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Akkad: Sargon, Naram-Sin und das erste Großreich

Das Akkadische Reich bestand im 24. und 23. Jahrhundert v. Chr. in Mesopotamien, etwa 150 Jahre lang. Sein Gründer Sargon unterwarf die sumerischen Stadtstaaten und regierte von der Stadt Akkade aus, deren Lage bis heute unbekannt ist. Das Reich gilt als erster Territorialstaat der Geschichte und machte mit dem Akkadischen erstmals eine semitische Sprache zur Amtssprache.

Ein flacher Hügel mit verwitterten Lehmziegelruinen in der Ebene Mesopotamiens bei Sonnenuntergang, vorne Schilf am Fluss
Bild: KI-generiert

Das Akkadische Reich bestand im 24. und 23. Jahrhundert v. Chr. in Mesopotamien, dem Land zwischen Euphrat und Tigris im heutigen Irak. Es hielt sich etwa 150 Jahre und gilt als erster Territorialstaat der Geschichte [1]. Vor Sargon bestanden im Süden Mesopotamiens viele selbständige Stadtstaaten [1]. Wie diese Welt aussah, beschreibt der Artikel über Sumer. Sargon von Akkad vereinte die Stadtstaaten unter einer Herrschaft. Seine Nachfolger hielten das Reich über drei Generationen zusammen [2].

Datierung und Quellen

Jahreszahlen für diese Zeit sind unsicher. Die Forschung rechnet mit mehreren Chronologien, die um Jahrzehnte voneinander abweichen. Für Sargon nennt die mittlere Chronologie etwa 2356 bis 2300 v. Chr., die kurze Chronologie etwa 2292 bis 2236 v. Chr. [2]. Der Louvre datiert die Regierung von Sargons Enkel Naram-Sin auf etwa 2254 bis 2218 v. Chr. [3].

Viele Nachrichten über Sargon stammen aus späterer Zeit. Seine Königsinschriften sind meist nur als altbabylonische Abschriften erhalten, die Originale sind selten. Die Sumerische Königsliste und die Erzählungen über Sargon sind literarische Werke, die Historiker vorsichtig auswerten [2]. Geschrieben wurde in Keilschrift. Diese Schrift entstand im ausgehenden 4. Jahrtausend v. Chr. im südlichen Mesopotamien und diente für Sumerisch, Akkadisch und weitere Sprachen [9].

Sargon: vom Mundschenk zum König

Der Thronname Sargon lautet akkadisch Šarru-kīnu und wird meist als "der Herrscher ist legitim" gedeutet. Sargon war ein Semit und stammte nicht aus einem Königshaus [2]. Nach der Überlieferung diente er als Mundschenk am Hof von Ur-Zababa, dem König der Stadt Kisch, ein hohes Hofamt [2]. Eine sumerische Erzählung schildert, wie der König den jungen Mundschenk fürchtete und ihn töten lassen wollte. Die Göttin Inana stellt sich darin schützend vor Sargon [4].

Um die Mitte des 24. Jahrhunderts v. Chr. setzte Sargon Ur-Zababa ab und übernahm die Herrschaft in Kisch. Danach eroberte er Obermesopotamien und Sumer. Sein größter Sieg galt einem Bündnis von etwa 50 sumerischen Stadtstaaten. Den König Lugalzagesi von Uruk nahm er gefangen [1]. Sargon beanspruchte die Herrschaft vom Mittelmeer bis zum Persischen Golf. Wie weit sie tatsächlich reichte, ist unsicher [2]. Er war der erste bekannte Herrscher mit dem Titel šar kiššatim, "König der Gesamtheit" [2].

Die Legende von der Aussetzung

Eine akkadische Sargon-Legende erzählt, Sargons Mutter habe ihn heimlich geboren, in einen Korb aus Schilf gelegt und auf dem Euphrat ausgesetzt. Ein Gärtner namens Aqqi habe das Kind gefunden und aufgezogen. Diese Fassung ist nur in neuassyrischen Abschriften erhalten, wohl aus der Zeit des assyrischen Königs Sargon II. Historiker lesen sie deshalb als spätere Propaganda [2].

Eine ähnliche Szene steht im 2. Buch Mose: Die Mutter des Mose legt ihr Kind in ein mit Erdharz und Pech abgedichtetes Kästlein aus Rohr und setzt es im Schilf am Ufer aus [10]. Wie die Bibel die Geschichte des Mose weitererzählt, erklärt bibel.domain-root.de im Beitrag Mose und der Auszug aus Ägypten.

