Antike und AltertumRatgeber
Israel und Juda in der Antike: zwei Königreiche und ihre Quellen
Israel und Juda waren zwei benachbarte Königreiche in der südlichen Levante. Das Nordreich Israel mit der Hauptstadt Samaria fiel 722 oder 721 v. Chr. an Assyrien, das Südreich Juda mit Jerusalem 587 oder 586 v. Chr. an Babylon. Neben der Bibel berichten Inschriften aus Ägypten, Moab, Aram, Assyrien und Babylon über beide Reiche.

Israel und Juda waren zwei Königreiche im Bergland westlich des Jordan. Die Hebräische Bibel erzählt, dass das Reich Davids und Salomos nach Salomos Tod um 928 v. Chr. in ein Nordreich Israel und ein Südreich Juda zerfiel [1]. Außerhalb der Bibel sind beide Reiche erst ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. bezeugt [4, 5]. Israel fiel 722 oder 721 v. Chr. an die Assyrer, Juda 587 oder 586 v. Chr. an die Babylonier [1, 5, 11]. Was wir über beide Reiche wissen, stammt zum großen Teil aus der Hebräischen Bibel. Dazu kommen Inschriften der Nachbarn, die einzelne Könige und Ereignisse auch von außen bezeugen [3, 4, 5].
Die erste Erwähnung Israels
Der Name Israel taucht zum ersten Mal auf einer ägyptischen Stele auf. Pharao Merenptah ließ sie in seinem fünften Regierungsjahr aufstellen, um 1208 v. Chr. [2]. Der Archäologe Flinders Petrie fand sie 1896 im Totentempel Merenptahs in Theben-West. Heute steht die 3,10 Meter hohe Stele aus schwarzem Granit im Ägyptischen Museum in Kairo [2]. In Zeile 27 heißt es: "Israel ist verwüstet, seine Saat ist nicht mehr." [2]
Der Schreiber versah den Namen Israel mit dem Determinativ für ein Volk und nicht mit dem für eine Stadt oder ein Land. Israel war für die Ägypter damals also eine Menschengruppe, noch kein Staat [2, 14]. Wie solche Deutzeichen funktionieren, erklärt der Beitrag über die Hieroglyphen. Nach einer Darstellung der Bundeszentrale für politische Bildung wurde Israel um 1300 v. Chr. sesshaft [1].
Die Zeit der ersten Könige
Nach der Erzählung der biblischen Bücher Samuel und Könige bildeten die Stämme um 1000 v. Chr. ein Königreich. David aus dem Stamm Juda habe Jerusalem erobert, sein Sohn Salomo die Stadt mit dem Ersten Tempel zum Mittelpunkt ausgebaut. Nach Salomos Tod um 928 v. Chr. sei das Reich in Israel im Norden und Juda im Süden zerfallen [1]. Wie weit dieses Bild archäologisch trägt, ist umstritten: Manche Bibelwissenschaftler halten die Belege für ein ausgedehntes Königreich vor dem späten 8. Jahrhundert v. Chr. für zu schwach [11]. Wie die Bibel von David erzählt, steht auf bibel.domain-root.de im Beitrag König David.
Das älteste Zeugnis von außen für das Haus David stammt erst aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. [4]. Die Anfänge des Nordreichs reichen in die erste Hälfte des 10. Jahrhunderts v. Chr. zurück [5].
Das Haus David auf der Tel-Dan-Stele
Im Juli 1993 fanden Archäologen bei Grabungen an einer alten Mauer in Tel Dan im Norden Israels ein Bruchstück einer Stele aus Basalt. Im folgenden Jahr kamen zwei weitere Stücke hinzu, die zum ersten passen [4]. Die Inschrift stammt aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. und feiert die Siege eines aramäischen Königs. Sein Name ist nicht erhalten, die Forschung denkt an Hasael von Aram, der etwa 842 bis 806 v. Chr. regierte [4]. Der König rühmt sich, Joram von Israel und Ahasja von Juda besiegt zu haben. Dabei nennt er einen "König vom Haus David" [4]. Das ist die älteste bekannte Erwähnung des Königshauses David außerhalb der Hebräischen Bibel. Die Stele gehört dem Israel Museum in Jerusalem [4].

