Antike und AltertumRatgeber

Die Pyramiden von Gizeh: Cheops, Chephren und Mykerinos

Die drei großen Pyramiden von Gizeh entstanden in der 4. Dynastie, etwa zwischen 2620 und 2500 v. Chr., als Grabmäler der Könige Cheops, Chephren und Mykerinos. Die Cheops-Pyramide war ursprünglich rund 146,6 Meter hoch und ist das einzige der Sieben Weltwunder der Antike, das heute noch steht.

Drei große Steinpyramiden auf einem leeren Wüstenplateau im goldenen Morgenlicht mit langen Schatten im Sand
Bild: KI-generiert

Die Pyramiden von Gizeh stehen am Rand des Niltals, etwa 8 Kilometer südwestlich der Stadt Gizeh [1]. Sie sind das einzige der Sieben Weltwunder der Antike, das bis heute erhalten ist, und seit 1979 UNESCO-Welterbe [1]. Gebaut wurden sie in der 4. Dynastie, etwa zwischen 2620 und 2500 v. Chr., auf einem Kalksteinplateau. Zur Anlage gehören neben den drei großen Pyramiden kleinere Pyramiden, Tempel, Friedhöfe und Siedlungen der Arbeiter [1]. Wie das Land am Nil in dieser Zeit regiert wurde, erklärt der Beitrag über das Alte Ägypten.

Drei Könige, drei Pyramiden

Die größte Pyramide ließ König Cheops errichten, ägyptisch Chufu. Er regierte nach der Übersicht zur Cheops-Pyramide etwa von 2620 bis 2580 v. Chr. [2]. Andere Darstellungen setzen seine Regierung auf etwa 2589 bis 2566 v. Chr. an [5]. Als Bauleiter gilt der Architekt Hemiunu [1].

Die Pyramide des Chephren war ursprünglich 143,5 Meter hoch, heute misst sie etwa 136,4 Meter. Die Pyramide des Mykerinos ist mit ursprünglich 65 Metern die kleinste der drei. Ihre untersten 16 Steinlagen bestehen aus Granit [1]. Das Grab der Königin Chentkaus I. wird oft als "vierte Pyramide" bezeichnet. Untersucht wurde es 1932 [1].

Die Cheops-Pyramide in Zahlen

Die Cheops-Pyramide war ursprünglich 146,59 Meter hoch, das entspricht 280 ägyptischen Ellen. Heute misst sie 138,75 Meter [2]. Ihre Seitenlänge beträgt 230,33 Meter oder 440 Ellen, und die vier Seiten unterscheiden sich um weniger als ein Promille [2]. Erhalten sind 203 Steinlagen, die obersten sieben fehlen [2]. Rund 4.000 Jahre lang war sie das höchste Bauwerk der Welt [2].

MerkmalWert
Ursprüngliche Höhe146,59 m (280 Ellen)
Heutige Höhe138,75 m
Seitenlänge230,33 m (440 Ellen)
Rauminhalt2.583.283 m³
Neigung der Seiten51° 50′ 34″
Erhaltene Steinlagen203
Gewicht einzelner Blöckeetwa 0,5 bis 15 t, im Inneren Granitblöcke von etwa 40 bis 70 t

Die Werte der Tabelle stammen aus der Übersicht zur Cheops-Pyramide [2]. Für die Zahl der verbauten Blöcke nennt die Übersicht zum Pyramidenfeld rund 3 Millionen [1].

Die Seiten sind nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Messungen von Cole und Borchardt aus dem Jahr 1925 ergaben bei den Seitenlängen Abweichungen von etwa 1 bis 11 Zentimetern, Nord- und Südseite unterscheiden sich um etwa 20 Zentimeter [2].

Tempel, Aufweg und Friedhöfe

Zur Grabanlage des Cheops gehörte mehr als die Pyramide. Um sie herum lagen ein Totentempel, ein Aufweg hinunter zum Taltempel, mehrere Gruben für Boote, die kleinen Pyramiden der Königinnen und Friedhöfe mit Mastabas, rechteckigen Grabbauten für Angehörige des Hofes [2]. Nach demselben Muster waren die Anlagen von Chephren und Mykerinos aufgebaut, jeweils mit Pyramide, Tempeln und Aufweg [1]. Das Plateau war in der Zeit des Alten Reiches einer der großen Friedhöfe des Landes [1]. Die Neigung der Seitenflächen gaben die ägyptischen Baumeister als Seked an, also als Rücksprung in Handbreit pro Elle Höhe. Bei der Cheops-Pyramide beträgt der Seked 5,5 [2].

