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Die Romanik: Rundbogen, Gewölbe und Kaiserdome
Die Romanik ist der Kunst- und Baustil Europas, der um 950/960 auf die Vorromanik folgte und in Frankreich ab den 1140er Jahren, nördlich der Alpen erst im 13. Jahrhundert von der Gotik abgelöst wurde. Typisch sind Rundbögen, wuchtige Mauern, kleine Fenster, Würfelkapitelle sowie Tonnen- und Kreuzgratgewölbe. Ein Hauptwerk ist der Dom zu Speyer.

Romanik heißt der Kunst- und Baustil, der in Europa um 950/960 auf die Vorromanik folgte [1]. Die Gotik löste ihn zuerst in Frankreich ab den 1140er Jahren ab, nördlich der Alpen sowie in Spanien und Italien erst im 13. Jahrhundert [1]. Erhalten sind vor allem Kirchen, Klöster und Dome, dazu Buchmalerei, Wandbilder und Bildhauerarbeiten [1].
Woher der Name kommt
Die Baumeister selbst kannten den Begriff nicht. Der Franzose Charles de Gerville (1769 bis 1853) prägte 1818 den Ausdruck "art roman" für den Rundbogenstil [1]. Ein Jahr später verwendete William Gunn in England das Wort "romanesque" [1]. Der Name verweist auf die Verwandtschaft mit der römischen Baukunst, so wie die romanischen Sprachen auf das Lateinische zurückgehen [1]. Wie sich die Stilepochen bis heute folgen, zeigt der Überblick zur Kunstgeschichte.
Die Phasen der Romanik
Die Kunstgeschichte teilt die Epoche grob in drei Abschnitte. Die Grenzen verschieben sich je nach Land um Jahrzehnte, weil sich neue Formen nicht überall gleichzeitig durchsetzten [1].
| Phase | Zeitraum | Beispiele |
|---|---|---|
| Frühromanik | Ende des 10. Jahrhunderts bis um 1080 [1] | Mainzer Dom ab 1009, St. Michael in Hildesheim ab 1010 [1] |
| Hochromanik | ab etwa 1070, in Deutschland ab Ende der 1060er Jahre [1] | Umbau des Speyerer Doms bis 1106 [1, 2] |
| Spätromanik | Beginn je nach Region verschieden [1] | Wormser Dom 1130 bis 1181 [1] |
Merkmale romanischer Bauten
Wer eine romanische Kirche betritt, erkennt sie meist an wenigen Formen. Bögen über Türen, Fenstern und Arkaden sind halbrund, die Fenster sind Rundbogenfenster, die Mauern wuchtig [1]. Säulen tragen blockartige Kapitelle. Eine Grundform vieler Kapitelle ist das Würfelkapitell [1].

Viele Kirchen hatten anfangs flache Holzdecken oder offene Dachstühle. Später wölbten die Baumeister die Räume in Stein, zunächst mit Tonnengewölben, dann mit Kreuzgratgewölben, bei denen sich zwei Tonnen kreuzen [1]. Das Mittelschiff des Speyerer Doms ist mit kuppigen Gewölben gedeckt, damit die Kräfte an den Hochschiffswänden steiler einwirken [1]. Im Westen vieler Kirchen steht ein Westwerk oder Westbau, dazu kommen Türme über der Vierung und an den Seiten [1].
Der Weg zum Rippengewölbe
In England baute man nach der normannischen Eroberung im gleichen Stil. Am Dom von Durham begann der Bau des Chors 1093, und um 1100 entstanden dort die ersten Rippengewölbe [1]. In der Normandie wurde die Abteikirche von Lessay 1106 begonnen und erhielt um 1120 das erste eingewölbte Mittelschiff der Region [1]. Wer die Normannen nach England führte, steht im Lebensbild Wilhelm der Eroberer.
Bautypen: Basilika, Krypta, Doppelchor
Die meisten großen romanischen Kirchen sind Basiliken. Diese Bauform stammt aus der Spätantike und wurde für den Kirchenbau übernommen; in der Romanik entwickelten die Baumeister vor allem das Querschiff weiter [1]. Daneben gab es Hallenkirchen, Emporenbasiliken und Zentralbauten [1]. Unter dem Chor lag oft eine Krypta, in der Heilige und hohe Würdenträger bestattet wurden [1]. Mehrere große Kirchen haben Chöre an beiden Enden. Ein solcher Doppelchor erlaubte es zum Beispiel, verschiedene Schutzheilige an eigenen Altären zu verehren [1]. In Köln entwickelte sich an St. Maria im Kapitol der Trikonchos, ein Chor aus drei halbrunden Konchen in Kleeblattform [1].
Der Dom zu Speyer
Ein Hauptwerk der deutschen Romanik ist der Dom zu Speyer. Kaiser Konrad II. ließ den Bau vermutlich 1025 beginnen, manche Angaben nennen 1024 [2]; das UNESCO-Welterbezentrum gibt 1030 als Gründungsjahr an [5]. 1061 wurde der Dom geweiht [2]. Etwa 20 Jahre nach der Fertigstellung ließ Heinrich IV. die Kirche zur Hälfte abreißen. Das Mittelschiff wurde um rund fünf Meter erhöht und neu eingewölbt, 1106 war der Umbau abgeschlossen [2]. Diesen zweiten Bauabschnitt mit Kreuzgratgewölben im Mittelschiff datiert die deutschsprachige Wikipedia auf etwa 1082 bis 1106 [1].

