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Die Renaissance: Wiedergeburt der Antike in Italien und Europa

Die Renaissance ist die Epoche zwischen Mittelalter und Neuzeit, meist auf etwa 1400 bis 1600 datiert. Sie begann in den Stadtstaaten Norditaliens und griff bewusst auf Texte, Kunst und Wissen der Antike zurück. Das Wort ist französisch und bedeutet "Wiedergeburt".

Eine sonnige italienische Piazza mit einer großen roten Ziegelkuppel hinter hellen Steinpalästen und Zypressen im Hintergrund
Bild: KI-generiert

Renaissance ist das französische Wort für "Wiedergeburt" [1]. Gemeint ist die Rückbesinnung auf die Antike, mit der Gelehrte und Künstler in Italien das Mittelalter hinter sich lassen wollten [1]. Die World History Encyclopedia setzt die Epoche auf die Zeit von 1400 bis 1600 an [2]. Ihre geistige Grundlage war der Humanismus, dessen Ursprünge im Italien des 14. Jahrhunderts liegen [2]. Von Italien aus verbreiteten sich die neuen Ideen über Europa, im Norden zeitversetzt und in eigenen Formen [1, 2].

Woher der Begriff kommt

Schon 1550 sprach Giorgio Vasari von einer "rinascita". Er meinte damit, dass die Kunst seiner Zeit die mittelalterliche Kunst überwunden habe, indem sie an die Antike anknüpfte [1]. Als Name für eine ganze Epoche setzte sich das Wort aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts durch [1], auch wenn es nach der Enciclopedia Italiana vereinzelt schon im 18. Jahrhundert mit dieser Bedeutung vorkam [9]. Jules Michelet überschrieb 1855 den siebten Band seiner "Histoire de France" mit "Renaissance" [1, 9]. 1860 veröffentlichte der Historiker Jacob Burckhardt "Die Kultur der Renaissance in Italien" [1, 9, 10]. Auch das Wort Humanismus stammt erst aus dem 19. Jahrhundert [2].

Wann die Renaissance war

Feste Grenzen hat die Epoche nicht. In der Kunstgeschichte gelten das 15. Jahrhundert, das Quattrocento, und das 16. Jahrhundert, das Cinquecento, als Kernzeit [1]. August Buck schlug vor, sie mit der Geburt Petrarcas 1304 beginnen und mit dem Tod des Dichters Torquato Tasso 1595 enden zu lassen [1]. Die Hochrenaissance wird auf etwa 1490 bis 1530 datiert [1]. Davor liegt die Frührenaissance, danach folgt als Spätrenaissance der Manierismus [1]. In Italien löste der Barock die Spätrenaissance Anfang des 17. Jahrhunderts ab [1]. Wie es danach weiterging, erzählt der Artikel Der Barock.

Nördlich der Alpen kam die Renaissance später an [1]. Im protestantischen Norden Europas überlagert der Begriff der Reformation den der Renaissance, weil beide Bewegungen in dieselbe Zeit fallen [1]. Mehr dazu im Artikel Die Reformation.

Italien und seine Stadtstaaten

Dass die Renaissance in Italien begann, hat mit der politischen Lage zu tun. Nach dem Zerfall der staufischen Herrschaft bildeten sich in Norditalien ab dem 13. Jahrhundert eigenständige Stadtherrschaften [1]. Aus ihren Fehden gingen fünf Mächte hervor: Venedig, Florenz, Mailand, Neapel und Rom. Mit dem Frieden von Lodi fanden sie ein Gleichgewicht [1]. Kaufleute und Bankiers traten als Auftraggeber von Kunst und Gelehrsamkeit auf [1].

Ein leerer Innenhof mit schlanken Steinsäulen, Rundbögen und einem Brunnen in der Mitte im Morgenlicht
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Wie reich diese Städte waren, zeigt Mailand. Das Herzogtum gehörte um 1500 zu den reichsten Regionen Europas, die Stadt hatte rund 100.000 Einwohner [6]. Seit 1450 regierten dort die Sforza, die am Kastell bauten, den Bau des Doms förderten und Künstler und Gelehrte an ihren Hof holten [6]. Herzöge waren unter anderem Francesco Sforza von 1450 bis 1466 und Ludovico Sforza von 1494 bis 1500 [6]. Ihre Herrschaft als Aufsteiger blieb nach dem Urteil des Landesmuseums Zürich brüchig [6]. Schon 1347 bis 1352 hatte die Pest Europa schwer getroffen; die Krisenzeit danach führte zu einer geistigen Neuorientierung [1].

