Weltregionen und LänderRatgeber
Die Geschichte der USA von den ersten Bewohnern bis zur Gegenwart
Die Vereinigten Staaten gingen aus 13 britischen Kolonien an der Atlantikküste hervor, die sich 1776 für unabhängig erklärten und sich 1787 eine Verfassung gaben. Im 19. Jahrhundert dehnten sie sich auf Kosten der indigenen Völker nach Westen aus, im Bürgerkrieg 1861 bis 1865 wurde die Sklaverei abgeschafft. Im 20. Jahrhundert stiegen die USA zur Weltmacht auf.

Am 4. Juli 2026 jährte sich die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten zum 250. Mal [1]. Gegründet haben den Staat 13 britische Kolonien an der nordamerikanischen Atlantikküste [2]. Die ersten Menschen ließen sich nach dem Historiker Philipp Gassert schon vor über 13.000 Jahren auf dem heutigen Staatsgebiet nieder [3].
Die ersten Bewohner
Nach Gassert entstanden um das Jahr 1000 erste Hochkulturen, und um 1500 trafen die Europäer auf komplexe Gesellschaften [3]. Am Mississippi und am Ohio entwickelten die sogenannten Mound Builder frühe Agrarkulturen. Der Anbau von Mais und Kürbis war bei Ankunft der Europäer weit verbreitet, und die Haudenosaunee, auch Six Nations oder Irokesen genannt, bildeten eigene Formen der Staatenbildung [4]. Die Mischkultur aus Mais, Kürbis und Bohnen kam im ersten Jahrtausend nach Christus aus Mesoamerika, wo sie seit etwa 7.000 Jahren betrieben wurde. Das Wissen über die Pflanzen lag nach Mackenthun vor allem bei den Frauen [4].

1996 wurde am Columbia River im Bundesstaat Washington das etwa 10.000 Jahre alte Skelett des sogenannten Kennewick Man gefunden. Forscher ordneten es zunächst als "caucasoid" ein, eine Analyse alter DNA zeigte dann die Verwandtschaft mit heutigen Stämmen, darunter den Colville [4]. Als der Engländer Arthur Barlow 1584 die Gegend um Roanoke im heutigen North Carolina erkundete, beschrieb er Felder mit drei Ernten im Jahr [4].
Die Amerikanistin Gesa Mackenthun hält das Bild der Indigenen als "Nomaden" für wissenschaftlich unhaltbar. Es verdecke eine vielfältige Wirtschaft aus Jagd, Fischfang, Sammeln und Pflanzenbau und habe dazu gedient, Enteignungen zu rechtfertigen [4]. Bei der Volkszählung 2020 gaben 6.363.796 Menschen an, ganz oder teilweise American Indian zu sein. Unter denen, die nur diese Angabe machten, bildeten die Navajo Nation und die Cherokee die größten Gruppen [5].
Kolonien und Sklaverei
Frankreich gründete 1608 Québec, die Niederlande 1625 Neu Amsterdam [3]. 1607 entstand mit Jamestown in Virginia die erste dauerhafte englische Siedlerkolonie [3]. 1619 wurden die ersten versklavten Afrikanerinnen und Afrikaner angelandet. Zwischen 1600 und 1800 wanderten etwa eine Million Menschen aus Europa ein, im selben Zeitraum wurden rund 2,5 Millionen Menschen aus Afrika verschleppt [3]. Puritaner gründeten 1620 Plymouth und 1630 Massachusetts. Im Pequot-Krieg 1636/37 kam es nach Gassert zum Genozid an den Pequot [3]. Mehr zum Menschenhandel über den Atlantik steht im Beitrag zum atlantischen Sklavenhandel.
Unabhängigkeit und Verfassung
Nach dem Siebenjährigen Krieg, den Gassert auf 1754 bis 1763 und Jasper Trautsch auf 1756 bis 1763 datiert, verlor Frankreich Kanada [2, 3]. 1763 verbot London die Besiedlung westlich der Appalachen. Hinzu kam Streit um Steuern, mit denen die Kriegsschulden bezahlt werden sollten [3]. 1770 erschossen britische Soldaten in Boston fünf Zivilisten, im Dezember 1773 warfen Kolonisten bei der Boston Tea Party Tee ins Hafenbecken, um Importsteuern zu vereiteln [3]. 1774 trat in Philadelphia der Kontinentalkongress zusammen, im April 1775 fielen die ersten Schüsse, und George Washington übernahm den Oberbefehl [3].

Am 2. Juli 1776 beschloss der Zweite Kontinentalkongress die Loslösung von Großbritannien, zwei Tage später nahm er den von Thomas Jefferson verfassten Text der Erklärung an [2]. Nach dem Sieg bei Saratoga 1777 und der Kapitulation der Briten bei Yorktown 1781 erkannte Großbritannien im Frieden von Paris 1783 die Unabhängigkeit an, das Gebiet reichte nun bis zum Mississippi [3].
