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Die Geschichte der Demokratie: von Athen bis zum Grundgesetz
Die erste Demokratie entstand in Athen mit den Reformen des Kleisthenes 508/507 v. Chr. und bestand bis 322 v. Chr. Nach langer Pause gaben ihr die Amerikanische und die Französische Revolution im 18. Jahrhundert wieder eine positive Bedeutung. Seitdem verbreitete sie sich in mehreren Wellen, in Deutschland mit der Weimarer Republik und dem Grundgesetz von 1949.

Das Wort Demokratie stammt aus dem Griechenland des 5. Jahrhunderts v. Chr. [2]. Perikles, der von etwa 500 bis 429 v. Chr. lebte, verstand darunter die Herrschaft der Mehrheit [2]. Wie Demokratie in Deutschland heute funktioniert, erklärt die Seite Was ist Demokratie? Merkmale und Formen.
Athen: die erste Demokratie
Von 508/07 bis 322 v. Chr. herrschte in Athen eine direkte Demokratie [1]. Nach Hans Vorländer erreichte die Beteiligung der Bürger ein Ausmaß, das keine spätere Demokratie wieder erreicht hat [1]. Vorbereitet hatten sie die Reformen Solons von 594 v. Chr. [1]. Kleisthenes ordnete 508/507 v. Chr. die gesamte Gesellschaft neu und legte damit die Grundlage [1]. Der Geschichtsschreiber Herodot, der von 484 bis 425 v. Chr. lebte, überliefert, dass Kleisthenes die Demokratie in Athen eingeführt habe [2].

Das Machtzentrum war die Volksversammlung. Unter Perikles hatten 30.000 bis 35.000 erwachsene Bürger Zugang, und bei den Versammlungen waren wohl immer mindestens 6.000 anwesend, die für einen Beschluss notwendige Zahl [1]. Im Amtsjahr gab es etwa 40 Pflichtsitzungen, jede höchstens einen Tag lang [1]. Der Rat der 500 bestand aus je 50 Vertretern der zehn Phylen, der Bezirksverbände der Bürgerschaft [1]. Jede Phyle führte für ein Zehntel des Amtsjahres, also 36 Tage, die Geschäfte [1]. Jedes Jahr bestimmte das Los 6.000 Bürger zu Richtern, etwa ein Fünftel der Bürgerschaft [1]. Auch die rund 700 Amtsträger wurden grundsätzlich gelost, gewählt wurden nur wenige Ämter wie die Strategen, die Heerführer [1]. Perikles führte Tagegelder ein, damit auch Bürger ohne Vermögen an Versammlungen teilnehmen und Ämter übernehmen konnten [1].
Ein eigenes Verfahren war das Scherbengericht. Kleisthenes führte es ein, und wer verurteilt wurde, musste die Stadt für zehn Jahre verlassen [1]. Das erste fand 487 v. Chr. statt, das letzte 417 v. Chr. [1]. Wie die Stadt sonst lebte, beschreibt der Artikel Das antike Griechenland.
Wer in Athen mitbestimmen durfte
Frauen, Sklaven und Metöken, also Bewohner ohne Bürgerrecht, waren ausgeschlossen [1]. Vorländer nennt für Athen etwa 200.000 Einwohner, darunter rund 60.000 Männer, von denen etwa 30.000 Vollbürger waren [1]. Nach dem Tod Alexanders des Großen 323 v. Chr. wurde Athen in das Makedonische Reich eingegliedert, und die Demokratie endete [1].
Die großen Philosophen sahen die Demokratie kritisch. Platon, der von 427 bis 347 v. Chr. lebte, und Aristoteles, der von 384 bis 322 v. Chr. lebte, äußerten sich beide ablehnend über sie [2]. Erst die Amerikanische und die Französische Revolution im 18. Jahrhundert gaben dem Begriff wieder eine positive Bedeutung [2].
Die Römische Republik
Fast zur selben Zeit wie Athen schüttelte Rom die Königsherrschaft ab. Die World History Encyclopedia datiert den Sturz des letzten Königs Tarquinius Superbus auf 510 v. Chr. [9]. Die Regierungsgewalt lag danach bei zwei Konsuln, die die Zenturiatversammlung wählte und die jeweils nur ein Jahr amtierten [9]. Der Senat hatte keine echte Gesetzgebungsgewalt und beriet die Konsuln [9]. Seine Vorschläge mussten von der Zenturiatversammlung oder der Versammlung der Plebejer gebilligt werden, und stimmberechtigt waren in diesen Versammlungen nur männliche Bürger [9].
