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Das Fränkische Reich: von Chlodwig bis zum Vertrag von Verdun

Das Fränkische Reich war das bedeutendste Reich des frühen Mittelalters in West- und Mitteleuropa. Es entstand unter dem Merowinger Chlodwig I. im späten 5. Jahrhundert, erreichte unter dem Karolinger Karl dem Großen seine größte Macht und wurde 843 im Vertrag von Verdun in drei Teile geteilt. Aus West- und Ostfranken gingen später Frankreich und Deutschland hervor.

Ein nebliges Flusstal am Morgen mit einer frühmittelalterlichen Holzhalle und Palisade auf einem flachen Hügel
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Das Frankenreich, lateinisch regnum Francorum, gilt als die bedeutendste Reichsbildung des frühen Mittelalters. In ihm lebten Romanen und Germanen zusammen [1]. Zwei Herrscherfamilien prägten es: zuerst die Merowinger, ab 751 die Karolinger [1]. Im Jahr 800 wurde Karl der Große in Rom zum Kaiser gekrönt [1, 3]. 843 teilten seine Enkel das Reich im Vertrag von Verdun [4]. Die beiden äußeren Teile gelten als Grundlage der späteren Staaten Frankreich und Deutschland [4].

Die Anfänge unter den Merowingern

Die erste fränkische Herrschaft begründeten im 5. Jahrhundert Chlodio und Childerich I., ihr Mittelpunkt war Tournai, flämisch Doornik [1]. Chlodwig I. beseitigte die römische Herrschaft in Gallien und machte sich zum Alleinherrscher über die Franken [1]. Nach dem Schülerlexikon Geschichte besiegte er 486 den letzten weströmischen Statthalter in Gallien [2]. 496 schlugen die Franken die Alemannen [2]. Wie Westrom zuvor zerfallen war, beschreibt der Artikel Die Völkerwanderung.

Frühmittelalterliche Gewandspangen aus Gold mit roten Steinen und eine Bronzeschnalle in einer Museumsvitrine
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Wichtig für die weitere Entwicklung war Chlodwigs Übertritt zum katholischen Christentum. Das Lexikon von wissen.de datiert ihn auf um 498 [1], das Schülerlexikon auf 497/498 [2]. Der Übertritt schloss nach dem Schülerlexikon die Franken mit ein und war für die Reichsbildung von großer Bedeutung [2]. 507 vertrieben die Franken die Westgoten aus ihrem Tolosanischen Reich in Aquitanien. Danach reichte das Frankenreich vom Atlantik bis zum Main [2].

Teilungen und die Macht der Hausmeier

Als Chlodwig 511 starb, wurde das Reich nach salischem Erbrecht unter seine vier Söhne geteilt. Ihre Sitze waren Paris, Soissons, Orléans und Reims [1]. Die Teilreiche dehnten sich weiter aus: 531 unterwarfen die Franken die Thüringer, 532 bis 534 die Burgunder [1].

Nach dem Tod König Dagoberts I. 639 ging die tatsächliche Macht an die Hausmeier über. Am stärksten wurden die Karolinger im östlichen Reichsteil Austrien [1]. Pippin II. gewann 687 die Macht im ganzen Reich [1]. Sein Sohn Karl Martell sicherte 732 in der Schlacht bei Poitiers das Reich gegen arabische Truppen, die aus Spanien vorgedrungen waren [1].

Pippin und der Wechsel zu den Karolingern

751 beseitigte Pippin III., Sohn Karl Martells und oft Pippin der Jüngere genannt, das merowingische Königtum. Die Franken wählten ihn zum König, Papst Stephan II. salbte ihn [1].

Karl der Große

768 wurde Karl König der Franken und regierte zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Karlmann. Als Karlmann 771 starb, herrschte Karl allein [3]. Sein Geburtsjahr ist nicht sicher überliefert: Die World History Encyclopedia nennt 742 und als wahrscheinlichen Geburtsort Aachen [3], die Neue Deutsche Biographie hält 747 für glaubwürdiger als 742 [9]. 774 eroberte er das Reich der Langobarden in Italien und nannte sich danach König der Franken und Langobarden [3]. Im Südwesten richtete er die Spanische Mark ein [3]. 778 wurde seine Nachhut beim Rückzug aus Spanien am Pass von Roncesvalles aufgerieben [3]. 795 unterwarfen sich die Awaren, 796 wurden sie endgültig besiegt [1, 3].

