Antike und AltertumRatgeber
Das Perserreich: Aufstieg, Verwaltung und Ende der Achämeniden
Das erste Perserreich der Achämeniden entstand ab 550 v. Chr., als Kyros II. das Mederreich übernahm, und endete 330 v. Chr. mit dem Tod Dareios' III. Seine größte Ausdehnung erreichte es um 500 v. Chr. unter Dareios I. Später knüpften die Sassaniden von 224 bis 651 n. Chr. an diese Tradition an.

Das Perserreich der Achämeniden war das erste Reich, das den ganzen Vorderen Orient umfasste [1]. Es entstand in der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. im Südwesten des heutigen Iran und erreichte um 500 v. Chr. unter Dareios I. seine größte Ausdehnung [1]. Sein Ende kam 330 v. Chr., als der letzte König Dareios III. auf der Flucht vor Alexander dem Großen ermordet wurde [1, 8]. Mehr als acht Jahrhunderte später berief sich die persische Dynastie der Sassaniden auf dieses Erbe [1].
Kyros II. gründet das Reich
Kyros II. regierte etwa von 559 bis 530 v. Chr. [1]. Im Jahr 550 v. Chr. übernahm er das Reich der Meder und nahm deren Hauptstadt Ekbatana ein [1]. Wer die Meder waren, erklärt der Beitrag über die Meder. Danach zog Kyros nach Westen gegen das Königreich Lydien in Kleinasien. Dessen Hauptstadt Sardes fiel nach der Übersicht zum Achämenidenreich wahrscheinlich 541 v. Chr., nach anderer Datierung schon 546 v. Chr. [1]. Im Jahr 539 v. Chr. kam Babylon unter persische Herrschaft [1], nach der Darstellung auf Livius.org im Oktober [2].
Ob die Könige vor Dareios I. schon Achämeniden genannt werden sollten oder nach einem Vorfahren Teispiden, diskutiert die Forschung bis heute [1].
Der Kyros-Zylinder
Aus Babylon stammt ein Tonzylinder mit einer Inschrift in Keilschrift, der 1879 gefunden wurde und heute im British Museum liegt (Inventarnummer BM 90920) [2]. Kyros schildert darin die Einnahme Babylons und stellt sich als vorbildlichen Herrscher dar. Dabei nutzt er die gleichen Formeln, mit denen sich vor ihm babylonische und assyrische Könige rühmten [2]. Der Text erwähnt die Wiederherstellung von Tempeln sowie die Rückkehr von Verschleppten und von Götterstatuen in ihre Heimatorte [2].
Oft wird der Zylinder als erste Erklärung der Menschenrechte bezeichnet. Livius.org hält das für eine moderne Deutung, die den formelhaften Charakter des Textes übersieht. Belege für eine neue Politik der Toleranz unter Kyros gebe es nicht, und die Juden nenne der Zylinder nicht [2]. Eine Rückkehr der Juden aus Babylon erzählt dagegen die Bibel: Nach Esra 1 erlaubte "Kores, der König in Persien" in seinem ersten Jahr, nach Jerusalem zu ziehen und den Tempel wieder aufzubauen [10]. Wie das Buch Esra entstand und was es berichtet, erklärt die Einführung Das Buch Esra auf bibel.domain-root.de.
Kambyses und Dareios I.
Kyros' Sohn Kambyses II. brach 526/525 v. Chr. zum Feldzug nach Ägypten auf [1]. Nach seinem Tod kam es zu einem Machtkampf, aus dem Dareios I. als König hervorging. Er regierte von 522 bis 486 v. Chr. [4]. Seine Sicht der Dinge ließ er in einer Felswand bei Behistun im Westen Irans festhalten, etwa 100 Meter über dem Boden [4]. Die Inschrift steht in drei Sprachen, Altpersisch, Babylonisch und Elamisch. Darin heißt es, der Gott Ahuramazda habe Dareios dazu bestimmt, 522 v. Chr. den Thronräuber Gaumata zu stürzen. Danach habe er mehrere Aufstände niedergeschlagen und 520 bis 519 v. Chr. äußere Feinde besiegt [4].
Ende 521 v. Chr. war im Reich wieder Ruhe eingekehrt [1]. Ahura Mazda ist der einzige Gott, den die frühen Königsinschriften der Achämeniden namentlich nennen [1].
