Ur- und FrühgeschichteRatgeber

Die Kupfersteinzeit: wie die Menschen das erste Metall nutzten

Die Kupfersteinzeit, auch Chalkolithikum genannt, liegt zwischen Jungsteinzeit und Bronzezeit und reicht in Südosteuropa und Vorderasien etwa von 5500 bis 2200 v. Chr. Die Menschen verarbeiteten erstmals Kupfer, nutzten aber weiter Werkzeuge aus Stein. Bekanntester Mensch dieser Zeit ist Ötzi, der vor rund 5.300 Jahren in den Alpen starb.

Ein hochalpiner Pass mit kleinem Gletscher und Felsgraten, davor ein nachgebautes Kupferbeil mit Holzschaft auf einem Stein
Bild: KI-generiert

Lange vor der Bronze nutzten die Menschen ein reines Metall: Kupfer. Die Zeit, in der Kupfer neben Stein in Gebrauch kam, heißt Kupfersteinzeit, Kupferzeit oder Chalkolithikum. Sie begann nicht überall gleichzeitig. Einer der bekanntesten Menschen dieser Zeit ist Ötzi, der vor rund 5.300 Jahren in den Alpen starb [9].

Was die Kupfersteinzeit ist

Die Kupfersteinzeit liegt zwischen der Jungsteinzeit und der Bronzezeit. In dieser Phase entstanden Kupferbergbau und eine einfache Kupfermetallurgie oder breiteten sich aus [1]. Für Südosteuropa und Vorderasien setzt man die Epoche, gemessen an der wirtschaftlichen Bedeutung des Kupfers, etwa von 5500 bis 2200 v. Chr. an. Gearbeitet wurde mit Kupfer aber schon viel früher, seit dem 8. Jahrtausend v. Chr. Wie schnell es sich verbreitete, war von Region zu Region verschieden [1].

Zuerst hämmerten die Menschen gediegenes Kupfer, also Metall, das in reiner Form in der Natur vorkommt, kalt in Form. Das ist schon aus der Zeit vor der Töpferei belegt [1]. Später lernten sie, Kupfer aus Erz zu schmelzen. Oxid- und Carbonaterze wie Malachit ließen sich mit Holzkohle in einem einzigen Schritt verhütten, schwefelhaltige Erze mussten vorher geröstet werden [1].

Wo zuerst Kupfer geschmolzen wurde

Die frühesten Belege für Kupferverarbeitung stammen nach Angaben des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle aus Kleinasien. Unabhängig davon entwickelte sich die Kupfermetallurgie in Südosteuropa. Auf dem Balkan ist der Abbau kupferhaltigen Erzes seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. belegt [2].

Ein kleiner Schmelzofen aus Lehm glüht in der Dämmerung, daneben grünes Malachiterz und Holzkohle
Bild: KI-generiert

Ein wichtiger Fundplatz ist Belovode in Serbien. Ein Team um Miljana Radivojević und Thilo Rehren vom University College London wies dort Kupferschlacke nach, also die Rückstände, die beim starken Erhitzen von Erz entstehen [3]. Die Spuren sind etwa 7.000 Jahre alt und galten bei ihrer Veröffentlichung als die ältesten sicher datierten Belege für das Schmelzen von Kupfer. Das Erz kam wahrscheinlich aus nahen Lagerstätten in Serbien oder Bulgarien [3]. Der Fund schob die bekannten Anfänge des Kupferschmelzens um rund 500 Jahre zurück [3]. Die Forschenden schlossen daraus, dass das Kupferschmelzen in Asien und Europa möglicherweise unabhängig voneinander erfunden wurde [3].

Das Gold von Warna

Wie viel Reichtum in dieser Zeit entstehen konnte, zeigt ein Gräberfeld bei Warna an der bulgarischen Schwarzmeerküste. Ein Traktorfahrer stieß zufällig darauf, als er einen Graben für ein Stromkabel aushob. Das Team des Archäologen Ivan Ivanov legte später 281 Gräber frei, mehr als die Hälfte mit Beigaben [4]. Eine Radiokarbondatierung ergab etwa 4500 v. Chr. [4].

