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Die moderne Kunst: Bewegungen, Gruppen und Brüche von 1874 bis in die 1960er

Die moderne Kunst entstand in Künstlergruppen, die eigene Wege neben den offiziellen Ausstellungen gingen, beginnend mit der ersten Ausstellung der Impressionisten 1874 in Paris. Es folgten unter anderem Expressionismus, Dada und das Bauhaus, das von 1919 bis 1933 bestand. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten rund 16.000 moderne Werke, nach 1945 holte die documenta die verfolgte Avantgarde zurück.

Ein helles Atelier mit hohen Fenstern, leeren Leinwänden auf Staffeleien, Pinselgläsern und farbbespritztem Holzboden
Bild: KI-generiert

Viele Strömungen der modernen Kunst gingen von Künstlergruppen aus, die ihre Werke selbst ausstellten und ihre Ziele in Programmen festhielten. Am Anfang stand 1874 in Paris eine Ausstellung neben dem offiziellen Salon [1]. Unter dem NS-Regime wurden in Deutschland rund 16.000 moderne Kunstwerke beschlagnahmt [6]. Wie sich die Kunst davor über Jahrhunderte entwickelt hat, zeigt der Überblick Kunstgeschichte: die Epochen im Überblick.

Der Impressionismus

Am 15. April 1874 eröffnete in Paris eine Ausstellung im ehemaligen Atelier des Fotografen Nadar am Boulevard des Capucines 35. Dreißig Künstlerinnen und Künstler zeigten dort Werke, sie nannten sich Société Anonyme des artistes peintres, sculpteurs, graveurs [1]. Sie umgingen damit den Salon, die offizielle Ausstellung der Akademie [1]. Rund 3.500 Menschen sahen die Schau in dem Monat, den sie dauerte. Das waren weniger, als den Salon von 1874 an einem durchschnittlichen Tag besuchten [1].

Ein kleiner Hafen bei Sonnenaufgang im Dunst mit Ruderbooten, in lockeren sichtbaren Pinselstrichen gemalt
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Den Namen erhielt die Bewegung durch einen Spott. Der Kritiker Louis Leroy überschrieb seine Besprechung in der satirischen Zeitschrift Le Charivari mit "Die Ausstellung der Impressionisten" [1]. Bei ihrer dritten Ausstellung 1877 hatten die Künstler den Namen übernommen [1]. Berthe Morisot zeigte 1874 neun Werke, ebenso viele wie Claude Monet, Edgar Degas zehn [1]. Bis 1886 folgten insgesamt acht Ausstellungen der Impressionisten mit 58 beteiligten Künstlerinnen und Künstlern [1].

Expressionismus in Deutschland

1905 gründeten Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl in Dresden die Künstlergruppe "Brücke" [2]. Sie suchten eine neue Kunst, in der einfache Formen, leuchtende Farben und harte Linien starke Gefühle ausdrücken sollten [2]. Als Vorbild für ihre enge Gemeinschaft nahmen sie sich die mittelalterlichen Zünfte, unter den älteren Grafikern bewunderten sie besonders Albrecht Dürer [2]. Ihr Programm von 1906 schnitt Kirchner in Holz. Es rief die Jugend auf, eine neue Generation von Künstlern und Publikum zu bilden [2]. Darin heißt es: "Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt." [2]

Der Blaue Reiter

Kandinsky hatte schon 1904 in der Künstlervereinigung Phalanx die erste Ausstellung des Frühwerks von Alfred Kubin gezeigt [3]. In München trennten sich Wassily Kandinsky, Franz Marc und Gabriele Münter im Dezember 1911 von der Neuen Künstlervereinigung München und zeigten eine eigene Ausstellung in der Galerie Thannhauser [10]. Im Mai 1912 erschien erstmals der Almanach "Der Blaue Reiter", den Kandinsky und Marc herausgaben. Er stellte Malerei, Musik, Volkskunst, Kinderzeichnungen und Kunst aus anderen Erdteilen nebeneinander [10]. August Macke sammelte dafür die Abbildungen von Werken außereuropäischer Kulturen [10]. Die erste Ausgabe enthielt zwei Aufsätze Kandinskys, "Über die Formfrage" und "Über Bühnenkomposition" [10]. Auch jüngere Künstler kamen darin vor, etwa Wilhelm Morgner mit der Zeichnung eines Ziegelbrenners [3]. Gabriele Münter schenkte 1957 zu ihrem 80. Geburtstag der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München zahlreiche Werke von Kandinsky bis 1914, eigene Bilder und Arbeiten aus dem Kreis des Blauen Reiter [3]. 1965 kamen mit der Stiftung von Elly und Bernhard Koehler jun. Werke von Franz Marc und August Macke hinzu [3].

