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Die Geschichte des Buddhismus: vom Ganges bis nach Japan

Der Buddhismus geht auf Siddhartha Gautama zurück, der im Grenzgebiet des heutigen Indien und Nepal lebte; früher setzte man sein Leben etwa von 563 bis 483 v. Chr. an, viele Forscher nehmen heute einen Tod um 405 v. Chr. an. Unter dem Maurya-Herrscher Ashoka verbreitete sich die Lehre in Indien und darüber hinaus, später über Sri Lanka, Zentralasien und China bis nach Korea, Japan und Tibet. 2020 zählte das Pew Research Center 324 Millionen Buddhisten.

Der Buddhismus geht auf einen Lehrer zurück, den die Überlieferung Gautama nennt und der im Grenzgebiet des heutigen Indien und Nepal aufwuchs [1]. Seine Lehre heißt Dharma. Im Hinduismus bedeutet das Wort Pflicht, der Buddha gebrauchte es im Sinn eines kosmischen Gesetzes [2]. Weltweit lebten 2020 nach Berechnungen des Pew Research Center 324 Millionen Buddhisten, das waren 4,1 Prozent der Weltbevölkerung [3]. 98 Prozent von ihnen leben in Asien und im Pazifikraum [3].

Siddhartha Gautama

Gautama stammte aus einer wohlhabenden und einflussreichen Familie des Stammes der Shakya im Gebiet der heutigen Grenze zwischen Indien und Nepal [1]. Nach buddhistischer Überlieferung wurde er in Lumbini im heutigen Nepal geboren [2]. Etwa im 20. Jahr nach seiner Salbung zum König besuchte der Maurya-Herrscher Ashoka den Ort und ließ dort eine Steinsäule aufstellen, deren Inschrift Lumbini als Geburtsort des Buddha Shakyamuni nennt [4]. Nach der Inschrift befreite Ashoka das Dorf Lumbini von Abgaben, es musste nur noch ein Achtel seiner Ernte abliefern [4]. Geschrieben ist der Text in Brahmi-Schrift [4]. Wiederentdeckt wurde die Säule 1896. Die World History Encyclopedia nennt den früheren nepalesischen General Khadga Shamsher Jang Bahadur Rana als ersten Entdecker. Die Entdeckung wird oft dem Archäologen Alois Anton Führer zugeschrieben, dem später die Fälschung von Funden und Berichten vorgeworfen wurde [4]. Seit 1997 gehört Lumbini zum Welterbe der UNESCO [4].

Wann Gautama lebte, ist umstritten. Lange galten etwa 560 bis 480 v. Chr. als seine Lebenszeit, heute nehmen viele Forscher an, dass er um 405 v. Chr. starb [1]. Die World History Encyclopedia nennt die Jahre um 563 bis um 483 v. Chr. [2]. Eine Übersicht zur Geschichte des Buddhismus führt für das Todesjahr Schätzungen zwischen 420 und 368 v. Chr. an [5]. Einig sind sich die Quellen darin, dass er nach der Überlieferung 80 Jahre alt wurde [1, 2].

Die Legende erzählt, Gautama habe seine ersten 29 Jahre in einem Palast verbracht. Dann sah er einen alten Mann, einen Kranken, einen Toten und einen Asketen und verließ sein Zuhause [2]. Unter einem Feigenbaum im Dorf Bodh Gaya erlangte er das Erwachen, im Wildpark von Sarnath hielt er seine erste Predigt [2]. Er starb in Kushinagar [2]. Mit seinem Tod beginnt die buddhistische Zeitrechnung [5].

Die Lehre in Grundzügen

Die Lehre ist in Texten überliefert, die man Nikayas oder Agamas nennt [1]. Aufgeschrieben wurden sie erst mehrere Jahrhunderte nach dem Tod des Buddha, erhalten sind sie auf Pali und in chinesischen Übersetzungen aus dem Sanskrit [1]. Zusammengefasst wird die Lehre meist in den Vier Edlen Wahrheiten: Es gibt Leiden, es gibt eine Entstehung des Leidens, es gibt ein Ende des Leidens, und es gibt einen Weg dorthin [1]. Die World History Encyclopedia nennt das Verlangen als Ursache des Leidens [2].

Dieser Weg ist der Achtfache Pfad: rechte Ansicht, rechte Absicht, rechte Rede, rechtes Handeln, rechter Lebenserwerb, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit und rechte Sammlung [2]. Der Buddha selbst nannte seine Lehre einen mittleren Weg zwischen zwei Extremen, der Annahme eines ewigen Fortbestehens und der Annahme völliger Vernichtung [1]. Die World History Encyclopedia beschreibt diesen Weg als Mitte zwischen sklavischer Bindung an Besitz und der strengen Askese, wie sie die Jaina übten [2]. Zu den bekanntesten Lehren gehört die vom Nicht-Selbst, auf Sanskrit anatman [1]. Nach der Lehre verbindet das Karma eine absichtsvolle Handlung mit ihren Folgen, und Wesen, die noch nicht erwacht sind, werden nach den Gesetzen des Karma wiedergeboren [1]. Als Nirvana bezeichnet die Lehre das Ende des Leidens, das durch Einsicht und meditative Übung erreicht wird und weitere Wiedergeburten beendet [1]. Die Ursache des Leidens liegt nach dieser Lehre in der Unwissenheit über Leiden, Vergänglichkeit und das Nicht-Selbst, aus der Anhaften und Wiedergeburt folgen [1].

