Themen quer durch die GeschichteRatgeber
Religionen in der Geschichte: von Göbekli Tepe bis heute
Religionen begleiten die Geschichte seit der Steinzeit; Göbekli Tepe in der Türkei gilt als mehr als 10.000 Jahre alte Anlage mit ausgeprägter ritueller Bedeutung. Aus dem Alten Orient, Indien und China kamen Lehren, die bis heute Milliarden Menschen prägen. 2020 waren nach dem Pew Research Center 28,8 Prozent der Menschen Christen, 25,6 Prozent Muslime und 14,9 Prozent Hindus.

Religionsgeschichte fragt, wie Glaubensvorstellungen, Rituale und religiöse Gemeinschaften entstanden, sich ausbreiteten und veränderten. Sie beschreibt Glaubensinhalte so, wie die Gläubigen und die Quellen sie überliefern, ohne sie zu bewerten. Die Religionen mit vielen Göttern behandelt der Beitrag Polytheismus.
Frühe Kultstätten
Auf einem Hügel im Südosten der Türkei, nahe der syrischen Grenze, entdeckte ein Forscher des Deutschen Archäologischen Instituts die Anlage von Göbekli Tepe [1]. Die Funde sind nach einem Bericht der Bundesregierung von 2015 mehr als 10.000 Jahre alt [1]. Tonnenschwere Steinpfeiler mit Tierfiguren stehen dort in Kreisen. Die Forscher deuten den Ort vermutlich als Kultstätte oder Tempel [1]. Nach dem Deutschen Archäologischen Institut gehören die Anlagen in die Zeit von etwa 9500 bis 8000 v. Chr., die großen Pfeiler sind drei bis 5,5 Meter hoch [17]. Neuere Funde zeigen dort auch Alltagstätigkeiten und wahrscheinlich eine dauerhafte Siedlung, das Institut spricht von einer Siedlung mit ausgeprägter ritueller Komponente [17].

Gebaut haben ihn Jäger und Sammler mit einfachen Steinwerkzeugen. Ackerbau und Viehzucht kamen erst später [1]. Die Forscher vermuten, dass der Ackerbau auch entstand, um die Bauleute und möglicherweise Pilger zu ernähren [1]. Wie die Menschen danach sesshaft wurden, erklärt der Beitrag über die Neolithische Revolution.
Der Alte Orient und Iran
In Mesopotamien war Marduk der Stadtgott von Babylon, sein Tempel hieß Esagil [2]. Im Iran lehrte Zarathustra, den die moderne Forschung nach Joshua J. Mark etwa zwischen 1500 und 1000 v. Chr. ansetzt. Spätere Pahlavi-Quellen nennen 628 bis 551 v. Chr. [3]. Seine Anhänger verehren Ahura Mazda, den "Herrn der Weisheit", als höchsten Gott und Schöpfer. Ihm steht Angra Mainyu als ewiger Gegenspieler gegenüber [3].
Die heilige Schrift der Zoroastrier ist das Avesta, dessen 17 Gathas als Hymnen Zarathustras gelten [3]. Aufgeschrieben wurde es unter dem Sasanidenkönig Schapur II., in feste Form gebracht unter Chosrau I. [3]. Das Sasanidenreich (224 bis 651 n. Chr.) machte den Zoroastrismus zur Staatsreligion [3]. Nach der muslimischen Eroberung flohen Anhänger nach Indien, wo die Religion bei den Parsen weiterlebt [3].
Judentum
Die Israeliten unterschieden sich nach dem Historiker Arno Herzig von anderen Völkern durch den Glauben an einen einzigen, unsichtbaren Gott [4]. Nach jüdischer Überlieferung offenbarte Gott Mose am Sinai seine Lehre, die in der Tora niedergelegt ist [4]. Im Jahr 587 v. Chr. eroberte Nebukadnezar Juda, zerstörte den Ersten Tempel und verschleppte die Oberschicht nach Babylon [4]. Im Exil erhielt die Tora nach Herzig ihre endgültige Form [4].
