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William Shakespeare: Leben und Werk des Dichters aus Stratford

William Shakespeare wurde am 26. April 1564 in Stratford-upon-Avon getauft und starb am 23. April 1616. Er schrieb nach allgemein anerkannter Zählung 38 Dramen sowie 154 Sonette und war Teilhaber der Schauspieltruppe, die 1599 das Globe Theatre in London baute. 1623 gaben zwei Kollegen 36 seiner Stücke im First Folio heraus.

Ein rundes Fachwerktheater unter freiem Himmel mit weißen Kalkputzwänden und Reetdach an einem Flussufer
Bild: KI-generiert

William Shakespeare war Dichter, Dramatiker und Teilhaber einer Londoner Schauspieltruppe [1]. Allgemein werden ihm 38 Dramen zugeschrieben, dazu kommen 154 Sonette und längere Versdichtungen [3, 4]. Die Hälfte der Stücke, die 1623 im First Folio erschienen, war vorher nie gedruckt worden [2].

Kindheit in Stratford-upon-Avon

Getauft wurde William am 26. April 1564 in der Holy Trinity Church in Stratford-upon-Avon [1, 6]. Das Kirchenbuch hält den Eintrag auf Latein fest, als "Gulielmus filius Johannes Shakspere" [6]. Den genauen Geburtstag kennt niemand; da Kinder meist innerhalb weniger Tage nach der Geburt getauft wurden, gilt traditionell der 23. April 1564 [1, 6].

Ein Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert mit dunklen Eichenbalken, kleinen Bleiglasfenstern und Bauerngarten
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Sein Vater John Shakespeare war Lederhandwerker, seine Mutter hieß Mary Arden [1]. Als William etwa fünf Jahre alt war, wurde der Vater Bailiff, also Vorsteher der Stadt, zog sich später aber aus unbekannten Gründen aus dem öffentlichen Leben zurück [1]. William hatte die Geschwister Gilbert, Richard, Edmund, Anne und Joan; Anne starb mit sieben Jahren, zwei ältere Schwestern schon als Säuglinge [1]. Wahrscheinlich besuchte er die Lateinschule in Stratford bis etwa zum 15. Lebensjahr [1].

Das Haus in der Henley Street, das als sein Geburtshaus gilt, wurde am 16. September 1847 in London versteigert [13]. Ein Komitee aus Stratford und London, zu dem Charles Dickens gehörte, bot 3.000 Pfund und erwarb das Haus; Prinz Albert hatte privat 250 Pfund gespendet [13]. Aus diesem Komitee ging der Shakespeare Birthplace Trust hervor [13].

Ehe und Familie

Ende 1582 heiratete der 18-Jährige die 26 Jahre alte Anne Hathaway [1]. Ihre Tochter Susanna wurde am 26. Mai 1583 getauft, die Zwillinge Judith und Hamnet am 2. Februar 1585 [1]. Hamnet starb 1596 im Alter von elf Jahren und wurde am 11. August 1596 begraben [1].

Für die Heirat ist eine Bürgschaftsurkunde vom 28. November 1582 aus der Diözese Worcester erhalten [11]. Sie bestätigt, dass der Ehe zwischen William Shakespeare und Anne Hathaway aus Stratford nichts im Wege stand, und sicherte den Bischof ab, der die Heiratserlaubnis erteilte [11]. Als Bürgen traten zwei Bauern aus Stratford auf, Fulk Sandells und John Richardson, mit der üblichen Summe von 40 Pfund [11]. Kein Verwandter bürgte: William war noch nicht volljährig, Annes Vater war tot, und John Shakespeare trat nicht für seinen Sohn ein [11]. Ein Registereintrag vom 27. November 1582 nennt statt Anne Hathaway eine Anne Whateley aus Temple Grafton [11]. Der Historiker Robert Bearman hält die Bürgschaft für verlässlicher, weil sie im Original vorliegt und der Registereintrag eine spätere Abschrift ist [11].

Susanna heiratete John Hall, ihre Tochter Elizabeth kam 1608 zur Welt [1]. Judith heiratete 1616 Thomas Quiney; ihr Sohn Shakespeare Quiney starb als Säugling, Richard und Thomas starben beide 1639 [1]. Die Enkelin Elizabeth heiratete 1626 Thomas Nash und 1649 John Bernard und blieb kinderlos [1]. 1596 erhielt John Shakespeare ein Familienwappen, 1597 kaufte William in Stratford New Place, das zweitgrößte Haus der Stadt [1].

