Das MittelalterRatgeber

Deutschland im Mittelalter: Ottonen, Salier und Staufer

Die deutsche Geschichte des Mittelalters beginnt mit dem Ostfrankenreich, das 843 aus der Teilung des Frankenreichs hervorging. Nacheinander herrschten die Ottonen, die Salier und die Staufer, Otto I. wurde 962 Kaiser. Nach dem Interregnum regelte die Goldene Bulle von 1356 die Wahl des Königs durch sieben Kurfürsten.

Eine mittelalterliche Steinburg auf einem bewaldeten Hügel über einem Flusstal im herbstlichen Morgennebel
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Ein Deutschland im heutigen Sinn gab es im Mittelalter nicht. Die Geschichte des Reiches, aus dem es später hervorging, beginnt mit der Teilung des Frankenreichs im Vertrag von Verdun 843. Ludwig der Deutsche erhielt damals das Ostfrankenreich [10]. Das Schülerlexikon Geschichte sieht in dieser Teilung die Grundlage für die spätere Entstehung Deutschlands und Frankreichs [10]. Im Osten folgten auf die Karolinger nacheinander drei große Herrscherhäuser: die Ottonen, die Salier und die Staufer. 962 wurde mit Otto I. erstmals ein König aus diesem Reich Kaiser [3].

Vom Ostfrankenreich zu den Ottonen

Die ostfränkischen Karolinger starben 911 aus [1]. 919 wurde mit Heinrich I. ein Herzog von Sachsen aus dem Geschlecht der Liudolfinger König [2]. Nach seinem Sohn Otto heißt die Familie auch Ottonen. Wie das Frankenreich zerfiel, erzählt der Artikel Das Fränkische Reich.

Heinrich I. regierte von 919 bis 936 [2]. 928/29 besiegte er die Slawen, eroberte Brandenburg und gründete die Burg Meißen [2]. Wer heute auf dem Elberadweg unterwegs ist, kommt dort vorbei: Meißen mit dem Rad. 933 schlug Heinrich die einfallenden Ungarn bei Riade an der Unstrut, 934 besiegte er die Dänen und erneuerte die Dänische Mark zwischen Eider und Schlei [2]. Er starb am 2. Juli 936 in Memleben [2, 14].

Otto der Große und die Kaiserkrone

Heinrichs Sohn Otto I. wurde 912 geboren, nach wissen.de am 23. November, nach der Neuen Deutschen Biographie am 22. November [3, 13]. Sein Vater hatte ihn zum Nachfolger bestimmt, 936 wurde er in Aachen gewählt und gekrönt [3]. In den ersten Jahren musste er sich gegen die Herzöge durchsetzen. Aus den Kämpfen von 937 bis 939 und 941 ging er als Sieger hervor und vergab die Herzogtümer an Verwandte und Getreue [3].

Eine weite Grasebene an einem Fluss unter einem dramatischen Abendhimmel mit einigen alten Bäumen
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951 zog Otto über die Alpen, übernahm die langobardische Königskrone und heiratete in Pavia Adelheid von Burgund [3]. 955 siegte er auf dem Lechfeld über die Ungarn und beendete damit deren Einfälle [3]. 961 zog er auf Bitten des Papsttums ein zweites Mal nach Italien, 962 folgte die Kaiserkrönung [3]. 968 wurde Magdeburg Erzbistum [3]. Otto baute die Reichskirche zu einer Stütze der königlichen Macht aus [3]. Nach der Neuen Deutschen Biographie gilt er als Begründer des ottonisch-salischen Reichskirchensystems [13]. Er starb am 7. Mai 973 in Memleben [3]. Seine Stadt Magdeburg stellt die Seite Magdeburg mit dem Rad vor. Mit Ottos Kaiserkrönung beginnt die Geschichte, die der Artikel Das Heilige Römische Reich weitererzählt.

Die Salier und der Investiturstreit

Von 1024 bis 1125 regierten die Salier, Planet Wissen nennt diese Zeit das "salische Jahrhundert" [4]. Konrad II. wurde im September 1024 mit 24 Jahren in Mainz zum König gewählt, im März 1027 krönte man ihn in Rom zum Kaiser [4]. Er ließ in Speyer einen Dom bauen und bestimmte ihn zur Grablege seiner Familie. Als er 1039 in Utrecht starb, wurde er in Speyer beigesetzt [4]. Sein Nachfolger Heinrich III. starb mit 39 Jahren in der Königspfalz Bodfeld im Harz [4].