Nachdem die Perser 539 v. Chr. Babylon erobert hatten, kehrten Verbannte zurück, und um 500 v. Chr. entstand der Zweite Tempel, den Herodes später prachtvoll ausbaute [4]. Diesen Tempel zerstörten die Römer 70 n. Chr. nach dem jüdischen Aufstand [4]. Danach wurde die Synagoge zum Mittelpunkt des Gemeindelebens, und Rabbiner traten an die Stelle der Tempelpriester [4]. Um 200 n. Chr. entstand mit der Mischna eine erste Sammlung religiöser Gesetzeslehren, auf der der palästinensische und der babylonische Talmud aufbauen [4]. Für Köln ist eine jüdische Gemeinde seit 321 n. Chr. urkundlich belegt [4]. Mehr dazu steht im Beitrag Die Geschichte des Judentums.
Lehren aus Indien und China
Die Anhänger des Hinduismus nennen ihre Religion Sanatan Dharma, "ewige Ordnung" oder "ewiger Weg". Das Wort Hinduismus ist eine Fremdbezeichnung nach dem persischen Namen für die Menschen jenseits des Indus [5]. Die Lehren der Veden wurden lange mündlich weitergegeben und in der vedischen Zeit, etwa 1500 bis 500 v. Chr., aufgeschrieben [5]. Die vielen Götter gelten nach der World History Encyclopedia als Erscheinungsformen Brahmans, der letzten Wirklichkeit, aus der alles hervorgeht [5].

Siddhartha Gautama, der Buddha, lebte nach der World History Encyclopedia etwa von 563 bis 483 v. Chr., andere Angaben nennen 623 bis 543 v. Chr. [6]. Seine Lehre fasst die Vier Edlen Wahrheiten über das Leiden und seine Überwindung zusammen und zeigt mit dem Achtfachen Pfad einen Weg aus dem Leiden [6]. Der Maurya-Herrscher Ashoka, der von 268 bis 232 v. Chr. regierte, förderte den Buddhismus und schickte Gesandte unter anderem nach Sri Lanka, China, Thailand und Griechenland [6]. Heute unterscheidet man Theravada, Mahayana und Vajrayana, den tibetischen Buddhismus. Am weitesten verbreitet ist nach Mark heute der Mahayana-Buddhismus [6]. Mehr dazu steht im Beitrag Die Geschichte des Buddhismus.
In China lebte Konfuzius von 551 bis 479 v. Chr. [7]. Seine Gespräche, die Analekten, schrieben seine Schüler nach seinen Vorträgen und Unterrichtsgesprächen auf [7]. Ob der Konfuzianismus eine Religion ist, wird unterschiedlich gesehen: als weltliches Wertesystem, als Religion oder als gesellschaftlicher Verhaltenskodex [7]. Unter Kaiser Wu der Han-Dynastie (141 bis 87 v. Chr.) wurde er zur Staatslehre [7].
Christentum
Jesus lebte nach der Religionshistorikerin Rebecca Denova etwa von 6 v. Chr. bis 30 n. Chr., Prozess und Kreuzigung datiert sie um 30 bis 33 n. Chr. [8]. Seine Anhänger bildeten zunächst eine Gruppe innerhalb des Judentums, die sich durch den Glauben an Jesus als Messias von anderen unterschied [8]. Paulus reiste zwischen 42 und 62 n. Chr. durch die Städte im Osten des Römischen Reiches [8]. Die Christen verweigerten den Kaiserkult. Rom sah darin Gottlosigkeit und damit eine Form von Verrat, und so kam es zwischen 90 und 312 n. Chr. immer wieder zu Verfolgungen, am härtesten unter Decius 251 und Diokletian 302/303 n. Chr. [8].
