Das lange 19. JahrhundertRatgeber
Die Napoleonischen Kriege: von Marengo bis Waterloo
Die Napoleonischen Kriege sind die Kriege, die Frankreich unter Napoleon Bonaparte zwischen 1799 und 1815 gegen wechselnde Bündnisse europäischer Mächte führte. Sie reichen vom Staatsstreich des 18. Brumaire über die Siege bei Austerlitz und Jena bis zum gescheiterten Russlandfeldzug 1812, der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und der endgültigen Niederlage bei Waterloo am 18. Juni 1815.

Als Napoleonische Kriege bezeichnet man die Kriege, die Frankreich zwischen 1799 und 1815 unter Napoleon Bonaparte führte. Sie schließen an die Koalitionskriege der Französischen Revolution an und enden mit der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 [1, 2]. In diesen sechzehn Jahren verschwand das Heilige Römische Reich, Preußen brach militärisch zusammen und erholte sich wieder, und eine französische Armee zog bis nach Moskau. Hier erfährst du, wie die Kriege verliefen, welche Schlachten sie entschieden und was über 1815 hinaus blieb.
Vom General zum Ersten Konsul
Napoleon stieg als General der Revolutionsarmeen auf. Seine politische Macht begann mit dem Staatsstreich vom 18. Brumaire des Jahres VIII, nach heutigem Kalender dem 09.11.1799. Danach regierte er als Erster Konsul [1]. Die erste große Probe kam in Oberitalien: Am 14.06.1800 siegten die Franzosen bei Marengo über Österreich. Der Friede von Lunéville vom 09.02.1801 beendete den Krieg mit Österreich, 1802 folgte der Friede von Amiens mit Großbritannien [1].
Der Frieden mit Großbritannien hielt nur kurz. Die Kriege der folgenden Jahre werden oft nach den Bündnissen gezählt, die sich gegen Frankreich bildeten: Großbritannien, Österreich, Russland und Preußen fanden sich in wechselnden Koalitionen zusammen, selten alle gleichzeitig.
Kaiserkrönung und Code civil
Im Inneren ordnete Napoleon den Staat neu. Am 21.03.1804 wurde der Code civil des Français verkündet, ein Gesetzbuch mit 2.281 Artikeln, das die Regeln über Personen, Eigentum und die Beziehungen zwischen Privatleuten in einem Band zusammenfasste [3]. Ab 1807 hieß es Code Napoléon. Große Teile davon gelten in Frankreich bis heute [3].

