Das MittelalterRatgeber
Die Kreuzzüge von 1095 bis 1291
Kreuzzüge nennt man die Kriegszüge, zu denen Päpste ab 1095 aufriefen, um Jerusalem und das Heilige Land unter christliche Herrschaft zu bringen und zu halten. Die World History Encyclopedia zählt zwischen 1095 und 1270 acht große Kreuzzüge. Mit dem Fall von Akkon am 18. Mai 1291 endeten die Kreuzfahrerstaaten im Nahen Osten, Kreuzzüge in Spanien, Südfrankreich und im Baltikum liefen weiter.

Als Kreuzzüge bezeichnet man die Kriegszüge, die Päpste und christliche Mächte des Westens organisierten, um Jerusalem und das Heilige Land der muslimischen Herrschaft zu entreißen und die Eroberungen danach zu verteidigen [1]. Zwischen 1095 und 1270 fanden nach der World History Encyclopedia acht große, offiziell ausgerufene Kreuzzüge statt [1]. Die Kreuzfahrerstaaten im Osten bestanden bis 1291 [1]. Der Begriff wurde später auch auf Feldzüge in Spanien, in Südfrankreich und an der Ostsee übertragen [1].
Der Hilferuf aus Byzanz
Den Anstoß gab der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos, der von 1081 bis 1118 regierte. Im März 1095 bat er den Westen um Soldaten gegen die Seldschuken in Kleinasien [1, 2]. Papst Urban II. griff die Bitte auf. Am 27. November 1095 rief er auf dem Konzil von Clermont in Frankreich zum Kriegszug nach Osten auf [1, 2]. Den Zustand des Reiches, das um Hilfe bat, beschreibt der Artikel über das Byzantinische Reich.
Die Akten des Konzils sind nicht erhalten. Was Urban sagte, kennen wir aus fünf Berichten von Chronisten: Fulcher von Chartres, Robert dem Mönch, den anonymen Gesta Francorum, Balderich von Dol und Guibert von Nogent [3]. Die Fassungen unterscheiden sich deutlich. Fulcher betont Kirchenreform und Gottesfrieden, Guibert verbindet den Zug mit Erwartungen an das Ende der Zeiten [3]. Balderich schildert ausführlich die Leiden der Christen im Osten und die heiligen Stätten Jerusalems, Robert erinnert die Franken an Karl den Großen, und die kurze Fassung der Gesta stellt das Kreuz und die Nachfolge Christi in den Mittelpunkt [3]. Den berühmten Ruf "Gott will es" überliefert nur Robert der Mönch, der etwa 25 Jahre später schrieb und die Gesta als Vorlage nutzte [3].
Was die Kreuzfahrer antrieb
Urban versprach den Teilnehmern Vergebung der Sünden. Bei Fulcher heißt es, wer unterwegs oder im Kampf sterbe, erhalte sofort Nachlass der Sünden, und auch Urbans eigener Brief vom Dezember 1095 spricht von der Vergebung aller Sünden [3]. Das Angebot richtete sich vor allem an Ritter. Ihr Feldzug galt als Pilgerfahrt [2].
Die World History Encyclopedia nennt weitere Motive. Der Papst wollte die Grabeskirche und die Christen im Osten schützen, das Ansehen des Papsttums heben und Einfluss auf die Ostkirche gewinnen [2]. Bei den Teilnehmern kamen religiöser Eifer, Abenteuerlust und die Hoffnung auf Beute hinzu [2]. Auf seiner Predigtreise 1095 und 1096 arbeitete Urban mit übertriebenen Berichten über verfolgte Christen [2]. Wie die Ritter dieser Zeit lebten und kämpften, zeigt der Artikel über Ritter und Rüstungen.
Der Erste Kreuzzug
Die World History Encyclopedia setzt den Ersten Kreuzzug von 1095 bis 1102 an [1]. Als Aufbruchstermin galt der 15. August 1096 [2]. Schon vorher zogen schlecht ausgerüstete Scharen los, angeführt von Peter dem Einsiedler und dem Ritter Walter Habenichts [2]. Eine zweite Gruppe unter Graf Emich von Leiningen überfiel jüdische Gemeinden in Speyer, Mainz, Trier und Köln [2]. Die Geschichte dieser Gemeinden erzählt der Artikel über die Geschichte des Judentums. Die Volkszüge setzten nach Kleinasien über, wo ein seldschukisches Heer sie am 21. Oktober 1096 bei Nicäa vernichtete [1, 2].

