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Friedrich der Große: Preußens König zwischen Krieg und Aufklärung

Friedrich II. von Preußen (1712 bis 1786), genannt Friedrich der Große oder der Alte Fritz, regierte von 1740 bis 1786. Er eroberte Schlesien, behauptete es im Siebenjährigen Krieg und gewann 1772 bei der Ersten Teilung Polens Westpreußen. Gleich nach dem Regierungsantritt schaffte er die Folter ab, er schrieb philosophische Werke, komponierte für die Flöte und ließ sich Schloss Sanssouci bauen.

Ein gelbes Rokokoschloss mit grüner Kuppel über terrassierten Weinbergen mit verglasten Nischen und breiter Treppe
Bild: KI-generiert

Friedrich II. wurde am 24. Januar 1712 in Berlin geboren und starb am 17. August 1786 in Sanssouci bei Potsdam [1, 2]. Von 1740 bis zu seinem Tod war er König, bis 1772 mit dem Titel "König in Preußen", danach "König von Preußen" [1]. Er trägt den Beinamen "der Große", nach dem Siebenjährigen Krieg nannte ihn das Volk den "Alten Fritz" [1].

Kindheit unter einem strengen Vater

Friedrich war Sohn König Friedrich Wilhelms I. und Sophie Dorotheas, einer Tochter Georgs I., der Kurfürst von Hannover und König von Großbritannien war [1]. Nach World History Encyclopedia war er eines von neun Kindern des Paares [2]. Der Vater wollte ihn zum Soldaten und Christen erziehen, das Verhältnis zwischen beiden war von starken Spannungen geprägt, und die Mutter konnte nicht vermitteln [1]. Seine Lektüre galt vor allem philosophischen, literarischen und historischen Werken. Später wird er sagen, "lesen heißt denken" [1].

Fluchtversuch und Hinrichtung Kattes

Im August 1730 versuchte der Kronprinz während einer Reise an den Oberrhein nach England zu fliehen. Der Plan scheiterte an der Wachsamkeit seiner Begleitung [1]. World History Encyclopedia nennt den 5. August 1730 [2]. In Wesel trafen Vater und Sohn wieder aufeinander, nach der Neuen Deutschen Biographie musste sich der Festungskommandant schützend vor den Kronprinzen stellen [1]. Friedrich kam unter strenger Bewachung auf die Festung Küstrin [1].

Sein Freund, Leutnant Hans Hermann von Katte, war in den Fluchtplan eingeweiht. Am 6. November 1730 wurde er hingerichtet, Friedrich musste aus dem Gefängnis zusehen [1, 2]. Vergeblich bot er sein eigenes Leben an, beim Anblick des Freundes brach er ohnmächtig zusammen [1]. Die Neue Deutsche Biographie nennt das Ereignis einen Wendepunkt: Von da an verzichtete Friedrich auf offenen Widerstand gegen den Vater [1]. Seit Dezember 1730 durfte er als jüngster Kriegsrat bei der Kriegs- und Domänenkammer in Küstrin arbeiten, 1732 übernahm er ein Infanterieregiment in Ruppin [1].

Heirat und die Jahre in Rheinsberg

1733 heiratete Friedrich Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern, die Ehe blieb kinderlos [1]. Im Herbst 1736 zog er nach Rheinsberg und ließ das Schloss von seinem Freund Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ausbauen [1]. Im Kreis von Freunden wurde dort viel musiziert und Theater gespielt, die Neue Deutsche Biographie hält die Zeit für die wohl glücklichste seines Lebens [1]. Er studierte die Philosophie der Aufklärung, vor allem Voltaire [1].

Ein kleines Barockschloss mit Rundturm am Ufer eines ruhigen Sees mit Schilf und alten Bäumen
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1739 schrieb er eine Schrift gegen Niccolò Machiavelli, den "Antimachiavel". Darin heißt es, der Fürst habe der erste Diener des Staates zu sein, das Wohl der Untertanen müsse sein Ziel sein [1]. Voltaire überarbeitete das Manuskript auch inhaltlich, 1740 erschien es in Holland, gegen den späteren Wunsch des Verfassers [1]. Die geistigen Strömungen der Zeit beschreibt der Artikel Die Aufklärung.

Regierungsantritt und Schlesische Kriege

Am 31. Mai 1740 starb Friedrich Wilhelm I., Friedrich wurde mit 28 Jahren König [1, 2]. Gleich nach dem Regierungsantritt schaffte er die Folter ab und milderte die Strafen im zivilen Bereich [1]. In der Armee behielt er die harten Strafen bei, weil er meinte, ohne Furcht vor den Offizieren lasse sich die Disziplin nicht halten [1]. Nach World History Encyclopedia machte er die Ernennung von Richtern von einer schweren Prüfung abhängig [2].

