Das 20. JahrhundertRatgeber

Der Pazifikkrieg 1937 bis 1945: Japans Krieg in Asien und im Pazifik

Der Pazifikkrieg war der Krieg Japans in Ostasien und im Pazifik. Er begann am 7. Juli 1937 mit dem Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke bei Peking und weitete sich mit dem Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 zum Krieg gegen die USA und Großbritannien aus. Er endete mit der Unterzeichnung der japanischen Kapitulation am 2. September 1945.

Ein stiller Atollstrand im Morgengrauen mit dem verrosteten Rest eines alten Landungsboots im Sand
Bild: KI-generiert

In Europa beginnt der Zweite Weltkrieg mit dem 1. September 1939. In Ostasien wurde schon zwei Jahre früher gekämpft: Am 7. Juli 1937 führte ein Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke bei Peking zum offenen Krieg zwischen Japan und China [1]. Manche Historiker lassen den Krieg in Asien sogar mit der japanischen Besetzung der Mandschurei 1931 beginnen [1]. Mit dem Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 wurde daraus ein Krieg um den ganzen westlichen Pazifik. Er endete erst am 2. September 1945, fast vier Monate nach der deutschen Kapitulation [2, 6].Den Krieg in Europa behandelt der Artikel über den Zweiten Weltkrieg.

Japans Weg in den Krieg

Wie Japan im 19. Jahrhundert zur Großmacht aufstieg, beschreibt der Artikel über die Meiji-Restauration. In den 1920er-Jahren war Japan eine Demokratie. Danach wurde es zu einem autoritären Staat, den ein Kriegsrat aus sechs Politikern und Militärs lenkte [1]. Eigene Rohstoffe fehlten dem Land weitgehend, das machte es wirtschaftlich verwundbar [1]. 1931 besetzte die japanische Kwantung-Armee eigenmächtig die Mandschurei im Nordosten Chinas [1, 2]. Den dort gegründeten Staat Mandschukuo erkannten die meisten Länder nicht an, und Japan geriet diplomatisch in die Isolation [1]. Am 25. November 1936 unterzeichneten Japan und das Deutsche Reich in Berlin den Antikominternpakt, ein Abkommen gegen die Kommunistische Internationale. Ein geheimes Zusatzprotokoll sicherte gegenseitige Neutralität zu, falls die Sowjetunion eine der beiden Seiten angreifen sollte [3]. 1940 erweiterte der Dreimächtepakt die Achse Berlin und Rom um Tokio [3].

Der Krieg gegen China ab 1937

Nach dem Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke besetzte Japan große Teile Ostchinas. Chinas Nationalisten und Kommunisten verbündeten sich gegen die Angreifer, und der Krieg erstarrte bald in einem Patt [1]. Durch die Besetzung verlor China fast 90 Prozent seiner Industrie. Als im Juni 1938 ein Damm am Gelben Fluss gesprengt wurde, starben 500.000 bis 800.000 Menschen, vier Millionen mussten fliehen [1]. Lieb vergleicht diesen Krieg in seiner Brutalität und seinen Opferzahlen mit dem deutschen Krieg gegen die Sowjetunion [1]. Die Besatzung war von Gewalt gegen Zivilisten geprägt. Bei großen Massakern wie 1937 in Nanjing vergewaltigten japanische Soldaten massenhaft Frauen [1]. Massaker an der Zivilbevölkerung in Nanking, Singapur und Manila übertrafen nach dem Historiker Sönke Neitzel alles, was der Erste Weltkrieg an Gewalt gekannt hatte [5]. Die japanische Armee richtete zudem viele Bordelle ein, in denen Hunderttausende koreanische und chinesische Frauen vergewaltigt wurden [5]. Die beschönigende Bezeichnung "Trostfrauen" für diese Opfer ist bis heute verbreitet [1].

Eine lange alte Steinbogenbrücke mit verzierten Geländern über einem flachen Fluss im Morgennebel
Bild: KI-generiert

Wie viele Chinesen im Krieg starben, lässt sich nur schätzen. Das Deutsche Historische Museum nennt mehr als 13 Millionen Opfer [2]. Lieb rechnet mit 15 bis 20 Millionen Toten durch direkte und indirekte Kriegsfolgen [1]. Mehr zur Vorgeschichte steht im Artikel über die Geschichte Chinas.

