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Kunstgeschichte: die Epochen von der Eiszeit bis zur Moderne

Die Kunstgeschichte teilt die Kunst in Epochen ein, in Europa meist Antike, Romanik, Gotik, Renaissance, Barock, Klassizismus und Romantik, Impressionismus und Moderne. Die ältesten bekannten figürlichen Kunstwerke stammen aus Höhlen der Schwäbischen Alb und sind 33.000 bis 43.000 Jahre alt. Viele Epochennamen wie "Gotik" entstanden erst später als Urteile von Kritikern.

Ein stiller Museumssaal mit Oberlicht, leeren vergoldeten Bilderrahmen an hellen Wänden und einer Holzbank
Bild: KI-generiert

Viele Epochennamen gaben erst spätere Generationen. Den Namen "gotisch" etwa prägte der Italiener Giorgio Vasari im 16. Jahrhundert [4]. Vasaris Künstlerbiografien erschienen 1550 erstmals im Druck und 1568 in einer erweiterten Fassung [6]. Forschende des Kunsthistorischen Instituts in Florenz nennen Vasari einen der Wegbereiter der modernen Kunstgeschichte [6].

Kunst der Eiszeit

Zu den ältesten bekannten Kunstwerken der Menschheit gehören Funde aus sechs Höhlen der Schwäbischen Alb in den Tälern von Lone und Ach. Sie sind 33.000 bis 43.000 Jahre alt [1]. Gefunden wurden mehr als 50 Figuren aus Elfenbein oder Knochen, darunter Mammuts, Menschen und Mischwesen wie die Venus vom Hohle Fels und der Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel. Aus denselben Höhlen stammen Flöten, die als älteste bekannte Musikinstrumente der Welt gelten [1]. Seit den 1860er-Jahren wird dort gegraben, manche Höhlen sind bis heute nicht vollständig erforscht. Die Funde liegen im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart, im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren, im Ulmer Museum und im Museum der Universität Tübingen. Seit 2017 gehören die Höhlen zum UNESCO-Welterbe [1]. Mehr über die frühesten Bilder der Menschheit steht im Artikel zur Höhlenmalerei.

Der Eingang einer Kalksteinhöhle in einem grünen Tal der Schwäbischen Alb mit Fluss und Morgennebel
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Antike: bunte Statuen

Bei Ausgrabungen an antiken Kultstätten kamen Marmorskulpturen mit deutlichen Farbresten zutage. Trotzdem trat die Farbigkeit antiker Skulpturen im 20. Jahrhundert immer mehr in den Hintergrund [2]. Das Liebieghaus in Frankfurt nennt das Bild einer weißen Antike das "Winkelmann-Missverständnis" [2]. Seit Mitte der 1960er-Jahre untersuchte dort der damalige Archäologiestudent Volkmar von Graeve gemeinsam mit Hans Christof Wolters den Alexandersarkophag mit UV-Licht, um verblasste Bemalung sichtbar zu machen [2]. Die Ausstellung "Bunte Götter" mit farbigen Rekonstruktionen begann 2003 in der Münchner Glyptothek und wanderte danach unter anderem in die Vatikanischen Museen [2]. Mehr über Ägypten, Mesopotamien, Griechenland und Rom steht im Artikel zur Kunst der Antike.

Mittelalter: Romanik und Gotik

Romanische Kirchen haben dicke, schwere Mauern, Rundbögen und Tonnen- oder Kreuzgratgewölbe. Gotische Baumeister machten die Wände mit Strebebögen und Rippengewölben dünner und höher und ließen so viel mehr Licht herein [4].

Das Mittelschiff einer gotischen Kathedrale mit Spitzbögen, Rippengewölbe und farbigem Licht aus hohen Fenstern
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Romanik

Ein Hauptwerk romanischer Baukunst in Deutschland ist der Dom zu Speyer, den die Deutsche UNESCO-Kommission als größte romanische Kirche der Welt bezeichnet [3]. Der Bau begann 1030 und sollte unter dem salischen Kaiser Konrad II. die größte Kirche des Abendlandes werden. 1077 wurde er auf Veranlassung Heinrichs IV. zum ersten durchgehend gewölbten Kirchenbau Europas umgestaltet. Seit 1981 steht der Dom auf der Welterbeliste [3]. Mehr dazu im Artikel zur Romanik.

Gotik

Die Gotik begann im 12. Jahrhundert in Frankreich. Abt Suger ließ zwischen 1137 und 1148 die Abteikirche Saint-Denis nördlich von Paris umbauen, die als erste gotische Kirche gilt [4]. Suger hielt Licht für göttlich und wollte seine Kirche damit füllen. Spitzbögen, Kreuzrippengewölbe und Strebebögen außen am Bau erlaubten höhere, dünnere Wände mit großen Fenstern und Rosetten. Typisch wurde eine Westfassade mit zwei Türmen, einer großen Fensterrose in der Mitte und drei Portalen, deren Bogenfelder oft mit Skulpturen geschmückt sind [4]. Den Namen "gotisch" prägte im 16. Jahrhundert Giorgio Vasari als abwertende Bezeichnung, weil er den Stil mit den Goten verband, die Rom erobert hatten [4]. In Europa war die Gotik vom 12. bis ins 16. Jahrhundert verbreitet [4]. Wie die großen Kathedralen gebaut wurden, erklärt der Artikel zur Gotik.

