Antike und AltertumRatgeber
Das alte Südarabien: Saba, Marib und die Weihrauchstraße
Saba war ein Königreich im Südwesten der Arabischen Halbinsel, im heutigen Jemen, mit der Hauptstadt Marib. Die sabäische Kultur bestand ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. rund 1.500 Jahre und kontrollierte einen großen Teil des Weihrauchhandels. Um 275 n. Chr. eroberte das Nachbarreich Himyar Saba endgültig.

Im Südwesten der Arabischen Halbinsel, im heutigen Jemen, lag eines der wohlhabendsten Reiche der antiken Welt. Die Hochkultur der Sabäer bestand dort nach Bild der Wissenschaft ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. rund 1.500 Jahre lang [2]. Ihre Hauptstadt Marib lag in einer künstlich bewässerten Oase am Rand der Wüste und war ein Knotenpunkt der Weihrauchstraße [1, 2, 4]. Neben Saba gab es weitere Königreiche in der Region, die miteinander um Land und Handel konkurrierten. Wie Saba in die Welt des Vorderen Orients passt, zeigt die Seite Der Alte Orient.
Was wir über Saba wissen
Die wichtigsten Quellen sind Inschriften. Das Sabäische, die bedeutendste Sprache des alten Südarabien, wurde etwa von 1000 v. Chr. bis 600 n. Chr. gesprochen und ist durch rund 6.000 bekannte Inschriften belegt, die meisten in Stein und Bronze gemeißelt oder gegossen [3]. Geschrieben wurde in der altsüdarabischen Monumentalschrift, für Urkunden gab es eine Kursivschrift. Die ältesten sabäischen Schriftzeugnisse stammen aus dem 11. oder 10. Jahrhundert v. Chr. [5]. Eine Forschungsgruppe der Universität Jena hat mehr als 1.000 dieser Texte mit fast 80.000 Wörtern übersetzt und baut daraus ein Online-Wörterbuch auf, das im September 2016 online ging [3].
Zu den bekanntesten Texten gehört ein Tatenbericht des Herrschers Yitha'amar Watar aus dem Jahr 715 v. Chr., gefunden in Sirwah [3]. Seine größte Ausdehnung erreichte Saba nach heutiger Kenntnis unter Karib'il Watar, der im 7. Jahrhundert v. Chr. regierte, nach der einen Angabe um 620 bis 600 v. Chr. [5], nach der anderen in der ersten Hälfte des Jahrhunderts [8], und unter anderem das Reich Awsan unterwarf [5]. Die Herrscher dieser Zeit trugen den Titel Mukarrib, den die englische Wikipedia mit "federator" wiedergibt, und beanspruchten damit die Vorherrschaft über andere Stämme und Reiche [5]. Wann das Reich entstand, wird unterschiedlich angesetzt, die Schätzungen reichen von etwa 1200 bis 800 v. Chr. [5].
Marib und der große Damm
In Marib wurde schon im 3. Jahrtausend v. Chr. Land bewässert [1]. Der Monsun brachte jedes Jahr kurze, heftige Hochwasser. Der große Damm, ein Erdwall von rund 650 Metern Länge und 20 Metern Höhe mit zwei Schleusenanlagen, hob das Wasser an und leitete es auf die Felder. Ein Stausee für das ganze Jahr war er nicht [1]. Wann der Damm entstand, ist umstritten. Der Bericht von Bild der Wissenschaft über die Grabungen des Deutschen Archäologischen Instituts nennt spätestens das 6. Jahrhundert v. Chr. [1]. Die englische Wikipedia hält das 8. Jahrhundert v. Chr. für die verlässlichste Datierung [7] und nennt an anderer Stelle etwa 700 v. Chr. [8]. Der heute sichtbare Nordbau geht nach dem Bericht von Bild der Wissenschaft auf Abraha im 6. Jahrhundert n. Chr. zurück [1].

