Ur- und FrühgeschichteRatgeber
Die Steinzeit: von den ersten Steinwerkzeugen bis zu den ersten Bauern
Die Steinzeit ist der älteste und längste Abschnitt der Menschheitsgeschichte. Sie beginnt mit den ersten Steinwerkzeugen, die in Afrika rund 3,3 Millionen Jahre alt sind, und endet in der Region Basel mit dem Beginn der Metallzeiten um 2200 v. Chr. Man teilt sie in Altsteinzeit, Mittelsteinzeit und Jungsteinzeit.

Die Steinzeit ist der älteste und mit Abstand längste Abschnitt der Menschheitsgeschichte. Die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt gibt ihre Dauer mit mindestens 2,5 Millionen Jahren an und lässt sie mit dem Beginn der Metallzeiten um 2200 v. Chr. enden [1]. In dieser Zeit lernten Menschen, Feuer zu beherrschen [7], und gingen am Ende in mehreren Weltregionen zu Ackerbau und Viehzucht über [16]. Erforscht wird sie von der Ur- und Frühgeschichte, die sich mit Zeiten beschäftigt, für die es keine oder nur wenige Schriftquellen gibt [18]. Was wir über die Steinzeit wissen, stammt deshalb fast ganz aus Funden im Boden.
Woher der Name kommt und wie man die Steinzeit einteilt
Der dänische Archäologe Christian Jürgensen Thomsen ordnete Altertümer nach ihrer zeitlichen Abfolge und veröffentlichte 1836 sein Werk "Ledetraad til nordisk Oldkyndighed" [3]. Darin teilte er die Vorzeit in Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit [3]. Mit diesem Dreiperiodensystem arbeitet die Archäologie bis heute [3]. Später wurde die Steinzeit weiter unterteilt: in Paläolithikum (Altsteinzeit), Mesolithikum (Mittelsteinzeit) und Neolithikum (Jungsteinzeit) [3].
Die Grenzen zwischen diesen Abschnitten liegen je nach Region zu verschiedenen Zeiten. Die Tabelle nennt Werte aus den hier verwendeten Quellen. Die Angaben für Mittel- und Jungsteinzeit gelten für Mitteleuropa, im Vorderen Orient begann der Ackerbau mehrere Jahrtausende früher [16].
| Abschnitt | Zeitraum (etwa) | Lebensweise |
|---|---|---|
| Altsteinzeit (Paläolithikum) | von den ältesten bekannten Steinwerkzeugen vor 3,3 Millionen Jahren bis zum Ende der Eiszeit [4, 13] | Jäger und Sammler, die in Zelten oder Höhlen lebten und umherzogen [1] |
| Mittelsteinzeit (Mesolithikum) | ab etwa 11.600 Jahren vor heute [13], in der Region Basel bis 5500 v. Chr. [1] | Jagd, Fischfang und Sammeln, saisonale Lager [1, 13] |
| Jungsteinzeit (Neolithikum) | in der Region Basel 5500 bis 2200 v. Chr. [2] | Ackerbau, Viehzucht, feste Häuser [2] |
Die ältesten Werkzeuge kommen aus Afrika
Die frühesten Spuren der Steinzeit liegen in Ostafrika. In Lomekwi 3, westlich des Turkanasees im Nordwesten Kenias, fand ein Forschungsteam 149 Steinartefakte, die mit der Herstellung von Werkzeugen zu tun haben [4]. Sie sind 3,3 Millionen Jahre alt und schieben das bekannte Alter solcher Werkzeuge um 700.000 Jahre zurück [4]. Wer sie hergestellt hat, wissen die Forschenden nicht [4]. Die Studie erschien am 20.05.2015 in der Zeitschrift Nature [4].

Nach dem Smithsonian-Programm für menschliche Ursprünge entstand die Herstellung von Steinwerkzeugen spätestens vor 2,6 Millionen Jahren [5]. Vor etwa 1,76 Millionen Jahren begannen frühe Menschen, sehr große Abschläge vom Stein zu schlagen, und stellten daraus Faustkeile her [5]. Diese Werkzeugtradition, das Acheuléen, hielt sich sehr lange und endete je nach Ort vor etwa 400.000 bis 250.000 Jahren [5].