Dada in Zürich

Mitten im Ersten Weltkrieg suchten viele Intellektuelle, Anarchistinnen und Anarchisten und Oppositionelle Zuflucht in der neutralen Schweiz [4]. Emmy Hennings und Hugo Ball waren im Mai 1915 nach Zürich gekommen. Wohnraum war knapp, das Leben spielte sich in Cafés, Varietés und Kabaretts ab [4]. Ball mietete beim Wirt Jan Ephraim das "Holländerstübli", und am Abend des 5. Februar 1916 eröffneten die beiden dort das Cabaret Voltaire, zunächst als "Künstlerkneipe Voltaire" [4]. Tristan Tzara trug rumänische Verse vor, Marcel Janco hängte seinen Erzengel auf, Hans Arp hatte die Decke blau und die Wände schwarz bemalt, und Sophie Taeuber war am Eröffnungsabend dabei [4]. Arp stellte im Cabaret auch Werke von Arthur Segal und Otto van Rees aus [4]. Hennings sang Chansons [4]. Richard Huelsenbeck kam erst am 26. Februar 1916 nach Zürich dazu [4]. Die Abende fanden täglich außer freitags statt [4].

Ein kleiner dunkler Kabarettraum mit blauer Decke, schwarzen Wänden, Klavier, Holzstühlen und schmaler Bühne
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Das Wort "Dada" notierte Hugo Ball am 18. April 1916 erstmals in seinem Tagebuch, als Titel für eine geplante Zeitschrift. Wer es fand und woher es stammt, ist ungeklärt [4]. Das Cabaret Voltaire schloss im Juli 1916. Am 14. Juli 1916 folgte der erste Dada-Abend im Zunfthaus zur Waag, die letzte Dada-Soirée in Zürich fand am 9. April 1919 statt [4]. Den Krieg, vor dem die Künstler geflohen waren, beschreibt der Artikel über den Ersten Weltkrieg.

Das Bauhaus

Im April 1919 gründete Walter Gropius in Weimar das Staatliche Bauhaus. Er führte dafür die Hochschule für bildende Kunst und die Kunstgewerbeschule zusammen [5]. Ende 1924 erklärte die Schule ihre Auflösung in Weimar und zog 1925 nach Dessau [5]. Am 4. Dezember 1926 stellte sie dort ihr neues Gebäude zusammen mit den Meisterhäusern und den ersten Häusern der Siedlung Dessau-Törten vor. Sie trug nun den Status einer Hochschule für Gestaltung [5].

Ein weißer Bau der Moderne mit großer Glasfassade und Flachdach, dahinter Stahlrohrstühle in einem hellen Raum
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1928 übernahm Hannes Meyer die Leitung und stellte soziale und genossenschaftliche Gestaltung in den Mittelpunkt. Zum 1. August 1930 wurde er fristlos entlassen. Sein Nachfolger wurde Ludwig Mies van der Rohe [5]. Am 22. August 1932 beschloss der Dessauer Gemeinderat auf Antrag der NSDAP, die Schule zum 1. Oktober 1932 zu schließen [5]. Mies van der Rohe führte das Bauhaus als Privatinstitut in Berlin-Steglitz weiter, bis die Gestapo das Gebäude am 11. April 1933 versiegelte. Am 20. Juli 1933 beschlossen die Lehrkräfte die Auflösung [5]. Die politische Lage dieser Jahre schildert der Artikel über die Weimarer Republik.