Die Oase maß nach diesem Bericht 21 mal 8 Kilometer und konnte mindestens 50.000 Menschen ernähren [1]. Ein älterer Beitrag derselben Zeitschrift aus dem Jahr 2000 spricht von einer Oase mit 10.000 Hektar [2]. Das Wasser brachte viel Schlamm mit. Die Felder wuchsen dadurch um etwa einen Zentimeter im Jahr in die Höhe, nach 1.000 Jahren also um zehn Meter. Die Archäologen fanden eine 33 Meter dicke Ablagerungsschicht [1].
Über die Jahrhunderte wuchs das Bauwerk. Um 500 v. Chr. erhöhte man den Damm auf etwa sieben Meter und verstärkte die Wasserseite mit Stein. Nach der Übernahme durch Himyar wurde er auf rund 14 Meter ausgebaut, die Arbeiten zogen sich bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. hin [7]. Belegt sind eine Instandsetzung um 450 n. Chr. unter Schurahbil Ya'fur, schwere Dammbrüche 542 und 548 und eine letzte Reparatur 557 [7].
Der Damm wurde nach Hochwassern immer wieder repariert. Eine Schleuse, die heute noch zu sehen ist, ließ der aus Abessinien stammende christliche Herrscher Abraha im 6. Jahrhundert n. Chr. erneuern, wie eine Stele berichtet, die ihn als König von Saba, Hadramaut und Yamnat nennt. Bild der Wissenschaft datiert die Stele auf das Jahr 548 [1]. Um 570 oder 575 n. Chr. brach der Damm endgültig und wurde nicht mehr instand gesetzt [7]. Der Koran spielt in Sure 34, Verse 15 bis 17, auf seine Zerstörung an [7]. Die Sure trägt den Namen Saba.
Weihrauch und Fernhandel
Die Oase Marib war eine Zwischenstation der Karawanen, die zuerst Salz und später Gewürze und Weihrauch transportierten. So kontrollierte die Stadt einen einträglichen Fernhandel [1]. Die Universität Jena nennt Weihrauch und Balsam als Grundlage des sabäischen Reichtums. Die Blütezeit lag im frühen 1. Jahrtausend v. Chr., der Einfluss Sabas reichte damals bis nach Äthiopien [3].

Die UNESCO beschreibt das Reich als Macht, die einen großen Teil der Weihrauchroute über die Arabische Halbinsel beherrschte. Seine Stätten zeugen von einem Austausch mit dem Mittelmeerraum und Ostafrika [4]. Um 26 oder 25 v. Chr. belagerte ein römisches Heer unter Aelius Gallus erfolglos Marib. Danach verlagerte sich der Handel zunehmend auf den Seeweg, was Saba schwächte [5].
Nachbarreiche und Rivalen
Nach dem 6. Jahrhundert v. Chr. dehnten sich die Reiche Qataban und Hadramaut militärisch aus, Ma'in gewann wirtschaftlich an Gewicht. Saba schrumpfte auf sein Kerngebiet um Marib und Sirwah [5]. Daneben entstand das Reich Himyar. Es löste sich um 110 v. Chr. aus dem Reich Qataban, seine Hauptstadt war Zafar [6].
| Reich | Lage und Bedeutung |
|---|---|
| Saba | Kerngebiet um Marib und Sirwah, Hauptgott Almaqah |
| Qataban | dehnte sich nach dem 6. Jahrhundert v. Chr. aus, um 200 n. Chr. von Himyar erobert |
| Hadramaut | dehnte sich nach dem 6. Jahrhundert v. Chr. aus, um 300 n. Chr. von Himyar erobert |
| Ma'in | gewann nach dem 6. Jahrhundert v. Chr. wirtschaftlich an Bedeutung |
| Himyar | ab etwa 110 v. Chr. selbstständig, Hauptstadt Zafar, einigte Südarabien um 300 n. Chr. |
Ein erstes Mal unterwarf Himyar Saba schon um 25 v. Chr. [6]. Saba lebte im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. noch einmal auf, Sanaa wurde in dieser Zeit eine zweite Hauptstadt neben Marib [5]. Um 275 n. Chr. wurde es endgültig von Himyar erobert [5].