Die Kernaussagen des christlichen Glaubens fasst das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel zusammen, das die Evangelische Kirche in Deutschland auf ihrer Website wiedergibt [18]. Danach glauben Christen an einen allmächtigen Gott, den Schöpfer von Himmel und Erde, und an Jesus Christus als Gottes Sohn [18]. Er wurde Mensch, wurde unter Pontius Pilatus gekreuzigt, ist nach dem Bekenntnis am dritten Tag auferstanden, in den Himmel aufgefahren und soll wiederkommen, um Lebende und Tote zu richten [18]. Das Bekenntnis nennt außerdem den Heiligen Geist als Herrn und Lebensspender, die eine heilige und apostolische Kirche, eine Taufe zur Vergebung der Sünden sowie die Erwartung der Auferstehung der Toten und eines Lebens in der kommenden Welt [18].
Im Jahr 313 n. Chr. sicherten Konstantin und Licinius mit dem Mailänder Edikt den Christen und allen anderen zu, ihre Religion frei auszuüben [9]. Konstantin befreite danach die Geistlichen von Steuern und stellte Mittel für den Bau von Kirchen bereit [8]. Theodosius I., Kaiser von 379 bis 395, schrieb in einem Gesetz den Glauben vor, den Papst Damasus und Bischof Petrus von Alexandria bekennen, und erklärte Abweichler zu Häretikern [10]. Nach Denova ließ er 391 die Tempel der alten Kulte schließen und verbot 396 die Olympischen Spiele [8]. Wie sich das Christentum weiter ausbreitete, zeigt der Beitrag Die Ausbreitung des Christentums. Die Texte der Bibel in der Übersetzung Luthers von 1912 stehen auf bibel.domain-root.de.
Islam
Mohammed wurde nach Syed Muhammad Khan 570 n. Chr. in Mekka geboren und starb 632 in Medina [11]. Nach muslimischer Überlieferung brachte ihm der Engel Gabriel 610 in der Höhle Hira bei Mekka die erste Offenbarung [11]. Im Jahr 622 zog Mohammed von Mekka nach Yathrib, das später Medina hieß. Mit dieser Hidschra beginnt die islamische Zeitrechnung [11].
Die Offenbarungen lernten die Anhänger auswendig, wenige Jahre nach Mohammeds Tod wurden sie aufgeschrieben. Eine erste Sammlung ordnete Abu Bakr an, Kalif Uthman (644 bis 656) ließ den einheitlichen Text des Korans festlegen [11]. Die fünf Säulen des Islam sind Glaubensbekenntnis, Gebet, Almosen, Fasten im Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka [11]. Das Glaubensbekenntnis, die Schahada, bezeugt nach der World History Encyclopedia die Einheit Gottes und nennt Mohammed den Propheten Gottes [11]. Muslime verstehen die Offenbarungen als Worte Gottes und als letzte Offenbarung der göttlichen Wahrheit an die Menschheit [11]. Über die Nachfolge Mohammeds trennten sich Sunniten und Schiiten. Die Sunniten erkannten Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali als rechtmäßige Kalifen an, die Schiiten sahen Ali als den rechtmäßigen Nachfolger [11]. Der Streit war zuerst politisch und wurde später religiös [11]. Der Islam breitete sich zuerst durch Eroberung aus, später zunehmend durch Handel und Mission [11]. Bis 750 reichte das islamische Reich vom heutigen Pakistan bis Marokko und auf die Iberische Halbinsel [11]. Den Koran in der Übersetzung von Max Henning stellt koran.domain-root.de vor, die Geschichte erzählt der Beitrag Die Geschichte des Islam.
Reformation und Religionsfrieden
Nach der Reformation standen sich im Heiligen Römischen Reich Katholiken und Lutheraner gegenüber. Am 25. September 1555 wurde in Augsburg ein Religionsfrieden besiegelt [12]. Er galt für die Katholiken und für die Anhänger der Confessio Augustana, also die Lutheraner. Ob auch Calvinisten darunter fielen, war umstritten [12].