Zwischen Patriziern und Plebejern kam es zum Ständekampf um politische Macht; den ersten Auszug der Plebejer datiert die World History Encyclopedia auf 494 v. Chr. [9]. Die Plebejer wählten Volkstribune, die für sie sprachen [9]. 27 v. Chr. verlieh der Senat Octavian außerordentliche Vollmachten und den Namen Augustus, und als erster Kaiser beendete er die Republik [9]. Mehr dazu steht im Artikel Das Römische Reich.
Revolutionen in Amerika und Frankreich
Am 17. September 1787 unterzeichneten die Delegierten in Philadelphia die Verfassung der Vereinigten Staaten [3]. Mit New Hampshire stimmte der neunte Bundesstaat zu, und der Kongress erhielt die Nachricht davon am 2. Juli 1788 [3]. Bis zum 15. Dezember 1791 hatten drei Viertel der Staaten die ersten zehn Zusatzartikel angenommen, die Bill of Rights [3].
In Frankreich verabschiedete die Nationalversammlung 1789 die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte [4]. Ihr Artikel 3 legt den Ursprung aller Souveränität in die Nation, und Artikel 6 nennt das Gesetz den Ausdruck des allgemeinen Willens [4]. Die Erklärung gehört bis heute zu den Grundlagen der französischen Verfassung [4]. Mehr zu den Ereignissen steht im Artikel Die Französische Revolution. Ältere Wurzeln, etwa die Begrenzung königlicher Macht in England, behandelt der Artikel Die Magna Carta.
Die Paulskirche 1848/49
Am 18. Mai 1848 kamen die gewählten Abgeordneten des ersten gesamtdeutschen Parlaments in Frankfurt am Main zusammen [5]. Am 21. Dezember 1848 beschloss die Nationalversammlung die Grundrechte des deutschen Volkes, darunter die Gleichheit vor dem Gesetz, persönliche und politische Freiheiten und die Abschaffung der Todesstrafe [5]. Die Verfassung des Deutschen Reiches nahm sie am 27. März 1849 an und verkündete sie einen Tag später [5].

Der preußische König Friedrich Wilhelm IV., zum Kaiser der Deutschen gewählt, lehnte am 3. April 1849 ab und berief sich auf das Gottesgnadentum seiner Monarchie [5]. Im Juni 1849 wurde die verbliebene Versammlung gewaltsam aufgelöst [5]. Die Verfassung trat nie in Kraft, war aber nach Angaben des Bundestags Vorbild für alle späteren deutschen Verfassungswerke [5]. Der Artikel Die Revolution von 1848/49 erzählt den Verlauf.
Der französische Politiker François Guizot nannte die Demokratie unter dem Eindruck der Revolution von 1848 einen universellen Begriff [2].
Das Wahlrecht für Frauen
Nach dem Ende des Kaiserreichs beschloss der Rat der Volksbeauftragten am 12. November 1918 das allgemeine Wahlrecht für Männer und Frauen ab 20 Jahren [6]. Bei der Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen und gewählt werden [6]. 82,3 Prozent der wahlberechtigten Frauen gaben ihre Stimme ab [6]. Von 308 Kandidatinnen wurden 37 gewählt [6]. Wie die erste deutsche Demokratie arbeitete und warum sie scheiterte, beschreibt der Artikel Die Weimarer Republik.
In der Schweiz scheiterte die erste eidgenössische Abstimmung über das Frauenstimmrecht 1959 mit 66,9 Prozent Nein-Stimmen [10]. Am 7. Februar 1971 nahmen die Stimmbürger es mit 65,7 Prozent Ja-Stimmen an, und im Herbst 1971 wurden zehn Frauen in den Nationalrat und eine in den Ständerat gewählt [10]. Im Kanton Appenzell Innerrhoden entschied erst das Bundesgericht am 27. November 1990, dass Frauen auch dort abstimmen dürfen [10]. Zum ersten Mal stimmten sie dort am 28. April 1991 auf kantonaler Ebene ab; im Nachbarkanton Appenzell Ausserrhoden hatte die Landsgemeinde 1989 knapp zugestimmt [10].