Schauspieler und Teilhaber in London

Die erste sichere Erwähnung Shakespeares in London stammt von 1592: Ein Zeitgenosse verspottete ihn als "Shake-scene" [1]. 1593 erschien das Versgedicht "Venus and Adonis", 1594 kamen die ersten Einzeldrucke seiner frühen Stücke heraus [1]. Er war Teilhaber der Truppe Lord Chamberlain's Men, die 1603 in King's Men umbenannt wurde [1]. Dass er schon Ende 1594 zu ihren führenden Mitgliedern gehörte, zeigt eine Abrechnung des königlichen Haushalts in den National Archives [12]. Am 15. März 1595 erhielten William Kempe, William Shakespeare und Richard Burbage zusammen 20 Pfund für zwei Komödien, die sie am 26. und 28. Dezember 1594 bei Hof gespielt hatten [12]. Lord Chamberlain war damals Henry Carey, Lord Hunsdon [12]. In welcher Zeit er seine Laufbahn begann, beschreibt das Lebensbild Elisabeths I.

Als frühestes Stück gilt eines der drei Teile von "Heinrich VI.", geschrieben 1589 bis 1591 [3]. Sein letztes Werk war wahrscheinlich "Die beiden edlen Vettern", das er um 1613 mit John Fletcher schrieb [1, 3]. Das längste Stück ist "Hamlet" mit 4.167 Zeilen in der Folger-Ausgabe, das kürzeste "Die Komödie der Irrungen" mit 1.898 [3]. Nach den Konkordanzen von Marvin Spevack umfasst das Werk 884.647 Wörter in 118.406 Zeilen, je nach Zählweise weichen die Angaben ab [3].

Das Globe Theatre

1599 baute die Truppe am Südufer der Themse das Globe [7]. Als erstes Shakespeare-Stück dort gilt "Julius Caesar"; im selben Jahr schrieb er "Wie es euch gefällt" und begann "Hamlet" [7]. Ab 1609 spielte die Truppe zusätzlich im überdachten Blackfriars-Theater [7]. 1613 setzte eine Kanone, die bei einer Aufführung von "Heinrich VIII." abgefeuert wurde, das Strohdach in Brand [7]. Das Theater brannte in zwei Stunden nieder, es gab keine Toten [7]. Innerhalb eines Jahres stand ein Neubau mit Ziegeldach, 1642 schloss das Parlament das Theater per Erlass [7]. Der König, dem das Stück gilt, ist im Lebensbild Heinrichs VIII. beschrieben.

Die leere Holzbühne eines offenen Theaters im elisabethanischen Stil mit Säulen und umlaufenden Galerien
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Der Gründer des heutigen Globe, Sam Wanamaker, suchte 1949 in London nach dem Standort des alten Globe und fand nur eine kleine Gedenktafel mit fehlerhaften Angaben [7]. 1971 gründete er den Shakespeare Globe Trust, um das Theater von 1599 so genau wie möglich nachzubauen [7]. Er starb 1993, 1997 eröffnete Königin Elisabeth II. den Neubau [7]. Er ist ein Zwanzigeck mit Wänden aus Kalkputz und einem Reetdach; obwohl London seit dem Großen Brand von 1666 Strohdächer verbietet, gab es dafür eine Ausnahme [7]. 1.570 Menschen finden Platz, rund 700 davon stehen [7].

Die Sonette

Vollständig erschienen die Sonette erstmals 1609 in einem Quartband des Verlegers Thomas Thorpe, unter dem Titel "Shake-speares Sonnets. Neuer before Imprinted" [5]. Thorpe unterschrieb die Widmung an einen "Mr. W.H." mit "T.T."; wer W.H. war, ist bis heute ungeklärt [5]. Die Sammlung umfasst 154 Gedichte, fast alle sind Liebesgedichte [4]. Die Sonette 138 und 144 waren schon 1599 in der Sammlung "The Passionate Pilgrim" gedruckt worden [4, 5]. Deren Titelseite nannte "W. Shakespeare" als Verfasser, obwohl nach den Folger-Herausgebern ein großer Teil der Gedichte nicht von ihm stammt [5]. 1640 gab John Benson die Sonette in neuer Reihenfolge und mit Einzeltiteln heraus [4]. Das bekannteste, Sonett 18, beginnt mit "Shall I compare thee to a summer's day?" [4].

Tod in Stratford

Am 25. März 1616 ist sein Testament datiert, in dem er seiner Frau sein "zweitbestes Bett" vermachte [1]. Shakespeare starb am 23. April 1616, die Todesursache ist unbekannt [1]. Das Kirchenbuch von Holy Trinity verzeichnet ihn unter dem 25. April 1616 [6]. In der Kirche erinnert eine Büste an ihn, die als eines von zwei authentischen Bildnissen gilt [1].

