Antike und AltertumRatgeber
Die Meder: vom Bergvolk im Zagros zur Macht neben Babylon
Die Meder waren ein iranisches Volk im Westen des heutigen Iran mit der Hauptstadt Ekbatana, dem heutigen Hamadan. Unter König Kyaxares zerstörten sie zusammen mit Babylon 614 und 612 v. Chr. die assyrischen Städte Assur und Ninive. Um 550 v. Chr. verlor ihr letzter König Astyages die Herrschaft an den Perser Kyros II.

Die Meder lebten im Bergland des Zagros im Westen des heutigen Iran. Ihre Hauptstadt war nach Herodot Ekbatana, das heutige Hamadan [3, 7]. Für kurze Zeit gehörten sie zu den großen Mächten des Alten Orients: Mit Babylon zerstörten sie im 7. Jahrhundert v. Chr. das Assyrische Reich, um 550 v. Chr. gingen sie im Reich des Persers Kyros auf [1, 2]. Wie groß und wie fest gefügt ihr Staat war, ist in der Forschung umstritten [5]. Eigene Texte haben die Meder nicht hinterlassen [5].
Woher wir von den Medern wissen
Was über die Meder bekannt ist, stammt aus drei Richtungen. Die erste sind Keilschrifttexte ihrer Nachbarn, vor allem assyrische Königsinschriften und babylonische Chroniken [5]. Die zweite ist der griechische Geschichtsschreiber Herodot, der im 5. Jahrhundert v. Chr. lebte und als Einziger eine zusammenhängende Geschichte der Meder erzählt [1]. Die dritte sind Ausgrabungen im westlichen Iran [3].
Herodots Bericht hat die Vorstellung von einem großen medischen Reich bis in die frühen 1980er Jahre geprägt. Archäologie und Münzfunde haben dieses Bild seither verändert [5]. Heute rechnet die Forschung mit einem medischen Königtum, das mindestens bis in die erste Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. bestand. Ob es ein Reich im Sinne des späteren Perserreichs war, wird bestritten [5]. Manche Fachleute bezweifeln, dass es überhaupt ein mächtiges medisches Königreich gab [3, 7].
Erste Spuren in assyrischen Texten
Die Meder erscheinen im 9. Jahrhundert v. Chr. in assyrischen Quellen [3]. Der assyrische König Salmanassar III. griff 834 v. Chr. Orte in einem Land namens Amadaya an, das als Medien gedeutet wird [3]. Sein Nachfolger Schamschi-Adad V. kämpfte 819 oder 818 v. Chr. gegen einen medischen Herrscher namens Hanaşiruka [3].

Unter Sargon II. rückte Assyrien dauerhaft in den Westiran vor. Im Jahr 716 v. Chr. legte er Festungen in Harhar und Kišesim an. Seine Inschriften zählen mindestens 55 medische Fürstentümer auf [3]. Die Meder lebten demnach in vielen kleinen Herrschaften, jede mit einem eigenen Stadtherrn. Diese Stadtherren schworen später den assyrischen Königen Asarhaddon und Assurbanipal Treueeide. Zum letzten Mal erwähnt eine Inschrift Assurbanipals sie für einen Feldzug im Jahr 656 v. Chr. [3]. Wie das assyrische Reich aufgebaut war, beschreibt der Artikel über Assyrien.
Deiokes: Gründer oder Legende?
Herodot erzählt, die Meder hätten in Dörfern unter eigenen Herren gelebt. Ein Mann namens Deiokes sei als gerechter Richter bekannt geworden. Als er sich zurückzog, hätten Diebstahl und Unordnung zugenommen, und die Meder hätten ihn zum König gewählt [4]. Nach Herodot regierte er 53 Jahre und ließ Ekbatana mit sieben Mauerringen in verschiedenen Farben bauen [4]. Heutige Historiker halten diesen Bericht für eine Mischung aus griechischen und orientalischen Erzählungen [4].
