Weltregionen und LänderRatgeber
Die eurasische Steppe: Skythen, Hunnen, Türk und Mongolen
Die eurasische Steppe ist ein Grasland-Gürtel, der sich nach einem Glossar der University of California San Diego über etwa 8.000 Kilometer von Ungarn und Rumänien bis in die Mandschurei erstreckt. Hier lebten Reiternomaden wie Skythen, Xiongnu, Hunnen, Türk und Mongolen, die mehrfach große Reiche gründeten.

Die eurasische Steppe ist nach dem Glossar des Center for Academic Research and Training in Anthropogeny der University of California San Diego ein Grasland-Gürtel von etwa 8.000 Kilometern Länge, der sich durch Europa und Asien zieht [1]. Als Reitervölker traten im Westen Skythen und Hunnen auf [3, 6]. Im Osten kamen die Xiongnu und die Mongolen hinzu, deren Reiche von der heutigen Mongolei aus bis nach China und Europa ausgriffen [5, 9].
Landschaft und Klima
Im Westen beginnt der Gürtel in Ungarn und Rumänien, im Osten endet er in der Mandschurei im Nordosten Chinas [1]. Die Steppe zählt zu den größten zusammenhängenden Grasland-Ökosystemen der gemäßigten Zone [1].

Die Herkunft des Hauspferds
Woher die heutigen Hauspferde stammen, untersuchte ein Team um Pablo Librado und Ludovic Orlando anhand von 273 Genomen alter Pferde [2]. Die 2021 in der Zeitschrift Nature veröffentlichte Studie verortet die Heimat der modernen Hauspferde in der westlichen eurasischen Steppe, vor allem am unteren Lauf von Wolga und Don [2]. Ab etwa 2000 v. Chr. breiteten sich diese Pferde rasch über Eurasien aus und verdrängten fast alle anderen Pferdebestände, zur selben Zeit wie Streitwagen mit Speichenrädern der Sintaschta-Kultur [2].

Die Autoren sehen keinen Zusammenhang zwischen dem Reiten und der Ausbreitung der Jamnaja-Kultur nach Europa [2].
Skythen, Saken und Sarmaten
Bis zum 8. Jahrhundert v. Chr. lebten nach der Länderstudie der Library of Congress zur Mongolei in weiten Teilen des Gebiets nomadische Völker indoeuropäischer Sprache, Skythen oder mit ihnen verwandte Gruppen [4]. Die Kultur der Skythen blühte nach der World History Encyclopedia vom 7. bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. [3]. Sie bildeten einen Bund von Stämmen, lebten von ihren Herden, ritten und zogen mit überdachten Wagen [3]. Ihr Gebiet reichte von Thrakien bis zum Altai, über etwa 4.000 Kilometer [3]. Zu den verwandten Gruppen zählt die Quelle die Saken im Osten Zentralasiens, die Massageten und die Sarmaten zwischen Kaspischem Meer, Don und Wolga [3].

Wichtigster antiker Gewährsmann ist der griechische Geschichtsschreiber Herodot im 5. Jahrhundert v. Chr. [3]. Er beschreibt, wie der Perserkönig Dareios I. um 513 bis 512 v. Chr. über die Donau zog, die Skythen einer Feldschlacht auswichen und Dareios mangels Vorräten umkehren musste [3]. Viel über ihre Kunst und ihr Leben verraten reiche Grabhügel, die Kurgane, nördlich des Schwarzen Meeres, etwa Kul-Oba und Tolstaja Mogila [3]. Den Toten gaben die Skythen Waffen, Rüstungen, Wagenteile, Stoffe, Speisen und Getränke mit [3]. Geschwächt wurden sie unter anderem durch Philipp II. von Makedonien und den Sieg Alexanders des Großen am Jaxartes 329 v. Chr. [3]. Um 300 v. Chr. unterwarfen nach der Zeitleiste der Quelle die Sarmaten die Skythen, im 4. Jahrhundert n. Chr. verschwinden die Skythen aus der Überlieferung [3].
Xiongnu und Yuezhi
Die Xiongnu waren nach der Länderstudie ein Reitervolk ungewisser Herkunft, ihre Sprache ist unbekannt [5]. Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. drangen sie aus der Gobi über den Gelben Fluss vor [5]. Chinesische Staaten verbanden ältere Mauern zu einer 2.300 Kilometer langen Großen Mauer an der Nordgrenze [5]. Ein chinesisches Heer übernahm die Kampfweise der Xiongnu mit Hosen und berittenen Bogenschützen [5]. Um die Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. beherrschten die Xiongnu ganz Nord- und Westchina nördlich des Gelben Flusses [5]. Von 130 bis 121 v. Chr. drängten chinesische Heere sie nach Norden über die Gobi zurück [5]. Zwischen 73 und 44 v. Chr. unternahmen sie Raubzüge bis tief ins Tal des Amu Darja, Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. trieb sie die Östliche Han-Dynastie in den Altai und die Steppen nördlich der Gobi zurück [5].
Die Yuezhi, ein Nomadenvolk indoeuropäischer Sprache, unterlagen den Xiongnu im späten 3. und frühen 2. Jahrhundert v. Chr. und zogen nach Südwesten [5]. Zu Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. tauchten sie im Tal des Amu Darja auf [5]. Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. besiegte die Östliche Han-Dynastie das von den Yuezhi getragene Kuschanreich [5].
Die Hunnen
Woher die Hunnen kamen, ist nach der World History Encyclopedia unbekannt, wahrscheinlich aus dem Raum zwischen dem Ostrand des Altai und dem Kaspischen Meer, ungefähr dem heutigen Kasachstan [6]. Im 18. Jahrhundert setzte Joseph de Guignes sie mit den Xiongnu gleich, die neuere Forschung hat diese Verbindung mangels Belegen weitgehend verworfen [6]. 370 unterwarfen die Hunnen die Alanen, 376 drängten sie die Westgoten unter Fritigern auf römisches Gebiet [6]. Mehr dazu im Beitrag über die Völkerwanderung.
Attila regierte ab 433 mit seinem Bruder Bleda, nach dessen Tod 445 allein bis 453 [6]. 451 stellten sich ihm der römische Feldherr Flavius Aetius und der Westgotenkönig Theoderich I. auf den Katalaunischen Feldern entgegen, Attila wurde erstmals besiegt [6]. Nach seinem Tod 453 teilten seine Söhne das Reich und bekämpften einander, 454 unterlagen die Hunnen den Gepiden am Fluss Nedao [6]. Nach 469 berichten die Quellen von keinen Feldzügen der Hunnen mehr [6].
Türk und Uiguren
Zwischen 546 und 553 stürzten die Türk das Reich der Ruruan und wurden nach der Länderstudie zur stärksten Macht in Nord- und Innerasien [7]. Der Aufstand begann im Altai, wo viele Türk als Unfreie in Eisenminen arbeiteten [7]. Ende des 6. Jahrhunderts zerfiel ihr Staat in einen östlichen und einen westlichen Teil [7]. 601 belagerte ein Heer der Türk Chang'an, die damalige Hauptstadt Chinas [7]. Inschriften am Fluss Orchon in einer runenähnlichen Schrift, die 1896 entziffert wurde, sind das älteste bekannte Zeugnis einer innerasiatischen Sprache [7].

