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Marie Curie: von Warschau nach Paris zur Erforschung der Radioaktivität

Marie Curie (1867 bis 1934) war eine in Warschau geborene Physikerin und Chemikerin, die in Paris forschte. 1898 entdeckte sie mit Pierre Curie die Elemente Polonium und Radium. Sie erhielt 1903 gemeinsam mit Pierre Curie und Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik und 1911 als erster Mensch einen zweiten Nobelpreis, diesmal für Chemie.

Ein Labortisch aus dem frühen 20. Jahrhundert mit Glaskolben, Messgerät aus Messing und Porzellanschalen
Bild: KI-generiert

Marie Curie kam am 7. November 1867 in Warschau als Maria Skłodowska zur Welt, in der Familie hieß sie Manya [1]. Sie studierte in Paris, entdeckte dort mit ihrem Mann Pierre Curie die Elemente Polonium und Radium und erhielt zwei Nobelpreise [1, 2]. Sie starb am 4. Juli 1934 im Sanatorium Sancellemoz in Hochsavoyen [2, 3].

Kindheit in Warschau

Warschau war zu dieser Zeit eine Provinzstadt des Russischen Reiches, regiert vom Zaren [1]. Die Eltern waren Lehrer und erzogen ihre fünf Kinder als polnische Patrioten [1, 3]. Der Vater verlor wegen seiner Haltung eine gute Stelle als Lehrer, und die Familie hatte lange wenig Geld [1]. Bevor Maria elf Jahre alt war, starben ihre älteste Schwester an Typhus und ihre Mutter an Tuberkulose [1]. Mit 15 Jahren schloss sie die höhere Schule mit Auszeichnung ab [1]. Danach war sie erschöpft und krank, und der Vater schickte sie für ein Jahr zu Verwandten aufs Land [1].

Eine ruhige Straße einer mitteleuropäischen Stadt mit verputzten Häusern, Kopfsteinpflaster und Gaslaternen im Winter
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An der Universität Warschau durften Frauen nicht studieren [1]. Mit ihrer älteren Schwester Bronya besuchte Maria deshalb eine Untergrunduniversität, die nachts an wechselnden Orten tagte, damit die Polizei des Zaren sie nicht entdeckte [1]. Die Schwestern schlossen einen Pakt: Maria arbeitete als Hauslehrerin und half, Bronyas Medizinstudium in Paris zu bezahlen, später sollte Bronya ihr Studium mitfinanzieren [1].

Hauslehrerin auf dem Land

Drei Jahre lang lebte Maria in einem Dorf 150 Kilometer von Warschau entfernt und unterrichtete die Kinder eines Zuckerfabrikanten [1]. In ihrer freien Zeit brachte sie auch Kindern polnischer Landarbeiter das Lesen bei, obwohl ihr dafür Strafe durch die russischen Behörden drohte [1]. Sie las viel und merkte, dass ihr Mathematik, Physik und Chemie am besten lagen [1]. Laborunterricht in Naturwissenschaften war Polen verboten, ein Chemiker der Fabrik gab ihr dennoch einige Stunden [1].

1889 kehrte sie nach Warschau zurück und arbeitete zwei weitere Jahre als Hauslehrerin [1]. Sonntags und abends lernte sie Chemie in einem sogenannten Museum, das in Wahrheit ein verbotenes Labor zur Ausbildung polnischer Wissenschaftler war [1]. Kurz vor ihrem 24. Geburtstag hatte sie genug Geld für ein Studium in Paris gespart [1].

Studium an der Sorbonne

Im Herbst 1891 fuhr Maria Skłodowska in der billigsten Klasse von Warschau nach Paris [1, 3]. An der Sorbonne schrieb sie sich als Marie ein, mit der französischen Form ihres Namens [1]. Ihr Physikdiplom erhielt sie 1893 als Jahrgangsbeste, das Mathematikdiplom 1894 als Zweitbeste [2]. Für ihre Leistungen bekam sie ein Stipendium, und eine Vereinigung von Industriellen, die Gesellschaft zur Förderung der nationalen Industrie, bezahlte sie für Untersuchungen über die magnetischen Eigenschaften verschiedener Stahlsorten [1].

Für diese Arbeit brauchte sie ein Labor. Im Frühjahr 1894 wurde sie deshalb Pierre Curie vorgestellt, dem Laborleiter an der Pariser Städtischen Schule für Industrielle Physik und Chemie [1]. Er war etwa zehn Jahre älter und hatte über Magnetismus und Kristalle geforscht, aber nie eine Doktorarbeit abgeschlossen [1]. Pierre überzeugte sie, in Paris zu bleiben, sie überzeugte ihn, seine Doktorarbeit zu schreiben [1]. Im Juli 1895 heirateten die beiden [1, 2]. Im September 1897 kam ihre erste Tochter Irène zur Welt [1].