Insgesamt kamen rund 3.000 Gegenstände aus Gold mit einem Gewicht von über 6 Kilogramm zutage [4]. Allein das reichste Grab, Grab 43, enthielt 990 einzelne Goldobjekte wie Perlen und Ringe, dazu Kupferbeile, andere Kupferwerkzeuge und ein Zepter. Bestattet war dort ein Mann von etwa Mitte 40 [4]. Einige Gräber enthielten keinen Körper, nur Beigaben, in anderen lag statt eines Toten eine lebensgroße Maske aus Ton [4]. Die Zeitschrift Current World Archaeology sieht in Warna Hinweise auf ein weites Handelsnetz und eine sehr frühe, starke Trennung zwischen Arm und Reich [4].

Kupfer kommt nach Mitteleuropa

Nach Mitteleuropa gelangte Kupfer zunächst als fertige Ware. Die ältesten Kupfergegenstände in Südwestdeutschland stammen vom Beginn des 4. Jahrtausends v. Chr. und kamen als Importe aus Ostmitteleuropa, wo man das Metall schon länger nutzte [5]. Wenige Jahrzehnte später verarbeiteten die Menschen in den Pfahlbaudörfern zwischen Oberschwaben und dem Zürichsee das Kupfer selbst. Das belegen Gusstiegel wie der vom Schreckensee nördlich von Ravensburg, den das Landesmuseum Württemberg auf 3900 bis 3500 v. Chr. datiert [5].

Nachgebaute Pfahlbauten auf Holzstelzen am Rand eines ruhigen Sees mit Schilfdächern im Morgennebel
Bild: KI-generiert

Kupfergeräte gelangten von Südosteuropa bis nach Dänemark und vereinzelt auch nach Mitteleuropa. Ein Beispiel ist ein kupfernes Flachbeil aus Oschersleben-Schermcke in Sachsen-Anhalt. Es stammt aus dem Ostalpenraum und wird der Mondseegruppe zugeordnet [2]. Das Landesmuseum in Halle deutet solche Stücke als Zeichen von Status und Prestige in Gegenden, in denen es noch keine eigene Metallverarbeitung gab. Möglicherweise dienten sie auch als Zahlungsmittel im weiteren Sinne oder als Kupferbarren [2].

Ötzi: ein Mann aus der Kupferzeit

Am 19. September 1991 entdeckten die deutschen Urlauber Erika und Helmut Simon bei einer Bergwanderung in 3.210 Metern Höhe am Tisenjoch, an der Grenze zwischen Österreich und Italien, eine Leiche [6]. Geborgen wurde sie am 23. September. Ein Hubschrauber flog den Toten nach Vent, von dort kam er in das Institut für Gerichtsmedizin in Innsbruck [6]. Am Tag darauf schätzte der Innsbrucker Ur- und Frühgeschichtler Konrad Spindler, dass der Tote mindestens 4.000 Jahre alt sei [6]. Nach heutigem Stand ist der Mann aus dem Eis rund 5.300 Jahre alt. Er stammt aus der frühen Kupferzeit [9].

Ötzi war etwa 1,60 Meter groß, wog rund 50 Kilogramm und starb mit 45 Jahren, für seine Zeit ein gutes Alter [10]. Auf seinem Körper fanden die Forschenden 61 Tätowierungen in Form von Linien und Kreuzen. Es sind feine Schnitte, in die Holzkohlepulver gerieben wurde [8]. Eine Röntgenaufnahme zeigte 2001 eine Pfeilspitze aus Feuerstein in seiner linken Schulter. Der Pfeil durchtrennte eine große Arterie, Ötzi verblutete wahrscheinlich innerhalb weniger Minuten [8].

Auch seine Herkunft lässt sich heute genetisch verfolgen. Seine Vorfahren wanderten vor etwa 8.000 Jahren aus Anatolien ein. Er hatte dunkle Haare, dunkle Augen und eine mittel- bis dunkelbraune Haut und vertrug keine Milch [8]. Sein Körper zeigt auch, wie hart das Leben war: Hüften, Schultern, Knie und Wirbelsäule waren stark abgenutzt, die Lunge vom ständigen Rauch offener Feuer geschwärzt, die Zähne stark abgerieben. In seinem Erbgut fanden Forschende den ältesten Nachweis von Borreliose, in seinem Darm Eier des Peitschenwurms [8].

Ötzis Kupferbeil und seine Ausrüstung

Zu seiner Ausrüstung gehört ein Kupferbeil, nach Angaben des Museums das einzige vollständig erhaltene seiner Art [7]. Die trapezförmige Klinge besteht zu 99,7 Prozent aus reinem Kupfer. Sie wurde in einer Form gegossen, abgekühlt und dann durch Hämmern verdichtet [7]. Der Schaft aus Eibenholz ist etwa 60 Zentimeter lang, die Klinge sitzt mit Birkenpech und Lederriemen in einer Gabel [7]. Gebrauchsspuren zeigen, dass Ötzi das Beil oft nutzte und nachschärfte [7].

