Personen der GeschichteRatgeber
Friedrich II. von Hohenstaufen: Leben des Stauferkaisers
Friedrich II. von Hohenstaufen wurde am 26. Dezember 1194 in Iesi geboren und starb am 13. Dezember 1250 in Castel Fiorentino bei Lucera. Er war König von Sizilien, römisch-deutscher König und ab 1220 Kaiser, gewann 1229 Jerusalem durch einen Vertrag mit Sultan al-Kamil und gab Sizilien 1231 ein eigenes Gesetzbuch. Papst Gregor IX. belegte ihn zweimal mit dem Bann, 1245 erklärte ihn das Konzil von Lyon für abgesetzt.

Friedrich II. aus dem Haus der Staufer war König von Sizilien, römisch-deutscher König, Kaiser und König von Jerusalem. Er wurde am 26. Dezember 1194 in Iesi in der Mark Ancona geboren und starb am 13. Dezember 1250 in Castel Fiorentino bei Lucera in Apulien [1, 3]. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Süditalien, wo er eine gut organisierte Verwaltung aufbaute. Im Reich nördlich der Alpen überließ er den Fürsten dagegen viele Rechte, und mit dem Papsttum lag er mehr als zwei Jahrzehnte im Streit [1, 2].
Herkunft und Kindheit in Palermo
Sein Vater war Kaiser Heinrich VI., seine Mutter Konstanze, eine Tochter des Normannenkönigs Roger II. von Sizilien [1]. Über die Mutter fiel ihm das Königreich Sizilien zu [1]. Planet Wissen berichtet, Konstanze habe ihn angeblich in einem Zelt auf dem Marktplatz von Iesi zur Welt gebracht. Damals verbreitete sich das Gerücht, er sei ein uneheliches Kind und Kaiser Heinrich VI. gar nicht sein Vater. Beweise dafür gab es nie [2].

Heinrich VI. starb 1197, als sein Sohn drei Jahre alt war [1, 2]. Am 17. Mai 1198 wurde das Kind in Palermo zum König von Sizilien gekrönt [1]. Ein Jahr nach dem Vater starb auch die Mutter. Sie hatte Papst Innozenz III. als Vormund eingesetzt [1, 2]. Friedrich wuchs im Normannenpalast von Palermo auf, auf einer Insel, auf der Griechen, Araber, Juden und Deutsche lebten [2]. 1208 wurde er für mündig erklärt [1]. Die Jahre der Regentschaft davor beschreibt die Neue Deutsche Biographie als Zeit der Anarchie [1].
Der Weg zur deutschen Krone
Die deutschen Fürsten hatten das Kleinkind schon Ende 1196 in Frankfurt zum König gewählt, doch nach dem Tod des Vaters stritten andere Kandidaten um den Thron [1, 3]. Im September 1211 wählte ihn eine Gruppe von Fürsten, die gegen den Welfen Otto IV. standen, in Nürnberg erneut [1]. Es folgten die Wahl in Frankfurt am 5. Dezember 1212 und die Krönung in Mainz am 9. Dezember 1212 [1]. Nach Planet Wissen war er 16 Jahre alt, als ihn die deutschen Fürsten wählten [2]. Die Unterstützung der Fürsten erkaufte er mit weitreichenden Vorrechten [2].
Entschieden wurde der Thronstreit 1214 außerhalb Deutschlands: Bei Bouvines östlich von Lille besiegte der französische König Philipp August das englisch-welfische Heer Ottos IV. [1]. Am 25. Juli 1215 wurde Friedrich in Aachen ein zweites Mal gekrönt [1]. Im April 1220 ließ er seinen Sohn Heinrich (VII.) zum deutschen König wählen [1]. Im Gegenzug verzichtete er gegenüber den geistlichen Fürsten auf wichtige königliche Rechte in deren Gebieten. Als Reichsverweser für den jungen König setzte er den Kölner Erzbischof Engelbert von Berg ein [1]. Wie das Reich vor ihm unter seinem Großvater aussah, beschreibt das Lebensbild Friedrich I. Barbarossa, die Ordnung des Reiches insgesamt der Artikel Das Heilige Römische Reich.
Kaiserkrönung und Kreuzzug
Am 22. November 1220 krönte Papst Honorius III. Friedrich in Rom zum Kaiser [1, 2, 3]. Dabei versprach er, das Reich im Norden und das Königreich Sizilien getrennt zu regieren [2]. Schon 1215 hatte er gelobt, auf einen Kreuzzug zu gehen [1, 2]. Das Gelübde wurde für ihn zur Last, weil er den Aufbruch immer wieder verschob [1, 2]. Mit der Heirat mit Isabella von Brienne kam 1225 der Anspruch auf die Krone von Jerusalem hinzu [1].

