Das 20. JahrhundertRatgeber
Hiroshima und Nagasaki: die Atombombenabwürfe im August 1945
Am 06.08.1945 um 08:15 Uhr warfen die USA eine Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima, am 09.08.1945 um 11:02 Uhr eine zweite auf Nagasaki. Die Zahl der Toten wird für Hiroshima auf 90.000 bis 166.000 geschätzt, für Nagasaki auf 60.000 bis 80.000. Japan kündigte am 15.08.1945 das Kriegsende an und unterzeichnete am 02.09.1945 die Kapitulation.

Im August 1945 setzten die USA zum ersten und bisher einzigen Mal Atombomben gegen Menschen ein. Am 06.08.1945 traf es Hiroshima, am 09.08.1945 Nagasaki [1, 2]. Viele Menschen starben noch am selben Tag, Zehntausende weitere in den folgenden Monaten und Jahren an ihren Verletzungen und an den Folgen der Strahlung [1, 2]. Auf dieser Seite erfährst du, wie es zu den Abwürfen kam, was in den beiden Städten geschah, wie Japan kapitulierte und wie heute an die Opfer erinnert wird.
Von der Kernspaltung zur Bombe
Im Dezember 1938 spalteten Otto Hahn und Fritz Straßmann in Berlin erstmals Urankerne mit Neutronen. Lise Meitner und Otto Robert Frisch lieferten kurz darauf die theoretische Erklärung [3]. In den USA lief ab Anfang der 1940er Jahre ein eigenes Forschungsprogramm unter dem Physiker Robert Oppenheimer. Antrieb war die Sorge, das nationalsozialistische Deutschland könnte zuerst eine Atombombe besitzen [3]. Am 16.07.1945 zündeten die USA in New Mexico die erste Atombombe der Welt, den sogenannten Trinity-Test [2, 3]. Mehr zur Vorgeschichte steht auf der Seite zur Entwicklung der Atombombe.
Die Entscheidung zum Abwurf
Deutschland hatte am 08.05.1945 kapituliert, Japan kämpfte im Pazifik weiter, obwohl seine Lage aussichtslos war. Nach den verlustreichen Kämpfen um Iwo Jima und Okinawa im Frühjahr 1945 forderte US-Präsident Harry S. Truman Japan zur bedingungslosen Kapitulation auf [4]. Am 24.07.1945, während der Potsdamer Konferenz, befahl Truman den Einsatz der Atombombe, je nach Wetter über Hiroshima, Kokura, Niigata oder Nagasaki [2]. Am selben Tag soll er Stalin in Potsdam von einer neuen Waffe erzählt haben [2].
Das Deutsche Historische Museum nennt zwei Absichten Trumans: Er wollte die Stärke der USA zeigen und Japan zur Kapitulation zwingen [3]. Wie der Krieg in Asien bis dahin verlaufen war, beschreibt die Seite zum Pazifikkrieg 1937 bis 1945.
Hiroshima am 06.08.1945
Um 08:15 Uhr Ortszeit fiel die Bombe mit dem Namen "Little Boy" auf Hiroshima [2]. Sie explodierte 43 Sekunden nach dem Abwurf rund 600 Meter über der Stadt [1]. Im Zentrum des Feuerballs herrschten über eine Million Grad Celsius. Innerhalb einer Sekunde wuchs er auf einen Radius von mehr als 200 Metern, am Boden unter der Explosion stiegen die Temperaturen auf 3.000 bis 4.000 Grad [1]. Die Luft dehnte sich schlagartig aus und erzeugte eine Druckwelle, die zusammen mit Hitze und Strahlung die Stadt zerstörte [1].