Nachbildungen einer Ausrüstung aus der Kupferzeit mit Kupferbeil, zwei Gefäßen aus Birkenrinde, Ledertasche und Steinschaber
Bild: KI-generiert

Das Kupfer stammt nicht aus den Alpen. Das Erz wurde nach Angaben des Museums im Süden der Toskana abgebaut [7]. Neben dem Beil trug Ötzi Werkzeuge aus Stein und Holz: einen 13 Zentimeter langen Dolch mit Feuersteinklinge, deren Stein aus dem Trentino kam, einen unfertigen Bogenstab aus Eibe von 1,82 Metern und einen Köcher aus Hirschfell mit zwölf Pfeilschäften, zwei fertigen Pfeilen mit Feuersteinspitzen, vier Spitzen aus Hirschgeweih und einer 2 Meter langen Bogensehne aus Tierfasern [7]. Dazu kamen zwei Gefäße aus Birkenrinde und zwei Stücke Birkenporling auf Lederriemen, vielleicht als Heilmittel [7]. Das Beil weist Ötzi nach Einschätzung des Museums als Mann mit hohem Ansehen aus. Welche Rolle er hatte, ist offen: Das Museum nennt Vermutungen wie Stammesführer, Händler, Hirte, Jäger oder Flüchtling [10].

Wie Kupfer die Gesellschaft veränderte

Die Kupferzeit brachte nach Angaben des Südtiroler Archäologiemuseums tiefgreifende soziale Veränderungen. Mit dem Abbau und Schmelzen von Erz entstanden neue Berufe, Handelsverbindungen wurden enger, und es bildeten sich soziale Gruppen heraus [11]. Ötzis Kultur bestand aus Bauern und Jägern, die außerdem in Wäldern und auf Feldern sammelten. Sein Mageninhalt enthielt Wild, Gämsenfleisch, Getreide und andere Pflanzen [11].

Möglicherweise kontrollierten frühe Eliten die Herstellung von Metall, worauf die reichen Gräber von Warna hindeuten [1, 4]. Der Fernhandel nahm zu [1]. In Mitteleuropa wurden die Siedlungen in dieser Zeit kleiner, aber stärker befestigt [1].

Kupfer außerhalb Europas

Kupfer nutzten Menschen auch auf anderen Kontinenten. In Nordamerika bearbeiteten die Menschen der sogenannten Old-Copper-Kultur an den Großen Seen ab etwa 6500 v. Chr. gediegene Kupferklumpen. Das Schmelzen von Erz entwickelten sie nicht. Der jüngste bekannte Fundplatz stammt aus der Zeit um 1580 v. Chr. [1].

Ort oder FundRegionZeit
Belovode, KupferschlackeSerbienvor etwa 7.000 Jahren [3]
Gräberfeld von WarnaBulgarienum 4500 v. Chr. [4]
Gusstiegel vom SchreckenseeOberschwaben3900 bis 3500 v. Chr. [5]
ÖtziTisenjoch, Alpenvor rund 5.300 Jahren [9]
Flachbeil der MondseegruppeSachsen-Anhalt, aus dem Ostalpenraum3000 bis 2200 v. Chr. [2]

Was vor der Kupfersteinzeit kam, erklären die Artikel Die Neolithische Revolution und Megalithkultur. Wie aus Kupfer und Zinn Bronze wurde, zeigt Die Bronzezeit. Einen Überblick über Erfindungen aller Epochen gibt Wissenschaft und Technik in der Geschichte.

  1. Kupfersteinzeit. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Ein Flachbeil der Mondseegruppe aus Schermke (HK-Nr. 41:1873). Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (museum-digital). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Serbian site may have hosted first copper makers. History News Network (nach Science News). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Great excavations: Ivanov at Varna. Current World Archaeology. Stand 06.09.2013. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Gusstiegel (Inv.-Nr. S 2015,77). Landesmuseum Württemberg (museum-digital). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation The discovery. Südtiroler Archäologiemuseum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Equipment. Südtiroler Archäologiemuseum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation The body. Südtiroler Archäologiemuseum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation 35 years of Ötzi the Iceman: September 19, 1991. Südtiroler Archäologiemuseum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Who was Ötzi?. Südtiroler Archäologiemuseum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. Organisation Ötzi's era. Südtiroler Archäologiemuseum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.