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Ludwig XIV., der Sonnenkönig: 72 Jahre auf dem Thron Frankreichs
Ludwig XIV. wurde am 05.09.1638 in Saint-Germain-en-Laye geboren und war von 1643 bis 1715 König von Frankreich, 72 Jahre lang. Ab 1661 regierte er ohne Ersten Minister, baute Versailles zur Residenz aus, führte mehrere Kriege und hob 1685 das Edikt von Nantes auf. Er starb am 01.09.1715 in Versailles.

Ludwig XIV. kam am 05.09.1638 im Schloss Saint-Germain-en-Laye zur Welt [1, 2]. Mit vier Jahren wurde er König, und er blieb es bis zu seinem Tod am 01.09.1715 [1, 2]. Das Schloss Versailles beziffert seine Regierungszeit auf 72 Jahre, die World History Encyclopedia genauer auf 72 Jahre und 110 Tage [1, 2].
Geburt und Kindheit eines Thronfolgers
Seine Eltern, König Ludwig XIII. und Anna von Österreich, hatten 23 Jahre auf einen Erben gewartet [1]. Der Junge erhielt deshalb den Beinamen Louis Dieudonné, "der von Gott Gegebene" [1]. Saint-Germain-en-Laye liegt nach der World History Encyclopedia etwa 19 Kilometer vor Paris [2].
Ludwig XIII. starb am 14.05.1643 [2]. Am 18.05.1643 erklärte sich Anna von Österreich zur Regentin für ihren Sohn [2]. Erster Minister wurde Kardinal Jules Mazarin, der zugleich Ludwigs Pate war und seine politische Ausbildung übernahm [1, 2].
Die Fronde
Von 1648 bis 1653 erschütterte die Fronde das Königreich [1, 2]. Sie begann als Streit zwischen der Krone und dem Parlement von Paris und griff dann auf den Adel über [1]. Nach der Darstellung des Schlosses Versailles erlebte der junge König diese Jahre als Demütigung und körperliche Bedrohung, die er nie vergaß [1].
Heirat und Beginn der Alleinherrschaft
Am 09.06.1660 heiratete Ludwig in Saint-Jean-de-Luz seine Cousine Maria Theresia, die spanische Infantin [1, 2]. Die Ehe besiegelte die Versöhnung zwischen Frankreich und Spanien [1]. Von den sechs Kindern des Paares erreichte nur der älteste Sohn Louis, der "Grand Dauphin", das Erwachsenenalter [1].
Am 09.03.1661 starb Mazarin, und Ludwig begann selbst zu regieren [2]. Schon am nächsten Tag erklärte der 23-jährige König, er werde ohne Ersten Minister herrschen [4]. Seine Minister wählte er nach der Darstellung des Schlosses nach Fähigkeiten und Treue aus, weniger nach hoher Geburt [4]. In die Provinzen schickte er Intendanten, die dort unter anderem die Wirtschaft fördern sollten [4]. Am 05.09.1661 ließ er den Finanzminister Nicolas Fouquet wegen Unterschlagung festnehmen [2]. Fouquet wurde zu lebenslanger Haft in Pignerol verurteilt [2]. Jean-Baptiste Colbert wurde 1665 Generalkontrolleur der Finanzen und versuchte, die Staatsschulden zu senken [2]. Neben ihm reformierte Louvois das Heer [1]. Wie diese Form der Herrschaft in Europa Schule machte, erklärt die Seite zum Absolutismus.
Die Sonne als Zeichen
Als persönliches Emblem wählte Ludwig die Sonne, die er mit dem Gott Apollon verband [1]. Seine Regierungszeit wird in Frankreich "Le Grand Siècle" genannt, das große Jahrhundert [1]. Er förderte Künstler und Dichter wie Molière, Jean-Baptiste Lully und Jean Racine [1].
In seine Regierungszeit fallen mehrere Akademiegründungen: 1661 die Königliche Akademie des Tanzes, 1666 die Französische Akademie in Rom und die Akademie der Wissenschaften, 1669 eine Opernakademie, die ab 1672 Königliche Akademie der Musik hieß, und 1671 die Akademie der Architektur [4].
