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Dschingis Khan: vom Steppenkrieger Temüdschin zum Großkhan

Dschingis Khan, geboren als Temüdschin um 1162 oder 1167, einte die Stämme der mongolischen Steppe und wurde 1206 zum Herrscher ausgerufen. Seine Heere eroberten Teile Nordchinas und das Reich der Choresm-Schahs, wobei Städte zerstört und sehr viele Menschen getötet wurden. Er starb 1227, seine Nachfolger dehnten das Mongolische Reich weiter aus.

Eine weite grüne Steppe in der Mongolei unter großem Himmel mit fernen Filzjurten und weidenden Pferden
Bild: KI-generiert

Dschingis Khan hieß ursprünglich Temüdschin. Wann er geboren wurde, ist nicht sicher: Manche Forscher nennen 1162, andere 1167 [1, 2]. 1206 riefen ihn die Anführer der mongolischen Stämme zu ihrem Herrscher aus [1, 2]. In den folgenden zwei Jahrzehnten eroberten seine Heere große Teile Nordchinas und Zentralasiens. Er starb 1227 [1, 5]. Das Reich, das er gründete, wuchs unter seinen Nachfolgern weiter. Nach der World History Encyclopedia beherrschte es schließlich ein Fünftel der Erde [1].

Kindheit in der Steppe

Temüdschin war der Sohn von Yesügei, einem Stammesführer, und ein Enkel von Kabul Khan [2]. Seine Mutter hieß Hö'elün [1]. Seinen Namen erhielt er nach einem gefangenen Tataren [1]. Nach der Library of Congress töteten Tataren Yesügei im Jahr 1175. Die Kiyat wiesen den damals zwölfjährigen Jungen als Anführer zurück, und die Familie musste allein zurechtkommen [2]. Die World History Encyclopedia schreibt, ein Rivale habe den Vater vergiftet, und gibt Temüdschins Alter mit etwa neun bis zwölf Jahren an [1].

Eine kleine runde Filzjurte an einem gewundenen Fluss in leerem Grasland bei Sonnenaufgang mit Nebel
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Die Jahre danach waren hart. Temüdschin geriet in die Gefangenschaft eines rivalisierenden Clanführers, möglicherweise nachdem er seinen Halbbruder Bekter getötet hatte, und entkam in der Nacht [1]. Danach schloss er sich Toghril an, dem Anführer der Kereit, dem sein Vater einst geholfen hatte [1]. Er heiratete Börte, mit der er schon als Kind verlobt worden war [1].

Der Aufstieg zum Herrscher

Mit etwa zwanzig Jahren führte Temüdschin den Clan der Kiyat. 1196 war er unbestrittener Anführer der Borjigin-Mongolen [2]. Zunächst arbeitete er mit den Kereit zusammen, später brach er mit ihnen [2]. In rund zehn Jahren besiegte er Tataren, Kereit, Naimanen und Merkiten, mit Bündnissen, Großzügigkeit und Gewalt. Wer unterlag, wurde in sein Heer gezwungen oder getötet [1].

1206 versammelten sich die Anführer der Stämme zu einem Kurultai, einer großen Ratsversammlung. Nach der World History Encyclopedia fand sie am Fluss Kerulen statt [1]. Dort erhielt Temüdschin den Titel Dschingis Khan, was wahrscheinlich so viel wie "allumfassender" oder "höchster" Herrscher bedeutet [1, 2]. Die Library of Congress übersetzt den Titel mit "höchster" oder "großer" Herrscher [2].

Heer, Recht und Verwaltung

Dschingis Khan stellte die Clans unter seine direkte Kontrolle. Er führte eine Zählung ein, die die Menschen in Einheiten nach dem Zehnersystem ordnete. Danach wurden auch die Soldaten ausgehoben [2]. Die Einheiten bildete er bewusst nicht nach Stämmen, damit alte Rivalitäten das Heer nicht spalteten [1]. Seine Leibwache, die Kesikten, wuchs von 800 auf 10.000 Mann. Ihre Mitglieder waren Söhne und Brüder hoher Befehlshaber, viele übernahmen später Ämter in eroberten Gebieten [1].

Eine Herde kräftiger Steppenpferde galoppiert über trockenes Grasland im goldenen Abendlicht
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Die mongolische Sprache ließ er mit der uigurischen Schrift aufschreiben. Danach entstand das Gesetzbuch Yasa, das Strafen für bestimmte Vergehen festlegte [1]. Boten zu Pferd brachten Nachrichten über weite Strecken und wechselten an Stationen die Pferde [1]. Nach der World History Encyclopedia durften im Reich alle Religionen frei ausgeübt werden, und Kaufleute standen unter Schutz [1]. Für Belagerungen nutzte das Reiterheer chinesische und muslimische Fachleute [2].

