Themen quer durch die GeschichteRatgeber
Die Ausbreitung des Christentums von Jerusalem bis heute
Das Christentum entstand im 1. Jahrhundert aus einer Gruppe innerhalb des Judentums in Palästina, die an Jesus von Nazareth glaubte. Nach Verfolgungen erlaubte das Mailänder Edikt 313 den Christen im Römischen Reich die freie Religionsausübung, unter Theodosius I. wurde der christliche Glaube 380 vorgeschrieben. Daneben verbreitete es sich früh in Armenien, Aksum, Indien und bis nach China; 2020 zählte das Pew Research Center 2,3 Milliarden Christen.

Das Christentum ist im 1. Jahrhundert aus einer Minderheit im Judentum Palästinas hervorgegangen, die an Jesus von Nazareth glaubte [1]. 2020 lebten nach Berechnungen des Pew Research Center 2,3 Milliarden Christen auf der Welt, das waren 28,8 Prozent der Weltbevölkerung [2]. Neben den Gemeinden im Römischen Reich gab es schon in der Spätantike Kirchen in Armenien, Äthiopien, Persien und Indien, im 7. Jahrhundert erreichten Christen China [1, 5, 6, 7, 8].
Anfänge in Palästina und Antiochia
Die Zeit des Urchristentums setzt die Forschung etwa von 30 bis 130 n. Chr. an [1]. Mit der Eroberung Jerusalems durch die Römer im Jahr 70 kam es zu einem deutlichen Bruch zwischen beiden Gruppen, nachdem sie sich zuvor allmählich auseinanderentwickelt hatten [1]. Nach der Apostelgeschichte wurden die Jünger in Antiochia zum ersten Mal Christen genannt [1, 3]. Die World History Encyclopedia setzt den Beginn eines eigenen, vom Judentum getrennten Selbstverständnisses in die Mitte des 2. Jahrhunderts [4].
Wie sich die ersten Gemeinden im Mittelmeerraum bildeten, schildert die Apostelgeschichte. Eine Einführung in das Buch gibt es auf bibel.domain-root.de unter Die Apostelgeschichte, das Lebensbild des wichtigsten Missionars dieser Zeit unter Der Apostel Paulus.
Zentrale Glaubensinhalte
Die Kernaussagen des Christentums fasst das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel zusammen, das die Evangelische Kirche in Deutschland auf ihrer Website wiedergibt. Danach glauben Christen an Gott den Vater, den Allmächtigen und Schöpfer von allem, was sichtbar und unsichtbar ist [12]. Sie glauben an Jesus Christus als Gottes Sohn, der Mensch wurde, unter Pontius Pilatus gekreuzigt wurde, starb und begraben wurde, am dritten Tag auferstand und in den Himmel auffuhr [12]. Er soll wiederkommen, um Lebende und Tote zu richten [12]. Das Bekenntnis nennt außerdem den Heiligen Geist, der Leben gibt und mit Vater und Sohn verehrt wird, die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche, die Taufe zur Vergebung der Sünden sowie die Erwartung der Auferstehung der Toten und eines Lebens in der kommenden Welt [12]. In der westlichen Christenheit ist das Apostolische Glaubensbekenntnis verbreitet, das im Gottesdienst gemeinsam gesprochen wird [13].
Verfolgungen im Römischen Reich
Der römische Historiker Tacitus berichtet, Kaiser Nero habe nach dem großen Brand Roms die Schuld auf die Christen geschoben, um Gerüchte über eine angeordnete Brandstiftung zu beenden [9]. Den Namen führt Tacitus auf Christus zurück, der unter Kaiser Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden sei [9]. Nach seiner Darstellung ließ Nero zahlreiche Christen grausam töten [9].
Weitere Verfolgungen gab es unter Domitian (81 bis 96) und Trajan (98 bis 117), unter Trajan starb Bischof Ignatius von Antiochia [1]. 155 starb Polykarp von Smyrna als Märtyrer, 177 wurden Christen in Lyon und Vienne verfolgt [1]. Die Kaiser Decius (249 bis 253) und Valerian (253 bis 260) ordneten erstmals Verfolgungen im ganzen Reich an [1]. Die größte Verfolgung fiel in die Zeit Diokletians, die Übersicht datiert sie auf 303 bis 311 [1]. Vor dieser Verfolgung waren nach Schätzungen etwa zehn Prozent der Bevölkerung des Reichs Christen [1].