In Hiroshima lebten damals schätzungsweise 300.000 Menschen. Etwa 90 Prozent der Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt [2]. Von den Menschen, die sich im Umkreis von 1,2 Kilometern um den Punkt unter der Explosion aufhielten, starb etwa die Hälfte noch am selben Tag. Je näher die Menschen diesem Punkt waren, desto höher lag die Sterblichkeit [5]. Nach Angaben der Stadt starben von denen, die sich noch näher aufhielten, vermutlich 80 bis 100 Prozent [1]. Die genaue Zahl der Toten kennt niemand. Die Schätzungen reichen von 90.000 bis 166.000 Toten in den ersten vier Monaten nach dem Abwurf [10]. Die Stadt Hiroshima nennt rund 140.000 Tote bis Ende Dezember 1945. Bis dahin waren die akuten Folgen der Strahlenkrankheit weitgehend abgeklungen [5].
Nagasaki am 09.08.1945
Die zweite Bombe sollte eigentlich die Stadt Kokura treffen. Weil die Sicht dort durch starke Bewölkung versperrt war, flog die Besatzung das gut 100 Kilometer entfernte Nagasaki an [2]. Um 11:02 Uhr explodierte die Bombe über der Stadt [6]. In Nagasaki starben nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung zwischen 60.000 und 80.000 Menschen [2]. Die Atomic Heritage Foundation nennt 40.000 bis 75.000 Tote unmittelbar nach der Explosion und rund 80.000 bis Ende 1945 [10].
Zwischen den beiden Abwürfen hatte sich die Lage für Japan weiter verschlechtert. Am 08.08.1945 erklärte die Sowjetunion Japan den Krieg, obwohl beide Staaten einen Neutralitätspakt geschlossen hatten. Den Kriegseintritt hatte sie den Alliierten zuvor geheim zugesagt [4].
Die Kapitulation Japans
Am 14.08.1945 erließ der japanische Kaiser den "Erlass über das Kriegsende" und nahm die bedingungslose Kapitulation an [3]. Am 15.08.1945 verkündete Kaiser Hirohito in einer Rundfunkansprache, dass Japan den Kampf beenden müsse [2]. Am 02.09.1945 unterzeichneten Außenminister Shigemitsu Mamoru und Generalstabschef Umezu Yoshijirō an Bord des US-Schlachtschiffs Missouri die Kapitulation. Damit endete der Zweite Weltkrieg [2, 4].
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 16.07.1945 | Erste Atombombenexplosion in New Mexico |
| 24.07.1945 | Truman befiehlt den Einsatz |
| 06.08.1945 | Abwurf auf Hiroshima um 08:15 Uhr |
| 08.08.1945 | Kriegserklärung der Sowjetunion an Japan |
| 09.08.1945 | Abwurf auf Nagasaki um 11:02 Uhr |
| 15.08.1945 | Rundfunkansprache des Kaisers |
| 02.09.1945 | Unterzeichnung der Kapitulation |
Spätfolgen für die Überlebenden
Die Überlebenden der Atombomben heißen in Japan Hibakusha. Hunderttausende Menschen waren betroffen [2]. In den ersten zehn Jahren nach den Abwürfen stieg die Zahl der Leukämiefälle. Später traten vermehrt Krebserkrankungen der Schilddrüse, der Brust, der Lunge und der Blase auf [2]. Die Stadt Hiroshima schreibt, dass die Strahlenschäden über Jahrzehnte Leid verursachten [1].

Die Debatte um die Entscheidung
Ob der Einsatz der Bomben gerechtfertigt war, wird seit 1945 diskutiert. In den USA begann die Debatte kurz nach den Abwürfen, General Dwight D. Eisenhower soll gegen den Einsatz gewesen sein [2]. Umfragen zeigen, wie sich die Haltung verschoben hat: 1945 hielten laut Pew-Forschungszentrum 85 Prozent der Amerikaner die Abwürfe für gerechtfertigt, 2005 waren es 57 Prozent und 2015 noch 56 Prozent [2].
Umstritten ist auch, was Japan zur Kapitulation bewog. Die japanische Regierung hatte nach dem Angriff auf Hiroshima nicht bedingungslos kapituliert, daraufhin folgte die zweite Bombe [2]. Zwischen beiden Abwürfen lag aber auch der sowjetische Kriegseintritt [4]. Welches Ereignis den Ausschlag gab, beurteilen Historiker bis heute unterschiedlich.
