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Johann Wolfgang von Goethe: Dichter, Minister und Naturforscher

Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und starb am 22. März 1832 in Weimar. Mit dem "Werther" wurde er 1774 bekannt, ab 1775 lebte er in Weimar, wo er Minister des Herzogs wurde und 1782 den Adelstitel erhielt. Zu seinen Hauptwerken zählen "Faust", "Wilhelm Meisters Lehrjahre" und der "West-östliche Divan".

Eine Feder und ein Tintenfass auf einem schlichten Holzschreibtisch am Fenster einer Studierstube im Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert

Johann Wolfgang von Goethe war Dichter, Staatsbeamter und Naturforscher. Er wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und starb am 22. März 1832 in Weimar [1, 5]. Ab 1775 lebte er in Weimar, wo er Minister des Herzogs Carl August war, das Hoftheater leitete und mit Friedrich Schiller eng zusammenarbeitete [1, 3].

Kindheit in Frankfurt

Sein Vater war Johann Caspar Goethe, seine Mutter Catharina Elisabeth, eine geborene Textor [1]. Das Elternhaus stand im Großen Hirschgraben in Frankfurt. Heute ist es eine der ältesten literarischen Gedenkstätten Deutschlands [4].

Ein hohes barockes Bürgerhaus mit heller Fassade und vielen Sprossenfenstern in einer stillen Altstadtstraße
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Im März 1944 wurde das Haus im Luftkrieg völlig zerstört [4]. Über den Wiederaufbau stritt man nach dem Krieg heftig. Mitglieder des Deutschen Werkbundes lehnten eine Kopie ab, das Freie Deutsche Hochstift unter Ernst Beutler wollte das Haus originalgetreu wiederherstellen. Unterstützt wurde Beutler unter anderem von Hermann Hesse, Thornton Wilder, Albert Schweitzer und Karl Jaspers [4]. Am 10. Mai 1951 wurde das wieder aufgebaute Goethe-Haus in Anwesenheit von Bundespräsident Theodor Heuss und der drei Hohen Kommissare der westlichen Besatzungsmächte eröffnet [4]. Das Freie Deutsche Hochstift betreibt es bis heute als Frankfurter Goethe-Museum [4].

Studium in Leipzig und Straßburg

Am 19. Oktober 1765 schrieb sich Goethe an der Universität Leipzig für die Rechtswissenschaft ein [1]. Im August 1768 zwang ihn eine Krankheit zur Rückkehr nach Frankfurt [1]. Ende März 1770 setzte er das Studium in Straßburg fort [1]. Dort traf er von Mitte September 1770 bis Ostern 1771 täglich Johann Gottfried Herder [1]. Am 6. August 1771 schloss er das Studium nach einer Disputation über eingereichte Thesen ab [1]. Er erwarb damit die Würde eines Lizentiaten, die in Deutschland dem Doktortitel gleichgestellt war [1].

Von Mitte Mai bis zum 11. September 1772 arbeitete Goethe als Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar [1]. Wie das Heilige Römische Reich aufgebaut war, dessen Gericht er dort kennenlernte, beschreibt der Artikel Das Heilige Römische Reich.

Götz und Werther

Das Schauspiel "Götz von Berlichingen" entwarf Goethe 1771 [1]. 1773 überarbeitete er es und brachte es im Selbstverlag heraus [1]. Am 1. Februar 1774 begann er mit der Niederschrift der "Leiden des jungen Werthers", im Herbst 1774 erschien der Roman [1]. Aus dem Jahr 1773 stammen auch zwei Akte eines "Prometheus"-Dramas [6]. Sie wurden erst fast sechs Jahrzehnte später in der "Ausgabe letzter Hand" gedruckt [6].

Minister in Weimar

Am 7. November 1775 kam Goethe nach Weimar [1]. Am 11. Juni 1776 wurde er Geheimer Legationsrat mit Sitz und Stimme im Geheimen Consilium [1]. 1779 folgte der Titel Geheimer Rat, 1804 der Rang eines Wirklichen Geheimen Rates mit der Anrede "Exzellenz" [1]. Am 10. April 1782 erhob ihn der Kaiser in den Adelsstand, von da an hieß er "von Goethe" [1].

