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Die Aufklärung: Vernunft, Kritik und Toleranz im 17. und 18. Jahrhundert

Die Aufklärung war eine geistige Bewegung des 17. und 18. Jahrhunderts, die Staat, Gesellschaft und Religion mit den Mitteln der Vernunft prüfen und verbessern wollte. Immanuel Kant definierte sie 1784 als "Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit". Ihre Ideen flossen in die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 ein.

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit." Mit diesem Satz beginnt Immanuel Kants Aufsatz "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?" [1]. Er erschien im Dezember 1784 in der Berlinischen Monatsschrift [2]. Als Wahlspruch der Aufklärung gab Kant aus: "Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" [1]. Lange verstand man die Aufklärung als geschlossene Bewegung, die Gesellschaft und Regierung mit der Vernunft reformieren wollte. Jüngere Studien beschreiben sie eher als "diffuses kulturelles Phänomen" [3].

Was Kant unter Aufklärung verstand

Unmündig ist nach Kant, wer seinen Verstand nicht ohne Anleitung eines anderen gebraucht. Auf die Frage, ob die Menschen bereits in einem aufgeklärten Zeitalter lebten, antwortete er: "Nein, aber wohl in einem Zeitalter der Aufklärung." Den Gebrauch der Vernunft wollte Kant in der Öffentlichkeit frei sehen. Als Inhaber eines Amtes sollte der Einzelne dagegen gehorchen. Dazu zitierte er den Grundsatz eines Herrschers: "räsonniert, so viel ihr wollt, und worüber ihr wollt; aber gehorcht!" [1].

Ein sonniger Flur in einem alten Universitätsgebäude mit hohen Fenstern, Steinboden und leeren Holzbänken
Bild: KI-generiert

Kant dachte dabei an das Preußen Friedrichs II. Das Projekt German History in Documents and Images nennt den Aufsatz ein Grundlagendokument des deutschen Liberalismus, weil er die Freiheit des Denkens und der Meinung als Weg zur moralischen und bürgerlichen Selbstbestimmung versteht [1]. Kant selbst, der von 1724 bis 1804 lebte, veröffentlichte 1781 die "Kritik der reinen Vernunft" [3, 4]. Er vermittelte zwischen Empirismus und Rationalismus und trat für Grundzüge des Rechtsstaats und für gewählte Vertretungen ein [3]. Mehr über den König steht im Lebensbild Friedrich der Große.

Wurzeln im 17. Jahrhundert

Ihren wichtigsten Ursprung hat die Aufklärung nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy in der wissenschaftlichen Revolution des 16. und 17. Jahrhunderts [4]. René Descartes, der von 1596 bis 1650 lebte, setzte in seinen "Meditationen" von 1641 beim radikalen Zweifel an. Isaac Newton erklärte 1687 in seinen "Principia" sehr verschiedene Vorgänge der Natur mit mathematischen Gesetzen [4]. Mehr zu Newton steht im Lebensbild Isaac Newton.

John Locke bestritt 1690 in seinem "Versuch über den menschlichen Verstand", dass der Mensch angeborene Ideen besitzt. Seine im selben Jahr erschienene zweite Abhandlung über die Regierung gilt als klassische Quelle der modernen liberalen Staatstheorie [4]. Locke steht für den Gedanken natürlicher Rechte und Freiheiten [3]. David Hume warf in seinem "Traktat über die menschliche Natur" von 1739/40 und in seinen "Untersuchungen" von 1748 grundsätzliche Zweifel daran auf, wie sicher Schlüsse aus Ursache und Wirkung und aus Erfahrung sind. Seine "Dialoge über natürliche Religion" erschienen erst 1779, nach seinem Tod [4]. 1776 veröffentlichte Adam Smith sein Werk über den "Wohlstand der Nationen" [4].

Frankreich: Philosophen und die Encyclopédie

Voltaire stellte sich 1734 in seinen "Briefen über die Engländer" auf die Seite Newtons und gegen Descartes. Sein Kampfruf "Écrasez l'infâme" richtete sich gegen die katholische Kirche in Frankreich, nicht gegen Religion überhaupt [4]. Montesquieu unterschied 1748 in "Vom Geist der Gesetze" Republiken, Monarchien und Despotien. Das Werk lieferte die Grundlage für das Gleichgewicht der Gewalten, das James Madison später in die Verfassung der USA übernahm [4]. Was Gewaltenteilung heute bedeutet, erklärt demokratie.domain-root.de unter Gewaltenteilung einfach erklärt. Jean-Jacques Rousseau hielt 1762 im "Gesellschaftsvertrag" die direkte Demokratie und den Gemeinwillen für die einzigen Formen, in denen Freiheit möglich sei [4].