Die Verfassung von 1787
Bis 1781 hatten alle 13 Staaten die Konföderationsartikel ratifiziert [2]. Nach der Shays' Rebellion von 1786/87 entstand 1787 in Philadelphia eine Verfassung mit starker Bundesregierung und gegenseitiger Kontrolle der Gewalten, den checks and balances [3]. Sie machte aus dem Staatenbund einen Bundesstaat [2]. Die Sklaverei blieb. Nach dem Drei-Fünftel-Kompromiss zählten Versklavte bei der Verteilung der Sitze im Kongress nur zu drei Fünfteln, und eine weitere Klausel verpflichtete die Staaten, entflohene Versklavte auszuliefern [2]. 1791 kam die Bill of Rights hinzu [3]. Die erste Volkszählung 1790 ergab 3,9 Millionen Einwohner, davon 750.000 afrikanischer Herkunft. Unter den übrigen stammten nach Gassert 48 Prozent aus England, 12 Prozent waren Schotten oder Iro-Schotten und etwa 10 Prozent stammten aus Deutschland [3]. Wie die Gewaltenteilung in Deutschland geregelt ist, erklärt demokratie.domain-root.de unter Gewaltenteilung einfach erklärt.
Expansion und Vertreibung
In den 1820er- und 1830er-Jahren verloren die indigenen Gruppen östlich des Mississippi ihr Land durch Verträge, Angriffskriege und Deportation [4]. Betroffen waren auch die Choctaw, Chickasaw, Cherokee, Muskogee und Seminole, obwohl sie Ackerbau trieben [4]. Etwa 60.000 Menschen wurden umgesiedelt, rund 10.000 starben [4]. 1831 erklärte der Supreme Court die indigenen Nationen zu "domestic dependent nations", abhängigen Nationen im Inneren [4]. 1838 wurden die Cherokee ins Indian Territory im heutigen Oklahoma deportiert. Von etwa 16.000 Vertriebenen überlebten 2.000 bis 4.000 diesen Weg nicht, der als Trail of Tears bekannt ist [4].
1862 verteilte der Homestead Act mehr als eine halbe Million Quadratkilometer Land westlich des Mississippi. Der General Allotment Act von 1887 beendete den gemeinsamen Landbesitz der Stämme, übrige Flächen wurden an Weiße verkauft. 1893 erklärte der Historiker Frederick Jackson Turner die Siedlungsgrenze für geschlossen [4].
Bürgerkrieg und das Erbe der Sklaverei
1857 entschied der Supreme Court im Fall Dred Scott, Afroamerikaner seien keine Staatsbürger [6]. Nach der Wahl Abraham Lincolns 1860 traten zwischen Dezember 1860 und Februar 1861 sieben Südstaaten aus der Union aus und gründeten die Konföderierten Staaten von Amerika [6]. Mit dem Beschuss von Fort Sumter im April 1861 begann der Krieg. Im Norden lebten 22 Millionen Menschen, im Süden neun Millionen [6]. Ab 1863 galten Versklavte in den Rebellengebieten als frei und durften in der Unionsarmee kämpfen, im Juli 1863 brachten Gettysburg und Vicksburg die Wende [6]. Die Zahl der Opfer wird auf über 600.000 Soldaten und mehrere Hunderttausend Zivilisten geschätzt [6].
1865 verbot der 13. Verfassungszusatz die Sklaverei, die Zusätze 14 und 15 gaben Schwarzen Bürger- und Wahlrecht, im selben Jahr wurde Lincoln ermordet [6]. In den Südstaaten setzten Jim-Crow-Gesetze danach die Rassentrennung durch, die der Supreme Court 1896 im Fall Plessy v. Ferguson billigte. Erst der Civil Rights Act von 1964 und der Voting Rights Act von 1965 entzogen ihr die Grundlage [6]. 1865 versprach General William T. Sherman befreiten Familien 40 Morgen Land und ein Maultier, umgesetzt wurde das nicht [6]. 2019 besaßen Schwarze Familien im Durchschnitt 10 Prozent des Vermögens weißer Familien, im Juni 2020 lehnten 73 Prozent der US-Amerikaner Reparationen ab [6]. Im selben Jahr wurden 168 Denkmäler und Symbole der Konföderation entfernt oder umbenannt [6]. Mehr dazu in den Beiträgen zum Amerikanischen Bürgerkrieg und zu Abraham Lincoln.
