Antike und AltertumRatgeber
Elam: das Reich im Südwesten Irans
Elam war ein altorientalisches Reich im Südwesten des heutigen Iran mit der Hauptstadt Susa. Es bestand vom späten 4. Jahrtausend v. Chr. bis zum Ende des Königtums um 646 v. Chr. und stand lange in Konkurrenz zu Mesopotamien. Danach wurde Elam eine Provinz des Perserreichs, Elamisch blieb dort eine Verwaltungssprache.

Elam lag östlich des Tigris im Tiefland des heutigen Iran, das Zentrum war die Stadt Susa [1]. Das Gebiet entspricht weitgehend der heutigen Provinz Chuzestan, dazu kamen Teile von Ilam und Luristan [1]. Elamische Könige plünderten babylonische Städte und brachten Denkmäler nach Susa, die heute im Louvre stehen [2, 4]. Assyrer und Perser übernahmen später das Land, die elamische Sprache blieb aber noch im Perserreich in Gebrauch [1, 7].
Lage und Name
Das Kernland Elams war die Ebene um Susa im Südwesten Irans. Östlich davon, im Hochland, lag Anschan (Anzan), das Teile der heutigen Provinz Kohgiluye und Boyer Ahmad und den Westen der Provinz Fars umfasste [1]. Die Könige des 2. Jahrtausends v. Chr. nannten sich nach beiden Landesteilen "König von Anschan und Susa" [5]. Das Penn Museum beschreibt, wie König Untaš-Napiriša darum rang, das Hochland in ein Reich mit dem Schwerpunkt in der Susiana-Ebene einzubinden [5].
Den Namen Elam kennen wir aus dem Hebräischen und Griechischen, vor allem aus der hebräischen Bibel [1]. Sumerische Texte schrieben das Land schon in der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. mit einem Zeichen für "hoch" und dem Zeichen für "Land" [1]. Die Elamer selbst nannten ihr Land Haltamti. Diese Eigenbezeichnung ist zuerst im 18. Jahrhundert v. Chr. unter König Siwe-Palar-Khuppak belegt [1].
Die Epochen im Überblick
Die Forschung teilt die Geschichte Elams in vier große Abschnitte ein. Die Grenzen zwischen ihnen sind umstritten, deshalb nennen Überblicksdarstellungen oft zwei oder mehr Datierungen. Die World History Encyclopedia setzt die altelamische Zeit zum Beispiel auf etwa 2700 bis 1600, die mittelelamische auf etwa 1500 bis 1100 und die neuelamische auf etwa 1100 bis 539 v. Chr. [1, 12]:
| Epoche | Zeitraum | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Protoelamische Zeit | 3200 bis 2900 v. Chr. | Zentren Susa und Anschan (Tal-i Malyan), eigene, bis heute nicht entzifferte Schrift |
| Altelamische Zeit | 2600 bis 1900 v. Chr. (auch 2100 bis 1600 v. Chr.) | Dynastien von Awan und Šimaški, Kriege mit Akkad und Ur |
| Mittelelamische Zeit | 1900 bis 1100 v. Chr. (auch 1600 bis 1150 v. Chr.) | Bau von Tschoga Zanbil, Feldzüge nach Babylonien |
| Neuelamische Zeit | 800 bis 646 v. Chr. (auch 1000 bis 600 v. Chr.) | Kriege mit Assyrien, Ende des Königtums |
Die protoelamische Kultur brach um 2600 v. Chr. zusammen [1]. Zwischen ihr und den späteren Reichen liegt eine Phase, aus der vor allem Gefäße aus Chlorit und Steatit erhalten sind. Ein Herstellungszentrum lag in Tepe Yahya im Südosten Irans [1].
Awan, Šimaški und die Nachbarn in Mesopotamien
Die Geschichte Elams ist zu einem großen Teil eine Geschichte der Kriege mit Mesopotamien. Um 2450 v. Chr. eroberte Eannatum von Lagaš Elam [1]. Ab etwa 2300 v. Chr. führte Sargon von Akkad Feldzüge gegen das Land. Sein Enkel Naram-Sin schloss einen Vertrag mit einem König der Dynastie von Awan, der später gebrochen wurde [1]. Mehr über dieses erste Großreich steht im Artikel Akkad: das erste Großreich.
Als das Reich von Akkad zerfiel, nutzte das der letzte König von Awan, Puzur-Inšušinak. Er brachte große Teile des Gebiets unter seine Kontrolle und kämpfte gegen Ur-Nammu, den Begründer der dritten Dynastie von Ur [1]. Um 2100 v. Chr. nahm Ur-Nammu Susa ein [1]. Die Dynastie von Šimaški drehte das Verhältnis wieder um. Ihre Könige schlossen sich einer Koalition gegen Ur an, plünderten um 1950 v. Chr. die Stadt und führten König Ibbi-Sin in die Berge. Damit endete die dritte Dynastie von Ur [1].