Gegenüber den Kirchen war Friedrich sehr tolerant. Er schützte auch die katholische Kirche, und als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, bot er ihm in seinen Ländern Zuflucht an [1]. World History Encyclopedia schreibt, Juden und Katholiken hätten in Preußen größere Freiheiten gehabt als in benachbarten protestantischen Ländern [2]. Die verfallene Akademie der Wissenschaften in Berlin baute er neu auf, erster Präsident wurde der Mathematiker Pierre-Louis Moreau de Maupertuis [1]. Knobelsdorff baute für ihn das Berliner Opernhaus und das Potsdamer Stadtschloss aus [1].

Nach dem Tod Kaiser Karls VI. am 20. Oktober 1740 fiel Friedrich in Schlesien ein, nach World History Encyclopedia am 16. Dezember 1740 [1, 2]. Die Neue Deutsche Biographie schreibt, der König habe offen zugegeben, dass ihn das Ungestüm der Jugend, Ruhmsucht und Neugier dazu bewogen hätten [1]. In der Schlacht bei Mollwitz am 10. April 1741 verließ er auf Rat des Feldmarschalls von Schwerin das Schlachtfeld, Schwerin gewann die Schlacht in seiner Abwesenheit [1]. Nach der Schlacht bei Chotusitz am 17. Mai 1742 bestätigte der Berliner Frieden vom 28. Juli 1742 den Gewinn Schlesiens [1]. Im Zweiten Schlesischen Krieg siegte Friedrich am 4. Juni 1745 bei Hohenfriedberg, im Frieden von Dresden vom 25. Dezember 1745 blieb Schlesien preußisch [1, 2]. Seine Gegnerin war die österreichische Herrscherin Maria Theresia, der ein eigenes Lebensbild gilt: Maria Theresia.

Sanssouci, Flöte und Voltaire

Schloss Sanssouci in Potsdam ließ Friedrich von 1745 bis 1747 fast ganz nach eigenen Entwürfen bauen [1]. Der Bau begann am 14. April 1745 unter dem Architekten Knobelsdorff, die Weinbergterrassen waren ein Jahr zuvor angelegt worden [3]. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten nennt das Schloss seine Sommerresidenz und einen bevorzugten Rückzugsort [4]. Seit 1990 gehört es zum UNESCO-Welterbe der Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin [3, 4].

Ein Musikzimmer im Rokokostil mit vergoldeten Wandornamenten, einer Querflöte auf einem Notenpult und einem Cembalo
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Die Flöte lernte er vor allem bei Johann Joachim Quantz [1]. Zeitweise griff er vier- bis fünfmal am Tag zum Instrument und spielte nach allem, was bekannt ist, nur eigene Stücke und solche von Quantz [1]. Ihm werden etwa 121 Sonaten für Flöte und Cembalo und vier Flötenkonzerte zugeschrieben [1]. Der Hohenfriedberger Marsch stammt nach der Neuen Deutschen Biographie vermutlich nicht von ihm [1]. Von 1750 bis 1753 gehörte Voltaire zu seiner Tafelrunde in Sanssouci, ging dann im Zorn und schrieb ein gehässiges Pamphlet über den Berliner Hof. Im Siebenjährigen Krieg nahmen die beiden den Briefwechsel wieder auf [1].

Der Siebenjährige Krieg

Der Siebenjährige Krieg dauerte von 1756 bis 1763 [1, 2]. Im August 1756 marschierte Friedrich in Sachsen ein [1]. 1757 folgten die Schlachten bei Prag, Kolin, Roßbach und Leuthen, 1758 die Schlacht bei Zorndorf [1]. Beim nächtlichen Überfall der Österreicher bei Hochkirch am 14. Oktober 1758 verlor Friedrich einen großen Teil seiner Artillerie [1]. Am 12. August 1759 erlitt Friedrich bei Kunersdorf gegen Russen und Österreicher eine vernichtende Niederlage [1]. Die Neue Deutsche Biographie schreibt, er habe in der Schlacht den Tod gesucht und sich danach ernsthaft mit Selbstmordgedanken getragen [1]. Die Gegner nutzten den Sieg aber nicht aus, die Neue Deutsche Biographie spricht vom "Mirakel des Hauses Brandenburg". Nach wenigen Tagen fing sich der König wieder [1].