Wie das Reich regiert wurde

Sargon machte das bis dahin wenig bedeutende Akkade zu seiner Hauptstadt. Gegründet hat er die Stadt nicht, sie bestand schon vorher [2]. Wo genau sie lag, weiß bis heute niemand. Vermutet wird eine Lage in der Gegend von Bagdad [1].

Reihen glatter Tontafeln trocknen auf einer Lehmziegelmauer in der Sonne, daneben liegen Schreibgriffel aus Schilf
Bild: KI-generiert

In den eroberten Gebieten setzte Sargon treue Statthalter ein. Nach seinen Inschriften versorgte er täglich eine große Zahl von Gefolgsleuten am Hof. Die oft genannte Zahl von 5.400 Mann ist nach heutiger Deutung eher symbolisch zu verstehen [2]. Im ganzen Reich galten einheitliche Maße, und der Fernhandel mit Dilmun am Persischen Golf lief nun über Akkade [1].

Akkad war der erste Staat, der eine semitische Sprache zur Amtssprache machte. Das Akkadische verdrängte nach und nach auch das Sumerische als gesprochene Sprache [1]. Akkadisch blieb über die Zeit des Reiches hinaus wichtig. Babylonier und Assyrer schrieben später ebenfalls in Keilschrift, und die Schrift war rund drei Jahrtausende das wichtigste Schriftsystem Vorderasiens [9].

Enheduanna, Priesterin in Ur

Sargon setzte seine Tochter Enheduanna als Hohepriesterin des Mondgottes in Ur ein [1]. Die Texte, die ihr zugeschrieben werden, gelten als wichtige historische Quelle [2]. Bei Grabungen in Ur fand man eine Scheibe aus Alabaster, auf der Enheduanna als Priesterin des Mondgottes und als Tochter Sargons genannt wird. Sie lag im Hof des Heiligtums der Göttin Ningal [6]. Die Sitte, Königstöchter als Priesterinnen einzusetzen, hielt sich bis in die Zeit des babylonischen Königs Nabonid [6].

Eine Stufentempelanlage aus Lehmziegeln in der Wüste mit breiter Mitteltreppe im weichen Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Naram-Sin: der König als Gott

Auf Sargon folgten seine Söhne Rimusch und Manischtuschu. Beide mussten mehrere Aufstände niederschlagen. Manischtuschu hinterließ einen Obelisken, der große Landkäufe festhält [1]. Unter Sargons Enkel Naram-Sin erreichte das Reich seine größte Macht. Er zog nach Norden bis in die Gegend von Mossul und in Richtung Kilikien, unterwarf am Dschebel Bischri die Amurriter und führte Feldzüge bis in Richtung Oman [1].

Ein großer Aufstand, angeführt von Kisch und Uruk, brachte das Reich in Gefahr. Naram-Sin besiegte die Aufständischen in neun Schlachten. Nach diesem Sieg ließ er sich als Gott verehren [1]. Das zeigt auch seine Siegesstele, die heute im Louvre steht. Sie ist zwei Meter hoch und aus rosa und beigem Kalkstein. Naram-Sin trägt darauf eine Hörnerkrone und ist größer dargestellt als alle anderen Figuren. Die Inschrift feiert einen Sieg über die Lullubi, ein Bergvolk [3]. Rund tausend Jahre später verschleppte der elamische König Schutruk-Nahhunte die Stele im 12. Jahrhundert v. Chr. als Kriegsbeute von Sippar nach Susa. Dort fanden Ausgräber sie am 6. April 1898 [3]. Mehr über das Reich im heutigen Iran steht im Artikel über Elam.

HerrscherVerwandtschaftWas über ihn bekannt ist
SargonBegründer der DynastieEroberung Sumers, Hauptstadt Akkade
RimuschSohn SargonsNiederschlagung von Aufständen
ManischtuschuSohn SargonsEtwa 15 Jahre Herrschaft, Obelisk mit Landkäufen
Naram-SinSohn Manischtuschus, Enkel SargonsGrößte Ausdehnung, Vergöttlichung, Siegesstele
ScharkalischarriSohn Naram-SinsBauten in Nippur, Kämpfe gegen Aufständische und Elamer

Die Angaben der Tabelle stammen aus der Übersicht zum Akkadischen Reich, nach der die älteste Königsliste Manischtuschu vor Rimusch nennt [1].

