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Die Gotik: Spitzbogen, Strebewerk und Kathedralen aus Licht
Die Gotik ist ein Baustil des Mittelalters, der ab dem 12. Jahrhundert in der Gegend um Paris entstand und sich über Europa ausbreitete. Spitzbögen, Rippengewölbe und ein äußeres Strebewerk erlaubten hohe Räume mit großen Glasfenstern. Als erster gotischer Bau gilt die Abteikirche Saint-Denis, die Abt Suger ab 1137 umbauen ließ.

Die Gotik entstand im zweiten Drittel des 12. Jahrhunderts in den Kirchenbauten der Île-de-France, der Landschaft um Paris, und breitete sich rasch über weite Teile Europas aus [2]. Die World History Encyclopedia setzt die gotische Zeit grob vom 12. bis zum 16. Jahrhundert an [1]. Ihre Kirchen strebten stark in die Höhe und hatten sehr helle Räume. Möglich machte das ein Zusammenspiel neuer Bauteile, das die massiven Außenmauern auflöste [2]. Den Stil davor beschreibt der Artikel Die Romanik.
Woher der Name Gotik kommt
Den Begriff prägte Giorgio Vasari, der von 1511 bis 1574 lebte, im 16. Jahrhundert als abwertende Bezeichnung. Er brachte den Stil mit den Goten in Verbindung [1]. Erst als im späten 18. Jahrhundert die Neugotik aufkam, wurde der Stil wieder geschätzt [1].
Saint-Denis und die Anfänge
Als Gründungsbau der Gotik gilt die Abteikirche Saint-Denis bei Paris [1, 3]. Ihr Abt Suger lebte von 1081 bis 1151. Er beriet die Könige Ludwig VI. und Ludwig VII. und führte während des Zweiten Kreuzzugs von 1147 bis 1150 die Regentschaft. Abt von Saint-Denis war er seit 1122 [1]. Nach der World History Encyclopedia ließ er die Kirche von 1137 bis 1148 umbauen [1]. Das Schülerlexikon Kunst datiert Fassade und Vorhalle auf 1137 bis 1140 und den Chor mit Umgang und Kapellenkranz auf 1140 bis 1143 [3]. Hochchor, Querhaus und Langhaus erneuerte später der Baumeister Pierre de Montreuil im Rayonnantstil, einer Form der Hochgotik [3]. Saint-Denis war die Grablege fast aller französischen Könige seit dem 8. Jahrhundert [3].
Suger verstand Licht als Abglanz Gottes, der den Geist zum Himmel heben sollte. Er stützte sich dabei auf die Lichtlehre des Pseudo-Dionysius Areopagita [1]. Die Theologen unterschieden lux, das natürliche Sonnenlicht, lumen, das Licht im Zusammenspiel mit der Materie, und splendor, das zurückgeworfene Licht [1]. An den vergoldeten Bronzetüren von Saint-Denis ließ er Verse anbringen, nach denen materielle Schönheit den Geist zur göttlichen Wahrheit führen kann [1]. Die Kathedralen entstanden vor allem in den Bischofsstädten Nordfrankreichs, manche gezielt von der französischen Monarchie gefördert. Sie wurden dort zu Zentren der Macht, und ihre Neuerungen spiegelten einen Wandel in Kirche und Gesellschaft [2]. Der Architekturprofessor Mark Jarzombek vom MIT nannte die westliche Rosette von Saint-Denis "a floating signifier of Heaven", ein schwebendes Zeichen des Himmels [1].
Spitzbogen, Strebewerk und Glas
Der Spitzbogen trug Lasten besser als der runde Bogen der Romanik [1]. Das Rippengewölbe ersetzte die Tonnen- und Kreuzgratgewölbe. Es ruht auf diagonalen Rippen aus Stein, ein Beispiel ist die Kathedrale von Rouen [1]. Außen an der Kirche leiten Strebebögen und Strebepfeiler den Schub der Gewölbe nach außen ab. Dadurch konnten die Wände höher und dünner werden [1]. Aus dem Zusammenspiel dieser Teile entstanden fast ganz durchfensterte Wände und sehr helle Räume [2].

