Weltregionen und LänderRatgeber

Die Geschichte Ozeaniens von der ersten Besiedlung bis heute

Menschen lebten nach Grabungen im Norden Australiens schon vor rund 65.000 Jahren auf dem Kontinent. Die entlegenen Inseln des Pazifiks wurden viel später besiedelt, Neuseeland, Hawaii und Rapa Nui erst zwischen etwa 1190 und 1290. Ab 1788 kolonisierte Großbritannien Australien, 1899 teilten das Deutsche Reich und die USA Samoa unter sich auf. Samoa wurde 1962 als erster Inselstaat des Pazifiks unabhängig.

Ein traditionelles Doppelrumpfkanu mit geflochtenen Segeln in einer türkisfarbenen Lagune vor einer grünen Vulkaninsel bei Sonnenaufgang
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Ozeanien umfasst Australien, Neuseeland, Neuguinea und die Inseln des Pazifiks. Die Einteilung der Inselwelt in Melanesien, Mikronesien und Polynesien geht auf Jules Dumont d'Urville zurück, der sie 1832 vorschlug. Geoffrey Clark schrieb 2003, die Dreiteilung bilde trotz aller Kritik einen Rahmen für einen großen Teil der älteren und neueren sozialwissenschaftlichen Forschung [1]. Der Anthropologe Epeli Hauʻofa, Sohn tongaischer Missionare und in Papua geboren, stellte in seinen Schriften gängige Vorstellungen über Ozeanien infrage. Sein Aufsatz "Our Sea of Islands" erschien 1993 im Band "A New Oceania" [2, 3].

Die ersten Menschen in Australien

Im Felsunterstand Madjedbebe im Norden Australiens fand ein Team um den Archäologen Chris Clarkson Artefakte in drei dichten Fundschichten. Nach den Datierungen begann die Besiedlung dort vor rund 65.000 Jahren. Zu den Funden gehören Mahlsteine, gemahlener Ocker und geschliffene Beilklingen [4]. Die Studie erschien 2017 in der Fachzeitschrift Nature und verschob den frühesten Nachweis von Menschen in Australien deutlich nach hinten [4].

Ein großer überhängender roter Sandsteinfelsen in der tropischen Savanne Nordaustraliens mit Schraubenpalmen und hohem Gras
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Die Nachfahren dieser ersten Bewohner nennen sich heute First Nations oder Aboriginal and Torres Strait Islander Peoples. Zu ihren Begriffen gehört Country. Er umfasst Land, Gewässer, Himmel und alle Lebewesen, für die sie Verantwortung tragen [5].

Lapita und die Besiedlung des Pazifiks

Die Lapita-Kultur erscheint gegen Ende der Zeit von 3.470 bis 3.250 Jahren vor heute im Nordwesten Melanesiens. Zwischen 3.000 und 2.800 Jahren vor heute erreichten ihre Träger die Inseln östlich der Salomonen, die die Forschung Remote Oceania nennt [6]. Ihre kulturellen und sprachlichen Wurzeln liegen im Inselraum Südostasiens [6].

Mehrere alte rotbraune Tonscherben mit fein gestempelten geometrischen Punktmustern auf hellem Korallensand
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Auf der Insel Efate in Vanuatu liegt bei Teouma der älteste bisher bekannte Friedhof des Pazifiks mit 68 Bestattungen. Fünf Schädel aus der Zeit vor etwa 3.000 bis 2.850 Jahren ähneln in ihrer Form polynesischen Vergleichsserien, was nach den Autorinnen und Autoren der Studie auf eine gemeinsame Herkunft mit den späteren Polynesiern deutet [6].