Moderne Kunst in Lateinamerika

Auch in Lateinamerika entstand eine eigene Moderne. In Brasilien malte Tarsila do Amaral 1928 das Bild "Abaporu", das heute zur Sammlung des Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires gehört [9]. Der Titel bedeutet nach Angabe des Museums "Mensch, der Menschen isst" [9]. Das Museum liest das Bild als Verbindung aus der neuen Bildsprache, die Tarsila bei André Lhote, Fernand Léger und Albert Gleizes gelernt hatte, und Anregungen aus den Kulturen der Tupí Brasiliens [9]. Kreise, Kugeln, Dreiecke und Ellipsen verbinden darin nach dieser Deutung Primitivismus und Moderne [9]. Es bezeichnet "Abaporu" als Ikone der brasilianischen und lateinamerikanischen Avantgarde [9].

"Entartete Kunst"

Nach 1933 verfolgte das NS-Regime die moderne Kunst. Am 19. Juli 1937 eröffnete in München die Ausstellung "Entartete Kunst" mit 650 beschlagnahmten Werken aus 32 deutschen Museen [6]. Initiiert hatte sie Joseph Goebbels, geleitet wurde sie von Adolf Ziegler (1892 bis 1959), dem Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste [6]. Bis April 1941 wanderte die Schau durch zwölf weitere Städte, mehr als drei Millionen Menschen sahen sie [6].

Insgesamt beschlagnahmten die Behörden rund 16.000 moderne Kunstwerke. Einen Teil verkauften sie ins Ausland, einen Teil zerstörten sie [6]. Betroffen waren unter anderem Werke von George Grosz, Ernst Ludwig Kirchner, Max Ernst, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein, Paul Klee, Otto Griebel und Ernst Barlach [6]. Am 24. Mai 1938 folgte eine Ausstellung unter dem Titel "Entartete Musik" [6]. Wie das Regime Kultur und Gesellschaft gleichschaltete, beschreibt der Artikel über den Nationalsozialismus.

Neubeginn nach 1945: die erste documenta

Zehn Jahre nach Kriegsende zeigte Kassel, was in Deutschland verfemt gewesen war. Die erste documenta lief vom 16. Juli bis 18. September 1955 im Museum Fridericianum [7]. Künstlerischer Leiter war der Kasseler Maler, Zeichner und Gestalter Arnold Bode (1900 bis 1977) [7]. Die Ausstellung sollte die von den Nationalsozialisten verfolgte Avantgarde nach Deutschland zurückholen [7]. Gezeigt wurden 670 Werke von 148 Künstlern aus sechs Ländern, die Ausstellung zählte 130.000 Besucher [7]. Ihr Budget betrug 379.000 D-Mark [7].

Pop Art

Mitte der 1950er-Jahre entstand in Großbritannien, Ende der 1950er-Jahre in den USA eine Kunst, die ihre Motive aus Hollywood-Filmen, Werbung, Verpackungen, Popmusik und Comics nahm [8]. Ihren Höhepunkt erreichte die Pop Art in den 1960er-Jahren [8]. Als Vorläufer der britischen Pop Art gilt die Independent Group, eine Gruppe junger Künstler, Schriftsteller und Kritiker der 1950er-Jahre [8]. 1957 zählte Richard Hamilton in einem Brief an die Architekten Alison und Peter Smithson die Merkmale der Pop Art auf, darunter "populär" und "kurzlebig" [8]. In der Sammlung der Londoner Tate finden sich Werke von Richard Hamilton, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Peter Blake, David Hockney, Patrick Caulfield, Allen Jones und der Argentinierin Marta Minujín [8]. Wie Künstler einige Jahrhunderte früher arbeiteten, zeigt der Artikel über die Kunst der Renaissance.

  1. Alastair Smart: 150 years of Impressionism: how a small group of artists changed the way we see. Christie's. Stand 15.03.2024. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Programm der "Brücke" (1906) (Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern). Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Mehr Moderne für das Lenbachhaus. Die Neuerwerbungen in der Sammlung Blauer Reiter (Begleitheft). Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München. Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Geburtsort von Dada in Zürich. Cabaret Voltaire Zürich. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Chronologie: Institution. Stiftung Bauhaus Dessau. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Carola Jüllig: Ausstellung "Entartete Kunst" (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 13.08.2015. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation documenta 1955 (Retrospektive). documenta gGmbH. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Pop art (Art Term). Tate. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Seminario anual Tercer ojo, Módulo I, Clase 1: Tarsila do Amaral y la antropofagia modernista. MALBA, Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation A Major Work: the Almanach of the Blaue Reiter. Centre Pompidou bei Google Arts and Culture. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.