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Wilhelm II., der letzte deutsche Kaiser

Wilhelm II. (1859 bis 1941) war von 1888 bis 1918 Deutscher Kaiser und König von Preußen. Er entließ 1890 Bismarck, förderte ab 1898 den Bau einer Schlachtflotte und sicherte Österreich-Ungarn im Juli 1914 Bündnistreue zu. Am 9. November 1918 wurde seine Abdankung verkündet, er lebte danach im Exil in den Niederlanden und starb 1941 in Doorn.

Ein weißes Herrenhaus mit Schieferdach hinter hohen alten Buchen in einem ruhigen Park in den Niederlanden
Bild: KI-generiert

Wilhelm II. war der letzte Deutsche Kaiser und König von Preußen [1]. Er regierte vom 15. Juni 1888 bis zum November 1918, danach lebte er mehr als 22 Jahre im Exil in den Niederlanden [1, 2]. In seine Regierungszeit fallen die Entlassung Bismarcks, der Bau einer Schlachtflotte, der Einsatz gegen den Boxeraufstand in China, der Krieg gegen Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika und der Erste Weltkrieg [1, 3, 4].

Herkunft und Erziehung

Wilhelm kam am 27. Januar 1859 im Kronprinzenpalais in Berlin zur Welt [1]. Seine Eltern waren Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Friedrich III., und Viktoria, Princess Royal aus dem britischen Königshaus [1]. Seine Erziehung übernahm der Pädagoge Georg Hinzpeter [1]. Von 1874 bis 1877 besuchte Wilhelm das Gymnasium in Kassel, 1877 begann er in Bonn ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften [1].

1881 heiratete er Prinzessin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg [1]. Das Paar bekam sieben Kinder [1, 2].

Das Dreikaiserjahr 1888

Am 9. März 1888 starb Wilhelms Großvater, Kaiser Wilhelm I. [1]. Sein Vater folgte als Friedrich III., starb aber im selben Jahr [1]. Am 15. Juni 1888 bestieg Wilhelm II. den Thron, damit war er im selben Jahr schon der dritte Kaiser [1]. Das Kaiserreich, an dessen Spitze er nun stand, war 1871 gegründet worden; seine Entstehung beschreibt der Artikel zur Reichsgründung 1871.

Die Entlassung Bismarcks

Am 18. März 1890 verlangte Wilhelm II. den Rücktritt des Reichskanzlers Otto von Bismarck, der ihn am folgenden Tag einreichte [1]. Wie Bismarck die Politik Preußens und des Reiches bis dahin geführt hatte, zeigt das Lebensbild Otto von Bismarcks.

Weltpolitik und Flottenbau

Am 3. Januar 1896 gratulierte der Kaiser in einem Telegramm dem Burenführer Paulus Krüger zum Widerstand gegen England [1]. Diese Krüger-Depesche stieß in England auf breite Kritik [1]. Ab 1898 ließ das Reich unter Admiral Alfred von Tirpitz eine Schlachtflotte bauen [1]. Der Kaiser förderte den Flottenbau, der das Verhältnis zu Großbritannien belastete [1].

Ein großer genieteter Schiffsrumpf aus grauem Stahl vom Anfang des 20. Jahrhunderts in einem Trockendock mit Gerüsten
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Um Rückhalt für die Flotte in der Bevölkerung und die Zustimmung des Reichstags zu gewinnen, wurde am 30. April 1898 der Deutsche Flottenverein gegründet [6]. Er hatte bei der Gründung etwa 78.000 Mitglieder, 1914 waren es 1,1 Millionen, vor allem aus dem gebildeten und besitzenden Bürgertum [6]. Die Begeisterung des Kaisers für die Marine zog nach der Darstellung des Deutschen Historischen Museums zusätzlich Mitglieder an [6]. Unter Tirpitz wurde die deutsche Marine die zweitgrößte der Welt nach der britischen [6].

Wie die europäischen Mächte in dieser Zeit um Kolonien und Einfluss stritten, beschreibt der Artikel zum Kolonialismus.

Die Hunnenrede und der Krieg in China

Das Reich hatte wie andere Mächte Häfen in China gepachtet, wichtigster deutscher Stützpunkt war Tsingtau in der Bucht von Kiautschou [7]. Der Geheimbund der Boxer richtete sich zuerst gegen Chinesen, die zum Christentum übergetreten waren, später gegen Ausländer; eine schwere Dürre im Norden Chinas legte seine Propaganda den Fremden zur Last [7]. Im Juni 1900 versuchten rund 25.000 Aufständische, in das Gesandtschaftsviertel von Peking einzudringen, am 20. Juni wurde der deutsche Gesandte Clemens von Ketteler ermordet [7]. Wilhelm II. entschied sich daraufhin für ein gemeinsames Vorgehen der Kolonialmächte [7].