Ein eleganter Pariser Salon des 18. Jahrhunderts mit Polsterstühlen, Kaffeetassen aus Porzellan und Kerzen
Bild: KI-generiert

Ein Gemeinschaftswerk der französischen Aufklärung war die Encyclopédie, herausgegeben von Denis Diderot und Jean le Rond d'Alembert. Sie erschien von 1751 bis 1772 in 17 Text- und 11 Tafelbänden [4, 5]. Die Angaben zum Umfang weichen ab: Die Stanford Encyclopedia of Philosophy nennt mehr als 70.000 Artikel von mehr als 140 Autoren [4], das ARTFL-Projekt der Universität Chicago rund 74.000 Artikel von mehr als 130 Mitarbeitern [5]. Der französische Staat zensierte das Werk. Dass es fertig wurde, lag vor allem an Diderots Beharrlichkeit [4].

JahrWerkVerfasser
1641Meditationen über die erste PhilosophieRené Descartes
1687PrincipiaIsaac Newton
1690Zwei Abhandlungen über die Regierung (zweite Abhandlung)John Locke
1748Vom Geist der GesetzeMontesquieu
1751 bis 1772EncyclopédieDenis Diderot, Jean le Rond d'Alembert (Hrsg.)
1762Vom GesellschaftsvertragJean-Jacques Rousseau
1784Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?Immanuel Kant

Die Jahreszahlen der Tabelle folgen der Stanford Encyclopedia of Philosophy und, für Kant, der Leopold Muller Memorial Library in Oxford [2, 4].

Die Aufklärung in Deutschland

Im Reich war die Aufklärung stärker religiös geprägt als in Großbritannien oder Frankreich. Weil das Reich politisch zersplittert war, fand sie Unterstützung an vielen Fürstenhöfen, Bischofssitzen, Städten und Universitäten [3]. Christian Thomasius, der von 1655 bis 1728 lebte, wurde 1681 Professor für Naturrecht in Leipzig und gründete 1694 mit Unterstützung Kurfürst Friedrichs III. von Brandenburg die Reformuniversität Halle mit. 1701 veröffentlichte er eine Schrift gegen den Glauben an Zauberei, in der er auch die Folter kritisierte. Hexenprozesse hatte es in Deutschland bis ins frühe 18. Jahrhundert gegeben [3]. Wie es dazu kam, beschreibt der Artikel zur Hexenverfolgung.

Gottfried Wilhelm Leibniz, der von 1646 bis 1716 lebte, trug die Aufklärung in die deutschen Gelehrtenkreise und gilt neben Newton als Erfinder der Infinitesimalrechnung. Seine Lehre von der besten aller möglichen Welten verspottete Voltaire im "Candide" [3]. Ein wachsendes Bürgertum aus Beamten, Juristen und Kaufleuten las aufklärerische Zeitschriften und diskutierte in Kaffeehäusern über Reformen [3]. Eine religiöse Erneuerungsbewegung wirkte daneben: Philipp Jacob Spener begann in den 1670er Jahren in Frankfurt mit Bibelkreisen und forderte 1675 in seiner Schrift "Pia desideria" eine Erneuerung des Glaubens. August Hermann Francke machte die Universität Halle zu einem Zentrum dieses Pietismus, von dem um 1700 Missionare nach Indien gingen [3]. Zur jüdischen Aufklärung, der Haskala, gehörte Moses Mendelssohn. Sein Freund Gotthold Ephraim Lessing machte ihn zum Vorbild für die Hauptfigur seines Dramas "Nathan der Weise" von 1779 [3]. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy beschreibt es als Anliegen der Aufklärung, religiöse Vielfalt als Tugend einer wohlgeordneten Gesellschaft zu achten [4].