Für Afrika verwendet die Forschung eigene Begriffe, etwa Early Stone Age und Middle Stone Age [5, 6]. Die Middle Stone Age ist mit der europäischen Mittelsteinzeit leicht zu verwechseln, meint aber einen viel älteren Abschnitt: Sie umfasst Werkzeuge, die in Europa meist dem Mittelpaläolithikum zugerechnet werden [6]. In Teilen Afrikas waren diese Werkzeugsätze spätestens vor 285.000 Jahren verbreitet, in Europa und Teilen Westasiens vor 250.000 bis 200.000 Jahren [6]. Typisch sind vorbereitete Kernsteine, von denen ein Abschlag in vorher festgelegter Form abgeschlagen wurde, und Spitzen, die man an Schäfte band [6]. Mit solchen Werkzeugen der Afrikanischen Mittleren Steinzeit fanden Forschende in Jebel Irhoud in Marokko auch Fossilien von Homo sapiens [10]. Sie sind rund 300.000 Jahre alt und damit die ältesten sicher datierten Belege unserer eigenen Art [10]. Mehr zur Entwicklung der Gattung Homo steht im Artikel über die ersten Menschen.
Leben in der Altsteinzeit
Die Menschen der Altsteinzeit jagten und sammelten Wildfrüchte, lebten in Zelten oder Höhlen und zogen umher [1]. Zu den ältesten Spuren eines beherrschten Feuers gehören Funde aus Gesher Benot Ya'aqov in Israel [7]. Ein Team um Naama Goren-Inbar entdeckte dort 2004 angebrannte Abfälle der Steinbearbeitung, die rund 790.000 Jahre alt sind [7]. Ansammlungen verbrannter Samen und Hölzer zeigen, wo frühe Feuerstellen lagen [7].
Viele Werkzeuge waren aus Holz, das sich nur selten erhält. Im Braunkohletagebau Schöningen in Niedersachsen kamen zwischen 1995 und 1999 zehn hölzerne Speere zutage [8, 9]. Die Senckenberg Gesellschaft nannte sie 2017 die bisher ältesten erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit, rund 300.000 Jahre alt, und Homo heidelbergensis als vermuteten Hersteller [8]. Zum Fundensemble gehören auch Knochen von Wildpferden [8]. Ein Team um Olaf Jöris vom Forschungszentrum Monrepos in Neuwied datierte die Fundschicht 2025 neu und kam auf etwa 200.000 Jahre [9, 19]. Die Studie erschien in der Zeitschrift Science Advances [19]. Es nutzte dafür eine Aminosäure-Datierung an Schalen von Süßwasserschnecken [9, 19]. Andere Fachleute halten die Frage für offen oder weisen darauf hin, dass die Methode an gesicherten Fundorten geeicht werden muss [9]. Die dpa-Meldung über die neue Studie nennt als vermutliche Hersteller die gerade entstehenden Neandertaler [9].
Ein Faustkeil aus Bettingen bei Basel ist 40.000 bis 60.000 Jahre alt und stammt von Neandertalern [1]. Homo sapiens drang unter sehr kalten Bedingungen nach Europa vor [11]. In der Ilsenhöhle in Ranis in Thüringen fanden sich Knochen unserer Art, die rund 45.000 Jahre alt sind, und nach Radiokarbondaten suchten Menschen den Ort schon vor 47.500 Jahren gelegentlich auf [11]. Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie folgert daraus, dass Homo sapiens Nordwesteuropa einige Tausend Jahre vor dem Aussterben der Neandertaler im Südwesten Europas erreichte [11].