Feldzüge gegen die Tanguten und die Jin

Die ersten großen Feldzüge richteten sich nach Süden. 1205 schlugen die Mongolen das Heer der Tanguten im Reich Xi Xia, 1207 und 1209 folgten weitere Feldzüge. 1209 erkannte der Kaiser von Xi Xia Dschingis Khan als Oberherrn an [2].

1211 erklärte Dschingis Khan dem Reich der Jin in Nordchina den Krieg [3]. Nach der World History Encyclopedia zogen zwei Heere mit je 50.000 Mann ins Land [1]. Bis 1213 eroberten die Mongolen das Gebiet der Jin bis zur Großen Mauer [3]. 1214 schlossen die Jin Frieden und zahlten Tribut, doch 1215 griffen die Mongolen erneut an, belagerten die Hauptstadt Yanjing, das spätere Peking, nahmen sie ein und plünderten sie [1, 3]. Die Stadt brannte nach der World History Encyclopedia einen Monat lang [1]. Allein in den Jahren 1212 und 1213 wurden dort rund 90 chinesische Städte zerstört [1].

Wie die Mongolen Städte behandelten, hing von deren Verhalten ab. Wer sich ergab, wurde in der Regel verschont. Wer Widerstand leistete, musste mit der Plünderung rechnen. Manchmal töteten die Eroberer die ganze Bevölkerung einer Stadt, um andere Städte einzuschüchtern [1]. Die World History Encyclopedia berichtet auch, dass Gefangene als menschliche Schutzschilde vor die Angreifer getrieben wurden [1].

Das Reich der Choresm-Schahs

Im Westen besiegte ein Heer unter dem Feldherrn Jebe das Reich der Kara Kitai. Dessen Herrscher Kütschlüg wurde gefangen genommen und hingerichtet [3]. 1218 reichte das Mongolische Reich bis an den Balchaschsee und grenzte an Choresmien, ein muslimisches Reich, das vom Kaspischen Meer bis an den Persischen Golf reichte [3, 7].

Ruinen alter Lehmziegelmauern in einer Wüstenoase Zentralasiens mit türkisfarbenen Kuppeln in der Ferne
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Den Anlass für den Krieg mit Choresmien beschreiben die Quellen unterschiedlich. Nach der Library of Congress misshandelte 1218 der Statthalter einer östlichen Provinz mongolische Gesandte [4]. Die World History Encyclopedia schreibt, der Schah habe die Gesandten hinrichten lassen [1]. Auch die Stärke des mongolischen Heeres ist umstritten: Die Library of Congress nennt mehr als 200.000 Mann, die World History Encyclopedia etwa 100.000 [1, 4].

Buchara und Samarkand fielen, und bis 1220 war das Reich der Choresm-Schahs zerstört [1, 4, 7]. Die Bewässerungsanlagen der Region wurden dabei verwüstet [1]. Wie viele Menschen in diesen Feldzügen starben, lässt sich nicht genau sagen. Die World History Encyclopedia schreibt, mittelalterliche Chronisten sprächen von Millionen Toten [1]. Für einzelne Städte nennen sie Zahlen: Nach Ibn al-Athir töteten die Mongolen in Merw etwa 700.000 Menschen, und Najm al-Din Razi, ein Zeitgenosse, nennt 700.000 Tote in seiner Heimatstadt Ray [8]. Der Historiker John Masson Smith nennt die Schätzungen der Chronisten übertrieben, rechnet für Persien aber dennoch mit einem Rückgang der Bevölkerung von 2,5 Millionen auf 250.000 durch Morde und Hungersnot [8].

Der Zug nach Westen bis an den Dnjepr

Ein Teil des Heeres, etwa 25.000 Reiter, zog unter Jebe und Subutai über den Kaukasus und um das Kaspische Meer herum [4]. 1222 besiegte diese Abteilung Georgier und Kumanen, nahm Astrachan ein, überquerte den Don und eroberte die genuesische Festung Sudak auf der Krim [4]. Fürst Mstislaw von Kiew stellte sich ihr mit einem russisch-kumanischen Heer von 80.000 Mann entgegen [4]. Als die Mongolen Frieden anboten, wurden ihre Gesandten ermordet. In der folgenden Schlacht an der Kalka unterlag das russische Heer [4, 7]. Der Historiker Charles Halperin schreibt, die Zerstörungskraft der mongolischen Kriegsmaschine habe alles übertroffen, was die Russen bis dahin erlebt hatten [4]. Das Lexikon von wissen.de datiert die Schlacht auf 1223, die World History Encyclopedia nennt im Text 1222 und in ihrer Zeittafel 1223 [1, 7]. Jebe starb auf dem Rückweg nördlich des Kaspischen Meeres an einer Krankheit. Subutai führte die Abteilung 1224 über mehr als 6.400 Kilometer zurück zum Hauptheer, das aus Choresmien heimkehrte [4]. Mehr über die Folgen für Osteuropa steht auf der Seite zum Mongolensturm.