Versailles als Sitz von Hof und Regierung
Vor Versailles zog der Hof zwischen mehreren Residenzen hin und her: dem Louvre, den Tuilerien, Saint-Germain-en-Laye, Vincennes und Fontainebleau [1]. Den Beginn der Bauarbeiten am Jagdschloss, das Ludwig XIII. hinterlassen hatte, datiert das Schloss auf 1662, die World History Encyclopedia auf 1661 [2, 4]. Gebaut wurde bis 1715 [4]. Gestaltet haben das Schloss und seinen Park der Gärtner André Le Nôtre, die Architekten Louis Le Vau und Jules Hardouin-Mansart sowie der Maler Charles Le Brun [1].

Wann der Hof endgültig umzog, geben die beiden Quellen unterschiedlich an. Das Schloss nennt den 06.05.1682 als Tag der offiziellen Einweihung, die World History Encyclopedia lässt die Regierung schon im März 1682 einziehen [1, 2]. Der König bewohnte im ersten Stock des Hauptflügels eine Folge von drei Wohnungen [1]. Versailles wurde 1682 zur zweiten Hauptstadt des Königreichs [4]. Nach dem Schloss war die Anlage Ausdruck des Willens, den Adel der persönlichen Autorität des Königs zu unterwerfen [4].
Die Spiegelgalerie
An der Stelle einer Terrasse von Louis Le Vau entwarf Jules Hardouin-Mansart eine große Galerie, gebaut von 1678 bis 1684 [5]. Sie ist 73 Meter lang [5]. 357 Spiegel füllen die 17 Bögen gegenüber den Fenstern [5]. Charles Le Brun malte an das Gewölbe 30 Bilder, die die ersten 18 Regierungsjahre Ludwigs von 1661 bis zu den Friedensschlüssen von Nimwegen zeigen [5]. Hier empfing der König Gesandtschaften aus Genua 1685, aus Siam 1686 und aus Persien 1715 [5]. Am 28.06.1919 wurde in der Galerie der Vertrag von Versailles unterzeichnet, der den Ersten Weltkrieg beendete [5]. Den Baustil der Zeit beschreibt die Seite zum Barock.
Alltag bei Hof
Für das Verhalten des Adels galt eine strenge Etikette, die auf die Zeit Heinrichs III. zurückging [4]. Madame Palatine beschrieb in einem Brief vom 14.12.1676 einen Tag, der mit der Jagd bis drei Uhr nachmittags begann [4]. Danach folgten Spiel, Theater bis etwa halb elf und ein Ball bis gegen drei Uhr morgens [4]. Wer selten bei Hof erschien, musste nach den Memoiren des Herzogs von Saint-Simon mit Ungnade rechnen [4].
Kriege um die Vorherrschaft in Europa
1667 fiel Ludwig in die Spanischen Niederlande ein, im Januar 1668 bildeten mehrere Staaten dagegen eine Tripelallianz [2]. Im Mai 1672 griff er die Niederländische Republik an, dieser Krieg endete 1678 [2].
1689 erklärte ihm die Augsburger Allianz den Krieg [2]. Der Friede von Rijswijk beendete ihn Ende 1697, die Zeitleiste der World History Encyclopedia nennt den 20.09.1697 [2]. Das Schloss Versailles setzt den Beginn dieses Krieges bereits 1688 an [4]. Der Spanische Erbfolgekrieg begann 1701 mit dem Einmarsch französischer Truppen und endete mit Friedensschlüssen bis 1714 [2]. Den Festungsbaumeister Vauban ernannte Ludwig 1678 zum Generalkommissar für die Befestigungen [4]. Wie Kriege in dieser Zeit geführt wurden, beschreibt die Seite zu den Kabinettskriegen.
Die Aufhebung des Edikts von Nantes
Bei seiner Krönung schwor Ludwig, den katholischen Glauben zu verteidigen [1]. Er ging gegen die Jansenisten von Port-Royal und gegen die Protestanten vor [1]. Sein Großvater Heinrich IV. hatte den Reformierten im April 1598 mit dem Edikt von Nantes Rechte und Orte für ihren Gottesdienst zugesichert [3].

Mit dem Edikt von Fontainebleau vom 18.10.1685 hob Ludwig diese Regelung auf [3, 7]. Alle reformierten Kirchen im Königreich sollten sofort zerstört werden, ihre Gottesdienste wurden verboten [3]. Prediger, die nicht zum katholischen Glauben übertraten, mussten das Land binnen 14 Tagen verlassen, sonst drohte ihnen die Galeere [3]. Den übrigen Reformierten war die Auswanderung verboten [3]. Männern drohte dafür die Galeere, Frauen die Einziehung von Person und Vermögen [3]. Auch die reformierten Schulen wurden untersagt [3].
