Weltregionen und LänderRatgeber
Die Geschichte Afrikas im Überblick
Afrika ist der Kontinent, auf dem die ältesten bekannten Fossilien des Homo sapiens gefunden wurden, rund 300.000 Jahre alt. Hier entstanden Reiche wie Ägypten, Kusch, Karthago, Mali und Groß-Simbabwe, bevor Sklavenhandel und Kolonialherrschaft den Kontinent prägten. Ab 1957 wurden die Kolonien unabhängig, 2002 entstand die Afrikanische Union mit heute 55 Mitgliedstaaten.

Die Afrikanische Union hat heute 55 Mitgliedstaaten [10]. Die Geschichte des Kontinents reicht zurück bis zu den Anfängen unserer Art und umfasst Reiche am Nil, an der Mittelmeerküste, in der Sahelzone und an der Küste des Indischen Ozeans. 1964, als viele afrikanische Staaten unabhängig wurden, begann die UNESCO mit einer Allgemeinen Geschichte Afrikas, die den Kontinent aus afrikanischer Sicht darstellen sollte [11].
Die frühesten Menschen
Die ältesten bekannten Fossilien des Homo sapiens stammen aus Jebel Irhoud in Marokko und sind etwa 300.000 Jahre alt [2]. Ein Team um Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig veröffentlichte die Funde 2017 gemeinsam mit dem marokkanischen Nationalinstitut für Archäologie in Rabat [2]. Sie sind rund 100.000 Jahre älter als die bis dahin ältesten bekannten Funde aus Äthiopien [2]. Wie die Menschen der Steinzeit lebten, beschreibt der Bereich Ur- und Frühgeschichte.
Ägypten und das Reich Kusch am Nil
Nach der Überlieferung des Priesters Manetho eroberte König Menes von Oberägypten um 3150 v. Chr. Unterägypten [3]. Menes wird oft mit dem König Narmer gleichgesetzt, was nicht alle Forschenden teilen [3]. Rund 3.000 Jahre später endete das eigenständige Ägypten: Nach dem Tod Kleopatras VII. im Jahr 30 v. Chr. wurde es römische Provinz [3]. Den Pharaonenstaat stellt der Artikel über das Alte Ägypten vor.

Südlich von Ägypten, im heutigen Sudan, entstand um 2400 v. Chr. die Stadt Kerma, deren Kultur bis etwa 1500 v. Chr. bestand [4]. Ihr Mittelpunkt war ein Lehmziegelbau, die Westliche Deffufa, rund 18 Meter hoch [4]. Das Königreich Kusch mit der Hauptstadt Napata ist ab etwa 1069 v. Chr. belegt [4]. Seine Könige herrschten im 8. Jahrhundert v. Chr. auch über Ägypten: Piye, der von 747 bis 721 v. Chr. regierte, eroberte Unterägypten [4]. Auf ihn folgte Shabaka, der von 721 bis 707 v. Chr. regierte; mit Tantamani endete die Herrschaft der kuschitischen Könige über Ägypten [4]. 666 v. Chr. eroberte der assyrische König Assurbanipal Ägypten [4]. Um 590 v. Chr. zog die Hauptstadt von Kusch nach Meroë, dort regierten zeitweise Königinnen mit dem Titel Kandake [4]. Die meroitische Schrift ist bis heute nicht entziffert [4]. Um 330 n. Chr. plünderten Truppen aus Aksum Meroë, um 350 endete das Reich [4].
Karthago und Nordafrika
Nach der Überlieferung gründeten Phönizier aus Tyros um 814 v. Chr. Karthago [5]. Die Überlieferung nennt die Königin Dido, auch Elissa genannt, als Gründerin, ob sie gelebt hat, ist umstritten [5]. In drei Kriegen zwischen 264 und 146 v. Chr. kämpften Karthago und Rom um die Vorherrschaft im westlichen Mittelmeer [5]. Nach dreijähriger Belagerung zerstörten römische Truppen unter Scipio Aemilianus die Stadt 146 v. Chr. [5]. Mehr dazu steht im Artikel über Karthago.
Reiche und Handel vor der Ankunft der Europäer
Afrika war früh mit anderen Weltregionen verbunden. Nach einigen Quellen sollen Gesandte aus Aksum um 150 v. Chr. China besucht haben, schreibt der Historiker Toby Green vom King's College London [1]. Am Niger dienten im 12. Jahrhundert Kaurischnecken von den Malediven als Zahlungsmittel, in der Sahara fanden Archäologen chinesische Keramik [1]. Etwa ab dem 10. Jahrhundert kauften Händler in Sofala, dem heutigen Beira, Gold aus dem Hochland am Sambesi; Green verbindet diesen Handel mit Groß-Simbabwe und den späteren Reichen Mutapa und Changamire [1].

