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Frauen in der Geschichte: von Hatschepsut bis zum Wahlrecht
Frauen haben in allen Epochen geherrscht, geschrieben und politische Rechte gefordert, etwa die Pharaonin Hatschepsut um 1479 bis 1458 v. Chr., die Äbtissin Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert oder Königin Nzinga im heutigen Angola im 17. Jahrhundert. Das Wahlrecht erhielten Frauen zuerst 1893 in Neuseeland, in Deutschland wählten sie am 19. Januar 1919 zum ersten Mal reichsweit.

Frauen haben in allen Epochen regiert, geschrieben und Rechte eingefordert. In Ägypten herrschte im 15. Jahrhundert v. Chr. eine Pharaonin [1], am Rhein leitete im 12. Jahrhundert eine Äbtissin zwei Klöster und schrieb an Päpste [2], im heutigen Angola trug im 17. Jahrhundert eine Frau den Herrschertitel Ngola [3]. Das Wahlrecht erhielten Frauen in Neuseeland 1893, in Deutschland 1918 und in Saudi-Arabien erst 2015 [6, 7].
Hatschepsut, Pharaonin in Ägypten
Hatschepsut regierte etwa von 1479 bis 1458 v. Chr. als fünfter Herrscher der 18. Dynastie [1]. Sie war eine Tochter Thutmosis' I. Als ihr Mann Thutmosis II. starb, übernahm sie die Regentschaft für ihren noch kindlichen Stiefsohn Thutmosis III. [1]. Im siebten Jahr dieser Regentschaft nahm sie die vollen Königstitel an und ließ sich zum Pharao krönen [1]. Vorher hatte sie das Amt der Gottesgemahlin des Amun innegehabt [1]. Um ihre Herrschaft zu begründen, erklärte sie, der Gott Amun sei ihr Vater [1]. Ihr Name wird meist als "Die Erste der vornehmen Frauen" übersetzt [1].
Frühe Statuen zeigen sie als Frau, nach der Krönung erscheint sie in männlicher Kleidung und mit männlichem Körper, in ihren Inschriften verwendete sie aber weiter weibliche Wortformen [1]. Ihr Tempel in Deir el-Bahri liegt an den Felsen nahe dem Tal der Könige, mit einer langen Rampe und Terrassen mit Säulenhallen [1]. Die großen Bauvorhaben leitete ihr Hofbeamter Senenmut, in Karnak ließ sie zwei Obelisken aufstellen [1]. Eine Inschrift dort beschreibt eine Expedition in das Land Punt, von der Myrrhe, Ebenholz und Elfenbein zurückkamen [1]. Später ließ Thutmosis III. ihren Namen von Denkmälern entfernen. Die World History Encyclopedia hält es für am wahrscheinlichsten, dass ihre ungewöhnliche Herrschaft der Grund war [1]. Mehr über das Land am Nil steht im Beitrag Das Alte Ägypten.
Hildegard von Bingen
Hildegard wurde 1098 in Bermersheim bei Alzey geboren und starb am 17. September 1179 auf dem Rupertsberg bei Bingen [2]. Auf dem Disibodenberg wuchs sie unter der Anleitung der Klausnerin Jutta von Spanheim auf und lernte die Regel Benedikts, die Liturgie und einen Teil der freien Künste [2]. Nach Juttas Tod wählte die Frauengemeinschaft sie 1136 zur Magistra [2]. Zwischen 1147 und 1152 gründete sie das Kloster auf dem Rupertsberg, 1165 ein Tochterkloster in Eibingen oberhalb von Rüdesheim [2]. Dieses wurde 1802 aufgehoben, heute hat dort die Abtei St. Hildegard ihren Sitz [2].

Den "Liber Scivias" schrieb sie von 1141 bis 1151, den "Liber vitae meritorum" von 1158 bis 1163 und den "Liber divinorum operum" von 1163 bis 1173 [2]. Etwa zwischen 1150 und 1160 entstanden Schriften zur Natur und Heilkunde, die als "Physica" und "Causae et curae" bekannt sind [2]. Dazu kommen rund 75 Lieder und das geistliche Spiel "Ordo Virtutum", deren Melodien in Neumenschrift überliefert sind [2]. In den 1160er Jahren unternahm sie vier große Predigtreisen, unter anderem nach Mainz, Würzburg und Bamberg [2]. Sie schrieb an die Päpste Eugen III., Anastasius IV., Hadrian IV. und Alexander III. sowie an Kaiser Friedrich I. Barbarossa, dessen Papstpolitik sie kritisierte [2]. Wie das Leben in den Klöstern dieser Zeit aussah, beschreibt der Beitrag Klöster im Mittelalter.