Konzile und erste Spaltung

Etwa drei Monate nach dem Tod des Buddha trafen sich seine Schüler in Rajagaha, um Lehre und Ordensregeln gemeinsam vorzutragen [5]. Auf einem zweiten Konzil, das die World History Encyclopedia auf 383 v. Chr. datiert, führte ein Streit über die Ordensdisziplin zur ersten Spaltung zwischen den Sthaviravada und den Mahasanghika [2]. Aus dieser Spaltung gingen nach dieser Darstellung später drei Hauptrichtungen hervor: Theravada, die Schule der Älteren, Mahayana, das Große Fahrzeug, und Vajrayana, das Diamantfahrzeug [2].

Ashoka und die erste Ausbreitung

Lange blieb der Buddhismus eine kleinere Schule unter vielen [2]. Das änderte sich unter Ashoka, der von 268 bis 232 v. Chr. im Maurya-Reich herrschte [2]. Nach dem Krieg gegen Kalinga um 260 v. Chr. sagte er sich nach dieser Darstellung von der Gewalt los und wandte sich dem Buddhismus zu [2]. Die World History Encyclopedia nennt als Ziele seiner Missionare unter anderem Sri Lanka, China, Thailand und Griechenland [2]. Ashokas eigene Felsedikte erwähnen davon nur einen Teil. Das 13. Felsedikt nennt Gebiete, in denen er den Sieg durch die Dhamma sieht: das Reich des griechischen Königs Antiochos, dahinter die Länder der vier Könige Ptolemaios, Antigonos, Magas und Alexander sowie im Süden die Cholas, die Pandyas und Tamraparni, den alten Namen Sri Lankas [7]. In der Übersetzung ist dort von Gesandten die Rede, im 5. Felsedikt von Dhamma-Beamten unter den Griechen, Kambojas und Gandharas an der Westgrenze [7]. Mit den Griechen meinen die Edikte hellenistische Herrscher, die Anmerkungen der Übersetzung nennen Antiochos II. von Syrien, Ptolemaios II. von Ägypten, Antigonos Gonatas von Makedonien, Magas von Kyrene und Alexander von Epirus [7]. China kommt in der übersetzten Auswahl der Edikte nicht vor [7]. In seine Regierungszeit fällt auch das dritte Konzil [5]. Wie das Großreich entstand, beschreibt der Beitrag Das Maurya-Reich, die Vorgeschichte steht in Das antike Indien.

Eine hohe glatte Sandsteinsäule steht allein in einer grasbewachsenen Ausgrabungsstätte im Morgendunst
Bild: KI-generiert

Sri Lanka und Südostasien

In Sri Lanka schrieben Mönche im 1. Jahrhundert v. Chr. die Texte des Theravada auf Palmblätter [5]. König Anawrahta von Bagan im heutigen Myanmar, der von 1044 bis 1078 regierte, nahm den Theravada-Buddhismus an [5]. Im 14. Jahrhundert verdrängte der Islam den Buddhismus in Malaysia, Indonesien und auf den südlichen Philippinen [5]. Theravada folgt den Texten auf Pali, das Ziel ist der Arhat, ein Mensch, der die Befreiung erreicht hat [2].

Hunderte alter Stupas aus Backstein auf einer weiten grünen Ebene bei Sonnenaufgang im leichten Nebel
Bild: KI-generiert

Heute haben sieben Länder eine buddhistische Bevölkerungsmehrheit: Kambodscha, Thailand, Myanmar, Bhutan, Sri Lanka, Laos und die Mongolei [3]. Zusammen leben dort 47 Prozent aller Buddhisten [3].

China, Korea und Japan

Als ersten buddhistischen Übersetzer nennen chinesische Quellen An Shigao, den die World History Encyclopedia auf 148 n. Chr. datiert [2]. Zwischen 842 und 845 ließ der chinesische Staat buddhistische Mönche verfolgen [2]. Den Weg der Waren und Ideen nach Osten beschreibt der Beitrag Die Seidenstraße.

Eine hölzerne Tempelhalle mit geschwungenem Ziegeldach in einem nebligen Bergwald, Steinlaternen säumen einen Weg
Bild: KI-generiert

In Korea machte das Königreich Goguryeo im Norden den Buddhismus 372 zur Staatsreligion, das Königreich Baekje im Westen folgte 384 [2]. Von Korea aus kam die Lehre nach Japan, der überlieferte Zeitpunkt ist 552, eine andere Angabe nennt 538 [2]. Als Begründer des Chan-Buddhismus in China gilt nach der Überlieferung Bodhidharma, für den die Jahre um 440 bis 528 genannt werden [5]. Um 1200 erreichte Chan Japan und wurde dort zum Zen [5].

