Antike und AltertumRatgeber
Das Römische Reich: von der Stadt am Tiber zum Weltreich
Das Römische Reich ist das Gebiet, das der römische Staat zwischen dem 8. Jahrhundert v. Chr. und dem 7. Jahrhundert n. Chr. beherrschte. Aus einer Stadt in Mittelitalien wurde erst eine Republik, ab 27 v. Chr. ein Kaiserreich, das unter Trajan um 117 seine größte Ausdehnung erreichte. Der Westen endete 476 mit der Absetzung des Romulus Augustulus, der Osten bestand bis 1453.

Mit dem Römischen Reich, lateinisch Imperium Romanum, ist das Gebiet gemeint, das der römische Staat zwischen dem 8. Jahrhundert v. Chr. und dem 7. Jahrhundert n. Chr. beherrschte [1]. Eine scharfe Grenze zur Vorzeit und zum Byzantinischen Reich lässt sich nicht ziehen [1]. Seit Augustus lautete die amtliche Bezeichnung des Staates S.P.Q.R., "Senat und Volk von Rom" [1]. In seiner größten Ausdehnung reichte das Reich von Britannien bis Mesopotamien [1].
Gründung und Königszeit
Wann Rom gegründet wurde, wussten schon die antiken Autoren nicht genau. Die Überlieferung nennt Jahre zwischen 814 und 728 v. Chr., meist um 750 v. Chr. [1]. Das bekannte Jahr 753 v. Chr., von dem aus die Römer "ab urbe condita", also seit Gründung der Stadt, zählten, geht auf den Gelehrten Varro zurück [1]. Archäologisch lassen sich die frühesten Hinweise auf eine Stadtanlage erst ins späte 7. Jahrhundert v. Chr. datieren [1].
Nach der Überlieferung herrschten zuerst Könige über Rom, später geriet die Stadt unter etruskische Herrschaft [1]. Über diese Frühzeit ist wenig sicher, weil kaum zeitgenössische Quellen erhalten sind [1].
Die Republik
Für den Beginn der Republik nennt die römische Überlieferung das Jahr 509 v. Chr. Dieses Datum gilt als historisch nicht gesichert, ein Übergang um 450 v. Chr. wird eher angenommen [1]. An der Spitze standen zwei Konsuln, die jedes Jahr neu gewählt wurden [1]. Der Senat entwickelte sich zum eigentlichen Machtzentrum, daneben gab es Volksversammlungen, die Comitia [1]. Das Zwölftafelgesetz entstand durch zwei Kommissionen von zehn Männern, die 451 und 450 v. Chr. gewählt wurden, und wurde 449 v. Chr. unter den Konsuln Valerius und Horatius veröffentlicht [12]. Wie sich daraus das römische Rechtsdenken entwickelte, beschreibt der Artikel über das römische Recht.

Rund 150 Jahre lang stritten Patrizier und Plebejer um politische Rechte [1]. Diese Ständekämpfe endeten damit, dass die Plebejer 367 v. Chr. politisch nahezu gleichgestellt wurden [1]. Die neue Führungsschicht, die daraus hervorging, heißt Nobilität [1].
Von Italien zum Mittelmeer
Schritt für Schritt dehnte Rom seine Macht über Italien aus. 396 v. Chr. eroberte es die etruskische Stadt Veji [1]. Um 387 v. Chr. erlitt es an der Allia eine schwere Niederlage gegen die Gallier [1]. Im 3. Jahrhundert v. Chr. kam der größte Teil der Halbinsel unter römische Herrschaft, um 275 v. Chr. auch die griechischen Städte im Süden [1].
Danach stieß Rom mit Karthago zusammen. In drei Kriegen, den Punischen Kriegen, setzte es sich durch [1]. Die Geschichte der Stadt in Nordafrika steht im Artikel über Karthago.
| Krieg | Zeit | Ereignisse |
|---|---|---|
| 1. Punischer Krieg | 264 bis 241 v. Chr. | Rom gegen Karthago [1] |
| 2. Punischer Krieg | 218 bis 201 v. Chr. | Niederlage bei Cannae 216 v. Chr., römischer Sieg bei Zama 202 v. Chr. [1] |
| 3. Punischer Krieg | 149 bis 146 v. Chr. | Rom gegen Karthago, letzter der drei Kriege [1] |
Krise und Bürgerkriege
Die Krise der Republik begann 133 v. Chr. und führte zu einer langen Reihe von Bürgerkriegen [1]. In diese Zeit fällt auch der Sklavenaufstand unter Spartacus von 73 bis 71 v. Chr. [4], dem ein eigener Artikel über Spartacus gewidmet ist.
