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Der Buchdruck mit beweglichen Lettern: Gutenbergs Erfindung und ihre Folgen

Den Buchdruck mit beweglichen Metalllettern entwickelte Johannes Gutenberg um die Mitte des 15. Jahrhunderts in Mainz. Neu war vor allem sein Gießinstrument, mit dem sich gleich hohe Lettern in großer Zahl gießen ließen. Sein bekanntestes Werk ist die 42-zeilige Bibel, gedruckt zwischen 1452 und 1455.

Eine alte hölzerne Handpresse mit großer Spindel in einer dämmrigen Werkstatt, daneben trocknen leere Papierbögen
Bild: KI-generiert

Bis ins 15. Jahrhundert wurden Bücher in Europa von Hand abgeschrieben. Für eine einzige Bibel brauchte ein Schreiber etwa eineinhalb Jahre [3]. Johannes Gutenberg setzte in Mainz an die Stelle des Abschreibens ein Verfahren, bei dem Texte aus einzelnen, wiederverwendbaren Metallbuchstaben zusammengesetzt und mit einer Presse gedruckt wurden. Nach dem Historiker Axel Gotthard stand die Technik schon in den 1450er Jahren zur Verfügung [9]. Was ihr vorausging, steht im Überblick zur Renaissance.

Drucken vor Gutenberg

In Ostasien wurde schon Jahrhunderte vor Gutenberg gedruckt. In China druckte man bereits im 7. Jahrhundert mit Holzblöcken [4]. Als ältestes erhaltenes datiertes gedrucktes Buch gilt eine Schriftrolle des Diamant-Sutra. Ihr Schlussvermerk nennt das Jahr 868, Text und Bilder sind im Blockdruck auf Papier gedruckt. Die Rolle lag in einer Höhle bei Dunhuang im Westen Chinas, die im 11. Jahrhundert zugemauert worden war. Der Archäologe Aurel Stein erwarb sie 1907, heute gehört sie der British Library in London [8].

Ein geschnitzter Holzdruckstock auf einem niedrigen Lacktisch neben einer Papierrolle und einem Tuschestein
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Auch der Druck mit beweglichen Metalllettern ist in Asien älter. Im Jahr 1377 entstand im Tempel Heungdeok-sa in Cheongju im heutigen Südkorea das Werk "Jikji". Es ist das älteste bekannte Buch, das mit beweglichen, gegossenen Metalllettern gedruckt wurde, 78 Jahre vor der Gutenberg-Bibel. Seit dem 4. September 2001 steht es im UNESCO-Register "Gedächtnis der Welt". Der erhaltene Band liegt in der Französischen Nationalbibliothek in Paris [7].

Gutenbergs Weg von Mainz nach Straßburg und zurück

Gutenberg hieß mit vollem Namen Johannes Gensfleisch zur Laden genannt Gutenberg. Die Neue Deutsche Biographie setzt seine Geburt in Mainz zwischen 1394 und 1399 an [1], andere Darstellungen schreiben "um 1400" [3, 5]. Sein Vater Friele war Patrizier und gehörte zu den Hausgenossen der Mainzer Münze [1].

Vom Frühjahr 1434 bis zum Frühjahr 1444 lebte Gutenberg in Straßburg und betrieb dort eine Goldschmiedewerkstatt. Um die Mitte des Jahres 1438 gründete er mit Hans Riffe, Andreas Heilmann und Andreas Dritzehn eine Gesellschaft für ein geheim gehaltenes Unternehmen. Als Dritzehn an Weihnachten 1438 starb, klagten seine Brüder auf Aufnahme in die Gesellschaft. Der Straßburger Rat wies die Klage am 12. Dezember 1439 ab. Die Zeugenaussagen aus diesem Verfahren erwähnen Bleikäufe, "Formen" und eine Presse, die der Drechsler Conrad Saspach gebaut hatte. Der Goldschmiedegeselle Hans Dünne sagte aus, er habe für "das, was zum Drucken gehört" 100 Gulden Lohn erhalten [1]. Ein Druck aus der Straßburger Zeit ist nicht erhalten [1].

In Mainz ist Gutenberg wieder am 17. Oktober 1448 urkundlich belegt. Um 1449/50 lieh ihm der Mainzer Geldgeber Johannes Fust 800 Gulden, um 1452 folgten weitere 800 Gulden, mit denen Fust Teilhaber wurde [1, 2].