Am 8. September 1227 stach er von Brindisi aus in See, kehrte aber drei Tage später wegen einer Seuche im Heer um [1]. Papst Gregor IX. belegte ihn am 29. September 1227 mit dem Bann [1]. Im folgenden Jahr brach Friedrich trotzdem auf: Er verließ Brindisi am 28. Juni 1228 und landete am 7. September in Akkon [1]. Er verhandelte mit Sultan al-Kamil. Am 18. Februar 1229 schlossen beide einen Vertrag, durch den Jerusalem an die Christen kam [1]. Am 18. März 1229 setzte sich der gebannte Kaiser in der Grabeskirche selbst die Krone auf [1]. Am 10. Juni 1229 war er zurück in Brindisi [1]. Wie die Kreuzzüge davor und danach verliefen, zeigt der Artikel Die Kreuzzüge. Ein weiteres Lebensbild aus der Zeit der Kreuzzüge ist Saladin.
Sizilien als Verwaltungsstaat
Im Königreich Sizilien baute Friedrich eine gut organisierte Verwaltung auf. Planet Wissen nennt diesen Beamtenstaat ein Vorbild für Europa [2]. Im Juli 1224 gründete er in Neapel eine Universität, nach der Neuen Deutschen Biographie die erste Staatsuniversität des Abendlandes [1]. Im August 1231 ließ er in Melfi den Liber Augustalis verkünden, ein Gesetzbuch für das Königreich [1, 3]. Diese Konstitutionen von Melfi galten auf Sizilien 600 Jahre lang [2]. Sie sahen strenge Strafen vor, unter anderem für Ehebruch, Entführung und Fehden [2].
Seinen Sitz verlegte er von Palermo nach Foggia im Norden Apuliens [2]. Nachdem Aufstände auf Sizilien niedergeschlagen waren, wurden die Sarazenen, die muslimischen Bewohner der Insel, nach Lucera umgesiedelt [1]. In seinem letzten Lebensjahrzehnt begann er den Bau des achteckigen Castel del Monte [2]. Im Norden Apuliens lag auch Castel Fiorentino bei Lucera, wo er 1250 starb [1].
Streit mit Sohn, Städten und Papst
Im Reich nördlich der Alpen regierte seit 1228 sein Sohn Heinrich (VII.) selbständig [1]. Am 1. Mai 1231 gestand Heinrich den Reichsfürsten in Worms weitgehende Rechte zu, die Friedrich ein Jahr später in Cividale bestätigte [1]. Im Dezember 1234 verbündete sich Heinrich mit dem Lombardenbund, dem Gegner des Kaisers in Oberitalien [1]. Friedrich zog im Mai 1235 nach Deutschland, am 4. Juli 1235 unterwarf sich der Sohn in Worms [1]. Bis zu seinem Tod im Februar 1242 blieb Heinrich in Burgen Apuliens und Kalabriens gefangen [1]. Auf dem Mainzer Reichstag im August 1235 wurde ein großes Landfriedensgesetz vereinbart [1, 3]. Zugleich entstand das Amt eines Reichshofrichters, und der Welfe Otto erhielt das neu gebildete Herzogtum Braunschweig-Lüneburg [1].
Am 27. November 1237 schlug Friedrich das Heer des Lombardenbundes bei Cortenuova südöstlich von Bergamo [1]. Weil er danach die bedingungslose Unterwerfung der Städte verlangte, wuchs ihr Widerstand [1]. Am 20. März 1239 bannte ihn Gregor IX. ein zweites Mal [1]. Auf dem Konzil von Lyon erklärte Papst Innozenz IV. ihn am 17. Juli 1245 für abgesetzt [1]. Er entband die Reichsfürsten von ihrem Treueid und forderte sie auf, einen neuen König zu wählen [2].
In den letzten Jahren verlor Friedrich mehrere Kämpfe in Oberitalien. Parma ging am 16. Juni 1247 an die päpstliche Partei verloren [1]. Am 18. Februar 1248, während Friedrich auf der Jagd war, stürmten die Belagerten sein Lager vor der Stadt, und er musste die Belagerung aufgeben [1]. Am 26. Mai 1249 geriet sein Sohn Enzio in die Gefangenschaft der Stadt Bologna, die ihn nicht mehr freiließ [1].