Am 02.12.1804 wurde Napoleon in Paris zum Kaiser der Franzosen gekrönt [1]. Die Krönung veränderte auch die Lage im Heiligen Römischen Reich: Franz II. nahm vor dem Ende des Reichs zusätzlich den Titel eines Kaisers von Österreich an [4].
Das Jahr 1805: Trafalgar und Austerlitz
1805 entschieden zwei Schlachten das Kräfteverhältnis für Jahre. Am 21.10.1805 unterlag die französisch-spanische Flotte bei Trafalgar der britischen Marine [1]. Auf dem Festland dagegen siegte Napoleon am 02.12.1805, genau ein Jahr nach seiner Krönung, bei Austerlitz in Mähren über die verbündeten Armeen Österreichs und Russlands [1]. Im Frieden von Pressburg vom 26.12.1805 musste Österreich nachgeben [1].
Nach 1805 standen sich eine überlegene britische Flotte und eine französische Armee gegenüber, die auf dem Festland siegte. Ein Jahr später versuchte Napoleon, Großbritannien mit einer Handelssperre zu treffen [1].
Der Rheinbund und das Ende des Alten Reichs
Nach dem Sieg über Österreich ordnete Napoleon Deutschland neu. Schon der Reichsdeputationshauptschluss vom 25.02.1803 hatte die geistlichen Fürstentümer und viele kleine Herrschaften aufgelöst und ihr Land größeren Staaten zugeschlagen. Damit fielen wichtige Stützen der Reichsverfassung weg [4].
Am 12.07.1806 unterzeichneten 16 süd- und südwestdeutsche Reichsstände die Rheinbundakte. Sie sagten sich vom Kaiser los, erklärten sich für souverän und stellten sich unter den Schutz Napoleons [5]. Unter diesem Druck legte Franz II. am 06.08.1806 die Krone des Heiligen Römischen Reiches nieder [4]. Das Reich, das seit dem Mittelalter bestanden hatte, war damit aufgelöst.
Preußens Niederlage und die Kontinentalsperre
1806 kam es zum Krieg mit Preußen. Am 14.10.1806 verlor es an einem einzigen Tag die Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt [1]. Napoleon zog in Berlin ein und erließ dort am 21.11.1806 das Berliner Dekret, mit dem die Kontinentalsperre begann: Der europäische Kontinent sollte keinen Handel mehr mit Großbritannien treiben [1].
Gegen Russland siegte Napoleon am 14.06.1807 bei Friedland. Im Frieden von Tilsit vom 08.07.1807 einigte er sich mit Zar Alexander I. [1]. Was die Niederlage in Preußen an Reformen auslöste, beschreibt die Seite zur Bauernbefreiung.
Spanien und Österreich
1808 griff Napoleon in Spanien ein. Am 02.05.1808 erhob sich Madrid gegen die französischen Truppen, am Tag darauf schlugen die Franzosen den Aufstand blutig nieder [1]. Napoleon zog selbst nach Spanien, gewann am 30.11.1808 bei Somosierra und nahm am 04.12.1808 Madrid ein [1]. Der Krieg auf der Iberischen Halbinsel ging trotzdem weiter und band über Jahre französische Truppen.
Österreich versuchte 1809 erneut, sich zu wehren. Die Schlacht bei Wagram am 06.07.1809 entschied den Feldzug für Frankreich [1]. Am 12.10.1809 überlebte Napoleon in Schönbrunn ein Attentat [1]. Kurz darauf festigte er das Verhältnis zu Österreich auf andere Weise: Im April 1810 heiratete er Marie-Louise, die Tochter des österreichischen Kaisers [1].
Der Feldzug gegen Russland 1812
1812 wandte sich Napoleon gegen Russland, seinen Partner von Tilsit. Am 24.06.1812 überschritt die Grande Armée den Njemen und betrat russisches Gebiet [6]. Die russische Armee wich zurück. Erst vor Moskau kam es zur großen Schlacht: Bei Borodino standen am 07.09.1812 rund 124.000 Franzosen etwa 110.000 Russen gegenüber. Die Russen verloren rund 45.000 Mann an Toten, Verwundeten und Vermissten, die Franzosen zwischen 28.000 und 35.000 [6].

Am 15.09.1812 zog Napoleon in ein fast leeres Moskau ein. Von den rund 262.000 Einwohnern waren nur etwa 10.000 geblieben. Noch am selben Abend brachen Brände aus, die bis zum 20.09.1812 ein Drittel der Häuser zerstörten. Wer sie gelegt hat, ist bis heute nicht geklärt [6]. Napoleon blieb etwa einen Monat in der Stadt und entschied sich zu spät für den Abzug nach Westen [6]. Der Rückzug im Winter wurde zur Katastrophe. Am 28. und 29.11.1812 überquerten die Reste der Armee unter schweren Verlusten die Beresina [1].
Befreiungskriege und Völkerschlacht
Nach dem Scheitern in Russland wechselte Preußen die Seite. Im Februar 1813 schloss es ein Bündnis mit Russland, im März 1813 erklärte es Frankreich den Krieg. Damit begannen die Befreiungskriege [2]. Napoleon siegte noch am 26. und 27.08.1813 bei Dresden, verlor aber mehrere kleinere Schlachten, darunter Großbeeren, Katzbach und Dennewitz [2].