Satrapien, Steuern und Münzen
Dareios ordnete die Verwaltung neu. Nach Herodot teilte er das Reich in zwanzig Provinzen, die Satrapien, setzte über jede einen Statthalter und legte fest, wie viel jedes Volk an Tribut zahlte [6]. Unter Kyros und Kambyses habe es feste Abgaben noch nicht gegeben, nur Geschenke [6]. Herodot überliefert dazu einen Spott der Perser: Sie nannten Kyros einen Vater, Kambyses einen Herrn und Dareios einen Krämer, weil er an allem verdiente [6].
Seit Dareios I. gab es mit dem Dareikos eine einheitliche Währung [1]. Nach Herodot ließ Dareios Gold von besonderer Reinheit zu Münzen prägen [11]. Die Verwaltung schrieb lange auf Elamisch. Erst nach der Zeit Artaxerxes' I. trat Aramäisch an seine Stelle [1]. Die Landwirtschaft war die Grundlage der Wirtschaft, bewässert auch durch unterirdische Kanäle, die Qanate [1]. Handel lief über große Städte wie Babylon, Susa und Tyros [1]. Unter Dareios wurde aus dem Aufgebot der Untertanen eine Art stehendes Heer mit Garnisonen. Die bekannteste Truppe waren die "Unsterblichen" mit 10.000 Mann, darunter eine Leibwache von 1.000 Mann [1].
Die Königsstraße
Herodot beschreibt eine Straße, die von Sardes in Kleinasien bis nach Susa im Südwesten Irans führte. Sie hatte 111 Raststationen und war insgesamt 450 Parasangen lang [5]. Bei 150 Stadien am Tag brauchte ein Reisender nach seiner Rechnung 90 Tage für die ganze Strecke [5].

| Herrscher | Regierungszeit | Was über ihn bekannt ist |
|---|---|---|
| Kyros II. | etwa 559 bis 530 v. Chr. | Meder 550, Babylon 539 v. Chr. |
| Kambyses II. | bis 522 v. Chr. | Feldzug nach Ägypten 526/525 v. Chr. |
| Dareios I. | 522 bis 486 v. Chr. | Behistun-Inschrift, Satrapien, Persepolis |
| Xerxes I. | 486 bis 465 v. Chr. | Feldzug gegen Griechenland 480 v. Chr. |
| Dareios III. | 336 bis 330 v. Chr. | Niederlagen gegen Alexander, ermordet 330 v. Chr. |
Die Angaben stammen aus den Übersichten zum Achämenidenreich, zu den Perserkriegen und zu Dareios III. sowie von Livius.org [1, 4, 7, 8].
Persepolis
Dareios ließ in der Persis eine neue Residenz bauen, Persepolis. Der erste Bauabschnitt dauerte vielleicht von 518 bis 490 v. Chr. [3]. Die Stadt war der zeremonielle Sitz der Regierung, hier fanden Empfänge und Feste statt, und die Schatzkammer verwahrte Beute und Tribut [3]. Im Zentrum der Terrasse stand die Apadana, eine quadratische Audienzhalle mit 72 Säulen von etwa 25 Metern Höhe. Dreizehn davon stehen noch [3].

In Persepolis fanden Archäologen das größte Keilschriftarchiv des Ortes, die Täfelchen der Festungsmauer. Es umfasst 25.000 bis 30.000 Tontafeln, von denen etwa 2.000 veröffentlicht sind [3]. Sie sind auf Elamisch geschrieben und halten wirtschaftliche Vorgänge bis 493 v. Chr. fest, als man noch in Naturalien bezahlte [3].
Die Kriege gegen die Griechen
Von 500 bis 494 v. Chr. erhoben sich die griechischen Städte in Kleinasien gegen die persische Herrschaft, 499 v. Chr. brannte Sardes [7]. Im Jahr 490 v. Chr. landete ein persisches Heer bei Marathon und wurde von Athenern und Plataiern geschlagen [7]. Dareios starb 486 v. Chr., sein Sohn Xerxes bereitete einen größeren Feldzug vor [7].