Der Dom ist 134 Meter lang, die Osttürme sind rund 71 Meter hoch [2]. Er war Grablege der Salier: Heinrich IV. wurde am 7. August 1111 beigesetzt [2]. Am 31. Mai 1689 wurde die Stadt in Brand gesetzt. Das Innere des Doms brannte aus, die westlichen Joche des Langhauses stürzten ein, Krypta und Sakristei blieben verschont [2]. Französische Soldaten plünderten dabei die oberen Kaiser- und Königsgräber. Die tiefer liegenden Gräber der Salier blieben bis auf das Grab Heinrichs V. unberührt [2]. Zwischen 1900 und 1906 wurden die Gräber geöffnet und in einer neuen Gruft zusammengeführt [2]. Seit 1981 steht der Dom auf der Welterbeliste der UNESCO [5]. Welche Rolle die Salier im Reich spielten, steht im Beitrag über das Heilige Römische Reich.
Weitere Bauwerke in Europa
Romanische Kirchen stehen in ganz Europa, und jede Region entwickelte eigene Formen. In Burgund wurde 1088 der Grundstein der dritten Abteikirche von Cluny gelegt [1]. Die Kathedrale von Santiago de Compostela wurde ab 1075 gebaut und später großenteils verändert [1]. Wie Mönche lebten und für wen sie bauten, erklärt der Beitrag über Klöster im Mittelalter.