Schrift und Sprache
Elam hatte im Lauf seiner Geschichte drei Schriften. Die protoelamische Schrift der Zeit um 3200 bis 2900 v. Chr. ist bis heute nicht entziffert [1]. Mit Puzur-Inšušinak verbindet die Forschung die sogenannte Strichschrift, auch Linear-Elamisch genannt. Je nach Zählung sind zwischen 21 und 51 Inschriften und Bruchstücke bekannt [1, 10]. Im Jahr 2022 veröffentlichte der französische Archäologe François Desset mit Kollegen eine Entzifferung dieser Schrift. Fachleute bewerten sie unterschiedlich: Einige sehen darin einen wichtigen Durchbruch, andere warten auf ausführliche Übersetzungen [10, 11].
Später schrieben die Elamer ihre Sprache mit der Keilschrift aus Mesopotamien. Das zeigen etwa die gestempelten Ziegel von Untaš-Napiriša, die in elamischer Sprache, aber in mesopotamischer Keilschrift beschriftet sind [5]. Das Elamische selbst ist mit keiner anderen Sprache des Alten Orients verwandt [1]. Wie die Schrift in Mesopotamien entstand und sich verbreitete, erklärt der Artikel Die Erfindung der Schrift.
Untaš-Napiriša und Tschoga Zanbil
Der bekannteste Bau Elams ist der Stufentempel von Tschoga Zanbil in der heutigen Provinz Chuzestan [6]. König Untaš-Napiriša gründete dort eine neue Stadt mit dem Namen Dur Untaš, also "Stadt des Untaš" [1, 5]. Wann er regierte, ist unsicher. Das Penn Museum nennt die Jahre um 1275 bis 1240 v. Chr., der Louvre datiert eine Stele des Königs auf 1345 bis 1305 v. Chr., und auch die Zeit um 1250 v. Chr. ist in der Literatur verbreitet [5, 9, 6].

Der König ließ seinen ersten Stufentempel dort wieder abreißen und durch einen viel größeren ersetzen. Nach dem Penn Museum war das der größte Bau dieser Art im Alten Orient [5]. Geweiht war er dem Stadtgott von Susa, Inšušinak, und Napiriša, dem obersten Gott des Hochlands von Anschan [5]. Die Zikkurat maß rund 105 Meter an jeder Seite und war etwa 53 Meter hoch. Heute ist sie noch 24,75 Meter hoch [6]. Von den 5.257 gefundenen beschrifteten Ziegeln tragen 67 einen akkadischen Text, die übrigen einen elamischen [6]. In jeder elften Reihe der äußeren Ziegel trug ein Stempel eine Inschrift [5].
Nach dem Tod des Königs wurde die Stadt nach Angaben des Penn Museums weitgehend verlassen [5]. Eine große Stele aus Sandstein, 262 Zentimeter hoch, brachte man im 12. Jahrhundert v. Chr. von Tschoga Zanbil nach Susa. Sie steht heute im Louvre [9]. Ausgegraben hat die Anlage vor allem Roman Ghirshman, in sechs Kampagnen zwischen 1951 und 1962 [6]. 1979 nahm die UNESCO Tschoga Zanbil als erste Stätte Irans in die Liste des Welterbes auf [6].
Der Beutezug nach Babylonien
Auf dem Höhepunkt der mittelelamischen Zeit griffen die Könige Elams Babylonien an. Šutruk-Nahhunte, dessen Regierungszeit der Louvre auf etwa 1185 bis 1160 v. Chr. und andere Darstellungen auf 1185 bis 1155 v. Chr. datieren, eroberte viele babylonische Orte, darunter Babylon und Sippar [3, 1]. Er nahm berühmte Denkmäler als Beute mit nach Susa [3, 4].

Das bekannteste Stück ist die Stele mit den Gesetzen Hammurabis. Sie wurde Jahrhunderte nach ihrer Entstehung als Kriegsbeute nach Susa gebracht [3]. Französische Archäologen fanden sie dort 1901 bis 1902, heute steht sie im Louvre [2, 3]. Die Basaltstele ist 225 Zentimeter hoch [2]. Was auf ihr steht, erklärt der Artikel Der Codex Hammurabi.
Auch die Siegesstele des Naram-Sin von Akkad, entstanden um 2250 v. Chr., kam auf diesem Weg nach Susa. In einer Inschrift auf der Stele erklärt Šutruk-Nahhunte, er habe sie aus Sippar mitgebracht [4]. Gefunden wurde sie am 6. April 1898 auf der Akropolis von Susa. Sie ist 200 Zentimeter hoch [4].
