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Marco Polo: der Venezianer am Hof Kublai Khans

Marco Polo (um 1254 bis 1324) war ein Kaufmann aus Venedig. 1271 reiste er mit Vater und Onkel nach Osten, erreichte 1275 den Hof Kublai Khans und stand rund 17 Jahre in dessen Diensten. Nach der Rückkehr 1295 diktierte er in genuesischer Gefangenschaft einen Bericht, der als "Il Milione" bekannt wurde.

Ein mittelalterliches Handelsschiff mit gerefften Segeln an einem Steinkai einer Lagunenstadt im Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Marco Polo lebte von etwa 1254 bis 1324 und stammte aus Venedig [1, 3]. Von ungefähr 1275 bis 1292 diente er dem Mongolenherrscher Kublai Khan [1]. Sein Reisebericht prägte das Bild, das sich Europa von China als reichem und fremdem Land machte, und gilt als Quelle für die mongolische Herrschaft im späten 13. Jahrhundert [1].

Herkunft aus einer Kaufmannsfamilie

Marco Polo wurde 1254 in eine wohlhabende venezianische Kaufmannsfamilie geboren, seine Mutter starb kurz nach der Geburt [1]. Sein Vater Niccolò und sein Onkel Maffeo waren bereits einmal nach Ostasien gereist [1]. Nach dem Artikel von Louis Bréhier in der Catholic Encyclopedia von 1911 brachen sie um 1255 mit Juwelen von Konstantinopel aus auf und kamen über Sudak auf der Krim an den Hof des Khans Berke an der Wolga [5]. Weil ein Krieg den Rückweg versperrte, zogen sie weiter nach Buchara und blieben dort drei Jahre [5]. Gesandte Hülegüs nahmen sie schließlich mit an den Hof Kublai Khans, der sie über die christlichen Länder und den Papst befragte und ihnen Briefe an den Papst mitgab, in denen er um christliche Missionare bat [5]. 1269 erreichten die Brüder Akkon [5]. Die Wege, auf denen sie und andere Händler zogen, beschreibt der Artikel Die Seidenstraße.

Die Reise nach Osten

1271 brach Marco gemeinsam mit Vater und Onkel zu deren zweiter Reise nach Ostasien auf, nach der World History Encyclopedia mit etwa 17 Jahren, nach der Catholic Encyclopedia mit 18 [1, 5]. Der am 1. September 1271 gewählte Papst Gregor X. gab ihnen in Akkon Briefe mit und schickte zwei Dominikaner mit, die in Armenien umkehrten [1, 5]. Die Polos nahmen bekannte Handelswege über Land, darunter die Seidenstraße, durch Persien, das Reich der Ilchane, Samarkand, Turkestan und das Chagatai-Khanat [1]. An manchen Orten blieben sie Monate, um sich zu erholen oder auf eine Karawane mit Geleitschutz zu warten [1].

Eine lange Kamelkarawane zieht bei Sonnenaufgang über helle Wüstendünen, am Horizont liegen Berge
Bild: KI-generiert

Nach dreieinhalb Jahren erreichten sie 1275 Shangdu, auch Xanadu genannt, die Sommerresidenz Kublai Khans [1, 3]. Dass Reisende aus Europa so weit kamen, hatte mit der Ausdehnung des Mongolenreichs zu tun, das der Artikel Das Mongolische Reich beschreibt.

Am Hof Kublai Khans

Kublai war ein Enkel von Dschingis Khan und regierte als Kaiser der Yuan-Dynastie, die von 1276 bis 1368 bestand [1]. Sein Reich reichte vom Kaspischen Meer bis nach Korea, seine Hauptstadt Cambaluc lag dort, wo heute Peking steht [1]. Nach der World History Encyclopedia förderte er die Literatur, bevorzugte den Buddhismus und duldete alle Religionen [1]. Marco beschrieb den Khan als mittelgroß, ebenmäßig gebaut, mit heller, leicht rosiger Haut und schwarzen Augen [1]. Über den Großvater des Herrschers berichtet das Lebensbild Dschingis Khan.