Schneebedeckte Ruinen einer mittelalterlichen Burg auf einem felsigen Hügel im fahlen Winterlicht
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Heinrich IV. herrschte rund 50 Jahre [4]. In seine Zeit fällt der Investiturstreit, der Kampf um die Frage, wer die Bischöfe einsetzen durfte. Papst Gregor VII. verbot 1075 die Einsetzung durch Laien, zunächst nur für den deutschen König, nach dem Bruch mit Heinrich 1078 allgemein. Bei Verstoß drohte der Ausschluss aus der Kirche [5]. Anlass war die umstrittene Neubesetzung des Mailänder Bischofsstuhls [5].

Papst Gregor VII. hatte Heinrich gebannt [4]. Im Winter 1076/77 zog der König unter harten Bedingungen über die Alpen und bat im Büßerhemd um Lossprechung [4]. Das Lexikon von wissen.de datiert diesen Gang nach Canossa auf 1077 [5]. Beigelegt war der Streit damit nicht, 1078 kam es zum Bruch zwischen Papst und König [5]. Sein Sohn Heinrich V. setzte ihn mit einer List ab [4]. Heinrich IV. starb im August 1106 in Lüttich und wurde erst 1111, nach Aufhebung des Banns, in Speyer bestattet [4]. Beendet wurde der Konflikt 1122 durch das Wormser Konkordat [5]. Ähnliche Kompromisse hatte es zuvor mit Frankreich 1104 und England 1107 gegeben: Die Könige verzichteten auf die Investitur mit Ring und Stab, behielten aber die Belehnung mit dem Kirchenbesitz und den Treueid [5].

Die Staufer

Die Staufer waren ein schwäbisches Fürstengeschlecht und stellten von 1138 bis 1254 deutsche Könige und Kaiser [6]. Der erste sicher belegte Staufer war Friedrich von Büren. Sein Sohn Friedrich heiratete eine Tochter Heinrichs IV., erhielt 1079 das Herzogtum Schwaben und baute die Burg Hohenstaufen [6]. 1138 kam mit Konrad III. der erste Staufer auf den Thron [6].

Friedrich I., wegen seines rotblonden Bartes Barbarossa genannt, war seit 1147 Herzog von Schwaben. 1152 wurde er zum König gewählt, 1155 krönte ihn Papst Hadrian IV. zum Kaiser [7, 16]. Den Streit mit dem Welfen Heinrich dem Löwen legte er 1152 bei und gab ihm 1154 das Herzogtum Bayern [7]. 1156 wurde Österreich durch das Privilegium minus ein eigenes Herzogtum [7, 16]. Mit den lombardischen Städten Oberitaliens lag er immer wieder im Krieg. 1162 ließ er Mailand zerstören, 1176 verlor er die Schlacht bei Legnano, es folgten der Frieden von Venedig 1177 und der Frieden von Konstanz 1183 [7]. Auch mit dem Papsttum gab es Streit: Auf dem Reichstag von Besançon 1157 entzündete er sich am Wort "beneficium", von 1159 bis 1177 dauerte ein Schisma der Kirche [7]. 1178 ließ sich Friedrich zum König von Burgund krönen [7]. Auf dem Dritten Kreuzzug ertrank er 1190 im Fluss Saleph in Kleinasien [7, 16]. Die heutige Forschung beurteilt seine Politik nüchterner als der spätere Mythos, denn die Lombarden unterwarf er nicht, und der Streit mit den Welfen blieb [7]. Um seine Person entstand später die Sage vom Kaiser im Kyffhäuser [7]. Sein Leben erzählt das Lebensbild Friedrich I. Barbarossa.

Auf Barbarossa folgte Heinrich VI., der von 1190 bis 1197 regierte [6]. Nach ihm schwächte der Thronstreit zwischen Philipp von Schwaben und dem Welfen Otto IV. die Macht der Familie. Philipp starb 1208 [6]. Unter Friedrich II., König von 1212 bis 1250, bauten die Landesfürsten ihre Macht stark aus [6]. Sein Sohn Konrad IV. starb schon 1254. Dessen Sohn Konradin unterlag Karl von Anjou und wurde 1268 enthauptet [6].

Interregnum und Rudolf von Habsburg

Die Jahre nach den Staufern heißen Interregnum, Zwischenherrschaft. Erst nach dem Tod Richards von Cornwall 1272 drängte Papst Gregor X. auf eine neue Wahl [8]. Am 1. Oktober 1273 wählten die Kurfürsten in Frankfurt am Main Rudolf von Habsburg und beendeten damit das Interregnum [8]. Rudolf wurde 1218 auf Schloss Limburg im Breisgau geboren, nach dem Schülerlexikon am 1. Mai [8]. Graf von Habsburg war er nach dem Schülerlexikon seit 1237, nach der Neuen Deutschen Biographie erbte er die Grafschaft 1240 [8, 15]. Am 24. Oktober 1273 krönte ihn der Erzbischof von Köln in Aachen [8].