Kinder reformierter Eltern sollten künftig vom katholischen Pfarrer getauft und katholisch erzogen werden [3]. Eltern, die sie nicht zur Taufe brachten, drohte eine Strafe von 500 Livres und mehr [3]. Wer das Land schon vor der Veröffentlichung verlassen hatte, durfte binnen vier Monaten zurückkehren und seine Güter zurückerhalten, sonst blieben sie eingezogen [3]. Prediger, die übertraten, behielten ihre Befreiung von Steuern und Einquartierung und erhielten lebenslang ein Jahrgeld, das ein Drittel über ihren bisherigen Einkünften lag [3]. Wer von ihnen Jurist werden wollte, wurde von drei Studienjahren befreit [3]. Außerhalb dieser Bestimmungen durften Reformierte im Land bleiben, solange sie keinen Gottesdienst abhielten und sich nicht zum Gebet versammelten [3].
Flucht der Hugenotten
Trotz des Verbots verließen viele Reformierte das Land [1, 2]. Das Schloss Versailles spricht von mehr als 200.000 Menschen, die World History Encyclopedia von fast 200.000 [1, 2]. Das Deutsche Historische Institut Washington nennt in seiner Quellensammlung GHDI etwa eine halbe Million Menschen, die ins Exil gingen [6]. Die Deutsche Hugenotten-Gesellschaft nennt für die ältere Literatur 500.000 bis 600.000 Glaubensflüchtlinge und für die heutige Forschung 160.000 bis 170.000 [7].
Am 29.10.1685, wenige Tage nach dem Edikt von Fontainebleau, lud Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg mit dem Edikt von Potsdam die Glaubensflüchtlinge in sein Land ein [6]. Mitgebrachte Waren blieben zollfrei, neu gebaute Häuser waren zehn Jahre lang weitgehend von Abgaben befreit, und jede Stadt sollte einen französischsprachigen reformierten Prediger und einen Ort für den Gottesdienst erhalten [6]. Katholiken schloss das Edikt ausdrücklich aus [6]. Nach GHDI nahmen nur etwa 20.000 Hugenotten das Angebot an, die übrigen ließen sich weiter westlich nieder [6]. GHDI sieht im Edikt weniger einen Aufruf zur Toleranz als einen politischen Schritt, um das im Krieg entvölkerte Land mit Bauern, Handwerkern und Gewerbetreibenden zu stärken [6]. Wie die Glaubenskonflikte der Frühen Neuzeit begannen, erklärt die Seite zur Reformation.
Familie, Mätressen und zweite Ehe
Neben der Königin hatte Ludwig offizielle Mätressen, zunächst Mademoiselle de La Vallière, später Madame de Montespan [1]. Mit Madame de Montespan hatte er mehrere Kinder, die er später als legitim anerkannte [1]. Maria Theresia starb 1683 [1]. Danach heiratete Ludwig heimlich Madame de Maintenon [1].
Tod in Versailles und Nachfolge
Ludwig XIV. starb am 01.09.1715 in Versailles, vier Tage vor seinem 77. Geburtstag [1, 2]. Er wurde in der Basilika Saint-Denis bestattet [1]. Auf den Thron folgte ihm sein fünfjähriger Urenkel als Ludwig XV. [1, 2].

Wie heutige Verfassungen die Staatsgewalt auf mehrere Organe verteilen, erklärt die Seite Gewaltenteilung einfach erklärt. Die weitere Entwicklung des Landes bis zur Revolution zeigt die Seite zur Geschichte Frankreichs.
- Organisation Louis XIV. Château de Versailles. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Louis XIV of France. Harrison W. Mark, World History Encyclopedia. Stand 15.04.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Das Edikt von Fontainebleau vom 18. Oktober 1685 (Übersetzung Ernst Mengin, 1963). Hugenottenmuseum Berlin. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Versailles and the Royal Court. Château de Versailles. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation The Hall of Mirrors. Château de Versailles. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Edikt von Potsdam, erlassen von Friedrich Wilhelm, dem Großen Kurfürsten (29. Oktober 1685), mit Einführung. Helmut Neuhaus (Hg.), German History in Documents and Images, Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Hugenotten in Frankreich. Deutsche Hugenotten-Gesellschaft e.V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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