Nzinga von Ndongo und Matamba
Im Südwesten Afrikas, im heutigen Angola, lebte von 1583 bis 1663 Nzinga, auch Njinga Mbande geschrieben [3]. Um 1621 oder 1622 verhandelte sie als Gesandte ihres Bruders in Luanda mit den Portugiesen über Frieden und Handel [3]. Nach Encyclopedia.com suchte sie dabei ein Bündnis gegen den Rivalen Hari a Kiluanji, und 1622 ließ sie sich taufen [23]. Nach dem Tod ihres Bruders, dessen Umstände ungeklärt sind, übernahm sie als erste Frau den Herrschertitel Ngola [3, 23]. Ihr christlicher Taufname war Ana de Sousa [3].

Ihre Macht wuchs, als sie das Gebiet von Matamba und den Handelsweg durch diese Region unter ihre Kontrolle brachte [3]. 1641 vertrieben die Niederländer die Portugiesen aus Luanda und verbündeten sich mit Nzinga, um 1648 zogen sie wieder ab [3]. Nzinga beherrschte auch den Sklavenhandel in ihrem Gebiet. Der Historiker Joseph C. Miller schätzt, dass in den 1640er Jahren jährlich 12.000 bis 13.000 versklavte Menschen geliefert wurden, vor allem an die Niederländer [3]. Nach dem Abzug der Niederländer ging ihr Einfluss zurück, und als die Portugiesen ihre Macht wiederhergestellt hatten, schloss sie Frieden mit ihnen [3]. Nach Encyclopedia.com wurde 1656 ein förmlicher Vertrag geschlossen, der bis zu ihrem Tod galt [23]. Sie starb am 17. Dezember 1663 [3]. Den größeren Zusammenhang erklärt der Beitrag Der atlantische Sklavenhandel.
Forderungen nach gleichen Rechten
Im September 1791 veröffentlichte Olympe de Gouges in Paris ihre "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" [7]. In Deutschland forderten Frauen das Wahlrecht erstmals während der Revolution von 1848, seit den 1890er Jahren war es ein zentrales Ziel der Frauenbewegung [5]. Louise Otto und Hedwig Dohm setzten sich jahrzehntelang dafür ein, ohne Erfolg [6]. Bis 1908 durften Frauen in Preußen nicht Mitglied politischer Parteien werden, das Verbot fiel am 15. Mai 1908 [6]. In Hamburg galt es nicht, dort gründeten Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann 1902 den Verein für Frauenstimmrecht [6].
Das Wahlrecht für Frauen weltweit
Als erste selbstregierte Kolonie führte Neuseeland 1893 das allgemeine aktive Wahlrecht für Frauen ein [7]. Als erstes europäisches Land folgte Finnland. Die Bundeszentrale nennt den 20. Juli 1906, an dem der Zar die neue Landtagsordnung bestätigte [20], Wikipedia den 1. Juni 1906 [7]. In Frankreich bestimmte die Verordnung vom 21. April 1944, dass Frauen unter denselben Bedingungen wie Männer wählen und gewählt werden können. Zum ersten Mal übten sie dieses Recht bei den Kommunalwahlen am 29. April 1945 aus [19]. Nach Wikipedia stimmte die Provisorische Regierung am 5. Oktober 1944 dem Frauenwahlrecht zu [7]. In der Schweiz lehnten die Stimmberechtigten das Frauenstimmrecht am 1. Februar 1959 mit 66,9 Prozent Nein-Stimmen ab, nur die Kantone Waadt, Genf und Neuenburg stimmten zu [8]. Am 7. Februar 1971 stimmten Volk und Stände der Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts auf Bundesebene zu, bei einer Stimmbeteiligung von 57,73 Prozent mit 65,73 Prozent Ja-Stimmen [8, 17]. In der Wintersession 1971 begrüßte das Parlament die ersten Parlamentarierinnen mit einer Rose [8].
| Land | Jahr | Angabe |
|---|---|---|
| Neuseeland | 1893 | aktives Wahlrecht, erste selbstregierte Kolonie |
| Finnland | 1906 | erstes europäisches Land |
| Deutschland | 1918 | aktives und passives Wahlrecht ab 20 Jahren |
| Frankreich | 1944 | Verordnung vom 21.04.1944 (nach Wikipedia Beschluss der Provisorischen Regierung vom 05.10.1944) |
| Schweiz | 1971 | Wahl- und Stimmrecht auf Bundesebene |
| Kuwait | 2005 | aktives und passives Wahlrecht |
| Saudi-Arabien | 2015 | erstmals bei Kommunalwahlen |
Die Angaben der Tabelle stammen aus der Übersicht zum Frauenwahlrecht, dem Schweizer Parlament und dem Deutschen Bundestag [6, 7, 8]. In Kuwait haben Frauen seit 2005 das aktive und passive Wahlrecht, in Saudi-Arabien durften sie am 12. Dezember 2015 bei Kommunalwahlen zum ersten Mal wählen und kandidieren [7, 24].