Aus dem Reich Mali reisten ab dem frühen 14. Jahrhundert jedes Jahr Pilger nach Mekka, der bekannteste von ihnen war Mansa Musa in den Jahren 1324 und 1325 [1]. Prinzen aus dem Reich Jolof in Senegambien besuchten im späten 15. Jahrhundert Portugal, um Militärbündnisse zu schließen [1]. Im späten 15. Jahrhundert waren Elfenbeinschnitzereien der Sapi mit katholischen Bildmotiven in Südeuropa im Umlauf, im 17. Jahrhundert reisten Botschafter aus Kongo und Ndongo in den Vatikan und nach Brasilien [1]. Ghana, Mali, Songhai, Aksum, Kilwa und Groß-Simbabwe stellt der Artikel Afrika im Mittelalter ausführlich vor.
Der transatlantische Sklavenhandel
Mit dem europäischen Kolonialismus entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert der Handel mit versklavten Menschen über den Atlantik [6]. Die UNESCO schätzt, dass auf diesem Weg etwa 17 Millionen Menschen aus Afrika verschleppt wurden, andere Angaben nennen 12 Millionen [6]. Viele starben auf der wochenlangen Überfahrt an Krankheiten, die meisten Verschleppten kamen nach Brasilien [6]. Großbritannien verbot den Sklavenhandel 1807 und die Sklaverei 1833, die USA schafften die Sklaverei 1865 ab [6].
Am 23. August 1791 begann in der französischen Kolonie Saint-Domingue ein Aufstand der Versklavten, aus dem 1804 die unabhängige Republik Haiti hervorging [6]. Seit 1998 erinnert die UNESCO an diesem Tag an den Sklavenhandel und seine Abschaffung [6]. In Westafrika wurde 1792 Freetown gegründet, ab 1808 Stützpunkt eines britischen Marinegeschwaders gegen Sklavenschiffe; zwischen 1808 und 1863 ließen sich dort fast 100.000 befreite Afrikanerinnen und Afrikaner nieder [1]. Den Ablauf des Handels beschreibt der Artikel über den atlantischen Sklavenhandel.
Westafrikanische Staaten im 19. Jahrhundert
Im Gebiet des heutigen Nordnigeria entstand nach einer Dschihad-Bewegung, die Uthman dan Fodio 1804 anführte, das Kalifat von Sokoto [1]. Seine mit Indigo gefärbten Textilien aus Städten wie Kano und Katsina wurden bis nach Brasilien gehandelt [1]. Das Reich Oyo zerfiel 1835 nach einem Aufstand, den Sklaven von Adligen anführten [1]. Asante und Dahomey bestanden dank ihrer Steuereinnahmen bis zum Beginn der Kolonialherrschaft im späten 19. Jahrhundert [1].
Die Kolonialzeit
Vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 tagte in der Berliner Reichskanzlei auf Einladung Otto von Bismarcks die Berliner Afrika-Konferenz, auch Kongo-Konferenz genannt [7]. Eingeladen waren unter anderem Großbritannien, Frankreich, Belgien, Portugal, Italien, Spanien, das Osmanische Reich und die USA, kein einziger afrikanischer Vertreter [7]. Bismarck wollte die Interessen der Mächte ausgleichen, doch das geschah nach dem Bezirksamt Mitte auf Kosten Afrikas [7]. Die Konferenz gilt als Wendepunkt zu einer fast vollständigen Aufteilung Afrikas, unabhängig blieben nur Äthiopien und Liberia [7]. Äthiopien behauptete seine Unabhängigkeit mit einem Sieg: Am 1. März 1896 besiegte das Heer von Kaiser Menelik II. bei Adwa ein italienisches Heer unter General Oreste Baratieri, das von der Kolonie Eritrea aus nach Süden vorgedrungen war [12, 13]. Die Zahl der italienischen Toten ist unsicher: Eine Mission meldete rund 3.600, eine andere Darstellung nennt mehr als 7.000 [12, 13]. Äthiopien blieb damit neben Liberia der einzige unabhängige Staat Afrikas [12].
In Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, überlebten von ursprünglich 60.000 bis 80.000 Herero (auch Ovaherero genannt) den Krieg ab 1904 nur etwa 16.000; die genauen Opferzahlen sind umstritten [8, 14]. Die Überlebenden wurden in Konzentrationslagern interniert und zur Zwangsarbeit herangezogen [8]. Von rund 20.000 Nama kam etwa die Hälfte ums Leben [8]. Die Bundesregierung bezeichnet den Krieg seit 2015 als Völkermord [8]. Die in Namibia gesetzlich anerkannten Vertreter der Herero und Nama sind die Ovaherero Traditional Authorities und die Nama Traditional Leaders Association [14]. Weitere Kolonien und ihre Verwaltung behandelt der Artikel zum Kolonialismus.
Der Weg in die Unabhängigkeit
1945 gab es in Afrika nur drei unabhängige Staaten: Liberia, Äthiopien und Ägypten [9]. Als erste Kolonie südlich der Sahara wurde am 6. März 1957 die Goldküste unabhängig und nannte sich Ghana [9]. Kwame Nkrumah, Vertreter des Panafrikanismus und ab 1960 erster Präsident Ghanas, gab die Richtung mit dem Satz vor: "Lieber Selbstverwaltung mit Gefahr als Knechtschaft in Ruhe" [9]. 1960 wurden 17 afrikanische Kolonien unabhängig, darunter Belgisch-Kongo, die meisten französischen Gebiete südlich der Sahara und Nigeria, die bevölkerungsreichste britische Kolonie [9]. Damit gab es 26 unabhängige afrikanische Staaten [9].