Das Grundgesetz von 1949
Der Parlamentarische Rat verabschiedete das Grundgesetz am 8. Mai 1949 mit 53 Ja- und 12 Nein-Stimmen [7]. Die Militärgouverneure der westlichen Besatzungszonen genehmigten es am 12. Mai [7]. Von den Landtagen lehnte nur der bayerische ab; nötig war die Zustimmung von zwei Dritteln der elf Landesparlamente [7]. Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz in der Schlusssitzung des Parlamentarischen Rates verkündet, am 24. Mai trat es in Kraft [7]. Was es heute regelt, steht auf der Seite Das Grundgesetz einfach erklärt.
Demokratie in Wellen
Die Politikwissenschaft beschreibt die Ausbreitung der Demokratie in Wellen. Nach Vorländer entstanden in einer ersten Welle von den 1820er Jahren bis 1926 insgesamt 29 Demokratien [2]. Mit dem Faschismus in Italien sank ihre Zahl zeitweise auf zwölf [2]. Eine zweite Welle nach dem Zweiten Weltkrieg brachte bis in die 1960er Jahre 36 Demokratien hervor [2]. In einer dritten Welle von 1974 bis 1990 gingen etwa 30 weitere Staaten zu demokratischen Herrschaftsformen über, wozu die friedlichen Revolutionen in Mittel- und Osteuropa 1989/90 wesentlich beitrugen [2].
Der Arabische Frühling weckte Hoffnungen auf eine vierte Welle, vor allem in Tunesien, Ägypten, Libyen und Marokko; die Ergebnisse fielen nach Vorländer unterschiedlich aus [2]. Mehr dazu steht im Artikel Der Arabische Frühling.
Indien: Wahlen für Hunderte Millionen
Die erste gesamtindische Wahl nach der Unabhängigkeit fand vom 25. Oktober 1951 bis zum 27. März 1952 statt, verteilt über vier Monate [8]. Wahlberechtigt waren nach Rasheed Kidwai 173 Millionen Menschen, Männer und Frauen, die meisten arm und ohne Schulbildung [8]. Unter ihnen waren fast 80 Millionen Frauen [8]. Etwa 2,8 Millionen von ihnen konnten nicht wählen, weil sie bei der Erfassung ihren eigentlichen Namen nicht angegeben hatten [8]. Geleitet hat die Wahl Sukumar Sen, ein Beamter des indischen Staatsdienstes und erster oberster Wahlleiter des Landes [8]. Grundlage war das allgemeine Wahlrecht für Erwachsene [8].

Wichtige Daten
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 594 v. Chr. | Reformen Solons in Athen [1] |
| 510 v. Chr. | Sturz des letzten römischen Königs [9] |
| 508/507 v. Chr. | Reformen des Kleisthenes [1] |
| 487 v. Chr. | erstes Scherbengericht [1] |
| 322 v. Chr. | Ende der athenischen Demokratie [1] |
| 17.09.1787 | Unterzeichnung der US-Verfassung [3] |
| 1789 | Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte [4] |
| 18.05.1848 | Nationalversammlung in Frankfurt [5] |
| 28.03.1849 | Verkündung der Paulskirchenverfassung [5] |
| 19.01.1919 | Frauen wählen in Deutschland erstmals [6] |
| 23.05.1949 | Verkündung des Grundgesetzes [7] |
| 1951/52 | erste gesamtindische Wahl [8] |
| 07.02.1971 | Frauenstimmrecht in der Schweiz [10] |
- Hans Vorländer: Grundzüge der athenischen Demokratie. Bundeszentrale für politische Bildung, Informationen zur politischen Bildung 332. Stand 04.05.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Hans Vorländer: Demokratie. Geschichte eines Begriffs. Bundeszentrale für politische Bildung, Informationen zur politischen Bildung 332. Stand 04.05.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde The Constitution of the United States: A History. National Archives (USA). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Déclaration des Droits de l'Homme et du Citoyen de 1789. Conseil constitutionnel. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 27. März 1849: Paulskirche verabschiedet Verfassung des Deutschen Reiches. Deutscher Bundestag. Stand 25.03.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Frauenwahlrecht in Deutschland. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Stefan Marschall: Wie und wann wurde das Grundgesetz beschlossen?. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 20.03.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Rasheed Kidwai: The first CEC who shaped India's elections. Observer Research Foundation. Stand 06.07.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Donald L. Wasson: Roman Republic. World History Encyclopedia. Stand 07.04.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Frauen stimmen. Das Schweizer Parlament. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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