Die Polynesier in Ostpolynesien

Samoa war nach einer Auswertung von mehr als 1.400 Radiokarbondaten von 47 Inseln etwa ab 800 v. Chr. besiedelt [7]. Danach folgte eine lange Pause. Die Gesellschaftsinseln im Zentrum Ostpolynesiens erreichten Menschen erst zwischen 1025 und 1120 n. Chr. Etwa 70 bis 265 Jahre später breiteten sie sich in einem einzigen großen Schub auf alle übrigen Inseln aus, darunter Neuseeland, Hawaii und Rapa Nui, die Osterinsel. Das Team um Janet Wilmshurst setzt diesen Schub auf 1190 bis 1290 n. Chr. an [7]. Ältere Chronologien lagen deutlich früher. Die Forschenden halten sie für unzuverlässig, weil sie oft auf Proben wie Holzkohle, Knochen oder Meeresmuscheln beruhten, die zu alt erscheinen können [7].

Cook und die Kolonisierung Australiens

1770 segelte James Cook mit der Endeavour die Ostküste Australiens entlang, nachdem er auf Tahiti den Durchgang der Venus vor der Sonne beobachtet hatte [8]. In der Bucht Kamay, die er Botany Bay nannte, traten seiner Landungsgruppe ein Mann und ein Jugendlicher mit Speeren entgegen. Cook gab einen Warnschuss ab, auf die geworfenen Speere hin schoss er auf den Mann und verwundete ihn. In sein Journal schrieb er, die Menschen hätten nur gewollt, dass die Fremden wieder verschwinden [8]. Ohne Verhandlung beanspruchte Cook die gesamte Ostküste für die britische Krone [8].

1788 traf die First Fleet ein. Nach dem Worimi-Historiker John Maynard stand die Gesellschaft der First Nations danach vor der nahezu vollständigen Vernichtung [8]. Der Wiradjuri-Autor Nathan Sentance nennt für die Zeit vor der Invasion eine Schätzung von 1 bis 1,5 Millionen First Nations People. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts sank ihre Zahl auf unter 100.000 [9]. Die Historikerin Lyndall Ryan und ihr Team haben mindestens 270 Massaker an der Siedlungsgrenze in 140 Jahren gezählt. Als Massaker gilt in dieser Zählung die gezielte Tötung von mindestens sechs wehrlosen Menschen bei einer Gelegenheit, viele Taten sind nie dokumentiert worden [9].

Neuseeland und der Vertrag von Waitangi

Am 6. Februar 1840 unterzeichneten in Waitangi an der Bay of Islands der britische Kapitän William Hobson und 43 bis 46 Māori-Rangatira, also Anführer, einen Vertrag. Bis Ende des Jahres setzten über 500 Māori ihre Namen darunter, darunter 13 Frauen [10]. Der Vertrag liegt in einer englischen und einer Māori-Fassung vor, die einander nicht genau entsprechen. Im englischen Text treten die Unterzeichner die Souveränität ab, im Māori-Text das Recht zu regieren, kawanatanga. Der Māori-Text sichert in Artikel 2 die Autorität, rangatiratanga, über Land, Wälder und Fischgründe zu, der englische betont die Eigentumsrechte [10]. Über die Unterschiede zwischen beiden Fassungen entscheidet nach dem Treaty of Waitangi Act von 1975 das Waitangi Tribunal [10].

Kolonialmächte im Pazifik

Hanseatische Handelsfirmen knüpften um die Mitte des Jahrhunderts erste Kontakte nach Samoa, 1879 schlossen das Deutsche Reich und das Königreich Samoa einen Handels- und Freundschaftsvertrag. 1899 teilten die USA und das Deutsche Reich die Inselgruppe auf, Westsamoa kam unter deutsche Herrschaft, die mit dem Ersten Weltkrieg endete [11]. Der Norden Papua-Neuguineas war von 1884 bis 1914 deutsche Kolonie. Ortsnamen erinnern daran und die fast ausgestorbene Kreolsprache Unserdeutsch [12].