Aufgeklärte Herrscher

Einige Fürsten verstanden ihre unbeschränkte Macht als Auftrag, mit Vernunft zum Wohl der Untertanen zu regieren. Die Forschung spricht vom aufgeklärten Absolutismus. Zu den Reformen gehörten Religionsfreiheit, die Abschaffung der Folter im Strafverfahren, eine wissenschaftlich betriebene Landwirtschaft und die Schulpflicht. Die Herrscher blieben dabei unumschränkt, und ihre Reformen dienten auch der eigenen Macht [3].

Friedrich II. von Preußen galt als Philosoph auf dem Thron. Er schrieb Französisch, stand mit Aufklärern im Briefwechsel und holte unter anderem Voltaire nach Berlin. 1738 trat er den Freimaurern bei. Er schaffte die Folter im Strafverfahren ab und modernisierte den Staatsdienst, regierte aber zugleich selbstherrlich und militaristisch [3]. In Österreich führte Maria Theresia Reformen in Bildung, Wirtschaft und Landwirtschaft durch und modernisierte das Heer [3]. Ihr Sohn Joseph II. erließ 1781 ein Toleranzpatent mit eingeschränkter Religionsfreiheit, 1782 folgte eines für die Juden. Er hob die Leibeigenschaft auf und schaffte 1787 die Todesstrafe ab. Viele Reformen nahm er vor seinem Tod 1790 zurück, die meisten überdauerten seine Regierung nicht [3]. Das Vorbild dieser Herrscher beschreibt der Artikel zum Absolutismus.

Von der Aufklärung zu den Menschenrechten

Politisch wirkte die Aufklärung in den Revolutionen des späten 18. Jahrhunderts. Mehrere Gründerväter der USA wie Thomas Jefferson, Benjamin Franklin, James Madison und Thomas Paine waren vom Deismus beeinflusst, der Überzeugung, dass die Vernunft einen Schöpfer des Weltalls erkennen lässt, ohne Wunder und Offenbarung [4]. Die Amerikanische Revolution datiert die Stanford Encyclopedia auf 1775 bis 1783, die Französische auf 1789 bis 1799 [4].

Ein großer leerer Versammlungssaal des späten 18. Jahrhunderts mit Holzbänken vor einem erhöhten Podium
Bild: KI-generiert

Am 26. August 1789 verabschiedete die französische Nationalversammlung die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Artikel 1 bestimmt, dass die Menschen frei und gleich an Rechten geboren werden und bleiben. Nach Artikel 10 darf niemand wegen seiner Meinungen, auch religiöser, behelligt werden, solange er die gesetzliche Ordnung nicht stört. Artikel 11 nennt die freie Mitteilung von Gedanken und Meinungen eines der kostbarsten Menschenrechte. Artikel 16 stellt fest, dass eine Gesellschaft ohne gesicherte Rechte und ohne Gewaltenteilung keine Verfassung hat [6]. Wie es zur Revolution kam, erzählt der Artikel zur Französischen Revolution, die weitere Entwicklung der Artikel Die Geschichte der Menschenrechte.

Gegenbewegungen und Ende der Epoche

Schon während der Aufklärung meldeten sich andere Stimmen. Die Bewegung des Sturm und Drang stellte von den 1760er bis in die 1780er Jahre das Gefühl über die Vernunft. Zu ihr zählten Goethe mit dem "Werther" von 1774 und Schiller mit den "Räubern" von 1781 [3]. Als Ende der Aufklärung als Epoche nennt die Stanford Encyclopedia of Philosophy den Umschlag der Französischen Revolution in die Schreckensherrschaft in den 1790er Jahren, ausdrücklich als praktischen Markierungspunkt [4]. Mehr zu Goethe steht im Lebensbild Johann Wolfgang von Goethe.

  1. Organisation Immanuel Kant, "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?" (1784). German History in Documents and Images, Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Beantwortung der Frage: was ist Aufklärung? (Berlinische Monatsschrift, Dezember 1784, Digitalisat). Leopold Muller Memorial Library, Oxford Centre for Hebrew and Jewish Studies. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Jason Coy, Jared Poley: Einführung zu "Das Heilige Römische Reich 1648 bis 1815". German History in Documents and Images, Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie William Bristow: Enlightenment (Stanford Encyclopedia of Philosophy). Stanford University. Stand 29.08.2017. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation ARTFL Encyclopédie. ARTFL Project, University of Chicago. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Gesetz Declaration of the Rights of Man, 1789 (englische Übersetzung). The Avalon Project, Yale Law School. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.