Vom 16. bis 19.10.1813 kam es bei Leipzig zur Entscheidung. Österreich, Preußen, Russland und Schweden besiegten Napoleon in einer Schlacht mit mehr als 500.000 Soldaten. Am Vorabend standen etwa 360.000 Mann der Verbündeten rund 200.000 Mann unter Napoleon gegenüber. In Napoleons Armee kämpften auch Deutsche aus den Rheinbundstaaten, Polen und Italiener. Am Ende zählte man über 90.000 Tote und Verwundete [2]. Das Wort "Völkerschlacht" stammt aus dem Bericht des Obersten Karl von Müffling. Er meinte damit eine Schlacht zwischen den Heeren vieler Monarchen. Spätere Patrioten deuteten den Begriff als Krieg der Völker um [2].
Nach Leipzig fielen die Rheinbundstaaten von Napoleon ab [2]. Die Verbündeten drangen nach Frankreich vor. Im April 1814 musste Napoleon abdanken [1, 7].
Elba, die Hundert Tage und Waterloo
Napoleon wurde auf die Insel Elba verbannt, wo er am 04.05.1814 ankam. Er behielt den Kaisertitel, herrschte aber nur über die Insel [7]. In Frankreich regierte nun Ludwig XVIII., der viele altgediente Soldaten entließ oder ihren Sold halbierte. Am 26.02.1815 verließ Napoleon Elba mit etwa 1.100 Soldaten und landete am 01.03.1815 bei Cannes. Truppen, die ihn aufhalten sollten, liefen zu ihm über. Am 20.03.1815 zog er ohne Kampf in Paris ein, Ludwig XVIII. war zuvor nach Gent geflohen [7].

Die Verbündeten, die gerade in Wien über die Neuordnung Europas verhandelten, erklärten Napoleon zum Feind und stellten eine Streitmacht von 800.000 Mann auf [7]. Am 18.06.1815 besiegten britische und preußische Truppen unter Wellington und Blücher die französische Armee bei Waterloo [7]. Am 22.06.1815 dankte Napoleon zum zweiten Mal ab. Danach wurde er auf die Atlantikinsel St. Helena verbannt, wo er am 05.05.1821 starb [7]. Mehr über sein Leben steht auf der Seite über Napoleon Bonaparte.
Was von den Napoleonischen Kriegen blieb
Die Kriege veränderten die Landkarte Mitteleuropas dauerhaft. Das Heilige Römische Reich kehrte nicht zurück. Der Wiener Kongress und die Heilige Allianz stellten 1815 eine monarchische Ordnung wieder her [2]. Die geistlichen Fürstentümer, die 1803 aufgelöst worden waren, stellte er nicht wieder her.
Auch das Recht wirkte nach. Der Code civil fasste das Zivilrecht Frankreichs erstmals in einem einzigen Gesetzbuch zusammen und gilt dort in großen Teilen bis heute [3].
Die Erinnerung an die Befreiungskriege wurde im 19. Jahrhundert zu einem nationalen Mythos. Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig wurde ab 1894 gebaut und 1913 eingeweiht. Nationalisten, später die Nationalsozialisten und auch die DDR beriefen sich auf die Schlacht [2]. Wie aus dieser Erinnerung schließlich ein deutscher Nationalstaat wurde, zeigt die Seite zur Reichsgründung 1871.
- Organisation Chronologie: le Consulat et l'Empire. Fondation Napoléon. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Völkerschlacht bei Leipzig (LeMO Rückblick). Deutsches Historisches Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation La promulgation du Code civil des Français, 21 mars 1804. Fondation Napoléon. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation 962 bis 1806: Das Ende. Deutsches Historisches Museum. Stand 2006. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Gründung des Rheinbundes am 12. Juli 1806. German History in Documents and Images, Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation 1812, la campagne de Russie (2): de Borodino à Moscou. Fondation Napoléon. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Napoleons Rückkehr von Elba am 1. März 1815 (LeMO Rückblick). Deutsches Historisches Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
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