Zu seinen ersten Aufgaben gehörten der Wegebau, die Aushebung von Soldaten und die Wiederbelebung des Bergbaus in Ilmenau. 1796 zerstörte ein Stolleneinbruch das Bergwerk, später wurde der Abbau eingestellt [1]. 35 Jahre lang hatte Goethe die Oberaufsicht über die herzogliche Bibliothek, die heutige Herzogin Anna Amalia Bibliothek [3]. 1782 zog er als Mieter in die westliche Hälfte des Hauses am Frauenplan, das der Strumpfhändler und fürstliche Rat Georg Caspar Helmershausen 1709 hatte bauen lassen [2]. Zwischen 1792 und 1795 kaufte Herzog Carl August das Haus für ihn, die Räume wurden nach Goethes Plänen umgebaut [2].

Die Reise nach Italien

Am 3. September 1786 brach Goethe heimlich aus Karlsbad nach Italien auf [1]. Erst am 18. Juni 1788 kehrte er nach Weimar zurück [1]. Charlotte von Stein brach nach dem heimlichen Aufbruch für einige Jahre mit ihm. Sein letzter Brief an sie aus dieser Zeit stammt vom 8. Juni 1789 [1]. Den Bericht "Italienische Reise" schrieb Goethe erst 1816 und 1817 nieder, der Teil über den zweiten Aufenthalt in Rom folgte 1829 [1].

Eine Reisekutsche fährt auf einer staubigen Straße durch italienische Hügel mit Zypressen und antiken Ruinen
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In diesen Jahren schloss Goethe mehrere Dramen ab. Die "Iphigenie" war 1779 in Prosa entstanden und am 6. April 1779 auf dem Weimarer Liebhabertheater aufgeführt worden [1]. Die Fassung in Versen schloss er am 6. Januar 1787 ab [6]. Den "Egmont" beendete er im September 1787, 1788 erschien er im fünften Band seiner Schriften [6]. Am "Torquato Tasso" arbeitete er von März 1780 bis Juli 1789, das Stück erschien 1790 [1, 6].

Christiane Vulpius und die Familie

Mit Christiane Vulpius lebte Goethe zusammen, ohne mit ihr verheiratet zu sein. Ihr Sohn August wurde zu Weihnachten 1789 geboren [1]. Erst am 19. Oktober 1806, wenige Tage nach der Schlacht bei Jena, heirateten die beiden in Weimar [1]. Christiane starb am 6. Juni 1816, der Sohn August am 26. Oktober 1830 in Rom [1]. Die Kriege dieser Jahre beschreibt der Artikel Die Napoleonischen Kriege.

Freundschaft mit Schiller und Hoftheater

1794 kamen sich Goethe und Friedrich Schiller näher [1]. Am Anfang stand Ende Juli ein Gespräch über die "Urpflanze" [1]. In den folgenden Jahren arbeiteten beide eng zusammen. Schiller verbrachte seine letzten drei Lebensjahre in seinem Wohnhaus an der Esplanade in Weimar. Dort entstanden "Die Braut von Messina" und "Wilhelm Tell", dort starb er 1805 [3]. Die Neue Deutsche Biographie behandelt seinen Tod als Einschnitt in Goethes Leben [1].

Für Schillers Zeitschrift "Die Horen", die von 1795 bis 1797 erschien, schrieb Goethe Beiträge [1, 6]. 1796 und 1797 entstand das Versepos "Hermann und Dorothea" [1]. 1798 erschienen Balladen wie "Der Zauberlehrling" und "Die Braut von Korinth" [1, 6].

Ab 1791 leitete Goethe gemeinsam mit Franz Kirms das Weimarer Hoftheater [1]. 1817 wurde er nach einem Streit mit der Schauspielerin Karoline Jagemann von dieser Aufgabe entbunden [1].

Goethe als Naturforscher

1784 fand Goethe beim Menschen den Zwischenkieferknochen [1]. 1786 kam ihm nach der Neuen Deutschen Biographie die Idee der Metamorphose der Pflanzen [1]. Seine dreibändige "Farbenlehre" erschien 1808 bis 1810, die drei Teile hatte er zwischen 1805 und 1810 abgeschlossen [1].

Mineralien, gepresste Blätter und ein kleines Glasprisma liegen auf einer Holzkommode in einem stillen Raum
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Im Wohnhaus am Frauenplan sind bis heute Teile seiner Kunst- und Naturaliensammlungen sowie seine Privatbibliothek zu sehen [2]. Wie sich die Naturwissenschaften in dieser Zeit entwickelten, zeigt der Artikel Wissenschaft und Technik in der Geschichte.

Begegnung mit Napoleon

In Erfurt empfing Napoleon Goethe am 2. Oktober 1808 zu einer ersten Audienz [1]. Anwesend war der französische Außenpolitiker Talleyrand [1]. Das Leben des Kaisers beschreibt das Lebensbild Napoleon Bonaparte.