In sechs Höhlen im Lonetal und im Tal der Ach auf der Schwäbischen Alb fanden Archäologen bis zu 40.000 Jahre alte Figuren von Tieren und Menschen, meist aus Mammutelfenbein, und Musikinstrumente [12]. Sie gelten derzeit als die ältesten Belege menschlichen Kunstschaffens [12]. Wie sich Kunst und Höhlenbilder in der Eiszeit weiterentwickelten, beschreibt die Seite über Höhlenmalerei und die früheste Kunst.
Die Mittelsteinzeit nach der Eiszeit
Die Archäologin Birgit Gehlen beschreibt das Mesolithikum als eine mindestens 4.000 Jahre lange Phase, in der Gemeinschaften in Europa von Jagd, Fischfang und Sammeln lebten [13]. Seinen Beginn setzt man mit dem Anfang des Holozäns gleich, der heutigen Warmzeit, vor etwa 11.600 Jahren [13]. Gehlen nennt diese Grenze eine von heutigen Menschen gezogene Linie, die der kulturellen Entwicklung nicht gerecht wird, denn neue Kulturströmungen setzten schon am Ende der Jüngeren Dryaszeit ein, einer Kaltphase von rund 10.700 bis 9.600 v. Chr. [13].
Kennzeichen der Mittelsteinzeit sind Mikrolithen, kleine Steinspitzen meist geometrischer Form, die als Bewehrung von Geschossen dienten [13]. An ihren Formen lassen sich regionale Gruppen unterscheiden [13]. Seit etwa 8.400 Jahren verbreitete sich im westlichen Mitteleuropa eine Technik, mit der regelmäßig geformte Klingen indirekt vom Kernstein geschlagen wurden [13]. In Muttenz-Rüttihard bei Basel bestand um 7500 v. Chr. ein saisonales Lager von Jägern und Sammlern [1].
Lange nahm die Forschung an, die Jägergruppen seien nach Ankunft der ersten Bauern rasch verschwunden [13]. Genetische Untersuchungen zeigen inzwischen, dass Nachfahren der mittelsteinzeitlichen Bevölkerung Mitteleuropas bis weit in die Jungsteinzeit hinein lebten [13]. Erstmals wurde das an Bestattungen aus der Blätterhöhle in Hagen untersucht, spätere Analysen an anderen Fundorten bestätigten es [13].
Die Jungsteinzeit: Felder, Vieh und Dörfer
Am Anfang der Jungsteinzeit stehen Fundorte im Vorderen Orient. Auf dem Göbekli Tepe, einem Hügel im Südosten der Türkei nahe der syrischen Grenze, stehen tonnenschwere Steinpfeiler im Kreis, verziert mit Tierfiguren [14]. Errichtet hat die Anlagen nach heutigem Stand eine Gesellschaft von Jägern und Sammlern, die erst später Viehzucht und Ackerbau entwickelte [14]. Nach dem Deutschen Archäologischen Institut stammen die Steinmonumente aus der Zeit vor etwa 12.000 bis 10.000 Jahren. Sie dienten wohl als Versammlungsorte, an denen Arbeitskräfte für gemeinschaftliche Großprojekte zusammenkamen [15]. Reibsteine und Mörser zeigen, dass große Mengen Getreide verarbeitet wurden, vermutlich für die Feste vor Ort [15].

Ackerbau und Viehzucht begannen an mehreren Orten der Welt. Eine Übersicht des Smithsonian nennt angebaute Feigen im unteren Jordantal vor 11.200 Jahren, Weizen im Nahen Osten vor 9.500 Jahren, Kürbis in Mittelamerika vor 10.000 Jahren, Reis in China und Mais in Nordamerika vor 9.000 Jahren und Kartoffeln in Südamerika vor 7.000 Jahren [16]. Nach derselben Übersicht wurden Rinder vor 10.000 Jahren in Afrika und im Nahen Osten domestiziert, Schafe vor 9.000 Jahren im Nahen Osten [16]. Wie dieser Übergang ablief, erklärt der Artikel über die Neolithische Revolution.