In den Annalen Sargons II. taucht ein Daiukku auf, ein Statthalter in einem Grenzbezirk zwischen dem Land der Mannäer und Assyrien. Er verbündete sich mit dem König von Urartu, wurde von Sargon gefangen genommen und 715 v. Chr. mit seiner Familie nach Syrien verbannt [4]. Ob er der Deiokes Herodots ist, bleibt offen. Gegen die Gleichsetzung spricht, dass Daiukku am Urmiasee wirkte und nicht im Gebiet der Meder [4]. Die Vorschläge für die Regierungszeit des Deiokes gehen weit auseinander:
| Wer datiert | Regierungszeit des Deiokes |
|---|---|
| Herodot | 700 bis 647 v. Chr. |
| George G. Cameron | 728 bis 675 v. Chr. |
| Igor Diakonoff | 700 bis 678 v. Chr. |
| Edwin Grantowski | 672 bis 640 v. Chr. |
Die Zahlen der Tabelle stammen aus der Übersicht zu Deiokes [4]. Diakonoff hielt Deiokes für einen von vielen medischen Fürsten, den erst seine Nachfolger berühmt machten [4]. Um den Nachbarn im Norden, mit dem Daiukku sich verbündete, geht es im Artikel Urartu: das Reich am Vansee.
Kyaxares und das Ende Assyriens
Nach Herodot folgte auf Deiokes sein Sohn Phraortes, der im Kampf gegen die Assyrer fiel, und auf diesen Kyaxares [1]. Kyaxares regierte wohl etwa von 625 bis 585 v. Chr., Herodot gibt ihm 40 Jahre [1]. Er soll das Heer in Speerträger, Bogenschützen und Reiter gegliedert haben [1]. Herodot berichtet außerdem von einer 28 Jahre langen Herrschaft der Skythen über Asien, die Kyaxares mit einem Gastmahl beendet habe, bei dem er die betrunkenen Skythenführer töten ließ. Der Historiker Jona Lendering hält die 28 Jahre für sehr unwahrscheinlich [1].
Verlässlicher ist eine babylonische Keilschrifttafel, die Chronik vom Fall Ninives. Sie nennt Kyaxares unter dem Namen Umakištar. Im Sommer 614 v. Chr. zerstörte er Assur, die religiöse Hauptstadt Assyriens, das babylonische Heer kam zu spät zur Schlacht [1]. Danach verbündeten sich Kyaxares und der Babylonierkönig Nabopolassar [1]. Im Jahr 612 v. Chr. belagerten sie Ninive drei Monate lang, von Mai/Juni bis Juli/August. In dieser Zeit starb der assyrische König Sin-šar-iškun [1]. Danach zog Kyaxares mit seinem Heer heim [1]. Wie Babylon danach zur Großmacht wurde, steht im Artikel über Babylonien.
Krieg mit Lydien und die Sonnenfinsternis
Unter Kyaxares erreichte der medische Machtbereich seine größte Ausdehnung. Perser, Armenier, Parther und Arier zahlten Tribut, Armenien kam nach 609 und wohl vor 605 v. Chr. hinzu [1]. Im Westen stießen die Meder auf das Königreich Lydien in Kleinasien. Herodot beschreibt fünf Jahre Krieg gegen den Lyderkönig Alyattes [1]. Eine Schlacht brach ab, als sich der Himmel verdunkelte. Thales von Milet soll diese Sonnenfinsternis vorhergesagt haben [1]. Die Forschung setzt sie auf den 28. Mai 585 v. Chr. [1, 5].

Den Frieden vermittelten nach Herodot der König von Kilikien und ein Herrscher aus Babylon. Besiegelt wurde er mit einer Heirat: Aryenis, die Tochter des Alyattes und Schwester des späteren Königs Krösus, heiratete den medischen Kronprinzen Astyages [1, 2]. Über das Lyderreich und seinen berühmten König Krösus informiert der Artikel Phryger und Lyder.