Das Nordreich Israel
Das Nordreich hatte mehrere Hauptstädte, nacheinander Sichem und Tirza. Um 880 v. Chr. wurde Samaria Hauptstadt [5]. Im 9. Jahrhundert v. Chr. herrschte dort die Dynastie Omris. Assyrische Texte nennen das ganze Reich nach ihm "Haus Omri" [5]. Auf dem Kurkh-Monolith meldet der assyrische König Salmanassar III. um 853 v. Chr. "Ahab den Israeliten" mit zehntausend Soldaten in einem Bündnis gegen Assyrien [5]. Auf seinem Schwarzen Obelisken ist um 841 v. Chr. König Jehu zu sehen, der Tribut bringt [5].

Auch Israels Nachbar im Osten hat eine Inschrift hinterlassen. Die Stele des Königs Mescha von Moab steht heute im Louvre in Paris. Sie ist aus Basalt, 1,25 Meter hoch und trägt 34 Zeilen in moabitischer Sprache, die dem Hebräischen sehr nahe ist [3]. Mescha ließ sie kurz nach 842 v. Chr. zur Weihe eines Heiligtums für den Gott Kamosch einmeißeln. Der Text erzählt, wie er viele moabitische Gebiete von Israel zurückeroberte [3]. Die Stele stammt aus Dhiban im heutigen Jordanien, der Louvre erwarb sie 1873 [3].
Das Ende des Nordreichs
Nach einer dreijährigen Belagerung Samarias starb der assyrische König Salmanassar V., sein Nachfolger Sargon II. meldete die Eroberung der Stadt [5]. Je nach Zählung fällt die Eroberung auf 722 oder 721 v. Chr. [1, 5]. Sargon nennt in seinen Inschriften je nach Fassung 27.280 oder 27.290 Menschen, die er aus Samaria verschleppte [5, 12]. Die Archäologen Israel Finkelstein und Neil Asher Silberman schätzen, dass in beiden Deportationen zusammen etwa 40.000 Menschen umgesiedelt wurden, rund ein Fünftel der Bevölkerung [5]. Wie Assyrien zu dieser Macht kam, steht im Beitrag über Assyrien.
Juda und der Feldzug Sanheribs
Juda bestand noch über hundert Jahre weiter. Sein Name taucht zum ersten Mal auf einer assyrischen Tontafel aus Nimrud auf, die um 733 v. Chr. entstand [11]. Im Jahr 701 v. Chr. zog der assyrische König Sanherib gegen König Hiskia von Juda [6]. Seine Annalen sind auf drei Tonprismen erhalten, die heute in London, Jerusalem und Chicago liegen [6]. Darin heißt es, er habe 46 befestigte Städte Hiskias belagert und 200.150 Menschen weggeführt [6]. Jerusalem selbst eroberte er nicht. Nach dem 2. Buch der Könige zahlte Hiskia Tribut [9].
Aus der Zeit um 700 v. Chr. stammen auch Spuren aus Juda selbst. Auf Henkeln von Vorratskrügen fanden sich rund 2.000 Stempelabdrücke mit dem Vermerk "dem König", vor allem in und um Jerusalem [11]. In Lachisch lagen mehrere solcher Krüge vollständig unter einer Brandschicht, die Sanheribs Feldzug zugeschrieben wird [11]. In Jerusalem führt ein Tunnel das Wasser der Gihon-Quelle zum Teich Siloah. 1880 entdeckte ein Schüler des Architekten Conrad Schick darin eine Inschrift von sechs Zeilen in althebräischer Schrift [10]. Sie berichtet, wie zwei Trupps von beiden Enden her gruben und sich in der Mitte trafen, und gibt die Länge mit 1.200 Ellen an [10, 13]. Die Tafel liegt heute im Archäologischen Museum in Istanbul [10, 13].
Die Bibel schildert den Feldzug ebenfalls. In der Lutherbibel von 1912 heißt es im 2. Buch der Könige: "Im vierzehnten Jahr aber des Königs Hiskia zog herauf Sanherib, der König von Assyrien, wider alle festen Städte Juda's und nahm sie ein." [9] Danach legte der assyrische König Hiskia "dreihundert Zentner Silber auf und dreißig Zentner Gold" [9]. Das ganze Kapitel steht auf bibel.domain-root.de unter Das 2. Buch der Könige.
Babylon und das Exil
Eine babylonische Chronik meldet, dass Nebukadnezar II. in seinem siebten Jahr gegen die "Stadt Juda" zog. Am zweiten Tag des Monats Addaru, im Februar oder März 597 v. Chr., nahm er die Stadt ein, nahm den König gefangen und setzte einen König seiner Wahl ein [7]. Nach dem 2. Buch der Könige wurden damals etwa 10.000 Menschen verschleppt [11]. 587 oder 586 v. Chr. eroberte Nebukadnezar das Königreich Juda endgültig, zerstörte den Ersten Tempel und verschleppte die Oberschicht nach Babylon. Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt 587 v. Chr. [1], andere Darstellungen nennen 586 v. Chr. [11]. Schätzungen zufolge sank die Bevölkerung Judas von etwa 110.000 Menschen vor der Eroberung auf 15.000 bis 40.000 danach [11].