Die Heere der Fürsten folgten. Zu ihren Anführern gehörten Bohemund von Tarent, Gottfried von Bouillon, Herzog von Niederlothringen, und Raimund IV. von Toulouse [2]. An den ersten Zügen nahmen nach der World History Encyclopedia etwa 60.000 Menschen teil, darunter rund 6.000 Ritter, dazu mindestens halb so viele Nichtkämpfer [2]. Im Juni 1097 fiel Nicäa, am 1. Juli 1097 siegten die Kreuzfahrer bei Doryläum [2]. Antiochia eroberten sie am 3. Juni 1098 nach achtmonatiger Belagerung, und Bohemund behielt die Stadt für sich [2].
Vor Jerusalem standen am 7. Juni 1099 nur noch etwa 1.300 Ritter und 12.500 Mann Fußvolk [2]. Genuesische Schiffe lieferten Holz für Belagerungstürme, und am 15. Juli 1099 durchbrachen die Angreifer die Mauern [2]. Danach töteten sie Muslime und Juden in großer Zahl. Angaben von 10.000 oder 75.000 Toten hält die World History Encyclopedia für übertrieben, der muslimische Zeitgenosse Ibn al-Arabi nennt 3.000 Tote bei wohl 30.000 Einwohnern [2].
Die Kreuzfahrerstaaten
Im Osten entstanden vier Staaten: das Königreich Jerusalem, gegründet im September 1099, die Grafschaft Edessa, die Grafschaft Tripolis und das Fürstentum Antiochia [1]. Zusammen hießen sie Outremer, das Land jenseits des Meeres [1]. In dieser Zeit entstanden auch die Ritterorden. Die Johanniter wurden 1113 anerkannt, die Templer um 1119 gegründet [1].

Die Staaten blieben auf Nachschub aus Europa angewiesen. Am 24. Dezember 1144 eroberte Zengi Edessa [1]. Der Zweite Kreuzzug von 1147 bis 1149 unter König Konrad III. und König Ludwig VII. von Frankreich sollte die Lage retten und scheiterte, im Juli 1148 auch vor Damaskus [1].
Saladin und der Dritte Kreuzzug
Saladin, Sultan von Ägypten und Syrien von 1174 bis 1193 und Gründer der Ayyubiden-Dynastie, besiegte die Franken am 3. und 4. Juli 1187 bei Hattin. Am 2. Oktober 1187 übergaben die Verteidiger ihm Jerusalem. Nach den arabischen Berichten, die Hadia Dajani-Shakeel zusammenstellt, durften sich Männer für 10, Frauen für 5 und Kinder für 2 Dinar freikaufen, wer nicht zahlen konnte, wurde versklavt [7]. Mehr über ihn steht im Artikel über Saladin.
Zum Dritten Kreuzzug von 1189 bis 1192 brachen Kaiser Friedrich I. Barbarossa, König Philipp II. von Frankreich und König Richard I. von England auf [1]. Barbarossa ertrank am 10. Juni 1190 auf dem Weg [1]. Sein Leben beschreibt der Artikel über Friedrich I. Barbarossa. Akkon fiel am 12. Juli 1191, am 7. September 1191 schlug Richard Saladin bei Arsuf [1]. Jerusalem blieb in Saladins Hand. Ein Vertrag sicherte Pilgern den Zugang und den Kreuzfahrern einen Küstenstreifen um Akkon [1].
Der Vierte Kreuzzug und Konstantinopel
Der Vierte Kreuzzug von 1202 bis 1204 erreichte Jerusalem nie. Im April 1204 plünderten die Kreuzfahrer stattdessen Konstantinopel, die Hauptstadt des christlichen Byzantinischen Reiches [1]. Zu den erklärten Zielen von 1095 hatte der Schutz der Christen im Osten gehört [2].
Die späteren Züge hatten wechselnden Erfolg. Im Fünften Kreuzzug fiel im November 1219 Damiette in Ägypten, im August 1221 musste sich das Heer nach der Niederlage bei Mansura ergeben [1]. Kaiser Friedrich II. erreichte im Sechsten Kreuzzug ohne Schlacht den Vertrag von Jaffa vom 18. Februar 1229, der Jerusalem wieder unter christliche Herrschaft brachte [1]. Seinen Weg beschreibt der Artikel über Friedrich II. von Hohenstaufen. König Ludwig IX. von Frankreich geriet im Siebten Kreuzzug am 5. April 1250 bei Mansura in Gefangenschaft und starb im Achten Kreuzzug am 25. August 1270 vor Tunis an der Ruhr [1].
| Kreuzzug | Zeit | Ergebnis |
|---|---|---|
| Erster | 1095 bis 1102 | Eroberung Jerusalems am 15. Juli 1099 [1] |
| Zweiter | 1147 bis 1149 | gescheitert, Niederlage vor Damaskus [1] |
| Dritter | 1189 bis 1192 | Akkon zurückgewonnen, Jerusalem nicht [1] |
| Vierter | 1202 bis 1204 | Plünderung Konstantinopels [1] |
| Fünfter | 1217 bis 1221 | Kapitulation in Ägypten [1] |
| Sechster | 1228 bis 1229 | Jerusalem durch Vertrag christlich [1] |
| Siebter | 1248 bis 1254 | Ludwig IX. gefangen [1] |
| Achter | 1270 | Tod Ludwigs IX. vor Tunis [1] |
Das Ende in Akkon 1291
Am 18. Mai 1291 eroberten die Mamluken Akkon, die Reste der Kreuzfahrerstaaten gingen im Mamlukensultanat auf [1]. Der Deutsche Orden, um 1190 vor Akkon als Feldspital deutscher Ritter entstanden und nach der World History Encyclopedia 1198 vom Papst als Ritterorden anerkannt, verlegte seinen Sitz zunächst nach Venedig [4]. 1309 zog er auf die Marienburg in Preußen, 1457 weiter nach Königsberg [4].

