, 2, 7]. Zwischen 1988 und 2002 grub dort auch die University of Cincinnati unter C. Brian Rose [6]. 1992 zeigten geomagnetische Messungen eine ausgedehnte Unterstadt unterhalb der Burg [2]. Nach Korfmanns Team hätten darin etwa 10.000 Menschen Platz gehabt [1]. Für Troia VI schützte ein Graben rund 400 Meter südlich der Burg eine Fläche von etwa 25 bis 35 Hektar, wie weit die Unterstadt tatsächlich reichte, ist aber unklar [2]. 2001 kam es zu einem heftigen Streit mit Althistorikern, die der Stadt eine viel geringere Bedeutung zumaßen [1]. Nach Korfmanns Tod im August 2005 übernahm Ernst Pernicka die Leitung und führte die Grabungen der Universität Tübingen bis 2012 fort [2, 7]. Seit 1998 gehört Troja zum Welterbe der UNESCO [2].
Gab es den Krieg wirklich?
Die Archäologie kennt zwei Zerstörungen, die in Frage kommen. Troia VI endete nach der Tabelle oben um 1250 v. Chr., an anderer Stelle nennt dieselbe Wikipedia-Übersicht um 1300 v. Chr. Ob ein Erdbeben oder eine Eroberung die Ursache war, ist unsicher [2]. Troia VIIa nahm ein vermutlich gewaltsames Ende, das meist auf etwa 1180 v. Chr. oder später datiert wird [2]. Planet Wissen setzt das abrupte Ende der Blütezeit des bronzezeitlichen Troja zwischen 1190 und 1180 v. Chr. an [1]. Korfmanns Team fand dazu Spuren eines großen Brandes und von Zerstörung [1].
Hinzu kommen schriftliche Quellen der Hethiter. Sie nennen zwischen etwa 1400 und 1200 v. Chr. einen Ort namens Wiluša, den Paul Kretschmer 1924 mit Ilios gleichsetzte, dem griechischen Namen Trojas [2]. Um 1280 v. Chr. schloss der hethitische Großkönig Muwatalli II. einen Vertrag mit König Alaksandu von Wiluša. Danach war die Stadt ein Vasall der Hethiter [1]. Der Philologe Joachim Latacz hält Troja und Wiluša "mit großer Wahrscheinlichkeit" für identisch, es gibt aber auch Einwände gegen die Gleichsetzung [2]. Ein Siegel mit luwischen Hieroglyphen, 1995 gefunden und in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts v. Chr. datiert, gilt als wichtigster Fund für eine Verbindung zu den Hethitern [2]. Mehr zu diesem Reich steht im Artikel Die Hethiter.
Ob die Sage einen echten Krieg spiegelt oder Dichtung ist, war Gegenstand der sogenannten Tübinger Troja-Debatte und bleibt umstritten [3]. Wie groß und bedeutend die Stadt war, ist seit dem Streit von 2001 eine eigene Frage. Korfmanns Team ging nach dem Fund der Unterstadt von einer deutlich größeren Stadt aus, als lange angenommen, seine Kritiker unter den Althistorikern maßen ihr eine weitaus geringere Rolle bei [1].
Spätere Fassungen der Sage
Die Sage wurde nach Homer immer wieder neu erzählt. Im zweiten Buch der Aeneis rät der Seher Kalchas den Griechen, Troja mit einer List statt mit Gewalt zu nehmen [5]. Spätere Dichter griffen den Stoff ebenfalls auf, etwa Quintus von Smyrna in seinen Posthomerica und Triphiodoros in einem Gedicht über die Einnahme Ilions [5]. Wie Rom entstand und sich entwickelte, erklärt der Artikel Das Römische Reich. Zur griechischen Welt, aus der Ilias und Odyssee stammen, führt Das antike Griechenland, zu Bildern und Bauten der Zeit Kunst der Antike.
Die wichtigsten Daten
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| um 1280 v. Chr. | Vertrag zwischen Muwatalli II. und Alaksandu von Wiluša [1] |
| um 1180 v. Chr. oder später | gewaltsames Ende von Troia VIIa [2] |
| 1184/1183 v. Chr. | Fall Trojas nach der Berechnung des Eratosthenes [3] |
| 8. oder 7. Jahrhundert v. Chr. | Entstehung der Ilias nach heutiger Datierung [4] |
| 1870 oder 1871 | Schliemann beginnt in Hisarlık zu graben (Tübingen 1870, Wikipedia 1871) [3, 7] |
| 1873 | Fund des sogenannten Schatzes des Priamos [2] |
| 1932 bis 1938 | Grabungen unter Carl Blegen [6] |
| 1988 | Neubeginn der Grabungen unter Manfred Korfmann [2] |
| 1998 | Aufnahme ins Welterbe der UNESCO [2] |
- Ausgrabungen in Troja: ein archäologisches Puzzle (Gregor Delvaux de Fenffe). Planet Wissen, WDR. Stand 22.01.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Troja. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Trojanischer Krieg. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ilias. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Trojanisches Pferd. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation UC has connection to city of legend behind "Odyssey". University of Cincinnati. Stand 07.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Troia. Eberhard Karls Universität Tübingen, Abteilung Jüngere Urgeschichte. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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