Marco wurde ein reisender Gesandter des Khans, der sich ungern auf chinesische Beamte verließ [1]. Er kam in entlegene Teile des Reiches, lernte Sprachen und machte sich ausführliche Notizen [1]. Das Projekt "China und der Westen" der Universität Zürich führt ihn von 1275 bis 1292 als Verwaltungsbeamten Kublai Khans, der 1277 als Diplomat nach Sichuan und Yunnan kam [3]. Möglicherweise war er drei Jahre lang stellvertretender Statthalter von Yangzhou, manche Forscher sehen seine Rolle dort anders [1]. Nach eigener Darstellung stand er 17 Jahre im Dienst des Khans [2]. Er erwähnt auch Juden in Peking [3].

Rückkehr über das Meer

1292 verließen die Polos China, nachdem der Khan sie nur ungern hatte gehen lassen [1]. Offizieller Anlass war der Auftrag, eine Prinzessin zu ihrer Hochzeit mit dem Mongolenherrscher Arghun nach Persien zu begleiten, dafür erhielten sie Pässe und Juwelen [1]. Die Catholic Encyclopedia spricht von einer Flotte aus 14 viermastigen Schiffen [5]. Nach der Universität Zürich schifften sie sich in Guangzhou nach Sumatra und Hormus ein [3]. Die World History Encyclopedia nennt als Route Vietnam, Sumatra, Sri Lanka und den Persischen Golf [1].

Eine große hölzerne Dschunke mit braunen Segeln auf ruhigem tropischem Meer vor fernen grünen Inseln
Bild: KI-generiert

1295, ein Jahr nach Kublais Tod, kamen die drei nach 24 Jahren wieder in Venedig an und wurden zunächst kaum erkannt [1]. Die Juwelen halfen ihnen, und sie erhielten den Spitznamen "Millioni"; eine andere Erklärung führt den Namen darauf zurück, dass Marco ständig vom Reichtum Chinas sprach [1].

Gefangenschaft in Genua und das Buch

Im Krieg Venedigs gegen Genua kämpfte Marco Polo als Kapitän eines Schiffes und geriet 1296 oder 1298 in Gefangenschaft [1]. Nach der Catholic Encyclopedia befehligte er 1296 eine Galeere, als die venezianische Flotte im Golf von Lajazzo vernichtet wurde [5]. Die Universität Zürich setzt die Haft in Genua auf 1298 bis 1299 [3]. Dort diktierte er einem Mitgefangenen, Rustichello da Pisa, seinen Bericht, gestützt auf seine Notizen aus Asien [1, 2, 3].

Rustichello schrieb den Text auf Altfranzösisch nieder, das Original ist verloren [3]. Erhalten sind etwa 140 Abschriften und Übersetzungen, die teils stark voneinander abweichen [3]. Als beste Druckausgabe gilt nach der Universität Zürich die von Giovanni Battista Ramusio, die auf fünf Handschriften beruht [3]. Das Buch ist unter mehreren Titeln bekannt, darunter "Il Milione" und "Die Beschreibung der Welt" [1]. Es war um 1298 im Umlauf und erregte großes Aufsehen [1]. Der Prolog sagt selbst, dass es eigene Beobachtungen mit Berichten aus zweiter Hand verbindet [1].

Was das Buch beschreibt

Ausführlich beschreibt Marco Polo das Papiergeld des Khans, beglaubigt mit Unterschriften und roten Siegeln; auf Fälschung stand die Todesstrafe [1]. Er erwähnt Kohle als Brennstoff in den Haushalten [1]. Für die Post des Reiches nennt er Stationen alle 25 bis 30 Meilen mit je 400 Pferden, insgesamt rund 200.000 Pferde [1]. Die runden, mit Filz bedeckten Zelte der Mongolen ließen sich nach seiner Schilderung zerlegen und auf vierrädrigen Wagen fahren, der Eingang zeigte immer nach Süden [1].

Eine steinerne Bogenbrücke über einem Kanal in einer alten chinesischen Wasserstadt mit Weiden im Morgendunst
Bild: KI-generiert

Aus der Residenz des Khans berichtet er von einem künstlichen Hügel, dem Grünen Berg, etwa 100 Schritt hoch, auf den Kublai ganze Bäume samt Wurzeln von Elefanten bringen ließ [1]. Den chinesischen Reiswein beschreibt er als stark, gewürzt und schnell berauschend [1]. Auch Orte außerhalb Chinas kommen vor: In Balsara und Baldach sah er Dattelpalmen, Seide mit Goldfäden, Damast und Samt sowie Perlen aus Indien, die dort durchbohrt wurden [1]. Im indischen Koulam schildert er, wie Indigo aus einer Pflanze gewonnen wird, die man in Wasser verrotten lässt, presst und zu einer Paste trocknet [1].

