Die Frühe NeuzeitRatgeber
Der Barock: Prunk, Macht und Vergänglichkeit im 17. und 18. Jahrhundert
Der Barock ist eine Epoche der europäischen Kunst und Kultur, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts einsetzte und je nach Kunstgattung zwischen 1750 und 1770 endete. Typisch sind prachtvolle Schlösser und Kirchen, symmetrische Gärten, Oper und Generalbass in der Musik und eine Dichtung, die um die Vergänglichkeit kreist.

Als Barock bezeichnet man eine Epoche der Kunstgeschichte und Kultur, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts einsetzte [1]. Wann genau sie anfing und endete, hängt von der Kunstgattung ab. Die Angaben reichen für den Beginn von 1580 bis 1600 und für das Ende von 1750 bis 1770 [2]. Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts ordneten den Barock als Epoche zwischen Renaissance und Klassizismus ein [2]. Die Zeit davor beschreibt der Artikel zur Kunst der Renaissance, einen Überblick über alle Stilepochen gibt Kunstgeschichte: die Epochen im Überblick.
Woher der Name kommt
Das Wort war ursprünglich abwertend gemeint. Es geht vermutlich auf den portugiesischen Ausdruck "pèrola barroca" zurück, eine unebene, schief gewachsene Perle. Lange galt barocke Kunst als überladen und kitschig, ein Urteil, das bis ins 19. Jahrhundert reichte. Erst im 19. Jahrhundert wurden barocke Werke wiederentdeckt [2].
Die Epoche begann in einer Zeit großer Gegensätze. Während der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 weite Teile Europas verwüstete, bauten Fürsten prachtvolle Residenzen, und der Adel pflegte Feste, aufwendige Frisuren und Kleidung [1]. Über diesen Krieg informiert der Artikel zum Dreißigjährigen Krieg.
Rom: Bernini und der Petersplatz
In Rom beauftragte Papst Alexander VII., der von 1655 bis 1667 regierte, den Bildhauer und Architekten Gian Lorenzo Bernini mit den Kolonnaden des Petersplatzes. Sie entstanden von 1656 bis 1667 und bestehen aus 284 Säulen und 88 Pfeilern in vier Reihen. Auf der Balustrade stehen 140 Heiligenstatuen, aufgestellt zwischen 1662 und 1703 [3]. Bernini sollte den Platz noch mit einem dritten Säulenflügel schließen. Der Tod des Papstes 1667 beendete dieses Vorhaben [3]. Wie die katholische Kirche in dieser Zeit auf die Reformation antwortete, beschreibt der Artikel zur Gegenreformation.

Versailles und der Hof Ludwigs XIV.
In Frankreich machte Ludwig XIV. das Schloss von Versailles zum Mittelpunkt seiner Herrschaft. Er fürchtete Paris, seit er 1649 vor dem Aufstand der Fronde aus der Stadt geflohen war. Am 6. Mai 1682 wurde Versailles Sitz der Regierung. Paris blieb offiziell Hauptstadt, das Zentrum des Königreichs war bis 1789 aber Versailles [4]. Zwischen 1678 und 1682 ließ Ludwig XIV. dort mehr bauen als in den 20 Jahren davor, unter anderem die Ministerflügel und den Südflügel. 1685 arbeiteten mehr als 36.000 Menschen auf den Baustellen von Versailles und seinen Nebengebäuden [4].

Der Spiegelsaal entstand ab 1678 nach Plänen von Jules Hardouin-Mansart. Das Deckengewölbe malte Charles Le Brun zwischen 1681 und 1684. Der Saal ist 73 Meter lang, 10,5 Meter hoch und 12,3 Meter breit, siebzehn mit Spiegeln verkleidete Bögen liegen siebzehn Fenstern gegenüber [5]. Die Spiegel verstärkten das Licht der Kerzen [6].