Polonium und Radium

Im Dezember 1895 hatte Wilhelm Röntgen die nach ihm benannten Strahlen entdeckt, einige Monate später fand Henri Becquerel, dass auch uranhaltige Minerale Strahlen aussenden [1]. Für ihre Doktorarbeit wählte Marie Curie die kaum erforschten Uranstrahlen [1]. In einem feuchten Lagerraum der Schule, an der Pierre inzwischen Professor war, maß sie die Strahlung mit einem empfindlichen Elektrometer, das Pierre und sein Bruder Jacques Curie etwa 15 Jahre zuvor gebaut hatten [1]. Die Stärke der Strahlung hing nur von der Menge des Urans ab, nicht davon, ob der Stoff fest oder pulvrig, trocken oder feucht war [1].

Ein einfacher Holzschuppen mit großen Eisentöpfen auf einem Ofen, Säcken mit dunklem Erz und Glasgefäßen
Bild: KI-generiert

Auch Verbindungen des Thoriums strahlten, und für dieses Verhalten prägte Marie Curie den Begriff Radioaktivität [1]. Das Uranerz Pechblende strahlte stärker, als sein Urangehalt erklären konnte [1]. Pierre legte seine eigene Forschung beiseite, und das Paar suchte gemeinsam nach dem unbekannten Stoff [1]. Im Juli 1898 veröffentlichten sie die Entdeckung eines Elements, das sie zu Ehren ihrer Heimat Polonium nannten, im Dezember folgte das Radium, benannt nach dem lateinischen Wort für Strahl [1].

Andere Wissenschaftler blieben skeptisch, solange niemand die neuen Elemente sehen und wiegen konnte [1]. In einem verlassenen Schuppen in der Nähe arbeiteten die Curies weiter [1]. Marie Curie brauchte mehr als drei Jahre, um ein Zehntelgramm reines Radiumchlorid zu gewinnen [6], und isolierte 1910 reines Radiummetall [7]. Nach wissen.de isolierte sie das Radiumchlorid 1902 gemeinsam mit André-Louis Debierne aus vielen Tonnen Pechblende [2]. Reines Polonium konnte sie nie herstellen, weil es schnell zerfällt: Bei seiner beständigsten Form ist nach 138 Tagen die Hälfte der Atome umgewandelt [6].

Erster Nobelpreis und Pierres Tod

1900 wurde Marie Curie die erste Lehrerin an der wichtigsten Ausbildungsstätte für Lehrerinnen in Frankreich [1]. 1903 schloss sie ihre Doktorarbeit ab, als erste Frau in Frankreich [1, 3]. Im selben Jahr erhielt sie den Nobelpreis für Physik und war damit die erste Frau mit einem Nobelpreis [1, 2]. Der Preis wurde geteilt: Henri Becquerel erhielt eine Hälfte für die Entdeckung der spontanen Radioaktivität, die andere Hälfte ging an Pierre und Marie Curie für ihre gemeinsamen Untersuchungen der Strahlung, die Becquerel entdeckt hatte [2, 4, 5]. Die Entdeckung von Polonium und Radium nannte die Begründung nicht [4]. Den üblichen Vortrag in Stockholm hielten die beiden erst 1905, vorher waren sie zu krank und zu beschäftigt [1]. Pierre bekam eine Professur an der Sorbonne, Marie wurde dort Laborleiterin [1].

Am 19. April 1906 rutschte Pierre auf einer nassen Straße in Paris aus und geriet unter ein schweres Pferdefuhrwerk, er war sofort tot [1]. Bei der Frage, wann seine Witwe Professorin wurde, gehen die Angaben auseinander. Nach dem American Institute of Physics beschloss die Sorbonne weniger als einen Monat später, ihr als erster Frau Pierres Professur zu übertragen, ebenso nennt die polnische Agentur NAWA das Jahr 1906 [1, 3]. Nach wissen.de setzte sie 1906 zunächst seine Vorlesungen fort und wurde 1908 als erste Frau ordentliche Professorin für Physik [2].

Skandal und zweiter Nobelpreis

1911 lehnte die französische Akademie der Wissenschaften ihre Aufnahme ab [1]. Im selben Jahr wurde ihre Beziehung zu dem verheirateten Physiker Paul Langevin, einem früheren Schüler Pierres, öffentlich [1]. Einige Zeitungen warfen der Ausländerin vor, eine französische Familie zerstört zu haben, und vor ihrem Haus versammelte sich eine Menge, sodass sie mit ihren Töchtern zu Freunden floh [1].