Der lange Niedergang
Am Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr. verlor der elamische König Hutelutuš-Inšušinak gegen Nebukadnezar I. von Babylon [1]. Danach werden die Quellen für lange Zeit spärlich. Erst ab König Humban-igaš I. in der Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. wissen wir wieder mehr, weil Elam nun mit Assyrien in Konflikt geriet und assyrische Texte darüber berichten. Residenz war oft die Stadt Madaktu [1].
Elam mischte sich in die Kämpfe um Babylon ein. 721 v. Chr. half es Merodach-Baladan aus dem Stamm Bit Jakin, König von Babylon zu werden [1]. Den Kampf gegen Assyrien verlor das Land. Um 646 v. Chr. beendete der assyrische König Assurbanipal das elamische Königtum [1]. Dabei zerstörte er nach verbreiteter Annahme auch Susa und Tschoga Zanbil. Manche Forschende setzen das Ende der Besiedlung von Tschoga Zanbil schon ins späte 12. Jahrhundert v. Chr. [6]. Wie Assyrien zu dieser Macht kam, steht im Artikel Assyrien.
Elam im Perserreich
Im 6. Jahrhundert v. Chr. wurde Elam eine Provinz, eine Satrapie, des Perserreichs [1]. Susa blieb eine wichtige Residenz. Die elamische Sprache verschwand dabei nicht. Sie war eine der Amtssprachen des Perserreichs, und Dareios I. ließ die meisten seiner Inschriften auf Altpersisch, Elamisch und Babylonisch schreiben [1].

Wie selbstverständlich Elamisch in der Verwaltung war, zeigt ein Fund aus Persepolis. 1933 entdeckten Archäologen der Universität Chicago in kleinen Räumen der Befestigungsmauer schätzungsweise 15.000 bis 30.000 Tontafeln und Bruchstücke. Mindestens 10.000 davon sind in elamischer Keilschrift geschrieben [7]. Die Tafeln stammen aus den Jahren um 509 bis 494 v. Chr., also aus der Mitte der Regierungszeit Dareios' I. Sie sind die Akten eines regionalen Verwaltungsbüros [7]. Die Griechen nannten das Gebiet später Elymais, unter den Parthern gewann es noch einmal politische Bedeutung [1]. Mehr zu den Achämeniden steht im Artikel Das Perserreich.
Elam und Susa in der Bibel
Die hebräische Bibel kennt Elam als fernes Land im Osten [1]. Im Buch Daniel beschreibt der Erzähler eine Vision, die er "zu Schloß Susan im Lande Elam, am Wasser Ulai" hatte. So steht es in der Lutherbibel von 1912 im 8. Kapitel [8]. Auch das Buch Esther spielt am persischen Hof in Susa. Die Einführung dazu steht auf bibel.domain-root.de: Das Buch Esther, die zum Propheten Daniel auf Der Prophet Daniel.
Die wichtigsten Daten
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| 3200 bis 2900 v. Chr. | protoelamische Kultur mit eigener Schrift [1] |
| um 2450 v. Chr. | Eannatum von Lagaš erobert Elam [1] |
| um 2250 v. Chr. | Siegesstele des Naram-Sin von Akkad entsteht [4] |
| um 2100 v. Chr. | Ur-Nammu von Ur nimmt Susa ein [1] |
| um 1950 v. Chr. | Šimaški-Könige plündern Ur [1] |
| 13. oder 14. Jh. v. Chr. | Untaš-Napiriša baut Dur Untaš (Tschoga Zanbil) [5, 6, 9] |
| etwa 1185 bis 1160 oder 1155 v. Chr. | Šutruk-Nahhunte, Beute aus Babylonien kommt nach Susa [3] |
| Ende 12. Jh. v. Chr. | Niederlage gegen Nebukadnezar I. [1] |
| um 646 v. Chr. | Assurbanipal beendet das elamische Königtum [1] |
| 6. Jh. v. Chr. | Elam wird Satrapie des Perserreichs [1] |
| um 509 bis 494 v. Chr. | elamische Verwaltungstafeln in Persepolis [7] |
Den größeren Zusammenhang der Reiche zwischen Mittelmeer und Iran beschreibt der Artikel Der Alte Orient.
- Elam (Altertum). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Code de Hammurabi, roi de Babylone (Stele, Inventar Sb 8). Musée du Louvre. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation The Code of Hammurabi. Musée du Louvre. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Stèle de Naram-Sin (Inventar Sb 4). Musée du Louvre. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Philip Jones: An Elamite Inscribed Brick (Expedition Magazine 56, Nr. 3). Penn Museum, University of Pennsylvania. Stand Dezember 2014. abgerufen am 29.10.2026
- Chogha Zanbil. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Persepolis Fortification Archive. University of Southern California, West Semitic Research Project. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Daniel 8 (Lutherbibel 1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Stèle du roi Untash Napirisha. Musée du Louvre. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Linear Elamite. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- The decipherment of Linear Elamite (Besprechung). Language Log, University of Pennsylvania. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Elam Timeline. World History Encyclopedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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