Ölembargo und Pearl Harbor

1941 besetzte Japan Französisch-Indochina. Die USA und Großbritannien antworteten mit einem Ölembargo [2]. Japan hatte bis dahin vier Fünftel seines Erdöls aus den USA bezogen [2]. Am 7. Dezember 1941 griffen japanische Trägerflugzeuge ohne Kriegserklärung den Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii an. Mehr als 2.400 Amerikaner kamen ums Leben [1]. Am 8. Dezember erklärten sich Japan und die USA gegenseitig den Krieg, am 11. Dezember erklärte Hitler den USA den Krieg [3]. Den Ablauf des Angriffs schildert der Artikel über Pearl Harbor.

Japans Eroberungen 1941 und 1942

In den Monaten nach Pearl Harbor eroberte Japan in schneller Folge weite Teile Südostasiens. Bis April 1942 fielen die Philippinen größtenteils, im Mai 1942 besetzte Japan Niederländisch-Indien, das heutige Indonesien, und große Teile Neuguineas [2]. Am 15. Februar 1942 kapitulierte der britische General Percival in Singapur mit 80.000 Mann [1]. Mitte 1942 beherrschte Japan ein Gebiet, das etwa doppelt so groß war wie alle von Deutschland besetzten Länder zusammen [1].

Der Krieg traf auch Gebiete, in denen kaum gekämpft wurde. In der Hungersnot in Bengalen 1943 und 1944 starben schätzungsweise zwei bis drei Millionen Menschen, manche Schätzungen gehen bis zu vier Millionen [1].

Die Wende bei Midway

Im Mai 1942 stoppte die alliierte Marine in der Schlacht im Korallenmeer den japanischen Vormarsch in Richtung Australien [1]. Im Juni 1942 verlor die japanische Marine bei den Midway-Inseln vier Flugzeugträger. Danach gewannen die Alliierten die Initiative, zuerst in den Kämpfen um Guadalcanal [1, 2]. Japans Industrie konnte mit der amerikanischen nicht mithalten. Die japanische Marine besaß im ganzen Krieg 20 Flugzeugträger, im September 1945 war nur noch einer einsatzbereit. Die US-Marine verfügte über 110 Träger, die meisten davon ab 1943 in Dienst gestellt [1]. Ab August 1942 gingen amerikanische und australische Truppen auf Neuguinea in die Offensive, im Mai 1944 endete dort die japanische Besatzung. Im Juni 1944 eroberten die USA die Marianen [2]. In der Schlacht um die Philippinen ab Oktober 1944 versenkte die US-Marine vier Flugzeugträger, 46 Kampfschiffe und 48 Versorgungsschiffe [2]. Bei den Kämpfen um Manila kamen 100.000 Zivilisten ums Leben [1].

Der offene Pazifik von oben mit hohen Quellwolken und einer kleinen flachen Koralleninsel am Horizont
Bild: KI-generiert

Ab Herbst 1944 setzte Japan Kamikaze-Piloten ein, die sich mit ihren Flugzeugen auf feindliche Schiffe stürzten [1]. Insgesamt starben mehr als 2.500 dieser Piloten [2]. Auf der Konferenz von Teheran im November 1943 hatte Stalin zugesagt, spätestens drei Monate nach dem Sieg über Deutschland gegen Japan in den Krieg einzutreten [2].

Okinawa und der Luftkrieg gegen Japan

Am 19. Februar 1945 landeten US-Marines auf Iwo Jima, der ersten Insel, die als Teil des japanischen Mutterlands galt [1]. Im Frühjahr 1945 eroberten US-Truppen Iwo Jima und Okinawa [2]. Die Schlacht um Okinawa dauerte vom 1. April bis zum 22. Juni 1945 [1]. Mehr als 12.500 amerikanische Soldaten fielen. Auf japanischer Seite starben über 200.000 Menschen, etwa die Hälfte davon Zivilisten [4]. Auf Okinawa ist der 23. Juni bis heute ein Gedenktag [4].

Zugleich bombardierten die USA die japanischen Städte, Tokio allein zwischen Dezember 1944 und August 1945 mehr als 30-mal [1]. In der Nacht vom 9. auf den 10. März 1945 starben bei einem Luftangriff auf Tokio 80.000 bis 120.000 Menschen. Takuma Melber nennt ihn den zerstörerischsten und tödlichsten konventionellen Luftangriff der Geschichte [4].

Atombomben, sowjetischer Angriff und Kapitulation

Am 26. Juli 1945 forderten die Alliierten Japan in der Potsdamer Erklärung zur bedingungslosen Kapitulation auf [1, 2]. Am 6. August warfen die USA eine Atombombe auf Hiroshima. Dort starben 70.000 bis 80.000 Menschen sofort und bis Ende 1945 mehr als 140.000 [4]. Am 8. August erklärte die Sowjetunion Japan den Krieg, obwohl beide Staaten einen Neutralitätspakt hatten. Diesen Schritt hatte sie mit den Alliierten geheim vereinbart [6]. Sowjetische Truppen marschierten in die Mandschurei ein [1]. Am 9. August folgte die zweite Atombombe auf Nagasaki [2]. Mehr dazu steht im Artikel über Hiroshima und Nagasaki.