Der letzte Feldzug und der Tod

1226 zog Dschingis Khan noch einmal gegen Xi Xia. Auf dem zugefrorenen Gelben Fluss vernichteten die Mongolen ein Heer der Tanguten fast vollständig. Der Kaiser von Xi Xia wurde in einer Bergfestung getötet [5]. Auf dem Sterbebett legte Dschingis Khan seinem jüngsten Sohn Tolui nach der Library of Congress Pläne für die endgültige Zerstörung des Jin-Reiches dar [5]. Während der Belagerung der Hauptstadt Zhongxing starb Dschingis Khan [1]. Die World History Encyclopedia nennt den 18.08.1227 und eine Krankheit als wahrscheinliche Ursache, vielleicht nach einem Sturz vom Pferd bei der Jagd einige Monate zuvor [1]. Wissen.de setzt hinter das Tagesdatum ein Fragezeichen [7]. Seinen Tod hielt man vor dem Heer geheim, bis die Stadt gefallen war [1].

Ein breiter zugefrorener Fluss zwischen kahlen Lösshügeln in Nordchina im Winter mit tiefer Sonne
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Wo Dschingis Khan begraben wurde, ist unbekannt, der Ort wurde geheim gehalten. Mittelalterliche Quellen verorten das Grab in der Nähe des heiligen Berges Burkhan Khaldun [1].

Nachfolger und Nachwirkung

Noch zu Lebzeiten verteilte Dschingis Khan das Reich unter seine Söhne Dschötschi, Tschagatai, Tolui und Ögedei. Dschötschi starb noch vor dem Vater [1]. Zum Nachfolger bestimmte Dschingis Khan Ögedei und legte fest, dass künftige Khane von seinen direkten Nachkommen abstammen müssten [5]. Ögedei regierte von 1229 bis 1241. Unter ihm erreichte das Reich seine größte Ausdehnung. 1234 zerstörten die Mongolen das Reich der Jin endgültig [3, 6]. Ögedei ließ in Karakorum die erste mongolische Hauptstadt bauen und führte in den eroberten Gebieten eine geregelte Besteuerung ein [6].

Dschingis Khans Enkel Kublai Khan eroberte ab 1275 den größten Teil Chinas und beendete 1279 die Herrschaft der Song-Dynastie [1]. Wie das Mongolische Reich insgesamt aufgebaut war, beschreibt die Seite zu den Mongolen. Den Handel, den die Mongolen über weite Strecken sicherten, behandelt die Seite zur Seidenstraße, und von einem Reisenden, der den Hof Kublai Khans erlebte, erzählt die Seite über Marco Polo.

Der persische Geschichtsschreiber Minhadsch al-Siradsch Dschuzdschani beschrieb Dschingis Khan um 1260 als gerecht, entschlossen und grausam zugleich [1]. In der Mongolei gilt er heute als Vaterfigur des mongolischen Volkes, in Ulaanbaatar finden ihm zu Ehren Zeremonien statt [1]. Zum 800. Jahrestag der Gründung des Großmongolischen Staates wurde 2006 ein Denkmal für ihn errichtet. Orhon Myadar von der University of Arizona beschreibt, dass der mongolische Staat Dschingis Khan seit dem Ende der Sowjetzeit als Zeichen der nationalen Identität nutzt und die gemeinsame Verehrung dazu dient, die Bevölkerung hinter dem nationalen Projekt zu vereinen [9].

  1. Genghis Khan. Mark Cartwright, World History Encyclopedia. Stand 16.09.2019. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Mongolia: The Era of Chinggis Khan, 1206 bis 27 (Country Studies). Library of Congress, Federal Research Division. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Mongolia: Early Wars in China (Country Studies). Library of Congress, Federal Research Division. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Mongolia: Conquest of Khwarizm (Country Studies). Library of Congress, Federal Research Division. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde Mongolia: The Last Campaign of Chinggis Khan (Country Studies). Library of Congress, Federal Research Division. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Key Figures in Mongol History: Ögödei. Asia for Educators, Columbia University. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Tschingis Chan (Lexikon). wissen.de, Konradin Mediengruppe. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Destruction under the Mongol Empire. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Studie The rebirth of Chinggis Khaan: state appropriation of Chinggis Khaan in post-socialist Mongolia (Nationalities Papers 45, Heft 5). Orhon Myadar, University of Arizona. Stand 2017. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.