Astyages und Kyros
Astyages, der Sohn des Kyaxares, war der letzte König der Meder. Herodot gibt ihm 35 Regierungsjahre, was auf einen Beginn um 585/584 v. Chr. führt [2]. Herodot erzählt eine farbige Geschichte: Astyages habe nach einem Traum befohlen, seinen Enkel Kyros zu töten, der Höfling Harpagos habe das Kind aber einem Hirten übergeben. Jahre später sei Harpagos mit dem Heer zu Kyros übergelaufen [2]. Lendering nennt den ersten Teil dieser Erzählung ein Märchen [2].
Belegt ist das Ende. Die babylonische Nabonid-Chronik meldet für das sechste Jahr des Königs Nabonid, zwischen März 550 und März 549 v. Chr., dass Astyages gegen Kyros, den König von Anšan, zog. Sein Heer meuterte und lieferte ihn in Fesseln an Kyros aus [2]. Kyros zog nach Ekbatana und brachte Silber, Gold und andere Schätze nach Anšan [2]. Eine Inschrift setzt den Sturz des Astyages dagegen schon auf 554/553 v. Chr. [2]. Andere Darstellungen nennen 553 v. Chr. als Beginn des Aufstands und 550 v. Chr. als Jahr der Entscheidung [3].
Die Meder im Perserreich
Nach dem Sieg des Kyros standen die Meder unter der Herrschaft der eng verwandten Perser, behielten aber eine herausgehobene Stellung [3]. Reliefs in Persepolis aus der Zeit um 515 v. Chr. zeigen Meder in bevorzugter Rolle [3]. Die Griechen nannten eine persienfreundliche Haltung später "medisieren" [3]. Medien wurde eine Provinz, eine Satrapie. Herodot nennt als ihre Abgabe 450 Talente Silber [5]. Im Jahr 522 v. Chr. erhob sich ein Meder namens Phraortes gegen Dareios I. und berief sich auf Kyaxares als Vorfahren [1]. Wie das Reich der Achämeniden aufgebaut war, zeigt der Artikel zum Perserreich.
Auch die Bibel kennt die Meder. Im Buch Daniel ist mehrfach vom Recht "der Meder und Perser" die Rede, "welches niemand aufheben darf" [6]. Mehr zu diesem Buch steht auf bibel.domain-root.de im Beitrag Der Prophet Daniel.
Sprache, Stämme und Religion
Ein medischer Text ist nicht erhalten. Was über die Sprache bekannt ist, stammt aus Eigennamen in fremden Quellen [5]. Meist gilt Medisch als altiranische Sprache, die Assyriologin Karen Radner hat diese Zuordnung jedoch angezweifelt [5]. Herodot zählt sechs medische Stämme auf, darunter die Magier, die als Priesterstand galten [3, 7]. Medien war vor allem als Heimat der Magier bekannt [5].

Welche Religion die Meder hatten, lässt sich nur aus Funden erschließen. In Tepe Nush-i Jan legte der Archäologe David Stronach zwischen 1967 und 1977 ein Gebäude aus der Zeit um 750 v. Chr. frei, das wahrscheinlich einen Feueraltar enthielt [3]. Godin Tepe, ab 1965 untersucht, war vielleicht der befestigte Sitz eines medischen Herrschers [3]. Ob Kyaxares oder Astyages schon einer Lehre im Sinne Zarathustras folgten, wie Igor Diakonoff vermutete, ist nicht geklärt [3].
- Studie Jona Lendering: Cyaxares. Livius.org. Stand 09.05.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Jona Lendering: Astyages. Livius.org. Stand 27.04.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Medes. Wikipedia (englisch). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Deioces. Wikipedia (englisch). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Meder (Volk). Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Daniel 6 (Lutherbibel 1912). eBible.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Jona Lendering: Medes. Livius.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
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