Gaius Julius Caesar wurde am 15. März 44 v. Chr. ermordet, an den Iden des März [1]. Octavian besiegte 31 v. Chr. bei Actium Marcus Antonius und Kleopatra [1]. Die Seeschlacht fand am 2. September 31 v. Chr. am Ausgang des Ambrakischen Golfs vor der Westküste Griechenlands statt, Octavians Flotte führte Marcus Agrippa [7]. Im folgenden Jahr marschierte Octavian in Ägypten ein, nahm am 1. August 30 v. Chr. Alexandria und machte das Land zur Provinz Aegyptus unter einem Präfekten aus dem Ritterstand [7].
Das Kaiserreich unter Augustus
Am 16. Januar 27 v. Chr. erhielt Octavian den Ehrennamen Augustus [1, 11]. Seine Herrschaftsform heißt Prinzipat [1]. Die Ämter der Republik bestanden formal weiter, wurden aber immer mehr zu Verwaltungsposten [1]. Augustus teilte die Provinzen in kaiserliche und senatorische auf [1]. Sein Leben beschreibt der Artikel über Augustus.
Auch die Bibel nennt den ersten Kaiser. Das Lukasevangelium beginnt die Weihnachtsgeschichte mit dem Satz, es sei ein Gebot "von dem Kaiser Augustus" ausgegangen, "daß alle Welt geschätzt würde" (Lutherbibel 1912) [3]. Wie die Evangelien die Geburt Jesu erzählen, steht auf bibel.domain-root.de im Beitrag Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas und Matthäus.
Größte Ausdehnung und Alltag im Reich
Seine größte Ausdehnung erreichte das Reich um 117 unter Kaiser Trajan, von Britannien bis Mesopotamien und von Schottland bis Nubien [1]. Trajan hatte 115 Armenien annektiert und Mesopotamien erobert. Nach seinem Tod am 7. August 117 gab sein Nachfolger Hadrian alle Eroberungen östlich des Euphrat wieder auf [9]. Der Historiker Kyle Harper schätzt die Einwohnerzahl um die Mitte des 2. Jahrhunderts auf etwa 75 Millionen, andere Schätzungen gehen bis 100 Millionen [1]. Um 150 n. Chr. lebte nach diesen Schätzungen rund ein Drittel der Weltbevölkerung im Römischen Reich [1]. Rom selbst hatte in seiner Blütezeit vermutlich mindestens eine Million Einwohner, Alexandria etwa 500.000 [1]. Antiochia, Karthago, Ephesus und Salona hatten jeweils mehr als 100.000 Einwohner [1]. Bis 2016 hat die Forschung im Reich 1.388 städtische Siedlungen nachgewiesen [1].

Grundlage der Wirtschaft war die Landwirtschaft auf großen Gütern, den Latifundien [1]. Handel und Handwerk kamen hinzu, und das Handelsnetz reichte bis nach Indien [1]. Sklaverei gehörte zum Alltag. In Pompeji waren bis zu einem Viertel der Einwohner Sklaven [1]. Latein war im ganzen Reich Amtssprache, im Osten ergänzt durch Griechisch [1]. Kaiser Caracalla verlieh 212 mit der Constitutio Antoniniana allen freien Bewohnern des Reiches das Bürgerrecht, ausgenommen nur die sogenannten Dediticii [1, 8].
Der Limes und die Grenze in Germanien
Im Jahr 9 n. Chr. besiegten germanische Krieger unter dem Cherusker Arminius drei römische Legionen [5]. Die Gegend um Kalkriese im Landkreis Osnabrück wird seit 1989 archäologisch erforscht [5]. Viele Argumente sprechen nach Angaben des dortigen Museums dafür, dass Kalkriese ein Schauplatz der Varusschlacht war [5]. Die meisten Hinweise auf Kämpfe zwischen Römern und Germanen fanden die Archäologen seit 1990 auf einem Gelände namens Oberesch [5, 10]. Rom gab Germanien nicht sofort auf: Mit acht Legionen wollte das Imperium seine Macht dort zurückerobern [5].