Besonders ausführlich schildert er die Stadt Kinsay, das heutige Hangzhou, die bis 1279 Hauptstadt der Südlichen Song gewesen war [2]. Er gibt ihren Umfang mit 100 Meilen an, die Herausgeber der Übersetzung von Henry Yule vermuten dahinter 100 chinesische Li, etwa 40 Meilen [2]. Nach seinem Bericht hatte die Stadt 12.000 steinerne Brücken mit je zehn Wächtern, etwa 3.000 warme Bäder und zehn Hauptmärkte, zu denen an drei Tagen der Woche 40.000 bis 50.000 Menschen kamen [2]. Zwölf Zünfte sollen jeweils 12.000 Häuser belegt haben, die Zahl aller Feuerstellen gibt er mit 1.600.000 an [2]. Nachtwächter zeigten mit einem Holzinstrument die Stunden an, bei einem Brand eilten ein- bis zweitausend Wächter herbei [2]. In der ganzen Stadt nennt er nur eine Kirche, die den nestorianischen Christen gehörte [2]. Wie die Stadt unter den Song gewachsen war, erklärt der Artikel Die Song-Dynastie.

Das Buch machte in Europa den Namen "Cathay" für China bekannt, eine verballhornte Form des Volksnamens der Kitan [1].

War Marco Polo in China?

Ob alles stimmt, was Marco Polo erzählt, ist umstritten. Tee, das Einbinden der Füße bei Frauen, die Große Mauer, die chinesische Schrift, den Holztafeldruck und Essstäbchen erwähnt er nicht [1]. Die Historikerin Frances Wood vom British Museum weist außerdem darauf hin, dass er chinesische Sehenswürdigkeiten mit persischen Wörtern beschreibt und seine eigene Laufbahn am Hof unglaubwürdig darstellt [2]. Sie vermutet, dass er viele Geschichten von persischen Kaufleuten an Karawanenstationen hörte [2].

Dagegen steht, dass sich viele Ortsnamen aus seinem Buch durch chinesische Quellen und die Archäologie bestätigen lassen [1, 2]. Für die Lücken gibt es Erklärungen: Die mongolischen Herrscher pflegten andere Bräuche als die Chinesen, und die Mauer war zu dieser Zeit verfallen [1].

Späte Jahre in Venedig

Nach seiner Freilassung lebte Marco Polo zurückgezogen in Venedig, heiratete und hatte drei Töchter [1]. Bis zu seinem Tod gehörte er dem Großen Rat der Stadt an [5]. Er starb 1324 mit etwa 70 Jahren und wurde bei der Kirche San Lorenzo in Venedig begraben [1]. Eine Legende erzählt, er habe auf dem Sterbebett bestritten, übertrieben zu haben: Er habe nicht einmal die Hälfte dessen erzählt, was er gesehen habe [1].

Sein Testament auf Pergament liegt heute in der Biblioteca Nazionale Marciana in Venedig [4]. Es trägt die Jahreszahl 1323 nach dem venezianischen Kalender, was 1324 entspricht [4]. Am 13. April 2018 stellte die Bibliothek in Venedig eine neue Untersuchung und Ausgabe des Testaments vor [4].

Christoph Kolumbus las das Buch und suchte 1492 einen Seeweg nach Westen, um Asien zu erreichen [1]. Wie es dazu kam, schildern das Lebensbild Christoph Kolumbus und der Artikel Die europäischen Entdeckungsfahrten.

  1. Marco Polo (Mark Cartwright). World History Encyclopedia. Stand 12.02.2019. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Marco Polo: The Glories of Kinsay (aus der Übersetzung von Henry Yule und Henri Cordier, 1903). Internet Medieval Sourcebook, Fordham University. Stand 1996. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Marco Polo (Eintrag im Projekt China und der Westen). Universität Zürich. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Ego Marcus Paulo volo et ordino: Marco Polo's will. Biblioteca Nazionale Marciana und Scrinium. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Marco Polo (Catholic Encyclopedia, Band 12, Louis Bréhier). New Advent. Stand 1911. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.