Tibet und das Diamantfahrzeug

Im 7. Jahrhundert gelangte der Mahayana-Buddhismus nach Tibet [5]. Dort entwickelte sich das Vajrayana, das auch als tibetischer Buddhismus bezeichnet wird [2]. Mahayana folgt den Lehren in Sanskrit und schließt den Zen ein [2]. Seinen Namen, Großes Fahrzeug, erklärt die Übersicht zur Geschichte des Buddhismus damit, dass seine Anhänger ihre Ziele für größer hielten als die der Anhänger des Hinayana [5]. Beide Gruppen führt sie auf eine Teilung des Ordens etwa 100 Jahre nach dem Tod des Buddha zurück [5]. Nach der World History Encyclopedia ist es heute die am weitesten verbreitete Form [2].

Niedergang in Indien und Neubeginn

In Indien selbst erlebte der Buddhismus nach dem Ende des Kuschanreichs zur Zeit des Gupta-Reichs im 4. bis 6. Jahrhundert eine Blüte, große Lehrstätten entstanden vor allem im Nordosten [5]. Im 7. Jahrhundert berichtete der Reisende Xuanzang, der Buddhismus sei im Gebiet der heutigen Bundesstaaten Andhra Pradesh und Tamil Nadu am stärksten verbreitet [5]. Ab dem 10. Jahrhundert ging er in Indien stark zurück, seit dem 11. Jahrhundert wurde er auf dem Festland zerstört [5].

Ein Neubeginn kam im 20. Jahrhundert. Bhimrao Ramji Ambedkar, der den Ausschuss zur Ausarbeitung der indischen Verfassung geleitet hatte, trat am 14. Oktober 1956 in Nagpur zum Buddhismus über, gemeinsam mit etwa 388.000 Menschen aus den Kasten, die als unberührbar ausgegrenzt waren [6]. Später stieg die Zahl dieser Konvertiten auf etwa sechs Millionen [6]. Ambedkar zog die Selbstbezeichnung Dalit dem Wort Harijan vor [6].

Buddhismus heute

Im 19. und 20. Jahrhundert wuchs das Interesse am Buddhismus in Europa, den USA und Australien, 1975 entstand die Europäische Buddhistische Union [5]. Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Buddhismus nach dieser Übersicht in vielen europäischen Staaten offiziell als Religion anerkannt, in Deutschland und der Schweiz nicht [5]. Für Deutschland nennt sie etwa 250.000 Buddhisten [5]. In Indonesien, wo der Islam den Buddhismus im 14. Jahrhundert verdrängt hatte, folgte auf die Machtübernahme Suhartos 1966 eine deutliche Wiederbelebung [5]. Weltweit sank die Zahl nach dem Pew Research Center zwischen 2010 und 2020 um 19 Millionen auf 324 Millionen, ihr Anteil an der Weltbevölkerung fiel um 0,8 Prozentpunkte auf 4,1 Prozent [3]. In Südkorea ging der Anteil der Buddhisten in dieser Zeit um 7 Prozentpunkte zurück [3]. Wie sich andere Religionen über die Welt verbreiteten, zeigt der Längsschnitt Religionen in der Geschichte, für das Christentum der Beitrag Die Ausbreitung des Christentums.

ZeitEreignis
um 405 v. Chr.Tod des Buddha nach heute verbreiteter Annahme (traditionell um 483 v. Chr.)
268 bis 232 v. Chr.Herrschaft Ashokas im Maurya-Reich
1. Jahrhundert v. Chr.Theravada-Texte in Sri Lanka aufgeschrieben
372Goguryeo in Korea macht den Buddhismus zur Staatsreligion
552 (oder 538)Überlieferte Ankunft in Japan
14.10.1956Übertritt Ambedkars in Nagpur

Die Daten der Tabelle stammen aus den oben genannten Übersichten [1, 2, 5, 6].

  1. Mark Siderits: Buddha. Stanford Encyclopedia of Philosophy. Stand 06.03.2023. abgerufen am 29.10.2026
  2. Joshua J. Mark: Buddhism. World History Encyclopedia. Stand 25.09.2020. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Conrad Hackett u. a.: How the Global Religious Landscape Changed From 2010 to 2020. Pew Research Center. Stand 09.06.2025. abgerufen am 29.10.2026
  4. Lumbini. World History Encyclopedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Geschichte des Buddhismus. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  6. Bhimrao Ramji Ambedkar. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  7. Studie S. Dhammika: The Edicts of King Ashoka (Wheel 386/387), Übersetzung der Felsedikte. Buddhist Publication Society, veröffentlicht auf Access to Insight. Stand 1993. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.