Florenz und die Medici

In Florenz stiegen die Medici als Kaufleute und Bankiers auf und übernahmen 1434 die Führung der Stadtrepublik [3]. Ihr Ruhm beruht vor allem darauf, dass sie Kunst und Wissenschaft förderten [3]. Cosimo der Alte (1389 bis 1464) ließ den Palazzo Medici bauen [3]. Sein Enkel Lorenzo il Magnifico (1449 bis 1492) war selbst Dichter, gründete die Biblioteca Laurenziana und förderte Botticelli, Michelangelo und Leonardo da Vinci [3]. Zweimal wurde die Familie aus Florenz vertrieben, von 1494 bis 1512 und von 1527 bis 1531 [3]. Aus ihr kamen die Päpste Leo X. und Klemens VII. sowie Katharina von Medici, die Frau des französischen Königs Heinrich II. [3]. Kaiser Karl V. erhob Alessandro de' Medici 1532 zum Herzog; mit ihm erlosch 1537 die ältere Linie [3]. Cosimo I. aus der jüngeren Linie wurde 1569 von Papst Pius V. zum Großherzog der Toskana erhoben, diese Linie endete 1737 mit Gian Gastone [3].

Humanismus: zurück zu den antiken Texten

Die Humanisten wollten Bildung und Denken an der Antike ausrichten. Ihre Fächer fassten sie unter dem Begriff "studia humanitatis" zusammen, den Cicero (106 bis 43 v. Chr.) geprägt und Coluccio Salutati (1331 bis 1406) wiederbelebt hatte [2]. Dazu gehörten Rhetorik, Moralphilosophie, lateinische Grammatik, Geschichte und Dichtung [2]. Auch körperliche Ertüchtigung zählte zur Bildung, wie die Humanisten sie verstanden [2].

Ein stiller Bibliothekssaal eines Klosters mit langen Holzpulten, geschlossenen Lederbänden und hohen Bogenfenstern
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Als "Vater des Humanismus" gilt oft Francesco Petrarca (1304 bis 1374). Er suchte in Klosterbibliotheken nach verschollenen Handschriften und fand dabei Werke und Briefe Ciceros [2]. Die Scholastik lehnte er ab, und er kritisierte die Korruption in der Kirche [2]. Auch Giovanni Boccaccio (1313 bis 1375) suchte nach antiken Handschriften; sein "Decamerone" entstand zwischen 1348 und 1353 [2]. Nach dem Fall Konstantinopels 1453 flohen griechische Gelehrte nach Westen, vor allem nach Italien [2].

Der Buchdruck, der um 1450 nach Europa kam, trug die neuen Ideen von Italien in den Norden [2]. Bis 1515 lagen die Werke aller wichtigen klassischen Autoren gedruckt vor [2]. Der Buchdruck mit beweglichen Lettern gilt als die bedeutendste technische Errungenschaft der Renaissance [1]. Wie die Druckerpresse funktionierte, erklärt der Artikel Der Buchdruck mit beweglichen Lettern.

Humanisten nördlich der Alpen

Im Norden war der Humanismus stärker religiös geprägt als in Italien [2]. Erasmus von Rotterdam (um 1469 bis 1536) gilt als der berühmteste humanistische Gelehrte seiner Zeit. Er gab das Neue Testament in einer neuen lateinischen und griechischen Fassung heraus [2]. Von ihm stammen außerdem die Schriften "De Copia" (1512) und "De conscribendi epistolis" (1521) [2]. In England veröffentlichte Thomas Morus (1478 bis 1535) im Jahr 1516 seine "Utopia" [2]. Die genaue Arbeit an alten Texten richtete sich damit auch auf die Bibel. Welche Folgen das in Deutschland hatte, zeigt der Artikel Martin Luther.

Kunst und Architektur

Den Anspruch der Epoche, Kunst und Wissen zu verbinden, verkörpert Filippo Brunelleschi: Er brachte Architektur, Optik und Mathematik zusammen [1]. Die Architektur der Renaissance verdrängte in Italien die Gotik und griff auf die klassischen Säulenordnungen der Antike zurück [7]. In Deutschland stehen Albrecht Dürer und Tilman Riemenschneider für die Renaissance nördlich der Alpen, in den Niederlanden etwa das Antwerpener Rathaus von um 1564 [1].

Malerei, Bildhauerei und Baukunst der Epoche stellt der Artikel Kunst der Renaissance ausführlich vor. Zwei der bekanntesten Künstler haben eigene Lebensbilder: Leonardo da Vinci und Michelangelo.