Zwischen 629 und 648 zerschlug das China der Tang die Macht der östlichen Türk, die westlichen Türk wurden zwischen 641 und 648 unterworfen, endgültig endete das Reich der Türk 744 [8]. Danach reichte ein Reich der Uiguren vom Balchaschsee bis zum Baikalsee [8]. Es zerfiel 846, ein Teil der Uiguren gründete danach in der Gegend von Turpan ein eigenes Königreich [8]. Wie Reiternomaden dieser Zeit lebten, zeigen Funde aus Felsspaltengräbern der Mongolei, die 2012 im LVR-Landesmuseum Bonn ausgestellt wurden: eine Harfe mit Pferdekopf, Reflexbögen, Sättel und der älteste erhaltene Filzkaftan [11]. Die Ausstellung umfasste die Zeit vom 7. bis zum 14. Jahrhundert, die Gräber lagen in 1.800 bis 3.000 Metern Höhe [11]. Forschende der Universität Bonn arbeiten dafür seit 1998 mit der Mongolischen Akademie der Wissenschaften zusammen [11].
Mongolen und Goldene Horde
Den Aufstieg der Mongolen unter Dschingis Khan und seinen Nachfolgern beschreiben die Beiträge über das Mongolische Reich, Dschingis Khan und den Mongolensturm. Im Westen herrschte die Goldene Horde Batus von ihrer Hauptstadt Sarai aus über die obere Wolga, die Krim, den nördlichen Kaukasus und Choresmien [9]. Die Horde nahm den Islam als Staatsreligion an, Arabisch und Tatarisch lösten das Mongolische als Amtssprache ab [9]. Ihre Oberhoheit über das östliche Russland dauerte nach der Länderstudie von 1240 bis 1480 [9].
Zwischen Russland und China
Im 17. Jahrhundert drangen Russland von Norden und die Mandschu von Süden in die Steppe vor [10]. Zwischen 1641 und 1652 unterwarfen die Russen die Burjaten am Baikalsee, 1646 unterstellten sich die Kalmücken Russland [10]. Nach dem Tod Ligdan Khans 1634 brach der Widerstand der Mongolen gegen die Mandschu in der südlichen Mongolei zusammen [10]. Die Dsungaren beherrschten große Teile der Mongolei, ihr Fürst Galdan eroberte Kaschgar, Jarkand und Chotan und drang um 1682 nach Osten gegen die Khalkha vor [10]. 1688 riefen die Khalkha die Mandschu zu Hilfe [10]. Die Verträge von Nertschinsk 1689 und Kjachta 1727 legten die Grenze zwischen dem Russischen Reich und dem China der Qing fest [10].
- Organisation Eurasian Steppe (Glossar). CARTA, Center for Academic Research and Training in Anthropogeny, University of California San Diego. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Pablo Librado, Ludovic Orlando u. a.: The origins and spread of domestic horses from the Western Eurasian steppes, in: Nature 598, S. 634 bis 640. Nature. Stand 20.10.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Patrick Scott Smith: Scythians. World History Encyclopedia. Stand 18.03.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Mongolia: Origins of the Mongols (Country Study). Library of Congress, Federal Research Division (Spiegel countrystudies.us). Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Mongolia: Xiongnu and Yuezhi (Country Study). Library of Congress, Federal Research Division (Spiegel countrystudies.us). Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Joshua J. Mark: Huns. World History Encyclopedia. Stand 25.04.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Mongolia: Rise of the Türk (Country Study). Library of Congress, Federal Research Division (Spiegel countrystudies.us). Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Mongolia: Influence of Tang China (Country Study). Library of Congress, Federal Research Division (Spiegel countrystudies.us). Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Mongolia: The Golden Horde (Country Study). Library of Congress, Federal Research Division (Spiegel countrystudies.us). Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Mongolia: Caught Between the Russians and the Manchus (Country Study). Library of Congress, Federal Research Division (Spiegel countrystudies.us). Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Steppenkrieger: Reiternomaden des 7. bis 14. Jahrhunderts aus der Mongolei (Pressemitteilung 014/2012). Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Stand 16.01.2012. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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