Kammern und Gänge im Inneren

Ein absteigender Gang von etwa 105 Metern Länge führt in eine unvollendete Felskammer unter der Pyramide. Wozu sie dienen sollte, ist umstritten [2]. Weiter oben liegt die Große Galerie, ein etwa 46 Meter langer Gang mit einem Kraggewölbe [2]. An ihrem oberen Ende erreicht man die Königskammer. Sie ist mit Granit ausgekleidet und mit neun Granitbalken gedeckt. Der Sarkophag aus Granit ist zu groß für die Gänge und muss deshalb schon während des Baus aufgestellt worden sein [2]. Über der Königskammer liegen vier oder fünf Entlastungskammern, die das Gewicht des Mauerwerks verteilen [2]. Von der Königs- und der Königinnenkammer gehen vier Schächte aus. Ob sie der Belüftung dienten, der Seele des Königs oder beidem, ist offen [2].

Im Jahr 2017 meldete ein Team um Kunihiro Morishima im Projekt ScanPyramids einen bis dahin unbekannten Hohlraum von mindestens 30 Metern Länge über der Großen Galerie. Gefunden wurde er mit Myonen, Teilchen aus der kosmischen Strahlung, die Gestein durchdringen [2]. Wie die Wissenschaft die Bauten untersucht, zeigt der Beitrag Ägyptologie: wie wir das Alte Ägypten erforschen.

Wie die Pyramiden gebaut wurden

Der Kern der Cheops-Pyramide besteht aus Nummulitenkalk, der in der Nähe gebrochen wurde. Außen trug sie eine Verkleidung aus poliertem, hellem Kalkstein aus Tura auf der anderen Nilseite [2]. Für die Bauzeit nennen Herodot und Diodor etwa 20 Jahre. Eine neuere Berechnung kommt auf 9 bis 10 Jahre für den ersten und etwa 9 Jahre für den zweiten Bauabschnitt [2].

Große grob behauene Kalksteinblöcke liegen auf hölzernen Schlitten in einem sandigen Steinbruch, daneben Seile
Bild: KI-generiert

Wie die Steine nach oben kamen, ist nicht geklärt. Vorgeschlagen wurden gerade Rampen, Zickzackrampen, innere Rampen, Spiralrampen und tangentiale Rampen, die an der Außenseite entlang laufen. Für die Cheops-Pyramide selbst ist keine Rampe nachgewiesen [2]. Besser belegt ist der Weg über das Wasser. Beim Taltempel in Nazlet el-Sissi lag ein Hafen, ein weiterer wird östlich des Plateaus vermutet [2]. Eine Studie aus dem Jahr 2022 kam zu dem Ergebnis, dass ein heute ausgetrockneter Arm des Nils vermutlich half, Steine zur Baustelle zu bringen [1].

Das Tagebuch des Merer

Ein Fund am Roten Meer brachte 2013 direkte Nachrichten von der Baustelle. Eine französische Mission unter Pierre Tallet und Gregory Marouard grub in Wadi al-Jarf Papyri aus, die als die ältesten beschrifteten Papyri gelten [5]. Ein Teil davon ist das Logbuch eines Inspektors namens Merer. Es stammt aus dem 26. oder 27. Regierungsjahr des Cheops, die Angaben dazu schwanken [5].

Ein hölzernes Lastboot mit Rahsegel und hellen Kalksteinblöcken auf einem breiten ruhigen Fluss mit Palmen am Ufer
Bild: KI-generiert

Merer leitete etwa 40 Bootsleute. Seine Mannschaft brachte weißen Kalkstein aus den Brüchen von Tura per Schiff nach Gizeh, ungefähr von Juli bis November. Etwa alle zehn Tage kam eine Ladung von rund 30 Blöcken zu je 2 bis 3 Tonnen an, im Monat also etwa 200 Blöcke [5]. Pierre Tallet hält sie am ehesten für die Verkleidung der Großen Pyramide [5]. Das Logbuch nennt auch Anchhaf, einen Halbbruder des Königs, als Aufseher über Ra-schi-Chufu, das Tallet für den Hafen von Gizeh hält, und es überliefert den alten Namen der Pyramide: Achet-Chufu, "Horizont des Chufu" [5]. Teile der Papyri sind heute im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt [5].