Im Reich gilt die Kunst unter den Ottonen, die ab 919 regierten, als Beginn der Romanik. Zentren waren Magdeburg und Hildesheim [1]. Im Rheinland entstand ab 1009 der Mainzer Dom des Erzbischofs Willigis. Köln besitzt neben dem gotischen Dom zwölf romanische Basiliken, und der sogenannte Rheinische Übergangsstil hielt sich bis Mitte des 13. Jahrhunderts [1]. In der Normandie stehen in Caen die Abteikirchen St-Étienne und Ste-Trinité, die Abtei Jumièges hat frühromanische Teile [1].
In Oberitalien wurde Sant'Ambrogio in Mailand ab 1100 umgebaut, das Langhaus war 1128 fertig. Dazu kommen die Dome von Parma und Modena [1]. In der Toskana zählen der Dom von Pisa, die Kathedrale von Lucca und Santa Maria della Pieve in Arezzo zu den bekannten Bauten. San Miniato al Monte in Florenz gilt als Werk der Protorenaissance [1].
In Sachsen-Anhalt verbindet die "Straße der Romanik" heute 88 Bauwerke in 73 Städten und Gemeinden. Das Land feierte 2023 ihr 30-jähriges Bestehen [3]. Jährlich besuchen fast zwei Millionen Menschen die Bauten, die an einem roten Schild mit weißen Rundbögen zu erkennen sind [3]. Zu den Orten gehören unter anderem Gernrode, Quedlinburg, Memleben, Naumburg und Magdeburg [3]. Zwischen 2004 und 2022 förderte das Landesverwaltungsamt im Zusammenhang mit den Spuren der ottonischen Kaiser 225 Projekte mit über 16,6 Millionen Euro aus Landes- und Bundesmitteln [3]. Wer mit dem Rad an der Elbe unterwegs ist, kommt durch Magdeburg; Tipps dazu stehen auf der Seite Magdeburg mit dem Rad.
Pfalzen und Burgen
Auch weltliche Bauten der Zeit sind erhalten. In Goslar begann 1005 der Bau der Kaiserpfalz, ab 1030 wurde sie stark ausgebaut; sie steht heute nach Restaurierungen wieder [1]. Von der Wartburg ist der romanische Palas erhalten, von der Kaiserpfalz in Cheb, dem früheren Eger, größere Teile [1]. Die Pfalzen in Gelnhausen und Kaiserswerth sind Ruinen, die Burg Dankwarderode in Braunschweig wurde stark rekonstruiert [1]. Die Burg Trausnitz begann im 12. Jahrhundert als hölzerner Turm [1].
Plastik und Malerei
Die Bildhauer der Romanik arbeiteten vor allem für Kirchen. In Frankreich füllten sie die halbrunden Bogenfelder über den Portalen, das Tympanon, mit figurenreichen Reliefs [1]. Triumphkreuze, Madonnenfiguren und Figuren an den Lettnern schnitzten sie meist aus Holz [1]. Der Braunschweiger Löwe, um 1166 entstanden, gilt als älteste bekannte freistehende Großplastik des Mittelalters nördlich der Alpen [1]. Ebenfalls bekannt ist der Wolframleuchter in Erfurt [1].
Von der Malerei sind vor allem Buchmalerei und Wandbilder erhalten. Die ersten erhaltenen Fenster aus farbigem Glas stammen aus der Mitte des 11. Jahrhunderts [1]. In der Abtei Saint-Savin in Westfrankreich zeigt ein Deckenfresko die Arche Noah [1]. Typisch sind wenig Naturalismus, viel Symbolik und die Bedeutungsperspektive: Wichtige Figuren erscheinen größer als unwichtige, ganz gleich, wo sie im Raum stehen [1].
Der Teppich von Bayeux
Ein berühmtes Werk dieser Zeit ist der Teppich von Bayeux. Er entstand zwischen 1067 und 1079, wahrscheinlich in Werkstätten in Canterbury [4]. Genau genommen ist er eine Stickerei, denn die Bilder sind auf Leinen gestickt und nicht gewebt [4]. Er ist 68,38 Meter lang und 50 Zentimeter breit und zeigt in 58 Szenen die Vorgeschichte der normannischen Eroberung Englands bis zum Sieg Wilhelms über König Harold 1066 bei Hastings [4].
Übergang zur Gotik
Mit dem Chor der Abteikirche Saint-Denis bei Paris, gebaut von 1140 bis 1144, begann in Frankreich die Gotik [1]. In Deutschland setzte sie später ein, um 1180 mit dem Limburger Dom und 1209 mit dem Magdeburger Dom [1]. Eine Zeit lang bestanden beide Stile nebeneinander, daher wirken manche Kirchen halb romanisch und halb gotisch. Spitzbogen, Strebewerk und große Fenster der neuen Epoche erklärt der Beitrag über die Gotik.

| Merkmal | Romanik |
|---|---|
| Bogenform | Rundbogen [1] |
| Wände | wuchtige Mauern [1] |
| Decke | Holzdecke, Tonnen- oder Kreuzgratgewölbe [1] |
| Kapitell | blockartig, oft Würfelkapitell [1] |
| Bauteile | Westwerk oder Westbau, mehrere Türme [1] |
- Romanik. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Speyerer Dom. Structurae. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Pressemitteilung 38/2023: 30 Jahre "Straße der Romanik". Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt. Stand 08.05.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Bayeux Tapestry. World History Encyclopedia. Stand 16.11.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Speyer Cathedral. UNESCO World Heritage Centre. Stand Welterbeliste 1981. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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