Typisch ist eine Westfassade mit zwei Türmen, drei Portalen und einer großen Rosette in der Mitte [1]. Das Steinwerk in den Fenstern, das Maßwerk, machte größere Fenster möglich [1]. Es schmückte vor allem Fenster und Portale und ließ die Bauten mit den Spitzbögen zierlich wirken [3]. Im 13. Jahrhundert erlaubte das sogenannte Silbergelb klareres Glas [1]. In der Westminster Abbey in London ist die Rosette so groß, dass sie seitlich an die Balustraden stößt [1].
Kathedralen in Frankreich
Die Kathedrale von Chartres hat 167 Glasfenster und nach der World History Encyclopedia das breiteste Kirchenschiff Frankreichs [1]. Die westliche Rosette misst etwa 15,42 Meter im Durchmesser und wurde um 1215 eingesetzt, die nördliche um 1231 [1]. Die Kathedrale von Reims, die Krönungskirche der französischen Könige, entstand von 1211 bis 1300 als dreischiffige Basilika [3]. Ihre Westfassade ist 48,80 Meter hoch, das Langhaus 38 Meter [3]. Das Schülerlexikon nennt sie den Höhepunkt der gotischen Architektur [3]. Das Langhaus der Kathedrale von Amiens ist 43 Meter hoch [3].

In Paris begann 1163 der Bau von Notre-Dame [3, 4]. Nach der Erzdiözese Paris war die Kathedrale 1270 fertig [4], das Schülerlexikon spricht dagegen von rund 150 Jahren Bauzeit [3]. Im 19. Jahrhundert restaurierte sie der Architekt Viollet-le-Duc [4]. In Notre-Dame krönte sich Napoleon Bonaparte zum Kaiser [3]. Am 15. April 2019 brannte sie. Wiedereröffnet wurde sie am 7. Dezember 2024 mit Feiern bis Pfingsten am 8. Juni 2025 [4]. Am Hauptportal ist das Jüngste Gericht dargestellt, links ein Portal der Jungfrau Maria, rechts eines der heiligen Anna [1].
Gotik in Deutschland
Gotische Kirchen entstanden auch in England und im Reich, etwa in Canterbury, Salisbury, Naumburg, Köln und Straßburg [2]. Im heutigen Deutschland wurde der französische Stil nach dem Schülerlexikon erst um 1250 übernommen [3]. Der ottonische Vorgängerbau des Magdeburger Doms brannte 1207 ab. Nach der Domseite legte Erzbischof Albrecht von Käfernburg im September 1207 den Grundstein zum gotischen Neubau [8], die Domgemeinde nennt 1209 als Baubeginn [9], das Schülerlexikon datiert den Beginn nach 1209 [3]. Das Langhaus war 1363 fertig und wurde geweiht, die Türme folgten 1520 [5, 8, 9]. Der Südturm ist 99,25 Meter hoch [5]. Der Dom ist die Grabkirche Ottos des Großen. Otto hatte 937 an dieser Stelle das Kloster St. Mauritius gegründet, 946 wurde dort seine erste Frau Edith bestattet, und 968 wurde Magdeburg Erzbistum [5]. Die Aussichtsplattform des Nordturms liegt in 81,5 Metern Höhe [5]. Wer die Stadt besuchen möchte, findet Hinweise auf der Seite Magdeburg mit dem Rad.
An der Stelle des Kölner Doms stand vorher eine große karolingische Kirche, der Alte Dom, geweiht 873. Erzbischof Rainald von Dassel ließ 1164 die Gebeine der Heiligen Drei Könige aus Mailand nach Köln bringen, und der Dom wurde zu einem der wichtigsten Pilgerorte Europas [6]. 1248 legte Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein zur heutigen Kathedrale. Schon 1322 wurde der Chor geweiht [6]. Um 1520 ruhten die Arbeiten für mehr als 300 Jahre. Der Südturm hatte damals mit 58 Metern ein gutes Drittel seiner heutigen Höhe erreicht, auf seinem Stumpf stand jahrhundertelang ein hölzerner Baukran [6]. 1842 legte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. den Grundstein zur Vollendung. Gebaut wurde nach mittelalterlichen Plänen von etwa 1280/90. Bei der Fertigstellung 1880 war der Dom das höchste Bauwerk der Welt [6]. Zur Ausstattung gehören das Gerokreuz von etwa 970, der Dreikönigenschrein, entstanden etwa von 1190 bis nach 1230, und der Altar der Stadtpatrone von Stefan Lochner, um 1445 [6]. Die Glasfenster stammen aus dem 13. bis 21. Jahrhundert, das Südquerhausfenster nach Entwürfen von Gerhard Richter wurde 2007 eingeweiht [6].