Von der Duldung zur Reichsreligion
311 beendete Kaiser Galerius mit dem Toleranzedikt von Nikomedia die Verfolgungen [1]. 313 vereinbarten die Kaiser Konstantin und Licinius in Mailand, dass Christen und alle anderen ihre Religion frei ausüben durften, beschlagnahmte Versammlungsstätten der Christen mussten zurückgegeben werden [10]. Der überlieferte Text sagt, jeder solle die freie Möglichkeit haben, so zu verehren, wie es ihm gefalle [10]. Eusebius, seit 314 Bischof von Caesarea Maritima, wirkte während der Herrschaft Konstantins als Hofbischof [4]. Mehr über den Kaiser steht im Beitrag Konstantin der Große.
325 tagte in Nicäa das erste ökumenische Konzil, 381 das erste Konzil von Konstantinopel [1]. Unter Theodosius I. folgten 380 und 390/391 Gesetze, die den christlichen Glauben vorschrieben und oft als Erhebung zur Staatsreligion gedeutet werden [1]. Das Gesetz im Codex Theodosianus 16,1,2 verlangte von allen Völkern unter römischer Herrschaft den Glauben an die eine Gottheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist [11]. Wer ihm folgte, durfte sich katholischer Christ nennen, alle anderen galten als Häretiker und durften ihre Versammlungen nicht Kirchen nennen [11]. Unter Justinian I. im 6. Jahrhundert war das Christentum dann faktisch Staatsreligion [1]. Wie das Reich in dieser Zeit aussah, erklärt der Beitrag Die Spätantike.
Armenien, Aksum und Indien
In Armenien wurde es nach der Überlieferung zur Religion des Königshauses, als König Trdat durch Gregor den Erleuchter geheilt worden sein soll [5]. Die spätere Überlieferung datiert das auf 301, nach der historischen Forschung bekannte sich Trdat um 314 zum christlichen Glauben [5]. Die Kirche nennt sich selbst Heilige Apostolische Kirche der Armenier [5].

Im Königreich Aksum im heutigen Äthiopien und Eritrea regierte im 4. Jahrhundert König Ezana [6]. Seine frühen Münzen zeigen Sonnenscheibe und Halbmond, die späteren ein Kreuz [6]. Seinen früheren Lehrer, den Syrer Frumentius, setzte er an die Spitze der äthiopischen Kirche [6]. Nach der World History Encyclopedia unterrichtete Frumentius, ein gestrandeter Reisender aus Tyros, zuerst die königlichen Kinder, wurde Schatzmeister und Berater des Königs, holte sich in Alexandria den Titel vom Patriarchen und kehrte als erster Bischof zurück [14]. Einen ausdrücklichen Bericht über Ezanas Übertritt gibt es nach Encyclopedia.com nicht, er wird aus den Münzsymbolen erschlossen, und erst die letzte bekannte Inschrift ehrt den christlichen Gott [15]. Ezanas Siegesinschrift steht in drei Sprachen auf einer Stele in Aksum: Ge'ez, Sabäisch und Griechisch [6]. Übersetzt hat sie Enno Littmann während einer Expedition nach Aksum 1905, eine zweite Stele mit demselben Inhalt wurde 1978 gefunden [6]. Ein Brief des römischen Kaisers Constantius II. forderte Ezana auf, Frumentius nach Alexandria zu schicken, weil er in kirchlichen Fragen Fehler begangen habe. Ob Ezana dem nachkam, ist unbekannt [6].