Die Technik: Lettern, Gießinstrument und Presse

Der Kern der Erfindung lag im Gießen der Buchstaben. Zuerst wurde ein Buchstabe spiegelverkehrt in Stahl geschnitten, die sogenannte Patrize. Sie wurde in ein Kupferstück geschlagen, so entstand die Matrize. In diese Form goss man Metall und erhielt eine spiegelverkehrte Letter [1]. Die Legierung bestand aus Blei, Zinn und Antimon oder Wismut [4].

Ein kleiner Schmelztiegel mit grauem Metall auf einer Werkbank, daneben Gießwerkzeug und ein Kupferblock
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Neu war das Gießinstrument. Mit ihm ließen sich Lettern in großer Zahl und mit genau gleicher Höhe gießen [1]. Die Universitätsbibliothek Tübingen nennt es den bedeutendsten Teil von Gutenbergs Erfindung [3]. Weiterentwickelt hat Gutenberg auch die Druckpresse und die Druckfarbe [1]. Die Presse folgte dem Vorbild der Weinpresse, die mit einer Spindel hohen Druck erzeugt. Solche Spindelpressen gab es schon im 1. Jahrhundert vor Christus. Im 15. Jahrhundert waren sie in Weinbaugegenden verbreitet, und Papiermacher pressten mit ihnen das Wasser aus frisch geschöpften Bögen [4]. Für die Farbe nutzte Gutenberg nach Angaben der Japanischen Nationalbibliothek unter anderem Lampenruß und Leinöl [4].

Die 42-zeilige Bibel

Das bekannteste Werk aus Gutenbergs Werkstatt ist die lateinische Bibel mit 42 Zeilen je Spalte, in der Forschung kurz B42 genannt. Gedruckt wurde sie zwischen 1452 und 1455, im großen Folioformat, zweispaltig und in der Textura, der Schrift handgeschriebener Bibeln [1, 3]. Sie umfasst 1.282 Folioseiten [1]. Wie viele verschiedene Zeichen dafür gegossen wurden, geben die Quellen unterschiedlich an: Die Universitätsbibliothek Tübingen nennt 290 verschiedene Lettern [3], die Neue Deutsche Biographie 299 Zeichen [1].

Die Auflage lag bei etwa 180 Exemplaren, rund 150 auf Papier und rund 30 auf Pergament [1, 3]. Der NDB-Artikel von 1966 zählte 47 erhaltene Exemplare, davon 12 in Deutschland [1]. Von den Pergamentexemplaren sind nach Angaben der Universitätsbibliothek Tübingen weltweit nur fünf erhalten, eines davon in der Staatsbibliothek zu Berlin [3]. Schon 1454 druckte Gutenbergs Werkstatt außerdem Ablassbriefe in großer Auflage [1].

Merkmal42-zeilige Bibel
Druckzeit1452 bis 1455
SpracheLatein
Umfang1.282 Folioseiten, zwei Spalten mit je 42 Zeilen
SchriftTextura
Auflageetwa 180 Exemplare, rund 150 auf Papier und rund 30 auf Pergament

Die Angaben der Tabelle stammen aus der Neuen Deutschen Biographie und von der Universitätsbibliothek Tübingen [1, 3].

Der Streit mit Johannes Fust

Mitte 1455 verklagte Fust Gutenberg auf Rückzahlung von Kapital und Zinsen, zusammen 2.026 Gulden [1, 2]. Am 6. November 1455 leistete Fust vor dem Notar Ulrich Helmasperger einen Eid über das geliehene Geld [2]. Die Urkunde darüber liegt heute in Göttingen [1] und wurde 1734 wiederentdeckt [5]. Sie spricht von der Verpfändung der Werkstatt. Fust erhielt wohl die verpfändeten Teile und führte damit zusammen mit Peter Schöffer eine eigene Druckerei [1].

Schöffer stammte aus Gernsheim, hatte bei Gutenberg gelernt und wurde Fusts Schwiegersohn. Am 14. August 1457 vollendeten Fust und Schöffer den Mainzer Psalter, das erste datierte Druckwerk mit einem Vermerk der Drucker [2]. Gutenberg wird die Schrift dieses Psalters zugeschrieben [1]. Schöffer brachte es später auf mehr als 200 Inkunabeltitel [5]. Fust starb am 30. Oktober 1466 in Paris, wahrscheinlich an der Pest [2]. Ob das "Catholicon" von 1460 noch von Gutenberg stammt, ist umstritten. Aloys Ruppel hielt es für ein Werk der Druckerei Fust und Schöffer [1]. Die Japanische Nationalbibliothek nennt für den Druck die Jahre 1469 oder um 1472 und schreibt, viele Forscher stimmten darin überein, dass Gutenberg es nicht gedruckt habe [5].