Am Ulmer Münster legte man 1377 den Grundstein unter dem Baumeister Heinrich II. Parler. Seitdem wird der Bau aus Spenden finanziert [7]. Sein Turm wurde erst 1890 vollendet und ist 161,53 Meter hoch, nach Baunetz Wissen der höchste Kirchturm der Welt [7]. Der Stephansdom in Wien wurde ab 1230 als romanischer Bau begonnen, der gotische Chor folgte ab 1304, das Langhaus ab 1349, der Südturm war 1433 fertig [3]. Wie sich die Reiche dieser Zeit entwickelten, erzählt Deutschland im Mittelalter.
Hallenkirchen und Backsteingotik
Typisch für die Spätgotik ist die Hallenkirche, bei der alle Schiffe gleich hoch sind [3]. Auch die Westtürme des Magdeburger Doms ordnet das Schülerlexikon der Spätgotik zu [3].

In Norddeutschland fehlte geeigneter Naturstein. Dort entstand die Backsteingotik, die sich mit der Hanse verbreitete [3]. Die Marienkirche in Lübeck hat ein 40 Meter hohes Langschiff und nach dem Schülerlexikon das höchste Backsteingewölbe der Welt [3]. St. Petri in Rostock wird 1252 erstmals erwähnt. Ihre 117 Meter hohe Turmhaube wurde in den 1990er-Jahren wiederhergestellt [3]. Auch Bürger bauten in diesem Stil: Das Haus "Alter Schwede" in Wismar von 1380 ist das älteste erhaltene Bürgerhaus der Stadt [3]. Den Handelsbund dahinter stellt der Artikel Die Hanse vor.
Wer die Kathedralen baute
Die großen Kirchen entstanden über Generationen. Am Ulmer Münster wurde nach Baunetz Wissen über 500 Jahre gebaut [7]. Beim Kölner Dom hielt man sich bei der Vollendung im 19. Jahrhundert an Pläne, die 600 Jahre zuvor entstanden waren [6]. Der Kölner Dombau ging nach dem Urteil des Domkapitels nahe an die Grenzen dessen, was damals technisch möglich war [6]. Am Ulmer Münster arbeitet bis heute eine eigene Münsterbauhütte, die den Bau erhält. Eine Restaurierung begann 2015, 125 Jahre nach der Vollendung des Turms, und ist auf zehn Jahre angelegt. Rund 2.700 Steine sollen ersetzt und 1.800 instand gesetzt werden [7]. Dafür steht am Turm ein 71 Meter hohes Klettergerüst mit einer Plattform für Steine bis 1,5 Tonnen [7]. Auch in Köln sicherte die Dombauhütte das Gebäude, nach schweren Schäden durch 14 Sprengbomben und zahllose Brandbomben im Zweiten Weltkrieg waren Chor und Querhaus 1948 und das Langhaus 1956 wiederhergestellt [6].
Welcher Stil auf die Gotik folgte, zeigt der Artikel Die Renaissance. Einen Überblick über alle Epochen gibt Kunstgeschichte: die Epochen im Überblick.
- Hillary Smith: Gothic Cathedrals: Architecture and Divine Light. World History Encyclopedia. Stand 08.12.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Gotische Kathedralen (Seminar, Dr. Anke Wunderwald). BTU Cottbus-Senftenberg, Fachgebiet Baugeschichte. Stand WS 2015/16. abgerufen am 29.10.2026
- Gotische Architektur (Schülerlexikon Kunst). Duden Learnattack, lernhelfer.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Notre-Dame de Paris. Diocèse de Paris. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Magdeburger Dom. Structurae. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Matthias Deml: Der Dom kurz und bündig: Kölner Dom. Metropolitankapitel der Hohen Domkirche zu Köln. Stand 04.05.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Ulmer Münster. Baunetz Wissen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Geschichte des Domes: 13. Jahrhundert. Dom zu Magdeburg (Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Dom St. Mauritius und St. Katharina (Zeittafel). Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, Domgemeinde Magdeburg. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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