Rudolf ächtete 1275 König Ottokar II. von Böhmen und besiegte ihn am 26. August 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld bei Dürnkrut [8]. 1282 gab er mit Zustimmung der Kurfürsten Österreich und die Steiermark seinen Söhnen als erbliche Reichslehen. Darauf beruhte der Aufstieg des Hauses Habsburg [8]. Rudolf starb am 15. Juli 1291 in Speyer [8, 15].

Die Goldene Bulle von 1356

Wie der König gewählt wird, regelte erst Kaiser Karl IV. in der Goldenen Bulle. Die ersten 23 Kapitel erließ er Anfang 1356 in Nürnberg, die Kapitel 24 bis 31 Ende 1356 in Metz [9]. Wahlberechtigt waren sieben Kurfürsten aus dem Hochadel. Die Wahl musste nicht mehr einstimmig sein, eine Mehrheit genügte, und der Papst hatte kein Mitspracherecht [9]. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 blieb die Goldene Bulle das wichtigste Verfassungsdokument [9]. Alle sieben Originale sind erhalten, 2013 wurden sie zum Weltdokumentenerbe der UNESCO erklärt [9].

Ein großes Wachssiegel an einer Schnur liegt auf gefaltetem Pergament auf einem dunklen Eichentisch
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Die wichtigsten Daten

JahrEreignis
843Vertrag von Verdun, Ludwig der Deutsche erhält das Ostfrankenreich [10]
911Die ostfränkischen Karolinger sterben aus [1]
919Heinrich I. wird König [2]
955Sieg Ottos I. auf dem Lechfeld [3]
962Kaiserkrönung Ottos I. [3]
1024Konrad II., erster Salier, wird König [4]
1077Heinrich IV. in Canossa [5]
1122Wormser Konkordat [5]
1138Konrad III., erster Staufer, wird König [6]
1190Barbarossa stirbt auf dem Kreuzzug [7]
01.10.1273Wahl Rudolfs von Habsburg, Ende des Interregnums [8]
1356Goldene Bulle Karls IV. [9]

Dome als Zeugen der Zeit

Die Herrscher hinterließen große Kirchenbauten. In Aachen, wo Karl der Große begraben liegt, wurden bis 1531 deutsche Könige gekrönt [11]. Den Dom in Speyer bestimmte Konrad II. zur Grablege der Salier [4]. In Köln legte Erzbischof Konrad von Hochstaden 1248 den Grundstein zur heutigen gotischen Kathedrale, 1322 wurde der Chor geweiht [12]. Um 1520 ruhten die Bauarbeiten für mehr als 300 Jahre [12]. Den Baustil erklärt der Artikel Die Gotik.

  1. Frankenreich (Lexikon). wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Heinrich I., deutscher König (Lexikon). wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Otto I., römisch-deutscher Kaiser (Lexikon). wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Sabine Kaufmann: Die Salier. Planet Wissen, WDR. Stand 14.04.2020. abgerufen am 29.10.2026
  5. Investiturstreit (Lexikon). wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Staufer (Lexikon). wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Friedrich I. Barbarossa (Schülerlexikon Geschichte). Duden Learnattack, lernhelfer.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Rudolf I. von Habsburg (Schülerlexikon Geschichte). Duden Learnattack, lernhelfer.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Goldene Bulle. Deutsche UNESCO-Kommission. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Vertrag von Verdun (Schülerlexikon Geschichte). Duden Learnattack, lernhelfer.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. Organisation Aachener Dom. Deutsche UNESCO-Kommission. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  12. Organisation Matthias Deml: Der Dom kurz und bündig: Kölner Dom. Metropolitankapitel der Hohen Domkirche zu Köln. Stand 04.05.2017. abgerufen am 29.10.2026
  13. Studie Gerd Althoff: Otto I. der Große (Neue Deutsche Biographie 19). Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 1999. abgerufen am 29.10.2026
  14. Studie Helmut Beumann: Heinrich I. (Neue Deutsche Biographie 8). Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 1969. abgerufen am 29.10.2026
  15. Studie Martin Kaufhold: Rudolf I. (Neue Deutsche Biographie 22). Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 2005. abgerufen am 29.10.2026
  16. Studie Hermann Heimpel: Friedrich I. Barbarossa (Neue Deutsche Biographie 5). Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 1961. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.