Die Wege dorthin unterschieden sich. 1958 entschied sich Guinea als einzige französische Kolonie für die Unabhängigkeit [9]. Léopold Sédar Senghor setzte dagegen zunächst auf eine Partnerschaft in einem reformierten französischen Staatsverband [9]. Viele afrikanische Politiker verstanden sich nach Andreas Eckert von der Humboldt-Universität als Bürger und nicht als "Eingeborene" und nutzten parlamentarische Einrichtungen, um ihre Macht auszubauen [9].
Nicht überall verlief der Übergang friedlich. Patrice Lumumba, Ministerpräsident des unabhängigen Kongo, wurde Anfang 1961 festgenommen und unter Beteiligung belgischer und amerikanischer Geheimdienste ermordet [9]. In Guinea-Bissau dauerte der Unabhängigkeitskrieg gegen Portugal von 1963 bis 1974 [1]. Den weltweiten Zerfall der Kolonialreiche beschreibt der Artikel zur Dekolonisierung.
Von der OAU zur Afrikanischen Union
Im Mai 1963 unterzeichneten in Addis Abeba 32 Staats- und Regierungschefs unabhängiger afrikanischer Staaten die Charta der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) [10]. Am 9. September 1999 forderten die Staatschefs der OAU in der Erklärung von Sirte eine Afrikanische Union [10]. Im Juli 2002 wurde sie in Durban in Südafrika gegründet [10].
Wie Afrikas Geschichte erforscht wird
Der Philosoph Hegel hielt Afrika für "kein historischer Teil der Welt", eine Sicht, die Toby Green ausdrücklich zurückweist [1]. Für die Zeit vor der Kolonialherrschaft nutzt die Forschung neben schriftlichen Zeugnissen Archäologie, Sprachwissenschaft, Kunst, Musik, religiöse Praktiken und mündliche Überlieferungen [1]. Nkrumah forderte, die Geschichte Afrikas als Geschichte seiner Gesellschaften in ihrer ganzen Fülle zu schreiben [1]. Abiodun Alao vom King's College London beschreibt Afrika als eine Stimme, die gehört werden muss [1].

An der Allgemeinen Geschichte Afrikas der UNESCO haben in 60 Jahren mehr als 550 Historikerinnen, Historiker und andere Fachleute gearbeitet [11]. Die neuen Bände IX bis XI führen den Begriff "Global Africa" ein, Band X behandelt Afrikas Diasporas [11]. Eine Kurzfassung des ersten Bandes gibt es auch auf Fulfulde, Hausa und Swahili [11].
- Studie Toby Green: Globalgeschichte Afrikas (Dossier Afrika). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 23.09.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Pressemitteilung zu den ältesten Fossilien des Homo sapiens aus Jebel Irhoud (Marokko). Max-Planck-Gesellschaft, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Stand 07.06.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Joshua J. Mark: Ancient Egypt. World History Encyclopedia. Stand 10.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Joshua J. Mark: Kush. World History Encyclopedia. Stand 26.02.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Joshua J. Mark: Carthage. World History Encyclopedia. Stand 29.05.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Internationaler Tag der Erinnerung an Sklavenhandel und dessen Abschaffung (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 16.08.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Berliner "Kongo-Konferenz" 1884/85 (Gedenktafel-Datenbank). Bezirksamt Mitte von Berlin. Stand 2017. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Januar 1904: Herero-Aufstand in Deutsch-Südwestafrika (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 10.01.2014, Ergänzung 04.05.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Andreas Eckert: 1960, das "Jahr Afrikas". Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 15.10.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation About the African Union. Afrikanische Union. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation General History of Africa. UNESCO. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Robert Clemm: When Ethiopia Stunned the World (Rezension zu Raymond Jonas, The Battle of Adwa: African Victory in the Age of Empire). Origins, Ohio State University. Stand 09.2012. abgerufen am 29.10.2026
- Branden C. McCullough: Ethiopia Repels Italian Invasion (Research Starters). EBSCO. Stand 2023. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Zur völkerrechtlichen Zulässigkeit von freiwilligen Entschädigungszahlungen an Herero und Nama in Namibia (WD 2 - 3000 - 067/21). Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste. Stand 2021. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
RegionenDie Geschichte Amerikas von den ersten Menschen bis heuteGeschichte Amerikas im Überblick: erste Besiedlung, Maya, Mexica und Inka, Eroberung und Kolonialzeit, Unabhängigkeit und …
RegionenDie Geschichte Asiens im ÜberblickAsiens Geschichte von der Indus-Kultur über China, die Steppenreiche, Angkor und das Mogulreich bis zu Kolonialzeit, Krieg …
RegionenDie Geschichte des Nahen OstensDie Geschichte des Nahen Ostens von Mesopotamien und Persien über Kalifate, Kreuzzüge und Osmanen bis zu Mandaten …
Zeitleiste der WeltgeschichteDie Zeitleiste ordnet Ereignisse von der Steinzeit bis heute nach Epoche und Weltregion.