Religion
Die Sabäer verehrten wie die übrigen Südaraber viele Götter. Hauptgott Sabas war Almaqah, sein großes Heiligtum war der Tempel Awwam bei Marib [5]. Andere Götterwelten der Antike stellt die Seite Polytheismus vor.

Im Reich Himyar wurde das Judentum ab dem späten 4. Jahrhundert faktisch zur Staatsreligion. Anfang des 6. Jahrhunderts regierten zeitweise christliche Könige [6].
Himyar und das Ende der alten Reiche
Um 300 n. Chr. eroberte Himyar auch Hadramaut und vereinte damit ganz Südarabien [6]. Im 6. Jahrhundert geriet das Reich zwischen die Großmächte. Der himyarische König Dhu Nuwas verfolgte Christen, unter anderem in der Stadt Nadschran. Zwischen 525 und 530 eroberte das christliche Reich Aksum aus dem heutigen Äthiopien Himyar und setzte den König Dhu Nuwas ab [6]. 535 riss Abraha die Macht an sich, 570 nahmen die persischen Sasaniden Sanaa ein [6]. Mit der Ausbreitung des Islam im 7. Jahrhundert wurde das alte Saba endgültig aufgerieben und geriet in Vergessenheit [2]. Wie sich der Islam ausbreitete, beschreibt die Seite Die islamische Expansion.
Die Königin von Saba
Am bekanntesten ist Saba durch eine Erzählung. Die Hebräische Bibel berichtet vom Besuch einer Königin aus Saba bei König Salomo, nachzulesen im 1. Buch der Könige, Kapitel 10. Auch der Koran erzählt die Geschichte, in Sure 27. In Äthiopien heißt die Königin Makeda, in der arabisch-islamischen Überlieferung Bilqis [5]. Die Forschung hält den Besuch für eine Legende, weil die sabäischen Inschriften des frühen 1. Jahrtausends v. Chr. keine solche Gesandtschaft kennen [5]. Die Zeitschrift Bild der Wissenschaft schrieb schon 2003, die Königin sei wohl eine Legende, der Reichtum der Sabäer aber Wirklichkeit gewesen [1].
Welterbe in Gefahr
Im Januar 2023 nahm das Welterbekomitee der UNESCO die "Wahrzeichen des alten Königreichs Saba" in Marib in einem Eilverfahren in die Welterbeliste auf und setzte sie zugleich auf die Liste des gefährdeten Welterbes. Die Begründung war die drohende Zerstörung durch den andauernden Krieg [4]. Die Stätte umfasst sieben archäologische Fundorte aus der Zeit vom 1. Jahrtausend v. Chr. bis zur Ankunft des Islam um 630 n. Chr., darunter Städte mit Tempeln und Mauern. Das Bewässerungssystem von Marib schuf nach der UNESCO die größte von Menschen angelegte Oase der Antike [4]. Den modernen Staudamm bei den Ruinen eröffnete man 1986, 2015 wurde er bei einem Luftangriff beschädigt [7].
- Studie Der größte Damm der antiken Welt (Michael Zick). Bild der Wissenschaft, wissenschaft.de. Stand 01.06.2003. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Vergessene Hochkultur (Rüdiger Vaas). Bild der Wissenschaft, wissenschaft.de. Stand 01.10.2000. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Antike Sprache wird digital (Pressemitteilung). Friedrich-Schiller-Universität Jena, idw Informationsdienst Wissenschaft. Stand 21.12.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Emergency inscription of Odesa, Ma'rib and Tripoli on World Heritage List. UNESCO World Heritage Centre. Stand 25.01.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Sheba. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Himyarite Kingdom. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Marib Dam. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ancient history of Yemen. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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