Sprachen, Falkenbuch und Dichtung
Nach der Neuen Deutschen Biographie legte die Mischkultur Palermos den Grund für seine später bewunderte Sprachenkenntnis und universale Bildung, ob er stetigen Unterricht hatte, wisse man nicht. Sein Interesse an Mathematik, Naturwissenschaften und Philosophie brachte ihn mit arabischen Gelehrten in Verbindung [1]. Die Allgemeine Deutsche Biographie zählt Latein, Italienisch, Französisch, Griechisch und Arabisch auf. Gregor von San Galgano, der spätere Erzbischof Nikolaus von Tarent und Magister Johann von Traetto waren danach an seiner frühen Bildung beteiligt [4]. Planet Wissen schreibt ihm neun Sprachen zu [2]. Seine Kanzlei leitete lange Jahre Petrus de Vinea [1]. Zeitgenossen nannten den Kaiser "immutator mundi", Verwandler der Welt [2].

Friedrich verfasste ein Lehrwerk über die Jagd mit Greifvögeln, "De arte venandi cum avibus" [1]. Es war mit rund 900 genauen Vogelbildern ausgestattet [2]. Am Hof entstanden außerdem Sonette und Kanzonen nach dem Vorbild der Troubadourlyrik. Die Neue Deutsche Biographie sieht ihr Verdienst darin, dass sie die früheste italienische Dichtersprache schufen [1].
Ehen und Kinder
Friedrich war viermal verheiratet. Aus den Ehen und aus weiteren Verbindungen gingen mehrere Kinder hervor [1]:
| Ehe | Ehefrau | Kinder (Auswahl) |
|---|---|---|
| 1209 | Konstanze von Aragón (gestorben 1222) | Heinrich (VII.) |
| 1225 | Isabella (Jolanthe) von Brienne (gestorben 1228) | Konrad IV. |
| 1235 | Isabella von England (gestorben 1241) | Margarethe, Heinrich (Carlotto) |
| nach 1241 (wahrscheinlich) | Bianca Lancia (gestorben vor 1250) | Konstanze, Manfred |
Enzio stammte aus einer Verbindung außerhalb der Ehe. Manfred führt die Neue Deutsche Biographie unter den Kindern aus der wahrscheinlich vierten Ehe mit Bianca Lancia auf [1].
Tod und Nachleben
Friedrich starb am 13. Dezember 1250 in Castel Fiorentino [1, 2]. Als Ursache vermutet Planet Wissen Typhus oder eine Blutvergiftung [2], die Neue Deutsche Biographie spricht von einer ruhrartigen Erkrankung [1]. Sein Sarkophag steht im Dom von Palermo neben denen seiner Eltern [1, 2]. In seinem Testament bestimmte er Konrad IV. zum Nachfolger im Reich. Manfred sollte in dessen Abwesenheit Sizilien und Reichsitalien verwalten. Der Kampf mit dem Papsttum sollte nach der Neuen Deutschen Biographie erst mit dem Tod des Kaisers und dem "Untergang seines ganzen Hauses" enden. Konrad IV. starb 1254, Manfred 1266 [1].
Nach seinem Tod kamen Sagen auf, der Kaiser sei in den Ätna entrückt worden oder warte in einem Berg auf seine Rückkehr als Endkaiser. Als dieser Berg galt bald der Kyffhäuser. Ein Volksbuch von 1519 verwechselte den Wartenden mit dem Großvater Friedrich I. [1]. Der Historiker Jacob Burckhardt nannte Friedrich II. den "ersten modernen Menschen auf dem Thron". Die Neue Deutsche Biographie hält diese Formel ebenso für unzutreffend wie die Bezeichnung als Wegbereiter der Renaissance [1]. Die Lage im Reich nach dem Ende der Staufer schildert der Artikel Deutschland im Mittelalter.
- Studie Hans Martin Schaller: Friedrich II., Kaiser (Neue Deutsche Biographie 5, S. 478 bis 484). Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 1961. abgerufen am 29.10.2026
- Sabine Kaufmann: Friedrich II. (Planet Wissen). SWR und WDR. Stand 19.12.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Hartmut Heinemann: Friedrich II. (Historisches Lexikon der Schweiz). Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz. Stand 19.05.2003. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Eduard Winkelmann: Friedrich II., Kaiser (Allgemeine Deutsche Biographie 7). Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 1878. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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