Fürsten, Grafen und in Reichsstädten die Räte durften zwischen den beiden Bekenntnissen wählen, und die Untertanen mussten folgen [12]. Die lateinische Formel "cuius regio, eius religio" wurde nach dem Historiker Axel Gotthard erst später geprägt, auf Deutsch merkte man sich "wo ich leb, so ich bet" [12]. Sonderregeln galten für die Reichsstädte, wo beide Bekenntnisse nebeneinander bestehen sollten, und für geistliche Fürstentümer. Beide führten später zu Streit [12]. Wer der Wahl seines Landesherrn nicht folgen wollte, durfte auswandern. In der Praxis wurde aus diesem Recht manchmal eine Pflicht [12]. Wie es zur Spaltung kam, erklärt der Beitrag über die Reformation.
Religionsfreiheit und Religionen heute
In Deutschland legte die Weimarer Verfassung vom 11. August 1919 fest: "Es besteht keine Staatskirche." (Artikel 137) [13]. Das Grundgesetz übernahm diesen Artikel mit Artikel 140 [14]. Artikel 4 erklärt die Freiheit des Glaubens und des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses für "unverletzlich" [15]. Mehr dazu steht im Beitrag Die Säkularisierung.
Das Pew Research Center hat für 2020 die religiöse Zugehörigkeit weltweit geschätzt [16].
| Gruppe | Zahl 2020 | Anteil an der Weltbevölkerung |
|---|---|---|
| Christen | rund 2,3 Milliarden | 28,8 Prozent |
| Muslime | ohne Angabe | 25,6 Prozent |
| Ohne Religionszugehörigkeit | rund 1,9 Milliarden | 24,2 Prozent |
| Hindus | rund 1,2 Milliarden | 14,9 Prozent |
| Buddhisten | 324 Millionen | 4,1 Prozent |
| Juden | 14,8 Millionen | etwa 0,2 Prozent |
| Andere, auch Volksreligionen | ohne Angabe | 2,2 Prozent |
Der Anteil der Menschen ohne Religionszugehörigkeit stieg nach Pew zwischen 2010 und 2020 um fast einen Prozentpunkt, der Anteil der Buddhisten sank um 0,8 Punkte [16].
- Behörde Ältester Tempel gibt Rätsel auf. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Stand 15.12.2015. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Nicole Brisch: Marduk (god), in: Ancient Mesopotamian Gods and Goddesses. Oracc, UK Higher Education Academy. Stand 2019. abgerufen am 29.10.2026
- Joshua J. Mark: Zoroastrianism. World History Encyclopedia. Stand 12.12.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Arno Herzig: Judentum in Antike und Frühmittelalter (Informationen zur politischen Bildung 304). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 05.08.2010. abgerufen am 29.10.2026
- Joshua J. Mark: Hinduism. World History Encyclopedia. Stand 08.06.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Joshua J. Mark: Buddhism. World History Encyclopedia. Stand 25.09.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Joshua J. Mark: Confucianism. World History Encyclopedia. Stand 07.07.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Rebecca Denova: Christianity. World History Encyclopedia. Stand 22.03.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Edict of Milan (nach Lactantius, De Mortibus Persecutorum 48). Internet History Sourcebooks, Fordham University. Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Theodosian Code XVI.1.2 (nach Henry Bettenson: Documents of the Christian Church, 1943). Internet History Sourcebooks, Fordham University. Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Syed Muhammad Khan: Islam. World History Encyclopedia. Stand 25.11.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Axel Gotthard: Schlaglicht 1555: der Erste Religionsfrieden (Dossier Reformation). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 18.01.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Die Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919. verfassungen.de. Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 140. Bundesministerium der Justiz. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 4. Bundesministerium der Justiz. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie How the Global Religious Landscape Changed From 2010 to 2020. Pew Research Center. Stand 09.06.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Göbekli Tepe (Forschungsprojekt). Deutsches Archäologisches Institut. Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel. Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
ThemenPolytheismusPolytheismus heißt Verehrung vieler Götter.- ThemenDie Geschichte des BuddhismusWann Siddhartha Gautama lebte, was er lehrte und wie sich der Buddhismus über Sri Lanka, China, Korea, Japan und Tibet in …
ThemenDie Geschichte des JudentumsGeschichte des Judentums: Israel und Juda, Exil und Diaspora, SchUM-Gemeinden, Pogrome, Sephardim, Emanzipation, Shoah …