Gutenbergs letzte Jahre

Am 28. Oktober 1462 eroberte Adolf von Nassau Mainz. Gutenberg wurde am folgenden Tag mit etwa 800 anderen Bürgern aus der Stadt gewiesen. Am 14. Januar 1465 nahm ihn Adolf von Nassau als Hofmann auf. Dafür erhielt er jedes Jahr 20 Malter Korn und 2 Fuder Wein und war von Abgaben befreit [1]. Gutenberg starb am 3. Februar 1468 in Mainz, etwa 70 Jahre alt und vielleicht erblindet, und wurde in der Mainzer Franziskanerkirche begraben [1].

Wie sich der Buchdruck ausbreitete

In den ersten Jahren nach der 42-zeiligen Bibel blieb der Kreis der Drucker klein. Für das Jahrzehnt danach sind nur fünf Drucker in vier Städten bekannt, darunter Albrecht Pfister in Bamberg. Zwischen 1466 und 1470 begann man in zehn weiteren Städten zu drucken, dazu kamen 27 neue Drucker [5]. 1470 gründeten die drei Deutschen Ulrich Gering, Martin Crantz und Michael Friburger eine Druckerei in Paris. Im selben Jahr begann Nicolaus Jenson in Venedig, der in den folgenden zehn Jahren fast 100 Titel herausbrachte [5].

Eine Hafenstadt am Fluss mit Fachwerkhäusern im Morgenlicht und einem Lastkahn voller Holzkisten
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Bücher, die bis zum Jahr 1500 gedruckt wurden, heißen Inkunabeln oder Wiegendrucke, nach dem lateinischen Wort incunabulum für Wiege. Die Grenze 1500 ist eine praktische Festlegung, kein Einschnitt in der Technik. Den Begriff verwendete man erst um 1640, zum 200-jährigen Jubiläum der Druckkunst [6]. Die Japanische Nationalbibliothek nennt 26.550 bekannte Inkunabeltitel. 68 Prozent davon entstanden in Italien oder Deutschland, 72 Prozent sind lateinisch, und rund 83 Prozent erschienen ab 1481. Neun Städte lieferten zusammen 56 Prozent aller Inkunabeln: Venedig, Paris, Rom, Köln, Lyon, Leipzig, Straßburg, Mailand und Augsburg. Rund 1.100 Drucker sind namentlich bekannt [6].

Buchdruck und Reformation

Seine größte Wirkung entfaltete der Buchdruck mit der Reformation. Nach Gotthard standen im Reich schon seit Generationen in vielen großen Städten Druckpressen, die vor allem kleine Lesergruppen bedienten. Erst die Reformation machte daraus ein Ereignis für viele Menschen [9]. Um 1520 schwoll die Zahl der Flugschriften an, kurzer und billiger Drucke zu aktuellen Streitfragen. Ihr erfolgreichster Verfasser war Martin Luther selbst, und ohne den Buchdruck wäre der Erfolg der Reformation nach Gotthards Urteil "schwerlich denkbar" [9]. Mehr dazu steht in den Artikeln zur Reformation und über Martin Luther. Den Bibeltext in der Fassung der Lutherbibel von 1912 stellt bibel.domain-root.de vor, Hintergründe stehen unter Die Lutherbibel 1912. Einen Längsschnitt durch Erfindungen von der Antike bis heute bietet der Artikel Wissenschaft und Technik in der Geschichte.

  1. Studie Aloys Ruppel: Gutenberg, Johannes. In: Neue Deutsche Biographie 7 (1966). Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Deutsche Biographie. Stand 1966. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Aloys Ruppel: Fust, Johannes. In: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 743 f.. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Deutsche Biographie. Stand 1961. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Das Gutenberg-Faksimile (Objekt des Monats). Universitätsbibliothek Tübingen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Column: Art of printing (Incunabula: Dawn of Western Printing). National Diet Library, Japan. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Column: Gutenberg, Man of Mystery (Incunabula: Dawn of Western Printing). National Diet Library, Japan. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Chapter 1: The Birth of Incunabula (Incunabula: Dawn of Western Printing). National Diet Library, Japan. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation "Jikji", a treasure of the world of printing. Bibliothèque nationale de France. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Erica Eisen: The Oldest Printed Book in the World (LRB Blog). London Review of Books. Stand 12.10.2018. abgerufen am 29.10.2026
  9. Behörde Axel Gotthard: Schlaglicht 1521: Luther und Karl V. in Worms. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 18.01.2017. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.