Die Stadt der Arbeiter

Seit Dezember 1988 gräbt das Team von Ancient Egypt Research Associates (AERA) unter Mark Lehner etwa 400 Meter südlich der Sphinx [3]. Dort liegt eine Siedlung aus der 4. Dynastie, die nach einer großen Steinmauer in der Nähe Heit el-Ghurab heißt, "Mauer der Krähe" [3]. Sie bedeckt mehr als 7 Hektar [3]. Die Ausgräber deuten sie als Anlage, die der Königshof eigens für den Bau der Pyramiden des Mykerinos, des Chephren und wahrscheinlich auch des Cheops errichten ließ [3].

Ausgegrabene Grundmauern aus Lehmziegeln bilden lange parallele Räume im Sand, im Hintergrund eine Pyramide
Bild: KI-generiert

Gefunden wurden lange Bauten, die AERA Galerien nennt, dazu Bäckereien, Küchen, Lagerhäuser, Werkstätten, kleine Wohnhäuser und Häuser oder Büros von Verwaltern. Beim königlichen Verwaltungsgebäude standen zehn große Getreidesilos [3]. Nach der Übersicht zur Cheops-Pyramide stellten die Bewohner dort auch Kupfergeräte, Bier und Fisch her [2]. Die bisher datierten Funde gehören in die Zeit von Chephren und Mykerinos, man nimmt aber an, dass die Siedlung schon unter Cheops angelegt wurde. Eine zweite Siedlung südlich des Aufwegs des Mykerinos stammt sicher aus der Zeit des Cheops [2]. Zahi Hawass legte den zugehörigen Friedhof frei [2]. AERA beschreibt die Stadt als Wohn- und Versorgungsort der Belegschaft: Getreide aus königlichen Speichern wurde verteilt, um Brot und Bier für die Arbeitskräfte herzustellen [3]. Zum Rechtsstatus, zur Entlohnung und zur Zahl der Arbeiter enthält diese AERA-Seite keine Angaben.

Die Sphinx und die Boote des Cheops

Neben der Pyramide des Chephren liegt die Große Sphinx. Sie ist etwa 73 Meter lang und wurde aus dem anstehenden Fels gehauen [1]. Bei der Cheops-Pyramide fanden Archäologen sieben Gruben für Boote, zwei davon unversehrt und verschlossen. Ein zerlegtes Boot aus 1.224 Teilen wurde wieder zusammengesetzt und ins Große Ägyptische Museum gebracht [2]. Wozu die Boote dienten, ist bis heute nicht geklärt [2].

Forschung und Schutz bis heute

Die wissenschaftliche Erforschung von Gizeh begann mit der Expedition Napoleons 1798 bis 1799 [1]. Nach dem Alten Reich blieb das Plateau zunächst ein großer Friedhof und wurde dann aufgegeben. Im Neuen Reich und in der Spätzeit entstanden dort wieder Gräber, und man restaurierte ältere Bauten [1]. Das Besteigen der Pyramiden ist seit Anfang der 1980er Jahre verboten [1]. Im Jahr 2012 bedrohte steigendes Grundwasser die Sphinx und die Tempel [1].

Wer sich für die Schrift auf den Wänden späterer Gräber interessiert, findet sie im Beitrag über die Hieroglyphen. Den Vergleich mit den Großsteingräbern Europas zieht der Beitrag über die Megalithkultur.

  1. Pyramiden von Gizeh. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  2. Cheops-Pyramide. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation The Lost City of the Pyramids. Ancient Egypt Research Associates (AERA). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Herodot: Historien 2,124 (englische Übersetzung von A. D. Godley). Perseus Digital Library, Tufts University (Perseids). Stand 1920. abgerufen am 29.10.2026
  5. Diary of Merer. Wikipedia (englisch). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.