Das Frauenwahlrecht in Deutschland
Am 12. November 1918 kündigte der Rat der Volksbeauftragten in seinem "Aufruf an das deutsche Volk" an, dass alle mindestens 20 Jahre alten Männer und Frauen wählen sollten [6]. Das Reichswahlgesetz vom 30. November 1918 gab Frauen das aktive und passive Wahlrecht [6]. Bei der Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 gaben 82,3 Prozent der wahlberechtigten Frauen ihre Stimme ab, vor allem für konservative Parteien wie das Zentrum [5]. Zur Wahl standen nach Angaben der Bundeszentrale 308 Frauen, der Bundestag nennt 310 nominierte Kandidatinnen [5, 6]. 37 Frauen wurden gewählt, 8,5 Prozent der Abgeordneten [5]. Bis zum Ende der Wahlperiode rückten vier weitere nach, sodass 41 Frauen unter 423 Abgeordneten saßen [6].

Am 19. Februar 1919 sprach Marie Juchacz von der SPD als erste Frau in einem deutschen Parlament. Sie sagte: "Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf." [6] Ab 1933 durften Frauen nicht mehr gewählt werden, wählen durften sie weiterhin [5]. Das allgemeine Wahlrecht für Frauen galt 1949 in beiden deutschen Staaten wieder [5]. Die Zeit der ersten deutschen Demokratie schildert der Beitrag Die Weimarer Republik, die heutigen Regeln erklärt Wer wählen darf auf demokratie.domain-root.de.
Gleichberechtigung im Grundgesetz
Dem Parlamentarischen Rat, der das Grundgesetz ausarbeitete, gehörten 65 Mitglieder an, darunter vier Frauen: Elisabeth Selbert und Friederike Nadig von der SPD, Helene Weber von der CDU und Helene Wessel vom Zentrum [9]. Die Juristin Selbert setzte sich mit Vorträgen in vielen Städten dafür ein, die Gleichberechtigung ausdrücklich aufzunehmen, und den Rat erreichten zahlreiche Eingaben zu diesem Thema [9]. Der Hauptausschuss lehnte ihren Antrag am 3. Dezember 1948 mit elf zu neun Stimmen ab. Am 18. Januar 1949 nahmen ihn die 20 Mitglieder des Hauptausschusses einstimmig an, das Plenum folgte am 8. Mai 1949 [18]. Seitdem heißt es in Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt." [10] Ein zweiter Satz verpflichtet den Staat heute, die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung zu fördern und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken [10].
Frauen an der Spitze von Regierungen
Am 21. Juli 1960 wurde Sirimavo Bandaranaike in Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, als erste Frau der Welt Regierungschefin [22]. Sie übernahm zugleich das Verteidigungs- und das Außenministerium [4]. Sie war nach einem Wahlsieg ihrer Freiheitspartei ins Amt gekommen, nachdem ihr Mann S. W. R. D. Bandaranaike 1959 ermordet worden war [4]. Sie regierte in drei Amtszeiten, von 1960 bis 1965, von 1970 bis 1977 und von 1994 bis 2000 [4]. Im 2025 gewählten Bundestag sind 204 der 630 Abgeordneten Frauen, das sind 32,4 Prozent. Nach der Wahl 2021 waren es 34,8 Prozent [21]. Andere Lebensbilder von Frauen stehen in den Beiträgen Marie Curie, Elisabeth I. von England und Maria Theresia.
- Joshua J. Mark: Hatshepsut. World History Encyclopedia. Stand 19.10.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Heinrich Schipperges: Hildegard von Bingen, in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 131 bis 133. Deutsche Biographie, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 1972. abgerufen am 29.10.2026
- Nzinga von Ndongo und Matamba. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Sirima Bandaranaike. Wikipedia (englisch). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Frauenwahlrecht in Deutschland (Deine tägliche Dosis Politik). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 19.01.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 30. November 1918: Reichswahlgesetz führt das Frauenwahlrecht ein. Deutscher Bundestag. Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
- Frauenwahlrecht. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Frauenstimmrecht. Die Bundesversammlung, Das Schweizer Parlament. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Die Mütter des Grundgesetzes. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Stand 2024. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Art. 3. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts in eidgenössischen Angelegenheiten (Abstimmung 07.02.1971, Vorlage 224). Swissvotes, Année Politique Suisse, Universität Bern. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 75 Jahren: Gleichberechtigung im Grundgesetz. Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste. Stand 15.01.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vers la reconnaissance de la citoyenneté des femmes. Assemblée nationale, Paris. Stand 2015. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 115 Jahren: Frauen in Finnland dürfen wählen. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2021. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Alter, Geschlecht, Beruf (Wahlergebnis und Statistik, 21. Wahlperiode). Deutscher Bundestag. Stand 24.02.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Women in Parliament: Who we are. Parlament von Sri Lanka. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Njinga (ca. 1580er bis 1663), in: Women in World History. Encyclopedia.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Kommunalwahlen in Saudi-Arabien (Äußerung der Sprecherin des Auswärtigen Amts). Auswärtiges Amt. Stand 14.12.2015. abgerufen am 29.10.2026
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