Der Innenraum einer achteckigen frühmittelalterlichen Steinkapelle mit Rundbögen auf zwei Ebenen und einer Kuppel
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Am längsten dauerten die Sachsenkriege, von 772 bis 804 [3]. 782 ließ Karl bei Verden Anführer des sächsischen Aufstands hinrichten. Die World History Encyclopedia nennt 4.500 Hingerichtete [3], die Neue Deutsche Biographie hält die Zahl der Reichsannalen für nicht haltbar [9]. 804 wurden mehr als 10.000 Sachsen nach Neustrien in den Westen des Reiches umgesiedelt [3]. An Weihnachten, dem 25. Dezember 800, krönte Papst Leo III. Karl in Rom zum Kaiser [3]. Damit erhob neben dem Kaiser in Konstantinopel ein zweiter Herrscher Anspruch auf die Kaiserwürde [6]. Davon handelt der Artikel Das Byzantinische Reich.

Zur Verwaltung setzte Karl Grafen ein. Königsboten, die missi dominici, prüften in seinem Auftrag Rechtsprechung und Abgaben [3]. Zu seinen wichtigsten Beratern zählte der Gelehrte Alkuin, der um 735 geboren wurde und 804 starb. Er verstand Lesen und Schreiben als Teil der Frömmigkeit [3]. Von Aachen aus schickte Karl Beauftragte durch das Reich, die prüften, ob seine Erlasse befolgt wurden [3]. Mittelpunkt des Hofes wurde Aachen. Dort ließ Karl zwischen 793 und 813 die Pfalzkapelle errichten, den Kern des heutigen Doms. 814 wurde er in ihr beigesetzt. Sein Marmorsarkophag ist im Dom bis heute zu sehen [5]. Bis 1531 wurden in Aachen deutsche Könige gekrönt [5]. Das heutige Kuppelmosaik stammt von 1880/1881, das ursprüngliche ist verloren. 1978 nahm die UNESCO den Dom als erstes Kulturdenkmal in Deutschland in die Welterbeliste auf [5]. 813 hatte Karl seinen Sohn Ludwig als Nachfolger gekrönt, im folgenden Jahr starb er [3]. Sein Leben erzählt ausführlich das Lebensbild Karl der Große.

Krieger, Land und Treue

Unter den Karolingern veränderte sich im 8. Jahrhundert das Kriegswesen. Bis dahin hatten freie Bauern den größten Teil des Heeres gestellt. Weil die Kriegsdienste zunahmen, auch wegen arabischer Einfälle im Westen des Frankenreichs, gerieten viele von ihnen in den Ruin [7]. Viele Bauern begaben sich deshalb in den Schutz eines Adligen oder der Kirche. Als Hörige schuldeten sie ihm Abgaben und Frondienste [7]. Berufskrieger, die als Panzerreiter dienten, erhielten für ihren Dienst Land oder ein Amt als Lehen [7]. Der Vasall schuldete seinem Herrn Rat und Hilfe, lateinisch consilium et auxilium, also militärische und Amtsdienste. Der Herr schuldete ihm Schutz [7]. Die Belehnung geschah im Handgang, bei dem der Vasall einen Treueid leistete [7]. Ein Lehen blieb geliehenes Gut. Je nach Vertrag fiel es an den Herrn zurück und war nicht von vornherein erblich. Frei verfügbares, vererbbares Eigentum an Land hieß dagegen Allod [7].

Das fränkische Lehnswesen entstand nach dem Lexikon von wissen.de aus zwei Teilen: der persönlichen Bindung des Vasallen an seinen Herrn und dem Benefizium, der Ausstattung mit Land [8]. Die Vasallität geht dort auf das germanische Gefolgschaftswesen und auf die gallorömische Kommendation zurück, die Unterstellung unter Schutz und Gewalt eines Herrn [8]. Der Lehnsmann gelobte Treue und Mannschaft, seine wichtigsten Pflichten waren Heerfahrt und Hoffahrt, also Kriegsdienst und Anwesenheit am Hof des Herrn [8]. In Frankreich wurden Lehen schon am Ende des 9. Jahrhunderts gewohnheitsrechtlich erblich, in anderen Gebieten erst im 10. Jahrhundert [8]. Wie daraus eine ganze Ordnung wurde, erklärt der Artikel Der Feudalismus.