Im Exil erhielt die Tora ihre endgültige Form und wurde zum geistigen Mittelpunkt des Volkes [1]. An diese Zeit erinnert Psalm 137, der in der Lutherbibel von 1912 so beginnt: "An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten." [8] Mehr über die Großmacht am Euphrat steht im Beitrag über Babylonien.
Perser, Griechen und Römer
539 v. Chr. eroberten die Perser unter Kyros II. Babylon, und die Verbannten durften zurückkehren [1]. Um 500 v. Chr. errichteten die Rückkehrer in Jerusalem den Zweiten Tempel [1]. Im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. beherrschten die Seleukiden Vorderasien und versuchten, die Juden zu hellenisieren. Im Makkabäeraufstand von 167 bis 142 v. Chr. behauptete sich Judäa als eigenes Königreich, regiert von Priesterkönigen [1].

63 v. Chr. eroberte der römische Feldherr Pompejus das Seleukidenreich, danach setzten die Römer eine neue Dynastie ein. Herodes ließ den Tempel kurz vor der Zeitenwende umgestalten [1]. Nach dem ersten großen Aufstand gegen Rom wurde der Tempel im Jahr 70 n. Chr. zerstört. Titus brachte Tempelschätze und Gefangene nach Rom, was der Titusbogen zeigt [1]. Nach dem zweiten Aufstand wurde Jerusalem 135 n. Chr. zur römischen Stadt Aelia Capitolina, Juden durften sie bei Todesstrafe nicht betreten [1]. Jüdische Gemeinden gab es da schon lange außerhalb Judäas, etwa in Alexandria [1]. Die weitere Geschichte erzählt der Beitrag über die Geschichte des Judentums.
- Behörde Arno Herzig: Judentum in Antike und Frühmittelalter (Informationen zur politischen Bildung 304). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 05.08.2010. abgerufen am 29.10.2026
- Israel-Stele. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Stèle de Mesha (Inventar AO 5066). Musée du Louvre. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Tel Dan Stele. The Jewish Museum, New York. Stand 2024. abgerufen am 29.10.2026
- Kingdom of Israel (Samaria). Wikipedia (englisch). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Hezekiah's Defeat: The Annals of Sennacherib on the Taylor, Jerusalem, and Oriental Institute Prisms. Center for Online Judaic Studies. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- ABC 5 (Jerusalem Chronicle). Livius.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Psalm 137 (Lutherbibel 1912). eBible.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- 2. Könige 18 (Lutherbibel 1912). eBible.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Siloam inscription. Wikipedia (englisch). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Kingdom of Judah. Wikipedia (englisch). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation The Nimrud Prism, 720 BCE. Center for Online Judaic Studies. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Hezekiah's (or Siloam) Tunnel Inscription, 701 BCE. Center for Online Judaic Studies. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Stelae and Reliefs of Pharaoh Merneptah, c. 1207 BCE. Center for Online Judaic Studies. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.