Am 27. Juli 1900 sprach Wilhelm II. in Bremerhaven zu Soldaten, die nach China fuhren, um den Boxeraufstand niederzuschlagen [3]. In der Rede forderte er massive Vergeltungsmaßnahmen [1]. Die amtliche Fassung enthält den Satz "Pardon wird nicht gegeben" [3]. Einen Absatz ließ das Auswärtige Amt streichen, weil er diplomatischen Anstoß erregen konnte; in ihm verwies der Kaiser auf die Hunnen unter ihrem König Etzel, die sich vor tausend Jahren einen Namen gemacht hätten [3]. Nach dieser Stelle heißt die Ansprache heute Hunnenrede [3].

Im August 1900 befreite eine Truppe aus acht Ländern das Gesandtschaftsviertel, die deutschen Verbände trafen erst danach ein [7]. Mit 20.000 Soldaten stellte das Reich das größte Kontingent der alliierten Truppen unter Generalfeldmarschall Alfred von Waldersee [7]. Auf Strafexpeditionen wurden zahlreiche Boxer hingerichtet und Dörfer geplündert und niedergebrannt [7]. Im Aufstand kamen nach dem Deutschen Historischen Museum annähernd 23.000 chinesische Christen ums Leben [7]. Das Boxerprotokoll vom 7. September 1901 verpflichtete China zu hohen Entschädigungen, ein Mitglied des chinesischen Kaiserhauses musste zu einer Sühnereise nach Deutschland aufbrechen [7].

Der Krieg gegen Herero und Nama

Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia, war seit 1884 deutsches "Schutzgebiet" [4]. Am 12. Januar 1904 griffen Herero koloniale Einrichtungen an, belagerten Militärstationen und blockierten Bahnlinien [4]. Kaiser Wilhelm II. hatte Anfang Februar 1904 die militärische Gesamtleitung in Südwestafrika dem Chef des Generalstabs Alfred von Schlieffen übertragen [10]. Am 3. Mai 1904 wurde Lothar von Trotha gegen den Widerstand von Reichskanzler Bülow zum Oberbefehlshaber ernannt; er war dem Kaiser direkt unterstellt, und die rund 2.000 Mann der Schutztruppe wurden um 14.000 Soldaten verstärkt [4, 10]. Nach Trothas eigenem Schreiben vom 4. November 1904 erwartete der Kaiser, dass er den Aufstand "mit allen Mitteln" niederschlage; Weisungen habe er nicht erhalten [10]. Nach der Einkesselung am Waterberg im August 1904 flohen die Herero in die Omaheke-Wüste, die das Militär auf 250 Kilometern abriegelte; die meisten Geflüchteten verdursteten oder verhungerten [4].

Eine weite trockene Savanne in Namibia in der Abenddämmerung mit Dornbüschen, rotem Sand und einem Tafelberg
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Schon im Juni 1904 hatte Trotha nach der Neuen Deutschen Biographie befohlen, alle Herero zu erschießen, die Widerstand leisteten [5]. Am 2. Oktober 1904 erließ er den Befehl, jeder Herero innerhalb der deutschen Grenze werde erschossen [4, 5]. Bülow empfahl dem Kaiser, den Befehl zurückzunehmen; Wilhelm II. folgte dem Rat, und der Generalstab wies Trotha nach dem Gutachten des Bundestags am 9. Dezember 1904 an, die Proklamation zurückzunehmen [10]. Nach der Neuen Deutschen Biographie hob Bülow den Schießbefehl am 13. Januar 1905 auf und ließ die Überlebenden in Konzentrationslager einweisen [5]. Von 60.000 bis 80.000 Herero überlebten nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung etwa 16.000, die genauen Opferzahlen sind umstritten [4]. Von etwa 20.000 Nama, die sich ab Oktober 1904 erhoben, starb rund die Hälfte [4]. Trotha wurde im November 1905, auch wegen öffentlicher Kritik an der Niederschlagung des Aufstands, abberufen [4]. Die überlebenden Herero wurden in Konzentrationslagern interniert und zur Zwangsarbeit herangezogen [4]. Die meisten Historiker werten den Krieg als Völkermord, die Bundesregierung tut dies seit 2015 [4]. Schon am 14. August 2004 hatte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bei einer Gedenkfeier in Okakarara die Nachfahren der Herero und Nama um Entschuldigung gebeten [4]. Die deutsche Kolonialherrschaft in Südwestafrika endete 1915 mit der Kapitulation der Schutztruppe vor südafrikanischen Truppen [4]. Die Wege in die Unabhängigkeit beschreibt der Artikel zur Dekolonisierung.

Affären und Kritik an der Krone

1907 griff der Publizist Maximilian Harden in einer Artikelserie Personen aus dem engsten Umfeld des Kaisers an, vor allem dessen Freund Philipp zu Eulenburg [1]. 1908 löste ein Interview Wilhelms II. in der britischen Zeitung "Daily Telegraph" im In- und Ausland Kritik aus [1]. In der Folge wurde gefordert, die Befugnisse des Monarchen durch die Verfassung einzuschränken [1].

