Das 20. JahrhundertRatgeber
Die Entwicklung der Atombombe: Kernspaltung, Manhattan-Projekt, Wettrüsten
Die Atombombe beruht auf der Kernspaltung, die Otto Hahn und Fritz Straßmann Ende 1938 in Berlin entdeckten. Im Manhattan-Projekt bauten die USA die ersten Bomben, zündeten am 16. Juli 1945 in New Mexico die erste und warfen im August 1945 zwei auf Hiroshima und Nagasaki. 1949 folgte die Sowjetunion, und das nukleare Wettrüsten begann.

Zwischen der Entdeckung der Kernspaltung in Berlin und der Zerstörung von Hiroshima lagen keine sieben Jahre. Die Atombombe entstand im Zweiten Weltkrieg aus der Angst, das nationalsozialistische Deutschland könnte sie zuerst bauen [1, 2].Die Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki selbst behandelt der Artikel Hiroshima und Nagasaki ausführlicher.
Die Entdeckung der Kernspaltung
Im Dezember 1938 gelang den Chemikern Otto Hahn und Fritz Straßmann in Berlin-Dahlem erstmals die Spaltung von Urankernen durch Neutronen [1, 2]. Die physikalische Erklärung lieferten 1939 Lise Meitner und Otto Robert Frisch [1]. Hahn und Straßmann veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Die Naturwissenschaften" [1]. Damit war die Grundlage für eine Kettenreaktion gelegt, und wenige Monate später wurde auch in den USA über eine Bombe nachgedacht [3].

In den USA lebten zu dieser Zeit mehrere Physiker, die vor dem NS-Regime geflohen waren. Leo Szilard, Eugene Wigner und Edward Teller überredeten Albert Einstein, Präsident Franklin D. Roosevelt zu warnen. Der Brief ist auf den 2. August 1939 datiert. Er wies darauf hin, dass Deutschland eine Atombombe entwickeln könnte, und regte an, Uranerz zu sichern und Experimente zu finanzieren [4]. Roosevelt setzte daraufhin ein Uran-Komitee ein [3]. Mehr über den Physiker steht im Artikel über Albert Einstein.
Das deutsche Uranprojekt
In Deutschland koordinierte zunächst das Heereswaffenamt die Forschung. Wissenschaftliches Zentrum war das Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik in Berlin unter Werner Heisenberg [1]. Nach der Besetzung Belgiens 1940 standen Uranerz und Radium zur Verfügung, schweres Wasser kam von der Firma Norsk Hydro im besetzten Norwegen [1]. Ende 1941 gab das Heereswaffenamt das Projekt an den Reichsforschungsrat ab, weil es nach den schnellen Siegen der Wehrmacht keinen dringenden militärischen Bedarf mehr sah [1].
Zu einer einsatzfähigen Bombe kam das deutsche Projekt nie. Zehn deutsche Physiker wurden ab Juli 1945 im englischen Landsitz Farm Hall festgehalten. Nach der Nachricht von Hiroshima behaupteten einige von ihnen, sie hätten gar keine Kernwaffe bauen wollen. Daraus entstand die Legende von den "anständigen Wissenschaftlern" [1].
Das Manhattan-Projekt
Im Frühjahr 1941 kam ein britischer Ausschuss, das MAUD Committee, zu dem Ergebnis, dass eine Uranbombe machbar sei [3]. Am 9. Oktober 1941 entschied Roosevelt, die Bombe bauen zu lassen [2]. Offiziell gegründet wurde das Manhattan-Projekt am 13. August 1942. Seinen Namen hat es von den ersten Büros in Manhattan [3]. Die Leitung übernahm Leslie R. Groves vom Pionierkorps der US-Armee, wissenschaftlicher Direktor wurde J. Robert Oppenheimer, der in Los Alamos in New Mexico das Waffenlabor aufbaute [2, 3].