Ludwig der Fromme und der Bruderkrieg

Ludwig der Fromme regierte von 814 bis 840 und hielt die Reichseinheit noch einmal aufrecht [1]. Seit etwa 816 strebte eine kirchliche Reformbewegung ein Gottesreich auf Erden an, das die Einheit des Reiches voraussetzte. Die Großen des Reiches hatten sich aber in ihren eigenen Machtbereichen festgesetzt und vertraten immer mehr regionale Interessen [4]. Die Ordinatio Imperii von 817 sah die Kaiserwürde nur für den ältesten Sohn vor und stieß auf scharfen Widerstand [4]. Später bestimmte Ludwig seinen viertgeborenen Sohn Karl den Kahlen zum Erben. Damit war die Ordnung von 817 hinfällig, und viele sahen darin einen Bruch des Stammesrechts, das eine gleiche Teilung unter den Söhnen vorsah [4]. Hinter Karl stand das Geschlecht der Welfen, aus dem seine Mutter Judith stammte [4].

Der Streit wurde zur Sache der Adelsparteien. 830 und 833 wurde Ludwig im Zuge der Erbstreitigkeiten abgesetzt [4]. Nach seinem Tod kam es 841 bei Fontenoy zu den ersten blutigen Kämpfen unter den Brüdern [4].

Der Vertrag von Verdun 843

Am 11. August 843 teilten die drei Enkel Karls des Großen das Reich [4]. Karl der Kahle erhielt das Westfrankenreich, Ludwig, später der Deutsche genannt, das Ostfrankenreich. Lothar I. bekam das Mittelreich zwischen beiden und den Kaisertitel [1, 4]. Nach Lothars Tod wurde sein Gebiet erneut unter den Brüdern aufgeteilt [4]. Die Teile wurden nach der Größe des Königsgutes bemessen, das jeder Bruder erhielt [4]. Die Grenzen von Verdun verschoben sich später noch mehrfach [4]. Das Schülerlexikon sieht in dem Vertrag die Grundlage für die spätere Entstehung Frankreichs und Deutschlands [4].

Ein breiter Fluss windet sich in der Dämmerung durch grüne Landschaft, am Ufer liegt eine kleine Stadt mit Kirche
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TeilreichHerrscherSpätere Entwicklung
WestfrankenKarl der KahleGrundlage Frankreichs [4]
MittelreichLothar I. mit Kaisertitel870 in Mersen geteilt [1]
OstfrankenLudwig der DeutscheGrundlage Deutschlands [4]

Das Ende des Frankenreichs

Das Mittelreich hielt nicht lange. In den Verträgen von Mersen 870 und Ribémont 880 wurde es aufgeteilt, Lothringen kam an das Ostfränkische Reich [1]. Karl III. vereinte die Teilreiche nur noch einmal für die Jahre 885 bis 887 [1]. 888 trennten sich West- und Ostfranken, Hochburgund, Niederburgund und Italien endgültig [1]. Die ostfränkischen Karolinger starben 911 aus, die westfränkischen 987 [1]. Wie es im Osten weiterging, zeigt der Artikel Deutschland im Mittelalter. Die Entwicklung im Westen behandelt Die Geschichte Frankreichs.

Die wichtigsten Daten

JahrEreignis
486Chlodwig beendet die römische Herrschaft in Gallien [2]
um 498 bzw. 497/498Übertritt Chlodwigs zum Christentum [1, 2]
511Tod Chlodwigs, Teilung unter vier Söhne [1]
732Karl Martell siegt bei Poitiers [1]
751Pippin III. wird König, Beginn der Karolinger [1]
768Karl wird König der Franken [3]
774Eroberung des Langobardenreichs [3]
800Kaiserkrönung Karls in Rom [3]
814Tod Karls, Beisetzung in Aachen [3, 5]
843Vertrag von Verdun [4]
870Vertrag von Mersen [1]
911Ende der ostfränkischen Karolinger [1]
  1. Frankenreich (Lexikon). wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Völkerwanderung in Europa (Schülerlexikon Geschichte). Duden Learnattack, lernhelfer.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Joshua J. Mark: Charlemagne. World History Encyclopedia. Stand 25.03.2019. abgerufen am 29.10.2026
  4. Vertrag von Verdun (Schülerlexikon Geschichte). Duden Learnattack, lernhelfer.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Aachener Dom. Deutsche UNESCO-Kommission. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Byzantinisches Reich: Der griechische Osten (Schülerlexikon Geschichte). Duden Learnattack, lernhelfer.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Lehenswesen und Grundherrschaft (Schülerlexikon Geschichte). Duden Learnattack, lernhelfer.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Lehnswesen (Lexikon). wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Studie Theodor Schieffer: Karl I. der Große (Neue Deutsche Biographie 11). Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 1977. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.