Der Erste Weltkrieg

Nach dem Attentat von Sarajevo sicherte Wilhelm II. Österreich-Ungarn am 6. und 7. Juli 1914 Bündnistreue zu [1]. Am 4. August 1914 rief er in einer Thronrede im Weißen Saal des Berliner Schlosses die versammelten Abgeordneten des Reichstags zur nationalen Solidarität auf [1, 9]. Mit der Berufung Paul von Hindenburgs und Erich Ludendorffs in die Oberste Heeresleitung verlor er ab 1916 zunehmend Einfluss auf die Kriegführung [1]. Den Verlauf des Krieges schildert der Artikel zum Ersten Weltkrieg.

Abdankung und Flucht in die Niederlande

Am 9. November 1918 verkündete Reichskanzler Max von Baden eigenmächtig die Abdankung des Kaisers [1]. Am 10. November erreichte Wilhelm aus dem Hauptquartier in Spa den Grenzbahnhof Eijsden in der niederländischen Provinz Limburg [2]. Die niederländische Regierung erlaubte ihm den Aufenthalt unter der Bedingung, dass er sich nicht politisch betätigte [1]. Zunächst wohnte er fast zwei Jahre als Gast des Grafen Bentinck auf Schloss Amerongen [2]. Dort unterzeichnete er am 28. November 1918 die Abdankungsurkunde [1, 2].

Aus dem Kaiserreich wurde eine Republik, deren Geschichte der Artikel über die Weimarer Republik erzählt. Wie eine Demokratie ohne Monarchen aufgebaut ist, erklärt Was ist Demokratie? auf demokratie.domain-root.de.

Exil in Doorn

1919 kaufte Wilhelm Haus Doorn in der Provinz Utrecht [1]. Der Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 stellte ihn in Artikel 227 wegen schwerer Verletzung des internationalen Sittengesetzes und der Heiligkeit der Verträge unter öffentliche Anklage [8]. Ein Gericht mit je einem Richter aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan sollte über ihn urteilen; die Alliierten wollten die Niederlande um seine Auslieferung ersuchen [8]. 1920 lehnten die Niederlande diese Forderungen ab [1]. Im Mai 1920 zog er in Doorn ein, 59 Eisenbahnwagen brachten Hausrat, Möbel und Kunst aus Berlin dorthin [2]. Zu seinem Tagesablauf gehörten Spaziergänge und das Holzhacken, im Park machte er nach Berichten Tausende Bäume zu Stümpfen [2].

Eine Lichtung in einem niederländischen Park mit gestapeltem Brennholz, einem Baumstumpf und einer Holzschubkarre
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Kaiserin Auguste Viktoria starb 1921, ihre Trauerfeier in Berlin war groß angelegt [2]. Am 5. November 1922 heiratete Wilhelm in Haus Doorn Hermine Reuß ältere Linie, die verwitwete Prinzessin Schönaich-Carolath [1]. Sie war fast 30 Jahre jünger als er [2].

Tod und Grab

Wilhelm II. starb am 4. Juni 1941 in Doorn [1, 2]. Auf Hitlers Anordnung wurde er mit militärischen Ehren beigesetzt [1]. Sein Grab liegt in einem Mausoleum im Park von Haus Doorn [1, 2]. Seine beiden Ehefrauen sind im Park von Sanssouci in Potsdam bestattet [2].

  1. Organisation Gabriel Eikenberg, Rupert Platz: Wilhelm II. 1859 bis 1941 (LeMO Biografie). Deutsches Historisches Museum, Berlin. Stand 11.11.2021. abgerufen am 29.10.2026
  2. Luc Devoldere: Kaiser turned woodcutter: a hundred years ago the last German emperor moved into a Dutch country house. The Low Countries, Stichting Ons Erfdeel. Stand 12.05.2020. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Kaiser Wilhelm II.: Hunnenrede (1900). Deutsches Historisches Institut Washington, German History in Documents and Images. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Januar 1904: Herero-Aufstand in Deutsch-Südwestafrika (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 10.01.2014, Ergänzung 04.05.2016. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Jürgen Zimmerer: Trotha, Lothar von, in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 455 bis 456. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Deutsche Biographie. Stand 2016. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Nina Reusch: Der Deutsche Flottenverein (LeMO). Deutsches Historisches Museum, Berlin. Stand 17.08.2008. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Christian Preuße: Der Boxeraufstand (LeMO). Deutsches Historisches Museum, Berlin. Stand 02.02.2015. abgerufen am 29.10.2026
  8. Gesetz Friedensvertrag von Versailles vom 28. Juni 1919, Teil VII Strafbestimmungen, Artikel 227 bis 230 (deutsche Fassung, Lehrmaterial). Universität Potsdam, Lehrstuhl Prof. Dr. Uwe Hellmann. Stand 19.08.2021. abgerufen am 29.10.2026
  9. Behörde Vor 100 Jahren: Reichstag billigt Kriegskredite. Deutscher Bundestag, Internetredaktion. Stand 28.07.2014. abgerufen am 29.10.2026
  10. Behörde Einzelfragen zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika Lothar von Trotha (WD 1 - 3000 - 018/21). Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste. Stand 2021. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.