Auch deutsche Atomforscher erfuhren in britischer Gefangenschaft vom Angriff. Zehn Physiker des deutschen Uranprojekts waren seit Juli 1945 auf dem englischen Landsitz Farm Hall interniert. Sie reagierten überrascht und ungläubig auf die Nachricht aus Hiroshima. Einige von ihnen behaupteten danach, ihre eigene Forschung habe nie auf eine Bombe gezielt [3]. Mehr dazu steht auf der Seite über Geheimwaffen im Zweiten Weltkrieg.
2016 nahm Barack Obama als erster amtierender US-Präsident an einer Gedenkfeier in Hiroshima teil. Eine Entschuldigung sprach er nicht aus [2].
Erinnerung in Hiroshima und Nagasaki
Im Friedenspark von Hiroshima steht das Kenotaph für die Opfer der Atombombe. Seine Inschrift lautet in der englischen Fassung der Stadt "Let all the souls here rest in peace; for we shall not repeat the evil" [1]. Vor dem Kenotaph findet jedes Jahr am 6. August von 08:00 bis 08:50 Uhr die Friedenszeremonie statt. Dabei wird das Register mit den Namen der Toten niedergelegt. Um 08:15 Uhr läutet die Friedensglocke, in der ganzen Stadt heulen Sirenen, und die Menschen halten eine Minute lang inne, auch zu Hause und am Arbeitsplatz [8]. Danach verliest der Bürgermeister die Friedenserklärung, die an alle Staaten der Welt geht und die Abschaffung der Atomwaffen fordert [8].

Bekannt ist auch der Atombombendom. Das Gebäude wurde 1915 nach Plänen des tschechischen Architekten Jan Letzel als dreistöckige Ausstellungshalle aus Ziegeln fertig. Zur Zeit des Angriffs hieß es Industrieförderungshalle der Präfektur Hiroshima und lag nur 160 Meter vom Punkt unter der Explosion entfernt [9]. Alle Menschen im Gebäude starben sofort. Weil die Bombe fast genau darüber explodierte, stürzte der Bau nicht ganz ein, das eiserne Gerippe der Kuppel blieb stehen [9]. Die Ruine wurde im Juni 1995 zum nationalen historischen Denkmal Japans erklärt. Am 05.12.1996 nahm das Welterbekomitee der UNESCO in Mérida in Mexiko den Dom in die Welterbeliste auf. Zuvor hatten 1994 mehr als 1,65 Millionen Menschen eine Petition dafür unterschrieben [7].
In Nagasaki erinnert das Atombombenmuseum im Stadtteil Hirano-machi mit einer Dauerausstellung an den 09.08.1945. Das Museum beschreibt, wie Hitze und Druckwelle die Menschen wahllos töteten und dass Überlebende bis heute an Spätfolgen leiden [6]. Wie die Atomwaffen nach 1945 die Weltpolitik bestimmten, zeigen die Seiten zum Kalten Krieg und zum Wettrüsten, die gefährlichste Zuspitzung die Seite zur Kubakrise 1962.
- Behörde The Atomic Bombing and the Spirit of Hiroshima. City of Hiroshima. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde August 1945: Atombomben über Hiroshima und Nagasaki (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 05.08.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Felix Mühlnickel, Arnulf Scriba: Atomwaffenforschung im Zweiten Weltkrieg (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 24.11.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Japans. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 02.09.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Q. How many people died because of the atomic bombing?. City of Hiroshima. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Nagasaki Atomic Bomb Museum. Nagasaki City. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Atomic Bomb Dome Registered as World Heritage. City of Hiroshima. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Peace Memorial Ceremony. City of Hiroshima. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Atomic Bomb Dome (Virtual Museum). Hiroshima Peace Memorial Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Bombings of Hiroshima and Nagasaki 1945. Atomic Heritage Foundation, National Museum of Nuclear Science and History. Stand 05.06.2014. abgerufen am 29.10.2026
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