Im Kriegsrat drängte Kaiser Hirohito darauf, die Forderungen anzunehmen [1]. Am 16. August rief die japanische Regierung ihre Truppen zur Waffenruhe auf [2]. Am 2. September 1945 unterzeichneten Außenminister Shigemitsu Mamoru und Generalstabschef Umezu Yoshijirō an Bord des US-Schlachtschiffs "Missouri" in der Bucht von Tokio die Kapitulation [2, 6]. Was Japans Führung zum Aufgeben bewog, ist umstritten. US-Kriegsminister Henry Stimson sah die Atombomben als entscheidend an, andere Historiker halten Japan schon vorher für geschlagen. Tsuyoshi Hasegawa hält den sowjetischen Kriegseintritt für ausschlaggebend [4].

Die Bilanz des Krieges

Nach Angaben des Deutschen Historischen Museums verlor Japan seit 1937 etwa 1,7 Millionen Soldaten und 350.000 Zivilisten. Die Alliierten hatten im Pazifikkrieg über 200.000 gefallene Soldaten zu beklagen [2]. Bei Kriegsende befanden sich nur etwa 40.000 japanische Soldaten in amerikanischer Gefangenschaft. Die Sowjetunion nahm dagegen rund 2,7 Millionen Japaner gefangen, von denen nur ein Drittel Soldaten waren. Lieb schreibt der Sowjetunion den Tod von mehr als 350.000 dieser Gefangenen zu [1].

DatumEreignis
1931Japan besetzt die Mandschurei
07.07.1937Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke, Krieg gegen China
07.12.1941Angriff auf Pearl Harbor
15.02.1942Kapitulation der Briten in Singapur
Juni 1942Schlacht bei Midway, Japan verliert vier Flugzeugträger
09./10.03.1945Luftangriff auf Tokio
01.04. bis 22.06.1945Schlacht um Okinawa
06.08. und 09.08.1945Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki
08.08.1945Kriegserklärung der Sowjetunion
02.09.1945Unterzeichnung der Kapitulation

Folgen und Erinnerung

Japan wurde besetzt. Ein internationales Militärgericht in Tokio verurteilte 1946 bis 1948 die Hauptkriegsverbrecher, das Kaisertum blieb erhalten [1]. Das Kriegsende veränderte ganz Asien. Am Tag der Kapitulation rief Ho Chi Minh die Demokratische Republik Vietnam aus [6]. Großbritannien, Frankreich und die Niederlande übernahmen 1945 ihre Kolonien wieder, mussten sich aber bis Ende der 1950er-Jahre nach Unabhängigkeitskriegen zurückziehen, Frankreich etwa aus Vietnam und die Niederlande aus Indonesien [1]. In China flammte der Bürgerkrieg wieder auf und endete 1949 mit der Flucht Chiang Kai-sheks nach Taiwan. Von 1950 bis 1953 folgte der Koreakrieg [1]. Wie die Kolonien unabhängig wurden, beschreibt der Artikel über die Dekolonisierung.

Ein stiller Gedenkpark im Frühling mit schlichtem Steinmonument, Kirschblüten und Ketten aus gefalteten Papierkranichen
Bild: KI-generiert

In Japan steht nach Melber das eigene Leid im Vordergrund der Erinnerung, vor allem die Atombomben und die zivilen Opfer. Japanische Kriegsverbrechen und die Forderungen der früheren "Trostfrauen" werden dagegen weitgehend nicht anerkannt. Seit 1953 gibt es immer wieder Streit über Schulbücher, etwa um die Darstellung von Kriegsverbrechen oder 2007 um die Massenselbstmorde auf Okinawa [4].

  1. Behörde Peter Lieb: Die globale Dimension: Der Krieg im asiatisch-pazifischen Raum 1937-1945. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 02.12.2025. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Julian Plenefisch: Der Krieg im Pazifik (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 19.05.2015. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Julian Plenefisch: Japan als Verbündeter des Deutschen Reiches (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 19.05.2015. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Takuma Melber: Das Leid der Eigenen. 1945 in der japanischen Erinnerungskultur, in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 17.01.2020. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde Sönke Neitzel: Der Totale Krieg, in: Informationen zur politischen Bildung, Zeitalter der Weltkriege. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 09.05.2014. abgerufen am 29.10.2026
  6. Behörde Vor 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Japans. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 02.09.2025. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.