Mitten in diesen Anfeindungen erhielt sie 1911 den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung von Radium und Polonium und wurde der erste Mensch mit zwei Nobelpreisen [1, 2]. Sie reiste selbst nach Stockholm [1]. Einen Monat später brach sie mit Depressionen und Nierenleiden zusammen und konnte erst Ende 1912 wieder arbeiten [1].

Röntgenwagen im Ersten Weltkrieg

Für ein Radiuminstitut gewann sie die französische Regierung und die private Pasteur-Stiftung als Geldgeber [1]. 1914 übernahm sie seine Leitung, im August 1914 war das Gebäude fast fertig [1, 2, 3]. Im selben Monat begann der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich, und fast alle Mitarbeiter des Instituts gingen zum Militär [1]. Wie der Krieg Europa veränderte, beschreibt der Artikel Der Erste Weltkrieg.

Ein Automobil aus den 1910er Jahren mit grauem Planenaufbau neben einem Zelt auf einer schlammigen Wiese
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Röntgenbilder halfen Ärzten, Geschosse, Splitter und Brüche bei Verwundeten zu finden, die Geräte standen aber selten in der Nähe der Front [1]. Marie Curie überredete wohlhabende Leute, Autos zu spenden, und stellte 20 fahrbare Röntgenstationen und 200 feste Stationen zusammen [1]. Die polnische Agentur NAWA spricht von etwa 200 Röntgenstellen, die nach und nach auf ihre Anregung entstanden [3]. Ihre Tochter Irène arbeitete ein Jahr als ihre Assistentin und leitete danach selbst eine Station [1]. Im Institut füllte Marie Curie außerdem winzige Glasröhrchen mit Radongas, die Ärzte zur Behandlung von krankem Gewebe einsetzten [1].

Das Radiuminstitut und die letzten Jahre

Nach dem Krieg sammelte sie Geld für ihr Institut. In den USA entstand eine Spendenkampagne in ihrem Namen, von der sie mit einem Gramm Radium, teuren Geräten und Geld zurückkehrte [1]. 1922 wurde sie als erste Frau in die Pariser Académie de Médecine aufgenommen [2]. Das Institut machte sie zu einer Messstelle für den Radiumgehalt von Präparaten und zu einem Forschungszentrum, dessen Wissenschaftler sie selbst auswählte [1]. Versuche mit Radium bestätigten, was Marie Curie vermutet hatte: Die Energie der Radioaktivität ist eine Grundeigenschaft jedes Atoms [1]. Mehr zur Physik jener Jahre steht im Lebensbild Albert Einstein.

1934 entdeckten ihre Tochter Irène und deren Mann Frédéric Joliot-Curie am Radiuminstitut die künstliche Radioaktivität, wofür beide 1935 den Nobelpreis erhielten [1]. Den Preis erlebte Marie Curie nicht mehr [1]. Schon ab 1920 litt sie unter Beschwerden, die wahrscheinlich von den vielen Jahren im Umgang mit radioaktiven Stoffen kamen [1]. Am 4. Juli 1934 starb sie an aplastischer Anämie, einer Erkrankung des Blutes, die oft durch zu viel Strahlung entsteht [1, 3]. Ihr Institut du radium heißt seit ihrem Tod Institut Curie [2].

Begraben wurde sie neben Pierre [1]. 1995 wurden die sterblichen Überreste beider in das Panthéon in Paris überführt [1, 2, 3]. Weitere Frauen, die Geschichte geschrieben haben, stellt der Artikel Frauen in der Geschichte vor, die Entwicklung der Naturwissenschaften der Artikel Wissenschaft und Technik in der Geschichte.

  1. Organisation Marie Curie and the Science of Radioactivity (Kurzausstellung, Text Naomi Pasachoff). American Institute of Physics, Center for History of Physics. Stand 2000. abgerufen am 29.10.2026
  2. Curie, Marie (Lexikon). wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde The 90th anniversary of the death of Marie Curie. Research in Poland, Narodowa Agencja Wymiany Akademickiej (NAWA). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Fachgesellschaft Marie Curie: Recognition and Disappointment, 1903 bis 1905 (Hauptausstellung, Text Naomi Pasachoff). American Institute of Physics, Center for History of Physics. Stand 2000. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation The 1903 Nobel Prize in Physics (Loic Barbo). Association Curie et Joliot-Curie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Fachgesellschaft Marie Curie: Research Breakthroughs, 1897 bis 1904 (Hauptausstellung, Text Naomi Pasachoff). American Institute of Physics, Center for History of Physics. Stand 2000. abgerufen am 29.10.2026
  7. Fachgesellschaft Marie Curie: Tragedy and Adjustment, 1906 bis 1910 (Hauptausstellung, Text Naomi Pasachoff). American Institute of Physics, Center for History of Physics. Stand 2000. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.