1762 starb die russische Zarin Elisabeth, ihr Nachfolger Peter III. schloss sofort ein Bündnis mit Friedrich [1]. Am 15. Februar 1763 beendete der Frieden von Hubertusburg den Krieg, der Besitzstand blieb unverändert [1]. Preußen verlor nach World History Encyclopedia mehr als 180.000 Soldaten [2]. Die Kriege der Epoche vergleicht der Artikel Die Kabinettskriege.

Landesausbau und Kartoffel

Friedrich sah in der menschlichen Arbeit die Quelle des Reichtums eines Landes. Zahlreiche Familien von Siedlern ließ er vor allem im Oder- und Warthebruch ansiedeln, später auch im Netzebruch [1]. Auf den königlichen Domänen hob er die Erbuntertänigkeit der Bauern auf, dem Landadel zwang er diese Reform nicht auf, weil er ihn für Armee und Verwaltung brauchte [1].

Eine weite flache Flussniederung mit Feldern, geraden Gräben und Kartoffelpflanzen in Reihen im Frühsommer
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Um den Anbau der Kartoffel als Nahrungsmittel bemühte sich Friedrich nach dem Deutschen Historischen Museum schon zu Beginn der 1740er Jahre, 1756 ordnete er ihn mit einer Circular-Ordre an [5]. Nach dem Siebenjährigen Krieg kontrollierte er auf Inspektionsreisen, wie die Landwirtschaft vorankam [5]. Das Gemälde "Der König überall" von Robert Warthmüller aus dem Jahr 1886 zeigt ihn bei einer solchen Besichtigung, nach der Reichsgründung 1871 waren Bilder mit Friedrich als Motiv sehr beliebt [5].

Erste Teilung Polens und späte Jahre

Mit dem Vertrag vom 5. August 1772 über die Erste Teilung Polens gewann Preußen Ermland und Westpreußen, ohne Danzig und Thorn. Österreich erhielt Galizien [1]. Im übrigen Europa stieß die Teilung schon damals auf großen Unmut [1].

1778 begann der Bayerische Erbfolgekrieg, weil Friedrich eine Stärkung Österreichs im Reich verhindern wollte. Größere Kämpfe gab es nicht, im Volk hieß er "Kartoffelkrieg". Der Frieden von Teschen am 13. Mai 1779 beendete ihn [1]. 1785 schloss Friedrich mit anderen deutschen Fürsten den Fürstenbund, dessen Kern zunächst Preußen, Hannover und Sachsen bildeten [1].

Im Prozess des Müllers Arnold 1779 hob der König ein Urteil eigenmächtig auf und bestrafte die Richter des Kammergerichts hart, weil er glaubte, der schwächeren Partei sei Unrecht geschehen [1]. Die Neue Deutsche Biographie nennt das einen Missgriff, der ihm dennoch den Ruf eines Beschützers der Schwachen eintrug [1]. Die Arbeit am Allgemeinen Landrecht begann nach dem Siebenjährigen Krieg, in Kraft trat es erst 1794, als wichtige Etappe auf dem Weg zum Rechtsstaat [1]. Was einen Rechtsstaat heute ausmacht, erklärt demokratie.domain-root.de unter Der Rechtsstaat.

Tod und zwei Begräbnisse

Friedrich starb am 17. August 1786 in Sanssouci, im Alter von 74 Jahren [1, 2]. Sein Nachfolger wurde sein Neffe Friedrich Wilhelm II. [2]. Beigesetzt wurde er in der Garnisonkirche in Potsdam [1]. Er selbst hatte sich eine Gruft auf der obersten Weinbergterrasse von Sanssouci gewünscht. Dieser Wunsch wurde 1991 erfüllt, im August 1991 wurden seine Überreste dorthin umgebettet [3, 4]. Wie er als Herrscher in seine Epoche passt, zeigt der Artikel Der Absolutismus.

  1. Studie Friedrich II. der Große (Otto Graf zu Stolberg-Wernigerode), Neue Deutsche Biographie 5. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Deutsche Biographie. Stand 1961. abgerufen am 29.10.2026
  2. Friedrich der Große (Harrison W. Mark, Übersetzung Reha Mert). World History Encyclopedia. Stand 24.05.2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Schloss Sanssouci. berlin.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Schloss Sanssouci. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Gemälde "Der König überall" von Robert Warthmüller, 1886. Deutsches Historisches Museum, Lebendiges Museum Online (LeMO). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.