Am 2. Dezember 1942 gelang Enrico Fermi und seinem Team in Chicago die erste sich selbst erhaltende Kettenreaktion in einem Reaktor [2, 3]. Für die Bombe brauchte man spaltbares Material in großer Menge. In Oak Ridge in Tennessee entstanden Anlagen zur Anreicherung von Uran, in Hanford im Bundesstaat Washington Reaktoren für Plutonium [3].
| Standort | Aufgabe |
|---|---|
| Los Alamos, New Mexico | Waffenlabor unter Oppenheimer, Entwurf und Bau der Bomben |
| Oak Ridge, Tennessee | Anreicherung von Uran in mehreren Großanlagen |
| Hanford, Washington | Herstellung von Plutonium in Reaktoren |
| Chicago, Illinois | erster Kernreaktor, Forschung zur Kettenreaktion |
Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung arbeiteten über 100.000 Menschen an mehr als 30 Standorten in den USA, Großbritannien und Kanada für das Projekt. Es kostete über 2 Milliarden US-Dollar, nach heutiger Kaufkraft 30 bis 50 Milliarden [2].
Spionage gab es trotzdem. Der Physiker Klaus Fuchs gab Konstruktionszeichnungen und den Termin des ersten Tests an den sowjetischen Geheimdienst weiter [2]. Entdeckt wurde er erst 1950 [6].
Der Trinity-Test am 16. Juli 1945
Die erste Atombombe wurde am 16. Juli 1945 um 5.30 Uhr in der Wüste von New Mexico gezündet, Codename "Trinity". Die Bombe enthielt 6,2 Kilogramm Plutonium und stand auf einem 30 Meter hohen Turm [2]. Ihre Sprengkraft entsprach etwa 20.000 Tonnen TNT, der Atompilz stieg gut 12 Kilometer hoch [2, 3]. Die Strahlung war stärker als vorhergesagt. Im Umkreis von 80 Kilometern lebten Tausende Menschen, vor allem Hispanics und Indigene, von denen viele verstrahlt wurden [2].
Der Einsatz gegen Japan
Als die Bombe fertig war, hatte Deutschland bereits kapituliert. Präsident Harry S. Truman, seit dem 12. April 1945 im Amt, erfuhr am 25. April von dem Projekt [2, 11]. Ein Beratergremium unter Kriegsminister Henry Stimson empfahl, die Bombe ohne Vorwarnung gegen ein militärisches Ziel in Japan einzusetzen [2]. Nach Einschätzung des Deutschen Historischen Museums wollte Truman damit die Stärke der USA zeigen und Japan zur Kapitulation zwingen [1].
Am 6. August 1945 warf ein B-29-Bomber die Uranbombe "Little Boy" mit rund 13 Kilotonnen Sprengkraft über Hiroshima ab [3, 5]. Bis Ende 1945 starben dort je nach Schätzung zwischen 90.000 und 166.000 Menschen, von rund 76.000 Gebäuden wurden etwa 70.000 zerstört oder beschädigt [2, 5]. Drei Tage später traf die Plutoniumbombe "Fat Man" mit 21 Kilotonnen Nagasaki. Eigentliches Ziel war Kokura gewesen, das aber unter Wolken und Rauch lag [5]. In Nagasaki starben sofort 40.000 bis 75.000 Menschen, bis Ende 1945 vermutlich rund 80.000 [5].
Am 14. August 1945 erließ der japanische Kaiser den Erlass zur Beendigung des Krieges, am 2. September 1945 unterzeichnete Japan die Kapitulation [1, 2]. Dazwischen, am 8. August 1945, hatte die Sowjetunion Japan den Krieg erklärt [9]. Welches Ereignis Japans Führung zum Aufgeben brachte, ist in der Forschung umstritten. Der Historiker Hasegawa Tsuyoshi hält den sowjetischen Einmarsch in die Mandschurei am 8. August 1945 für entscheidend und die Atombomben nicht für den Hauptgrund der Kapitulation [10]. Den Kriegsverlauf in Asien beschreibt der Artikel über den Pazifikkrieg.
Die Sowjetunion zieht nach
Die Sowjetunion arbeitete seit Februar 1943 an einer eigenen Bombe. Wissenschaftlich leitete das Programm der Physiker Igor Kurtschatow, politisch Lawrenti Berija [6]. Am 29. August 1949 zündete die Sowjetunion in Semipalatinsk im heutigen Kasachstan ihre erste Atombombe [6]. Forscher schätzen, dass die Spionage das sowjetische Programm um sechs Monate bis zwei Jahre beschleunigte [6]. Das amerikanische Atomwaffenmonopol hatte damit nur vier Jahre gehalten.