Später sicherte Rom die Grenze mit dem Obergermanisch-Raetischen Limes. Er markiert die größte Ausdehnung der Provinzen Obergermanien und Raetien und erstreckt sich über rund 550 Kilometer durch vier Bundesländer [2]. Zum Denkmal gehören etwa 120 größere und kleinere Kastellorte, knapp 900 Wachttürme sowie Palisade, Graben und Mauer [2]. Seit dem 15. Juli 2005 ist der Limes UNESCO-Welterbe, zusammen mit dem Hadrianswall in England, der seit 1987 auf der Liste steht, unter dem Titel "Grenzen des Römischen Reiches" [2].
Krise des 3. Jahrhunderts und Teilung
Von 235 bis 284 regierten die sogenannten Soldatenkaiser, oft nur wenige Jahre [1]. 260 geriet Kaiser Valerian nach einer Niederlage gegen die Sassaniden in Gefangenschaft [1]. Diokletian, ab 284 Kaiser, ordnete das Reich neu und schuf die Tetrarchie mit zwei Augusti und zwei Caesares [1]. Unter ihm entstand außerdem eine zweistufige Verwaltung aus Diözesen und Provinzen [1]. Konstantin wurde 306 ausgerufen, herrschte ab 324 allein, förderte das Christentum und machte Konstantinopel zur neuen Hauptstadt [1]. Seine Förderung der Kirche heißt in der Forschung konstantinische Wende [1]. Die Spätantike gilt insgesamt als Zeit, in der der Staat zentraler und bürokratischer wurde [1]. Wie sich das Reich in dieser Zeit veränderte, beschreibt der Artikel über die Spätantike.
Nach dem Tod von Kaiser Theodosius I. im Jahr 395 teilten seine Söhne das Reich endgültig: Honorius übernahm den Westen, Arcadius den Osten [1]. Der Gedanke eines einzigen Reiches blieb dabei bestehen [1].
Schon vorher hatte eine Niederlage die Lage verändert. Am 9. August 378 schlug ein Heer aus Terwingen, Greutungen, Alanen, Hunnen und kleineren Gruppen unter Fritigern die Römer bei Adrianopel, dem heutigen Edirne [6]. Kaiser Valens fiel in der Schlacht [6]. Sein Nachfolger Theodosius musste den Siegern und ihren Verbündeten Land anbieten [6]. Das Heer bestand in dieser Zeit zum größten Teil nicht mehr aus römischen Bürgern, und leere Kassen begrenzten seine Stärke [1].
Das Ende im Westen, der Osten bis 1453
476 setzte Odoaker den Kaiser Romulus Augustulus ab [1]. Dieses Jahr gilt traditionell als Ende des Weströmischen Reiches [1]. Als letzter anerkannter Westkaiser gilt allerdings Julius Nepos, weshalb manche Darstellungen 480 als Enddatum nennen [1]. Das Oströmische Reich bestand bis 1453 [1].
Vieles aus dem Reich blieb. Aus dem Lateinischen entstanden die romanischen Sprachen, und Latein wird bis heute in der katholischen Kirche und in Fächern wie Biologie und Medizin verwendet [1]. Das Corpus iuris civilis aus dem 6. Jahrhundert bewahrte das römische Recht, das bis heute das Zivilrecht in Kontinentaleuropa prägt [1].
- Römisches Reich. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 20 Jahre Welterbe: Limes und Römerkastelle (Jubiläumsprogramm). Staatliche Schlösser und Gärten Hessen. Stand 2025. abgerufen am 29.10.2026
- Lukas 2 (Lutherbibel 1912). eBible.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Spartacus. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Die Varusschlacht. Varusschlacht im Osnabrücker Land, Museum und Park Kalkriese. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Jona Lendering: Adrianople (378 CE). Livius.org. Stand 10.08.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Schlacht bei Actium. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Caracalla (Zeittafel). Livius.org (Jona Lendering). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Trajan (Zeittafel). Livius.org (Jona Lendering). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Park und Architektur. Varusschlacht im Osnabrücker Land, Museum und Park Kalkriese. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Augustus (Zeittafel). Livius.org (Jona Lendering). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Lex XII Tabularum (Smith's Dictionary of Greek and Roman Antiquities). University of Chicago, LacusCurtius. Stand 1875. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
AntikeDas römische RechtWie das römische Recht entstand, was Zwölftafelgesetz, Prätor und Juristen beitrugen, was Justinians Corpus iuris civilis …
AntikeKarthagoKarthago war die führende Seemacht im westlichen Mittelmeer, bis Rom die Stadt 146 v.
AntikeSpartacusWie der Thraker Spartacus mit einigen Dutzend Gladiatoren aus Capua floh, mehrere römische Heere schlug und 71 v.