Wissenschaft: das Jahr 1543

Die Bibliothek der Duke University nennt 1543 ein Schlüsseljahr in der Geschichte des Publizierens [4]. In diesem Jahr erschienen zwei Werke, die das Bild vom Kosmos und vom Menschen veränderten: "De revolutionibus" von Nikolaus Kopernikus über die Umläufe der Himmelskörper und "De humani corporis fabrica" von Andreas Vesalius über den Bau des menschlichen Körpers [4]. Kopernikus stellte die Sonne in die Mitte und berief sich dabei auf antike Vorläufer wie Aristarchos von Samos [1]. Johannes Kepler lieferte später eine physikalische Erklärung, Galileo Galilei stützte sie mit genaueren Beobachtungen [1]. Sein Leben erzählt der Artikel Galileo Galilei.

Eine Armillarsphäre aus Messing und ein altes Holzfernrohr auf einem Tisch am Fenster in der Dämmerung
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Politik: Machiavelli und die Kriege um Italien

Ab 1499 wurde Norditalien zum Kriegsschauplatz. Der französische König Ludwig XII. machte damals seinen Erbanspruch auf Mailand mit Waffen geltend [6]. Mehr als 20 Jahre lang rangen Frankreich, Habsburg, Venedig, der Papst und die Eidgenossen in wechselnden Bündnissen um die Lombardei [6]. Der Bedarf an Söldnern war in diesen Kriegen groß [6]. Papst Julius II. holte 1506 eine eidgenössische Leibwache in den Vatikan, 1512 vertrieben eidgenössische Truppen die Franzosen aus Mailand [6]. Am 13. und 14. September 1515 siegte Frankreich unter Franz I. bei Marignano; zurück blieben über 10.000 Tote, die meisten davon Eidgenossen [6]. Wie diese Heere aufgestellt und bezahlt wurden, zeigt der Artikel Söldner und Landsknechte.

In dieser Lage schrieb Niccolò Machiavelli Ende 1513 und vielleicht noch Anfang 1514 "Il Principe", deutsch "Der Fürst" [8]. Er widmete die Schrift Lorenzo di Piero de' Medici; zunächst hatte er sie Giuliano di Lorenzo de' Medici zueignen wollen [5, 8]. Gedruckt wurde sie erst 1532, fünf Jahre nach seinem Tod am 21. Juni 1527 [8]; die päpstliche Druckerlaubnis stammt vom 4. Januar 1532 [5]. Machiavelli verwarf Idealbilder des Herrschers und beschrieb Politik nüchtern so, wie er sie vorfand [1]. Nach 1512 setzte die Allianz gegen Frankreich in Mailand Massimiliano Sforza als Herzog ein, der von seiner Schweizer Schutztruppe abhängig blieb [6].

Kritik am Epochenbegriff

Das Bild von der Renaissance als Neubeginn stammt zum Teil von den Humanisten selbst. Ihre Verehrung der Antike wertete das Mittelalter als finstere Zeit ab [1]. Petrarca nannte seine eigene Zeit abschätzig einen "Schlummer" [2]. Heute deutet die Forschung viele Werke des Mittelalters als Vorläufer der Renaissance [1]. Hinzu kommt, dass die Epochengrenzen je nach Land verschieden verlaufen [1]. Wer wissen will, was vor der Renaissance kam, findet im Bereich Das Mittelalter den Überblick.

Wie sich das Schachspiel vom Mittelalter bis heute entwickelt hat, erzählt schach.domain-root.de im Artikel Geschichte des Schachs.

  1. Renaissance. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Renaissance-Humanismus (Mark Cartwright, Übersetzung Marina Wrackmeyer). World History Encyclopedia. Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
  3. Medici (Geschichte). wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation From Vesalius to the Digital Age (Ausstellung). Duke University Libraries. Stand 2015. abgerufen am 29.10.2026
  5. Der Fürst. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation 1515 Marignano. Unterlagen für Schulen. Schweizerisches Nationalmuseum, Landesmuseum Zürich. Stand 2015. abgerufen am 29.10.2026
  7. Renaissance (Übersicht: Renaissance Architecture, Renaissance Humanism, Renaissance Art). World History Encyclopedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Studie Niccolò Machiavelli (Cary Nederman), Stanford Encyclopedia of Philosophy. Stanford University. Stand 06.12.2023. abgerufen am 29.10.2026
  9. Rinascimento. Enciclopedia Italiana, Istituto della Enciclopedia Italiana (Treccani). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Renaissance: Eine neue Epoche? (Gregor Delvaux de Fenffe). Planet Wissen, SWR. Stand 26.06.2019. abgerufen am 29.10.2026

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