Auf Hawaii stürzte 1893 ein Komitee unter Sanford Dole mit Unterstützung des US-Gesandten und von Marinesoldaten Königin Liliʻuokalani. Die Annexion durch die USA trat am 7. Juli 1898 in Kraft, obwohl 21.269 Native Hawaiians in einer Petition dagegen unterschrieben hatten. 1959 wurde Hawaii der 50. Bundesstaat [13]. Wie der Pazifik im Zweiten Weltkrieg zum Schlachtfeld wurde, erzählt der Beitrag zum Pazifikkrieg, den größeren Zusammenhang der Beitrag zum Kolonialismus.

Atomtests im Pazifik

Zwischen 1946 und 1958 zündeten die USA auf den Atollen Bikini und Enewetak in den Marshallinseln 67 Atomsprengsätze. Der Wasserstoffbombentest Castle Bravo von 1954 fiel weit stärker aus als geplant, sein radioaktiver Niederschlag ging über bewohnten Inseln und einem japanischen Fischerboot nieder. Die Bewohner von Bikini wurden mehrmals umgesiedelt, zum Teil auf Inseln, auf denen kaum etwas wuchs [14]. Enewetak wurde dekontaminiert, der Schutt unter einer Betonkuppel eingeschlossen. Bikini galt als zu stark verseucht für eine Sanierung, 1994 stufte die Internationale Atomenergie-Organisation das Atoll noch immer als zu stark belastet für eine Wiederansiedlung ein. Ein Treuhandfonds von 150 Millionen Dollar wurde 1986 eingerichtet, nach Angaben der Ärzteorganisation IPPNW starben etwa 40 Prozent der Betroffenen, bevor sie voll entschädigt waren [14]. Frankreich testete von 1966 bis 1996 in Französisch-Polynesien, bis 1974 etwa 40 Mal in der Atmosphäre, danach rund 150 Mal unterirdisch, zuletzt auf den Atollen Mururoa und Fangataufa. Am 23. Februar 2016 erkannte Präsident François Hollande in Papeete die Folgen der Tests für Umwelt und Gesundheit an, eine Entschuldigung sprach er nicht aus. Ein Gesetz von 2010, das Loi Morin, sieht Entschädigungen für Menschen mit Gesundheitsschäden durch die Tests vor. Bis zu Hollandes Besuch hatten nach Angaben der örtlichen Behörden erst 19 Menschen davon profitiert, fünf von ihnen aus Polynesien [15].

Luftbild eines abgelegenen ringförmigen Korallenatolls mit türkisfarbener Lagune, schmalem Palmenstreifen und weißen Stränden
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Australien im 20. Jahrhundert

Von den 1910er- bis in die 1970er-Jahre nahmen australische Behörden Kinder der First Nations ihren Familien weg. Schätzungsweise jedes zehnte bis jedes dritte Kind war in dieser Zeit betroffen, die Betroffenen heißen heute Stolen Generations [16]. Rechtliche Grundlagen waren etwa der Aboriginal Protection Act von Victoria aus dem Jahr 1869 und ein Änderungsgesetz in New South Wales von 1915. Formal endete die Politik 1969, als New South Wales seinen Aborigines Welfare Board auflöste. Der Gamilaraay-Autor Michael O'Loughlin hält es für vertretbar, die Praxis unter dem Begriff Kinderschutz bis heute als fortgesetzt zu sehen [16]. Am 13. Februar 2008 bat Premierminister Kevin Rudd sie im Namen der Regierung um Entschuldigung [16].

Am 3. Juni 1992 wies der High Court im Fall Mabo, den das Volk der Meriam aus der Torres-Straße angestrengt hatte, die Lehre vom herrenlosen Land, terra nullius, zurück. Die Regierung Keating schuf danach mit dem Native Title Act von 1993 ein Verfahren für Landansprüche [17]. Wer Ansprüche geltend macht, muss eine ununterbrochene Verbindung zum Land nachweisen, und durch Eigentum oder die meisten Pachtverträge kann der Titel erlöschen. Natalie Cromb schreibt, dass Native Title aus Sicht vieler Aboriginal and Torres Strait Islander Peoples kein echtes Landrecht ist [17]. Am 14. Oktober 2023 stimmte Australien über eine Verfassungsänderung ab, die die First Peoples anerkennen und eine Aboriginal and Torres Strait Islander Voice einrichten sollte, ein Gremium, das gegenüber Parlament und Regierung des Bundes Stellung nehmen kann [20]. Bundesweit stimmten 39,94 Prozent mit Ja und 60,06 Prozent mit Nein, in keinem der sechs Bundesstaaten gab es eine Mehrheit dafür [18].