Die Wasserstoffbombe
Nach dem sowjetischen Test ordnete Truman im Januar 1950 an, die Arbeit an einer noch stärkeren Waffe voranzutreiben, der thermonuklearen Wasserstoffbombe [7]. Den entscheidenden Entwurf lieferten Edward Teller und Stanislaw Ulam im März 1951 [7]. Am 1. November 1952 testeten die USA auf dem Eniwetok-Atoll im Pazifik die erste Wasserstoffbombe, Codename "Ivy Mike". Sie hatte etwa 10 Megatonnen Sprengkraft, rund tausendmal so viel wie die Hiroshima-Bombe [7]. Weniger als ein Jahr später zündete auch die Sowjetunion eine thermonukleare Waffe [7].
Wettrüsten und Rüstungskontrolle
Zwischen 1946 und 1958 führten die USA allein auf den Atollen Bikini und Eniwetok 67 Atomtests durch [2]. Nach den USA und der Sowjetunion wurden Großbritannien, Frankreich und China zu Atommächten, später auch Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea [2]. Wie die Supermächte ihre Arsenale aufbauten, schildert der Artikel über das Wettrüsten, die gefährlichste Krise dieser Zeit der Artikel über die Kubakrise 1962.
Erste Verträge sollten das Risiko begrenzen. 1963 vereinbarten die USA, die Sowjetunion und Großbritannien, Atomwaffen nur noch unterirdisch zu testen. Der Atomwaffensperrvertrag lag ab dem 1. Juli 1968 zur Unterzeichnung aus, die Bundesrepublik unterschrieb im November 1969. Inzwischen haben 191 Staaten unterzeichnet [2]. Der Atomwaffenverbotsvertrag vom 7. Juli 2017 ist seit Januar 2021 in Kraft, keine Atommacht ist ihm beigetreten [2].
Atomwaffen heute
Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI schätzt den weltweiten Bestand im Januar 2026 auf 12.187 nukleare Sprengköpfe. Etwa 9.745 davon gehören zu den militärischen Vorräten, rund 4.012 sind auf Raketen und Flugzeugen einsatzbereit [8]. Die USA und Russland besitzen zusammen etwa 83 Prozent der einsatzfähigen Bestände. China baut sein Arsenal am schnellsten aus und kommt nach SIPRI auf etwa 620 Sprengköpfe [8].

Der Vertrag New START, der seit 2010 die strategischen Arsenale der USA und Russlands begrenzte, lief im Februar 2026 aus, ohne dass es einen Nachfolger gab [8]. Die Gesamtzahl sank bislang, weil Russland und die USA ausgemusterte Sprengköpfe meist schneller zerlegten, als sie neue stationierten. Das Institut rechnet damit, dass die Zahl einsatzbereiter Waffen in den kommenden Jahren wieder steigt [8].
- Organisation Felix Mühlnickel, Arnulf Scriba: Atomwaffenforschung im Zweiten Weltkrieg (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 24.11.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 80 Jahren: Die erste Zündung einer Atombombe. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 14.07.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation The Manhattan Project. Atomic Heritage Foundation, National Museum of Nuclear Science and History. Stand 12.05.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Einstein-Szilard Letter. Atomic Heritage Foundation, National Museum of Nuclear Science and History. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Bombings of Hiroshima and Nagasaki 1945. Atomic Heritage Foundation, National Museum of Nuclear Science and History. Stand 05.06.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Soviet Atomic Program 1946. Atomic Heritage Foundation, National Museum of Nuclear Science and History. Stand 05.06.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Hydrogen Bomb 1950. Atomic Heritage Foundation, National Museum of Nuclear Science and History. Stand 19.06.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Increasing focus on nuclear weapons amid heightened escalation risks: new SIPRI Yearbook out now. Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI). Stand 08.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Japans. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 02.09.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Takuma Melber: Das Leid der Eigenen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 4-5/2020. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 17.01.2020. abgerufen am 29.10.2026
- First inauguration of Harry S. Truman. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
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