Eine alte steinerne Pfarrkirche mit hohem Turm an einem ruhigen Fluss zwischen Weiden im Frühjahrsnebel
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Das First Folio von 1623

Sieben Jahre nach seinem Tod gaben John Heminge und Henry Condell, Schauspieler und Teilhaber der King's Men, 36 seiner Stücke heraus [2]. Der Band heißt "Mr. William Shakespeare's Comedies, Histories & Tragedies" und teilt die Stücke erstmals in Komödien, Historien und Tragödien ein [2]. 18 der 36 Stücke waren vorher nie gedruckt worden [2]. Verlegt wurde der Band von einer Londoner Gruppe um Edward Blount und Isaac Jaggard [2]. Das Inhaltsverzeichnis nennt nur 35 Stücke, weil der Text von "Troilus und Cressida" erst zu spät für das Verzeichnis beschafft wurde, und eine Liste führt 26 Schauspieler auf, darunter Shakespeare selbst [2]. Der Band enthält einen Kupferstich mit Shakespeares Bildnis von Martin Droeshout [1].

Gedruckt wurden schätzungsweise 750 Exemplare, bekannt sind heute 235, zwei davon wurden 2016 entdeckt [2]. Ungebunden kostete ein Exemplar 15 Shilling, in schlichtem Kalbsleder ein Pfund [2]. Nicht im Folio stehen "Perikles" und "Die beiden edlen Vettern"; ein weiteres Stück, "Cardenio", ist verloren [2, 3]. Für "König Eduard III." und Teile von "Sir Thomas More" sehen manche Forschende ebenfalls Shakespeare als Autor [3]. Wie der Druck mit beweglichen Lettern solche Ausgaben möglich machte, erklärt der Artikel über den Buchdruck.

Shakespeare in Deutschland und der Welt

Die deutsche Standardübersetzung ist die Schlegel-Tieck-Ausgabe [8]. Für sie übersetzte Dorothea Tieck von 1831 bis 1833 zusammen mit Wolf Heinrich Graf von Baudissin unter Anleitung ihres Vaters Ludwig Tieck sechs Dramen und arbeitete an zwei weiteren mit [8]. Am 23. April 1864, zum 300. Geburtstag, wurde in Weimar die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft gegründet, die älteste literarische Gesellschaft Deutschlands [9]. 1963 teilte sie sich in eine Gesellschaft in Bochum und eine in Weimar, 1993 schlossen sich beide wieder zusammen [9].

2012 lud das Globe in London zum Festival "Globe to Globe" 37 Ensembles aus aller Welt ein, die Shakespeare in ihrer eigenen Sprache spielten [10]. Eine Aufführung von "Richard II." kam in palästinensischem Arabisch auf die Bühne [10]. In welchem Umfeld Shakespeare schrieb, beschreibt der Artikel zur Renaissance.

  1. Organisation Shakespeare's life. Folger Shakespeare Library, Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation What is a First Folio?. Folger Shakespeare Library, Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Shakespeare FAQ. Folger Shakespeare Library, Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Shakespeare's Sonnets. Folger Shakespeare Library, Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Barbara Mowat, Paul Werstine: Shakespeare's Sonnets. An Introduction to This Text. Folger Shakespeare Library, Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Robyn Greenwood: Birth and burial records of William Shakespeare. Shakespeare Birthplace Trust. Stand 11.04.2012. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation The Globe Theatre. Shakespeare's Globe, London. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Studie Anne Baillot: Tieck, Dorothea, in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 256 bis 257. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Deutsche Biographie. Stand 2016. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Geschichte der Gesellschaft. Deutsche Shakespeare-Gesellschaft, Weimar. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Studie Amy Kenny: "A Feast of Languages": The Role of Language in the Globe to Globe Festival. Multicultural Shakespeare 11 (26), S. 31 bis 44. Universität Łódź. Stand 30.12.2014. abgerufen am 29.10.2026
  11. Studie Robert Bearman: Shakespeare marriage bond (Shakespeare Documented). Folger Shakespeare Library, Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  12. Studie Alan H. Nelson: Exchequer, Pipe Office, Declared Accounts: Listing Shakespeare as a leading player of the Lord Chamberlain's company (Shakespeare Documented). Folger Shakespeare Library, Washington. Stand 26.01.2018. abgerufen am 29.10.2026
  13. Organisation The purchase of the Birthplace (Shakespedia). Shakespeare Birthplace Trust. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.