Nach Mitteleuropa kamen um 5500 v. Chr. Bauern und Bäuerinnen aus Transdanubien [17]. Archäologen ordnen sie der Linearbandkeramik zu, später der Stichbandkeramik [17]. Wichtige Geräte waren Reibsteine aus einer Unterlage und einem Läufer, mit denen sie Getreide zu Mehl verarbeiteten [17]. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt zählt den Wechsel vom Jagen und Sammeln zu Ackerbau und Viehzucht zu den einschneidendsten Umbrüchen der Menschheitsgeschichte [17].
In der Region Basel bauten die Menschen der Jungsteinzeit feste Häuser, lebten von Ackerbau und Viehzucht und stellten Steinbeile und Gefäße aus gebranntem Ton her [2]. Die Jagd verlor an Bedeutung [2]. Das Dorf Riehen-Bischoffhöhe ist um 3900 v. Chr. datiert [2]. Großsteingräber und Steinkreise stellt der Artikel über die Megalithkultur vor.
Das Ende der Steinzeit
Für die Region Basel setzt die Archäologische Bodenforschung das Ende der Steinzeit mit dem Beginn der Metallzeiten um 2200 v. Chr. an [1]. Keramikschalen vom Friedhof Hörnli in Riehen stammen aus der Zeit von 2450 bis 2200 v. Chr. [2]. Den Übergang zu den Metallen behandelt der Artikel über die Kupfersteinzeit. Danach folgt die Bronzezeit. Wo die Steinzeit im Ablauf der Weltgeschichte steht, zeigt die Zeitleiste der Weltgeschichte.
- Behörde Alt- und Mittelsteinzeit. Kanton Basel-Stadt, Archäologische Bodenforschung. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Jungsteinzeit. Kanton Basel-Stadt, Archäologische Bodenforschung. Stand 07.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Heide Wrobel Nørgaard: Treperiodesystemet. Den Store Danske, lex.dk. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Scientists Discover World's Oldest Stone Tools. Columbia Climate School, State of the Planet. Stand 20.05.2015. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Early Stone Age Tools. Smithsonian National Museum of Natural History, Human Origins Program. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Middle Stone Age Tools. Smithsonian National Museum of Natural History, Human Origins Program. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Fire-Altered Stone Tools. Smithsonian National Museum of Natural History, Human Origins Program. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Ein- und Ausblick in die Erforschung der Altsteinzeit (Pressemitteilung). Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, über idw. Stand 13.01.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Markus Brauer, Walter Willems (dpa): "Nur" 200.000 Jahre alt: Sind die Schöninger Speere deutlich jünger?. Stuttgarter Zeitung. Stand 10.05.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Der Homo sapiens ist älter als gedacht (Pressemitteilung). Max-Planck-Gesellschaft, über idw. Stand 07.06.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Der moderne Mensch erreichte das nördliche Europa schon vor 45.000 Jahren. Max-Planck-Gesellschaft. Stand 31.01.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Höhlen der ältesten Eiszeitkunst für UNESCO-Welterbe nominiert. Kultusministerkonferenz. Stand 01.02.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Birgit Gehlen: Mittelsteinzeit im Rheinland und in Westfalen, in: Ralf Blank, Mirjam Kötter, Sebastian Magnus Sonntag: Hagener Fundstücke. Klartext Verlag, Essen (PDF beim SFB 806, Universität zu Köln). Stand 11.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Ältester Tempel gibt Rätsel auf. Die Bundesregierung. Stand 15.12.2015. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Ein Festgelage vor 10.000 Jahren (Pressemitteilung). Deutsches Archäologisches Institut, über idw. Stand 07.05.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Humans Change the World. Smithsonian National Museum of Natural History, Human Origins Program. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Rund 7000 Jahre alte Niederlegungen von Reibsteinen bieten Einblicke in jungsteinzeitliche Vorstellungswelten (Pressemitteilung). Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, über idw. Stand 28.02.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Das Fach Vor- und Frühgeschichte. Universität des Saarlandes, Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichte. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Age of Schöningen spears revised to 200,000 years (Pressemitteilung). Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) und Johannes Gutenberg-Universität Mainz, über idw. Stand 12.05.2025. abgerufen am 29.10.2026
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