Die Thomaschristen im heutigen Bundesstaat Kerala führen ihre Kirche auf eine Mission des Apostels Thomas zurück [7]. Nach ihrer Überlieferung erreichte er Indien um das Jahr 52, die Gründungsgeschichte gilt als legendär [7]. Nach der Bundeszentrale für politische Bildung ist die Überlieferung von einer Patina des Glaubens überdeckt, und eine Denkschule geht davon aus, dass in den ersten vier Jahrhunderten mehrere Männer namens Thomas nach Indien kamen, zuletzt Thomas von Cana im 4. Jahrhundert [16]. Seit dem 4. Jahrhundert ist die Indientradition bei den Kirchenvätern verbreitet, und Mitte des 6. Jahrhunderts traf der Reisende Kosmas Indikopleustes Christen in Südindien an [7]. Heute zählen die Thomaschristen etwa sieben Millionen Mitglieder, verteilt auf mehrere Kirchen, darunter die syro-malabarische katholische Kirche, syrisch-orthodoxe Kirchen und die Mar-Thoma-Kirche [7].
Die Kirche des Ostens bis China
Östlich des Römischen Reichs entstand die ostsyrische Kirche des Ostens mit ihrem Oberhaupt in Seleukia-Ktesiphon, später in Bagdad [7]. Um 720 unterstellten sich ihr die Thomaschristen in Malabar [7]. Ihre Missionare gelangten bis nach China und erhielten 635 die Anerkennung des Tang-Kaisers Taizong [8].

Davon berichtet eine Stele, die 781 in der Hauptstadt Chang'an, dem heutigen Xi'an, oder im nahen Zhouzhi aufgestellt wurde [8]. Ihr Text ist überwiegend chinesisch, mit etwa 1.756 Schriftzeichen, dazu kommen etwa 70 Wörter in syrischer Schrift [8]. Als Verfasser gilt der Mönch Jingjing [8]. Nach einem Aufsatz in Studies in Church History wurde die Stele 781 von syrischen Christen aufgestellt und hat chinesische und syrische Abschnitte [18]. Der Text erinnert an die Ankunft der ersten Missionare rund 150 Jahre zuvor, meist persische Christen, die aus dem Sassanidenreich geflohen waren, und beschreibt christliche Gemeinden im Norden Chinas [8]. Die Stele wurde 1625 ausgegraben und steht heute im Stelenwald-Museum in Xi'an [8]. Über die Hauptstadt und ihre Zeit berichtet der Beitrag Die Tang-Dynastie.
Europa im Mittelalter
Im 5. Jahrhundert wirkte Patrick in Irland [1]. Im Jahr 451 lehnten die miaphysitischen Kirchen die Beschlüsse des Konzils von Chalkedon ab und trennten sich von der Reichskirche [1]. Um 800 besiegte Karl der Große die Sachsen [1]. Im 9. Jahrhundert schickte der Patriarch Photios Missionare zu den Rus, und Kyrill und Method gingen nach Mähren [1].

Mitte des 10. Jahrhunderts ließ sich Olga von Kiew taufen, Wladimir I. (960 bis 1015) führte Kiew zum Christentum, Nowgorod wurde 991 getauft [1]. Die baltischen Völker wurden vom 10. bis zum 13. Jahrhundert gewaltsam christianisiert, Litauen trat Ende des 14. Jahrhunderts über [1]. Am 16. Juli 1054 legte der päpstliche Gesandte Humbert eine Bannbulle auf den Altar der Hagia Sophia in Konstantinopel [1]. Das Jahr 1054 gilt als Datum des Großen Schismas zwischen Ost- und Westkirche [1]. Ab 1095 folgten die Kreuzzüge, die der Beitrag Die Kreuzzüge beschreibt [1]. Die Geschichte der östlichen Hauptstadt erzählt Das Byzantinische Reich.