Das Schloss von Versailles hat keine Wehrmauern, Schießscharten oder Zugbrücken, dafür viele Fenster. Den Adel band Ludwig XIV. an seinen Hof, wo Adelige symbolische Hofämter für jeweils drei Monate kauften [1]. Als Erkennungsmerkmal des Barock nennt die Autorin Gaby Böhne die Symmetrie [1]. Die Künste dienten dem Ruhm des Königs. Schon 1648 hatte Kardinal Mazarin eine Akademie für Malerei gegründet, deren beste Schüler fünf Jahre in Italien studierten und danach für den Staat arbeiten mussten. Die Gemäldesammlung des Königs wuchs von etwa 200 auf 2.500 Bilder. Gemälde im Schloss, auch im Spiegelsaal, zeigen Ludwig XIV. idealisiert, und eine strenge Etikette, zu der das Ankleiden am Morgen im Beisein von Hofleuten gehörte, unterstrich seinen Rang [10]. Mehr über diese Herrschaftsform steht im Artikel zum Absolutismus und im Lebensbild Ludwig XIV., der Sonnenkönig.
Schlösser und Gärten in Deutschland
Auch in Deutschland entstanden barocke Residenzen, etwa die Schlösser in Karlsruhe, Mannheim und Würzburg, Herrenhausen in Hannover und Nymphenburg bei München [1]. In Dresden feierte August der Starke 1719 die Hochzeit seines Sohnes mit einer Folge von Festen unter dem Motto "Sieben Planeten, sieben Feste" [1]. Den heutigen Blick auf die Barockstadt an der Elbe zeigt elberadweg.domain-root.de unter Dresden mit dem Rad.
Die Würzburger Residenz entstand ab 1720 in drei Bauphasen, zu denen auch Ausstattung und Gärten gehörten. Bauherren waren die Fürstbischöfe Johann Philipp Franz von Schönborn und Christoph Franz von Hutten. Die Bauleitung hatte Hofarchitekt Balthasar Neumann, an den Plänen wirkten auch Lukas von Hildebrandt aus Wien sowie Robert de Cotte und Germain Boffrand aus Paris mit. Der Venezianer Giovanni Battista Tiepolo malte das Deckenbild über dem Treppenhaus und die Wandbilder im Kaisersaal. Seit 1981 gehört die Residenz zum UNESCO-Welterbe. Ein Luftangriff am 16. März 1945 beschädigte sie schwer [7].
Im Barock setzte sich die Gestaltung des Schlosses im Garten fort, der Garten wurde zum erweiterten Wohnzimmer. Im Garten der Würzburger Residenz stehen Figuren aus antiken Mythen, etwa Europa auf dem Stier. In Herrenhausen ist ein Heckentheater erhalten, das als Ursprung der Freilichtbühnen gilt. Im Ordenssaal des Ludwigsburger Residenzschlosses zeigt die Decke Illusionsmalerei, auch Trompe-l'oeil genannt. In der Orangerie von Bronnbach von 1755 ermöglichten Glasfenster und eine Bodenheizung, im Winter Ananas und Zitrusfrüchte zu ziehen [6].
| Bau | Ort | Daten |
|---|---|---|
| Kolonnaden des Petersplatzes | Rom | 1656 bis 1667 |
| Spiegelsaal | Versailles | ab 1678, Deckengemälde 1681 bis 1684 |
| Residenz | Würzburg | ab 1720, Welterbe seit 1981 |
| Wallfahrtskirche Die Wies | Steingaden | 1745 bis 1754, Welterbe seit 1983 |
Die Daten der Tabelle stammen vom Vatikan, vom Schloss Versailles und von der Deutschen UNESCO-Kommission [3, 5, 7, 8].
Kirchen des Rokoko
Ein bekannter Kirchenbau im Stil des Rokoko ist die Wallfahrtskirche "Die Wies", die am Fuß der Alpen bei Steingaden in Bayern steht. Anstoß zum Bau gab ein Ereignis von 1738: Eine Frau soll Tränen an einer hölzernen Figur des gegeißelten Heilands bemerkt haben. Bauherren waren die Prämonstratenser. Ab 1745 baute Dominikus Zimmermann die Kirche, 1746 folgte die offizielle Grundsteinlegung im Auftrag des bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph, 1749 die Weihe des Chors und 1754 die Fertigstellung. Zimmermann schuf auch den Stuck, sein Bruder Johann Baptist Zimmermann, Hofmaler der bayerischen Kurfürsten, die Deckenfresken. Seit 1983 ist die Kirche Welterbe [8].