Die wichtigsten Werke

Goethe schrieb Gedichte, Dramen, Romane, autobiografische Schriften und naturwissenschaftliche Abhandlungen. Die folgende Auswahl nennt die Erscheinungsjahre nach der Neuen Deutschen Biographie, für Iphigenie und Egmont nach der Allgemeinen Deutschen Biographie [1, 6]:

WerkGattungErschienen
Götz von BerlichingenSchauspiel1773
Die Leiden des jungen WerthersRoman in Briefen1774
Iphigenie auf Tauris (Versfassung)Schauspielvollendet 1787
EgmontTrauerspiel1788
Torquato TassoSchauspiel1790
Wilhelm Meisters LehrjahreRoman1795 bis 1796
Faust. Der Tragödie erster TeilDrama1808
Zur FarbenlehreNaturwissenschaft1808 bis 1810
Die WahlverwandtschaftenRoman1809
Dichtung und WahrheitAutobiografieab 1811
West-östlicher DivanGedichte1819
Faust. Der Tragödie zweiter TeilDramanach Goethes Tod

Den ersten Teil des "Faust" hatte Goethe 1806 vollendet [1]. Den zweiten Teil schloss er 1831 ab und versiegelte ihn, wenige Wochen vor seinem Tod änderte er noch einige Stellen [1]. Als Ganzes erschien er erst aus dem Nachlass [1]. Den vierten Teil von "Dichtung und Wahrheit" diktierte Goethe 1830, auch er wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht [1].

Die späten Jahre

Ab 1816 gab Goethe mit befreundeten Weimarer Kunstkennern die Zeitschrift "Über Kunst und Altertum" heraus [6]. Die Gedichte des "West-östlichen Divan" entstanden 1814 und 1815 [6]. Seine Frankfurter Freundin Marianne von Willemer steuerte unter dem Namen "Suleika" eigene Lieder bei, die Sammlung erschien 1819 [1]. 1821 folgte der erste Teil von "Wilhelm Meisters Wanderjahre" [1].

1823 überstand Goethe eine Krankheit, die sein Leben bedrohte [6]. Im Herbst 1823 entstand nach der Trennung von Ulrike von Levetzow die "Marienbader Elegie", für die die Neue Deutsche Biographie den Titel "Trilogie der Leidenschaft" nennt [1, 6]. Am 1. März 1826 kündigte er die "Ausgabe letzter Hand" seiner Werke an [6]. Sie erschien in vierzig Bänden, nach der Neuen Deutschen Biographie von 1827 bis 1830, nach der Allgemeinen Deutschen Biographie von 1828 bis 1830 [1, 6].

Tod und Nachlass

Ab dem 16. März 1832 ließen seine Kräfte nach [1]. Goethe starb am 22. März 1832 in seinem Schlafzimmer im Haus am Frauenplan [1, 2]. Begraben wurde er in der Fürstengruft in Weimar [1]. Kanzler Friedrich von Müller versiegelte die Räume um das Arbeitszimmer, die Schwiegertochter Ottilie zog in Goethes frühere Wohnräume. 1836 wurden die Wohnräume zum ersten Mal vermietet, das Arbeitszimmer und die Arbeitsräume blieben davon ausgenommen [2].

1885 starb Walther Wolfgang von Goethe, der letzte Enkel [2]. Das Haus ging an das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, und Großherzog Carl Alexander gründete das Goethe-Nationalmuseum. 1886 und 1887 wurden die Räume als Museum geöffnet [2]. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Museum 1942 geräumt, 1945 wurde das Haus beschädigt, 1949 öffnete das Museum wieder [2]. Aus dem Nachlass, der 1885 durch das Testament des letzten Enkels Walther an Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach fiel, entstand das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar [7]. Das geistige Umfeld seiner Jugend beschreibt der Artikel Die Aufklärung.

  1. Studie Wilhelm Flitner: Goethe, Johann Wolfgang von (Neue Deutsche Biographie 6). Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 1964. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Goethe-Nationalmuseum: Chronik des Hauses (Building timeline). Klassik Stiftung Weimar. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Goethe, Schiller und die Weimarer Klassik. Klassik Stiftung Weimar. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Pressemitteilung: 70 Jahre Wiederaufbau des Goethe-Hauses. Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethe-Museum. Stand 06.05.2021. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Goethe und seine Epoche (Wissensportal). Klassik Stiftung Weimar. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Michael Bernays: Goethe, Johann Wolfgang (Allgemeine Deutsche Biographie 9, S. 413 bis 448). Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 1879. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Geschichte des Goethe- und Schiller-Archivs. Klassik Stiftung Weimar. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.