Unabhängige Staaten

1962 erlangte Westsamoa, das heutige Samoa, die Unabhängigkeit von Neuseeland und wurde so der erste unabhängige Inselstaat im Pazifik [11]. Im August 1971 trafen sich in Wellington Australien, die Cookinseln, Fidschi, Nauru, Neuseeland, Tonga und Westsamoa zum ersten South Pacific Forum. Im Jahr 2000 bekam die Organisation ihren heutigen Namen Pacific Islands Forum [19]. Wie die Kolonialreiche weltweit endeten, beschreibt der Beitrag zur Dekolonisierung.

  1. Studie Geoffrey Clark: Dumont d'Urville's Oceania (Journal of Pacific History 38, Heft 2, S. 155 bis 161). Australian National University. Stand 2003. abgerufen am 29.10.2026
  2. Writer Epeli Hau'ofa dies in Suva (Nachruf). Matangi Tonga. Stand 13.01.2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Our Sea of Islands (1993), Eintrag im Projekt Oceania. Universität Zürich. Stand 23.06.2025. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Chris Clarkson u. a.: Human occupation of northern Australia by 65,000 years ago (Nature 547, S. 306 bis 310). Australian National University. Stand 2017. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation First Nations. Australian Museum. Stand 30.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Frédérique Valentin, Florent Détroit, Matthew Spriggs, Stuart Bedford: Early Lapita skeletons from Vanuatu show Polynesian craniofacial shape (PNAS 113, Heft 2, S. 292 bis 297). PubMed Central. Stand 2015. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation East Polynesia colonized faster and more recently than previously thought (Pressemitteilung zu Wilmshurst, Hunt, Lipo, Anderson, PNAS 2011). University of Hawaiʻi at Mānoa. Stand 03.01.2011. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation John Maynard: James Cook. Man, mariner, myth or monster. Australian Museum. Stand 26.05.2020. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Nathan Sentance: Genocide in Australia. Australian Museum. Stand 12.07.2022. abgerufen am 29.10.2026
  10. Behörde The Treaty of Waitangi. Waitangi Tribunal. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. Behörde 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Samoa. Auswärtiges Amt. Stand 17.05.2022. abgerufen am 29.10.2026
  12. Behörde Papua-Neuguinea: Beziehungen zu Deutschland. Auswärtiges Amt. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  13. Behörde Joint Resolution to Provide for Annexing the Hawaiian Islands to the United States (Milestone Documents). U.S. National Archives. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  14. Organisation Bikini and Enewetak Atolls, Marshall Islands (Hibakusha Worldwide). IPPNW. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  15. Atomtests im Pazifik: Hollande zeigt bedingt Einsicht. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Stand 23.02.2016. abgerufen am 29.10.2026
  16. Organisation Michael O'Loughlin: The Stolen Generation. Australian Museum. Stand 22.06.2020. abgerufen am 29.10.2026
  17. Organisation Natalie Cromb: Native Title. Australian Museum. Stand 02.10.2020. abgerufen am 29.10.2026
  18. Behörde 2023 Referendum: National Results. Australian Electoral Commission. Stand 02.11.2023. abgerufen am 29.10.2026
  19. Organisation Happy 40th birthday Pacific Islands Forum (Pressemitteilung über Scoop). Pacific Islands Forum. Stand 09.08.2011. abgerufen am 29.10.2026
  20. Behörde Referendum on an Aboriginal and Torres Strait Islander Voice. National Indigenous Australians Agency. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.