Musik zwischen Generalbass und Oper
Barockmusik sollte Affekte ausdrücken, also Gefühle und Stimmungen. Melodie, Rhythmus und Klangfarbe dienten diesem Ziel [2]. Der Musikautor Götz Bolten teilt die Epoche in drei Abschnitte. Im Frühbarock, etwa 1590 bis 1620, entstand die Oper. Der Generalbass gab den Solisten ein harmonisches Gerüst, weshalb diese Zeit auch Generalbasszeit heißt. Im Hochbarock von 1620 bis 1680 kamen die gefragtesten Musiker aus Italien, und Kastraten wurden als Sänger gefeiert. Bolten nennt sie die ersten Superstars und Diven der Musikgeschichte. Händel dagegen mochte nicht mit ihnen arbeiten, weil sie ihm zu kompliziert im Umgang waren. Zum Spätbarock von 1680 bis 1770 zählt Bolten Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi [2].
Musik war auch ein Mittel der Macht. Höfe unterhielten Orchester, Chöre und Kapellmeister, um ihren Rang zu zeigen. Kirchen setzten große Chöre und Orgelmusik ein. Orchester und Chöre wurden im Raum verteilt, damit der Klang mächtiger wirkte, und Instrumente sollten die Feinheiten der menschlichen Stimme nachahmen [2].
Dichtung im Schatten des Krieges
Andreas Gryphius, 1616 in Glogau in Schlesien geboren und 1664 gestorben, gilt als bedeutendster Dichter des deutschen Barock und ist vor allem für seine Sonette bekannt. Nach dem Studium in Leiden und Reisen durch Europa kehrte er nach Schlesien zurück. Sein Werk ist von den Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges geprägt, von Zerstörung, Elend und religiöser Verfolgung. 1637 schrieb er während des Krieges das Sonett "Menschliches Elende". Es greift das Vanitas-Motiv auf, den Gedanken, dass alles Irdische vergeht, das für die Barocklyrik typisch ist [9].
Glanz für wenige
Vom Prunk der Höfe hatten die meisten Menschen nichts. Nach Böhne bekamen mehr als 90 Prozent der Bevölkerung vom Glanz des Barock nichts mit. Der Adel aß Wild und exotische Früchte und trank Kaffee, Kakao und Tee aus Porzellan königlicher Manufakturen. Das einfache Volk lebte in schlichten Häusern, aß meist Eintopf, Brot und Gemüse, konnte kaum lesen und schreiben und starb früh. Werber machten junge Männer betrunken und verkauften sie als Söldner nach Amerika [1].
Auch am Hof sah der Alltag anders aus, als die Pracht vermuten lässt. Viele Menschen mieden das Baden, weil sie fürchteten, Badehäuser würden die Pest verbreiten. Man reinigte sich mit Parfüm, Seife und einem Tuch, und daher kommt das Wort Toilette. Schlösser wie Versailles hatten weder Toiletten noch fließendes Wasser, der Adel benutzte Stühle mit eingebautem Nachttopf. In den aufwendigen Perücken lebten Läuse. Puder und blasse Haut zeigten den hohen Stand, weil Adelige nicht im Freien arbeiteten. Schimmerten die Adern durch, sprach man von "blaublütig" [11].
- Gaby Böhne: Barock (Planet Wissen). SWR, WDR. Stand 20.04.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Götz Bolten: Musik: Barockmusik (Planet Wissen). WDR. Stand 12.10.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Colonnade and statues of saints. Vatikanstaat, vatican.va. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Versailles, "capital" of the kingdom, 1682. Château de Versailles. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Hall of Mirrors. Château de Versailles. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Gaby Böhne: Bauten und Stilelemente: Barockgärten (Planet Wissen). SWR, WDR. Stand 20.04.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Residenz Würzburg mit Hofgarten und Residenzplatz. Deutsche UNESCO-Kommission. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Wallfahrtskirche "Die Wies". Deutsche UNESCO-Kommission. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Andreas Gryphius, Menschliches Elende (1637). German History in Documents and Images, Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ludwig XIV.: Kunst (Planet Wissen). WDR. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Barock: Hygiene (Planet Wissen). WDR, SWR. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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