Der Niedergang

Scharkalischarri erbte ein Reich mit inneren und äußeren Problemen. Er ließ am Ekur, dem Tempel Enlils in Nippur, bauen und kämpfte gegen Aufständische und ein elamisches Bündnis. Ein Jahresname meldet einen Sieg über die Gutäer, ein Volk aus dem Bergland im Osten [1]. Im Süden machten sich Städte wie Lagasch und Ur selbständig. Scharkalischarri starb vermutlich bei einem Umsturz im Palast, danach berichtet die Königsliste von Wirren [1].

Spätere Dichter fanden eine religiöse Erklärung für das Ende. Die sumerische Dichtung "Der Fluch über Akkade" erzählt, Naram-Sin habe das Ekur geplündert. Zur Strafe habe Enlil die Gutäer geschickt, die das Land verwüsteten, und die Götter hätten Akkade verflucht [5]. Eine frühe Fassung dieser Dichtung stammt schon aus der Zeit der dritten Dynastie von Ur [5].

Dürre als Ursache?

Seit den 1990er Jahren wird diskutiert, ob ein Klimawandel zum Ende Akkads beitrug. Der Archäologe Harvey Weiss von der Yale University fand bei Grabungen in Tell Leilan im Nordosten Syriens eine Schicht aus Flugsand, in der kaum Spuren von Regenwürmern waren. Die Stadt war von etwa 2700 bis 2200 v. Chr. bewohnt, dann rund 300 Jahre verlassen [8]. Weiss und Kollegen schlossen 1993 auf eine schwere Dürre um 2200 v. Chr., die das Reich zu Fall gebracht habe [8].

Rissiger trockener Boden eines verlassenen Feldes unter dunstiger Sonne, am Horizont flache braune Hügel
Bild: KI-generiert

Ein Bohrkern aus dem Golf von Oman stützt das. Er enthält ab etwa 4.025 Jahren vor heute (Unsicherheit 125 Jahre) für rund 300 Jahre deutlich mehr Staub aus Mesopotamien [7]. Der Norden des Reiches war vom Regenfeldbau abhängig, der Süden bewässerte seine Felder aus den Flüssen. Aus dem trockenen Norden zogen viele Menschen in die Flusstäler im Süden [7, 8]. Fachleute sprechen heute vom 4,2-ka-Ereignis, benannt nach dem Zeitpunkt rund 4.200 Jahre vor heute [8].

Neuere Gesamtdarstellungen nennen deshalb mehrere Ursachen nebeneinander: die lange Dürre vor allem im Norden, Wanderungsbewegungen, Einfälle der Gutäer und Aufstände der Städte [1].

Was nach Akkad kam

Nach dem Ende des Reiches folgte in Mesopotamien der Staat der dritten Dynastie von Ur, ebenfalls ein zentral regierter Territorialstaat, diesmal unter einer sumerischen Dynastie [1]. Sargon blieb in ganz Mesopotamien das Vorbild eines Herrschers. Der assyrische König Sargon II. trug später seinen Namen, und auch bei den Hethitern erzählte man Geschichten über ihn [2]. Die weitere Geschichte der Region zeigen die Artikel über Babylonien und den Alten Orient.

  1. Akkadisches Reich. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  2. Sargon von Akkad. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Stèle de Naram-Sin (Inventar Sb 4). Musée du Louvre. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie The Sargon legend: translation (ETCSL c.2.1.4). Electronic Text Corpus of Sumerian Literature, University of Oxford. Stand 1999. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie The cursing of Agade: translation (ETCSL c.2.1.5). Electronic Text Corpus of Sumerian Literature, University of Oxford. Stand 2001. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Leon Legrain: Sargon of Agade (Museum Bulletin, Vol. X, No. 3-4). Penn Museum, University of Pennsylvania. Stand 06.1944. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Drought and the Akkadian Empire (Paleo Perspectives). NOAA National Centers for Environmental Information. Stand 10.2021. abgerufen am 29.10.2026
  8. Studie Michael Marshall: Did a mega drought seed global chaos 4,200 years ago? (Nature 601, S. 498 bis 501). Springer Nature. Stand 27.01.2022. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Assyriologie (Studienfach). Universität Heidelberg. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  10. 2. Mose 2 (Lutherbibel 1912). eBible.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.