Industrie, Einwanderung und Weltmacht
Zwischen 1865 und 1900 wanderten 13,5 Millionen Menschen ein, von 1905 bis 1914 im Schnitt eine Million im Jahr. Bis etwa 1890 kamen die meisten aus Deutschland, England und Irland, danach vor allem aus Italien, Österreich-Ungarn und Russland [7]. Das Eisenbahnnetz wuchs von knapp 60.000 Kilometern 1865 auf 310.000 um 1900, und 1900 übertraf die Wirtschaftsleistung der USA die von Großbritannien, Frankreich und Deutschland zusammen [7].

1893 stürzte ein Komitee unter Sanford Dole mit Unterstützung des US-Gesandten und von Marinesoldaten die hawaiische Königin Liliʻuokalani. 21.269 Native Hawaiians unterschrieben eine Petition gegen die Annexion. Die Resolution zur Annexion trat am 7. Juli 1898 in Kraft [8]. Nach dem Krieg gegen Spanien 1898, bei dem es zunächst um Kuba ging, gehörten die Philippinen und Guam zum entstehenden Kolonialreich der USA. 1914 wurde der Panamakanal eröffnet, 1917 griffen die USA mit rund zwei Millionen Soldaten in den Ersten Weltkrieg ein [7]. Präsident Woodrow Wilson wollte mit seinen 14 Punkten von 1918 und auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 eine stabile Friedensordnung schaffen. Eine Rolle als internationale Garantiemacht wollte das Land danach aber nicht übernehmen, die 1920er-Jahre brachten eine neue Massenkultur und die Prohibition [7].
Nach dem Börsenkrach 1929 erreichte die Große Depression 1932 ihren Tiefpunkt, 1933 übernahm Franklin D. Roosevelt das Präsidentenamt. Nach dem Historiker Udo Sautter linderten seine Hilfsprogramme des New Deal die Not nur unzureichend, die Sozialversicherung von 1935 wirkte erst später [7].
Zweiter Weltkrieg und Kalter Krieg
Am 7. Dezember 1941 griff Japan die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor an, 2.403 Amerikaner kamen ums Leben. Am 8. Dezember erklärte der Kongress Japan den Krieg [9]. In den acht Wochen nach der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 fielen 16.000 US-Soldaten. Bis Kriegsende fielen insgesamt mehr als 400.000, 670.000 wurden verwundet [9]. Die Atombombe auf Hiroshima am 6. August 1945 tötete nach den Angaben der bpb 130.000 Menschen, die auf Nagasaki am 9. August 73.000 [9].
Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch der Sowjetunion standen die USA nach 1989 scheinbar als einzige Weltmacht da. Der Politikwissenschaftler Christian Hacke nennt diesen unipolaren Moment ein "Wunschbild oder Illusion" [10].
Die USA seit 1991
Die Anschläge vom 11. September 2001 lösten den "Krieg gegen den Terror" aus, mit Kriegen in Afghanistan und im Irak [10]. Im September 2008 führten Pleiten amerikanischer Investmentbanken zu einer weltweiten Finanzkrise [10]. 2009 trat Barack Obama als erster afroamerikanischer Präsident sein Amt an [11]. Zum 250. Jahrestag stellte die Bundeszentrale für politische Bildung die Frage, wie es um die Ideale der "ersten modernen liberalen Demokratie" und ihrer ältesten noch geltenden Verfassung steht [1].
- Behörde 250 Jahre USA. Gründungsmythos und Gegenwartskrise (Dossier USA). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 07.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Jasper Trautsch: Die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung (Dossier USA). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 02.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Philipp Gassert: Eine Nation entsteht (Dossier USA). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 15.09.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Gesa Mackenthun: Recht auf Land. Indigene Gesellschaften und der Siedlerkolonialismus (Dossier USA). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 08.07.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Ana I. Sánchez-Rivera, Paul Jacobs, Cody Spence: A Look at the Largest American Indian and Alaska Native Tribes and Villages in the Nation, Tribal Areas and States. U.S. Census Bureau. Stand 03.10.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Christof Mauch: Der Bürgerkrieg und das Erbe der Sklaverei (Dossier USA). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 26.03.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Udo Sautter: Die USA betreten die Weltbühne (Dossier USA). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 10.10.2008. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Joint Resolution to Provide for Annexing the Hawaiian Islands to the United States (Milestone Documents). U.S. National Archives. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Der Zweite Weltkrieg (Dossier USA). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Christian Hacke: Auf der Suche nach einer neuen Rolle in der Welt. Die Supermacht USA (Dossier USA). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 10.10.2008. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Britta Waldschmidt-Nelson: Barack Obama (2009 bis ): Der erste afroamerikanische Präsident. A Dream Come True?, in: Christof Mauch (Hg.): Die amerikanischen Präsidenten, S. 439 bis 455. Universität Augsburg (OPUS). Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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