Neuzeit und Kolonialzeit
Im 16. Jahrhundert spaltete die Reformation die Kirche im Westen, getragen von Luther, Zwingli und Calvin [1]. Im selben Jahrhundert verbreitete sich das Christentum in Lateinamerika [1]. In Japan landeten 1549 die ersten Jesuiten in Kagoshima [4]. Als die Portugiesen 1498 Calicut erreichten, fanden sie dort eine wohlhabende christliche Gemeinde vor [16]. Nach Wikipedia nahmen die Thomaschristen sie zunächst als Brüder auf [7]. 1599 versuchte Erzbischof Aleixo de Menezes auf der Synode von Diamper, deren Kirche und Liturgie nach den Vorgaben des Konzils von Trient umzugestalten, unter anderem mit der Pflicht zum Zölibat für Diakone und Priester [7]. Diese Eingriffe gelten als eine Hauptursache der späteren Spaltung, die 1653 mit dem sogenannten Schwur am schiefen Kreuz begann [7]. Die Synode sollte die Thomaschristen latinisieren, viele syrische Handschriften wurden vernichtet, und viele Historiker halten sie für ungültig, weil Menezes dafür die Vollmacht fehlte und Rom die Beschlüsse nicht bestätigte [17]. Den Umbruch in Europa beschreibt der Beitrag Die Reformation.
Im 17. und 18. Jahrhundert verbreitete sich der Protestantismus in Nordamerika und Australien, die russische Orthodoxie nach Sibirien und Japan [1]. In der Kolonialzeit breitete sich das Christentum in Afrika weit aus [1].
Das Christentum heute
Zwischen 2010 und 2020 wuchs die Zahl der Christen nach dem Pew Research Center um 122 Millionen auf 2,3 Milliarden, ihr Anteil an der Weltbevölkerung sank aber um 1,8 Prozentpunkte auf 28,8 Prozent [2]. Die meisten Christen leben inzwischen in Afrika südlich der Sahara, das 2020 Europa überholt hat [2].
| Region | Anteil an allen Christen 2020 |
|---|---|
| Afrika südlich der Sahara | 31 Prozent |
| Lateinamerika und Karibik | 24 Prozent |
| Europa | 22 Prozent |
Die Zahlen der Tabelle stammen aus dem Bericht des Pew Research Center [2]. In 120 Ländern und Gebieten stellten Christen 2020 die Mehrheit, 2010 waren es 124 [2]. Unter 50 Prozent fiel ihr Anteil unter anderem im Vereinigten Königreich mit 49 Prozent, in Australien mit 47 Prozent, in Frankreich mit 46 Prozent und in Uruguay mit 44 Prozent [2]. Wie sich andere Religionen ausbreiteten, zeigen die Beiträge Die Geschichte des Buddhismus und Die Geschichte des Islam.
- Geschichte des Christentums. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Conrad Hackett u. a.: How the Global Religious Landscape Changed From 2010 to 2020. Pew Research Center. Stand 09.06.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Apostelgeschichte 11 (Lutherbibel 1912). eBible.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Christianity (Übersichtsseite mit Artikelauszügen). World History Encyclopedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Armenische Apostolische Kirche. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Ezana. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Thomaschristen. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Nestorianische Stele. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Tacitus: Annalen 15,44 (englische Übersetzung von Alfred John Church und William Jackson Brodribb). Perseus Digital Library, Tufts University. Stand 1876. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Lactantius: De mortibus persecutorum 48 (Edikt von Mailand), Translations and Reprints, University of Pennsylvania. Internet History Sourcebooks Project, Fordham University. Stand 1897. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Codex Theodosianus 16,1,2 (englische Übersetzung). Internet History Sourcebooks Project, Fordham University. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel. Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Apostolisches Glaubensbekenntnis. Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Kingdom of Axum. World History Encyclopedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ezana. Encyclopedia.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vom Apostel Thomas zu Christen im Untergrund (Christen in Indien). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Diamper, Synod of. Encyclopedia.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Silk Road Christians and the Translation of Culture in Tang China. Cambridge University Press, Studies in Church History. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
ThemenDie Geschichte des IslamGeschichte des Islam im Überblick: Mohammed und die Hidschra 622, Kalifen, Sunniten und Schiiten, Abbasiden, Osmanen …
ThemenDie SäkularisierungSäkularisierung erklärt: vom Kirchenrecht über den Reichsdeputationshauptschluss 1803 und die Trennung von Staat und Kirche …
ThemenRecht und Justiz in der GeschichteWie Recht entstand und sich wandelte: Ur-Nammu, Hammurabi, Tang-Kodex, islamisches Recht, Sachsenspiegel, Magna Carta …