Kreuzzüge in Europa
Das Modell des Kreuzzugs wurde auch innerhalb Europas angewandt. Auf dem Weg in den Osten halfen Kreuzfahrer 1147 dem portugiesischen Herrscher Afonso Henriques, Lissabon einzunehmen [1]. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts war auf der Iberischen Halbinsel nur noch Granada unter muslimischer Herrschaft [1]. Von 1209 bis 1229 richtete sich der Albigenserkreuzzug gegen die Katharer in Südfrankreich [1]. Im Norden begannen die Kreuzzüge 1147 mit einem Feldzug gegen die heidnischen Wenden und dauerten bis ins 15. Jahrhundert [1]. Der Deutsche Orden baute in Preußen einen eigenen Staat auf, verlor am 15. Juli 1410 bei Tannenberg ein ganzes Heer und wurde 1525 in Preußen säkularisiert [4].

Folgen
Die World History Encyclopedia zählt eine Reihe von Folgen auf. Die Päpste wurden zu den tatsächlichen Führern der Kirche, die italienischen Seestädte beherrschten den Handel im Mittelmeer, und der Gedanke des Kreuzzugs diente später zur Rechtfertigung der Eroberungen in Amerika [1]. Die Macht der Könige wuchs, die der Barone nahm ab, und die Vorurteile gegen Nichtchristen nahmen zu [1]. Auf dem Balkan setzte sich das Christentum durch, auf der Iberischen Halbinsel wurden die muslimischen Herrscher nach Nordafrika zurückgedrängt [1].
Wie sich der Islam vor den Kreuzzügen bis nach Jerusalem ausgebreitet hatte, beschreibt der Artikel über die islamische Expansion.
- Mark Cartwright: Crusades. World History Encyclopedia. Stand 12.10.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: First Crusade. World History Encyclopedia. Stand 09.07.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Paul Halsall (Hg.): Urban II (1088-1099): Speech at Council of Clermont, 1095, Six Versions of the Speech (Internet Medieval Sourcebook). Internet Medieval Sourcebook, gehostet von der Fordham University. Stand 26.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Teutonic Knights. World History Encyclopedia. Stand 11.07.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Fulk of Chartres: The Capture of Jerusalem, 1099 (Internet Medieval Sourcebook). Internet Medieval Sourcebook, gehostet von der Fordham University. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Siege of Jerusalem, 1099 (mit Auszügen aus Carole Hillenbrand: The Crusades, Islamic Perspectives, 1999). Center for Online Judaic Studies (COJS). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Hadia Dajani-Shakeel: Some Medieval Accounts of Salah al-Din's Recovery of Jerusalem (Al-Quds) (Internet Medieval Sourcebook). Institute for Palestine Studies, Beirut, in: Studia Palaestina. Stand 1988. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
MittelalterDie HanseDie Hanse erklärt: von der Kaufmannshanse zur Städtehanse, Kontore in Brügge, London, Bergen und Nowgorod, Stralsunder …
MittelalterDer Schwarze TodWoher die Pest des 14. Jahrhunderts kam, wie sie sich ab 1347 in Europa ausbreitete, wie viele Menschen starben und was sie …
MittelalterDer Hundertjährige Krieg zwischen England und FrankreichDer Hundertjährige Krieg 1337 bis 1453: Thronstreit, drei Phasen, Crécy, Azincourt, Jeanne d'Arc, Castillon und die Folgen …
Über diese SeiteWer geschichte.domain-root.de herausgibt, welche Epochen und Themen die Seite behandelt, auf welche Fachquellen sie sich …