Im Jahr 480 v. Chr. zog Xerxes nach Griechenland. Am Pass der Thermopylen fiel der spartanische König Leonidas, im Herbst nahmen die Perser Athen ein und brannten es nieder [7]. Noch im selben Jahr siegte die griechische Flotte bei Salamis, 479 v. Chr. folgten die Siege bei Plataiai und Mykale [7]. Herodots Zahlen für das persische Heer, etwa 1.207 Kriegsschiffe, hält die heutige Forschung für stark übertrieben. Bei Plataiai rechnet sie mit 30.000 bis 40.000 Griechen und etwa 60.000 Persern [7]. Die griechische Seite dieser Kriege beschreibt der Beitrag über das antike Griechenland.
Alexander beendet das Achämenidenreich
Dareios III. regierte von 336 bis 330 v. Chr. [8]. Gegen Alexander verlor er im Mai 334 v. Chr. am Granikos, im November 333 v. Chr. bei Issos und am 1. Oktober 331 v. Chr. bei Gaugamela [8, 12]. Bei Issos floh Dareios vom Schlachtfeld, und seine Familie geriet in Gefangenschaft [8]. Anfang 330 v. Chr. nahm Alexander Persepolis ein. Im April ließ er mehrere Paläste zerstören, am schwersten traf es offenbar den Palast des Xerxes [3].
Dareios floh nach Ekbatana. Im Juli 330 v. Chr. erstachen ihn Adlige um den Satrapen Bessos bei Hekatompylos, Bessos rief sich danach selbst zum König aus [8]. Alexander ließ Dareios in den Königsgräbern von Persepolis bestatten. Sein Grab wurde nie gefunden [8]. Mehr über den Eroberer steht im Lebensbild Alexander der Große.
Das zweite Perserreich der Sassaniden
Von den Achämeniden blieb vor allem die Verwaltung. Das System der Satrapien hielt sich noch Jahrhunderte, während der kulturelle Einfluss des Reiches auf andere Regionen begrenzt blieb [1]. Die Keilschrift der Königsinschriften, darunter die von Behistun, entzifferten Gelehrte im 19. Jahrhundert, und Grabungen in Persepolis und Pasargadai liefen bis ins 20. Jahrhundert [1]. Iranische Nationalisten beziehen sich bis heute auf das alte Reich und idealisieren dabei oft Persepolis [1].

Nach Alexander herrschten in Iran zunächst makedonische Nachfolger, dann die Parther. Im Jahr 224 n. Chr. tötete Ardaschir I. den letzten Partherkönig Artabanos IV. und gründete das Reich der Sassaniden. Um 226 n. Chr. nahm er Ktesiphon ein, das zur wichtigsten Residenz wurde [9]. Ardaschir trat als Förderer des Zoroastrismus auf, und der Staat stützte sich stark auf dessen Priesterschaft [9]. Mit Rom und später mit Byzanz führten die Sassaniden über weite Strecken ihrer Geschichte Krieg, dazwischen lagen lange Phasen mit Verhandlungen und Frieden [9].
Die Blütezeit fiel in die Regierung Chosraus I. von 531 bis 579 n. Chr. [9]. Im 7. Jahrhundert unterlagen die Sassaniden den arabischen Heeren, 638 n. Chr. bei Kadesia und 642 n. Chr. bei Nehawend [9]. Mit dem Tod des letzten Großkönigs Yazdegerd III. endete die Dynastie 651 n. Chr. [9]. Wie es weiterging, erzählt der Beitrag über die islamische Expansion.
- Achämenidenreich. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Cyrus Cylinder. Livius.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Jona Lendering: Persepolis. Livius.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Jona Lendering: Behistun. Livius.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Herodot: Historien 5,52 bis 5,54 (englische Übersetzung von A. D. Godley). Perseus Digital Library, Tufts University (Perseids). Stand 1920. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Herodot: Historien 3,89 (englische Übersetzung von A. D. Godley). Perseus Digital Library, Tufts University (Perseids). Stand 1920. abgerufen am 29.10.2026
- Perserkriege. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Dareios III.. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Sassanidenreich. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Esra 1 (Lutherbibel 1912). eBible.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Herodot: Historien 4,166 (englische Übersetzung von A. D. Godley). Perseus Digital Library, Tufts University (Perseids). Stand 1920. abgerufen am 29.10.2026
- Jona Lendering: Gaugamela, 331 BCE. Livius.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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