Renaissance

Die Kunst der Renaissance datiert die World History Encyclopedia auf die Jahre 1400 bis 1600 [5]. Künstler griffen auf Kunst und Literatur der Antike zurück, entwickelten eine mathematisch genaue Perspektive und arbeiteten mit Licht und Schatten. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts malten die meisten bedeutenden Künstler an der Staffelei mit Ölfarben [5]. Als Vorläufer gilt Giotto, der 1337 starb [5]. Die Hochrenaissance von 1490 bis 1527 ist mit Leonardo da Vinci, Michelangelo und Raffael verbunden, dessen "Schule von Athen" 1511 entstand [5]. Nördlich der Alpen schufen Maler aus den Niederlanden wie Jan van Eyck, dessen Genter Altar 1432 vollendet wurde, und Deutsche wie Albrecht Dürer und Hans Holbein eigene Werke [5]. Die Niederländer galten als Meister des wirklichkeitsnahen Porträts, und ihre Ideen verbreiteten sich bis nach Italien. In Florenz legten die Künstler dagegen besonderen Wert auf die Zeichnung, den "disegno" [5]. Zu den Florentiner Künstlern der Zeit gehörten Donatello, Lorenzo Ghiberti und Sandro Botticelli [5]. Ausführlich behandelt das der Artikel zur Kunst der Renaissance.

Barock und Rokoko

Der Barock begann zu Beginn des 17. Jahrhunderts, in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 [7]. Ein Vorbild für viele Fürsten war das Schloss Versailles Ludwigs XIV. Barocke Schlösser und Gärten waren in der Regel symmetrisch angelegt, Beispiele in Deutschland sind Herrenhausen, Karlsruhe, Mannheim, Nymphenburg und Würzburg [7]. Die Würzburger Residenz entstand ab 1720 unter der Leitung des Hofarchitekten Balthasar Neumann, beteiligt waren auch Baumeister aus Wien und Paris. Der Venezianer Giovanni Battista Tiepolo malte das Deckenbild über dem Treppenhaus und die Wandbilder des Kaisersaals. Die Deutsche UNESCO-Kommission nennt die Residenz eine "Synthese des europäischen Barock", seit 1981 ist sie Welterbe [15]. Mehr dazu steht im Artikel zum Barock.

Ein Hauptwerk des bayerischen Rokoko ist die Wallfahrtskirche "Die Wies" bei Steingaden in Bayern. Anlass für den Bau war ein Tränenwunder, das 1738 an einer hölzernen Christusfigur beobachtet worden sein soll. Dominikus Zimmermann baute die Kirche ab 1745, 1754 war sie fertig. Die Deckenfresken malte sein Bruder Johann Baptist Zimmermann. Architektur, Stuck, Malerei und Schnitzerei verbinden sich dort zu einer Einheit, seit 1983 gehört die Kirche zum Welterbe [16].

Romantik und Impressionismus

Planet Wissen datiert die Romantik auf etwa 1795 bis 1850. Sie war eine Gegenbewegung zur Aufklärung und zu einer Zeit, in der Wissenschaft und Technik an Einfluss gewannen, und betonte Sehnsucht, Gefühl und Traum [8].

Ein Hafen bei Sonnenaufgang mit orangem Himmel und kleinen Ruderbooten im Stil impressionistischer Malerei
Bild: KI-generiert

Caspar David Friedrich

Caspar David Friedrich wurde am 5. September 1774 in Greifswald geboren, lebte meist in Dresden und starb 1840 [8]. In vielen seiner Landschaften steht im Vordergrund eine Person, die man von hinten sieht. Durch diese Rückenfigur fühlt sich der Betrachter in das Bild hineinversetzt, etwa beim "Wanderer über dem Nebelmeer" oder bei der "Frau vor der untergehenden Sonne". Die Figuren zeigen den Menschen klein vor einer übermächtigen Natur [8]. Nach seinem Tod geriet Friedrich für Jahrzehnte aus der Mode und wurde 1906 auf der Berliner "Jahrhundertausstellung deutscher Kunst" wiederentdeckt [8].

Impressionismus

Claude Monet malte um November 1872 in Le Havre den Hafen vom Fenster seines Hotels aus [9]. Er zeigte das Bild 1874 auf der ersten Ausstellung einer Künstlergesellschaft im ehemaligen Atelier des Fotografen Nadar und nannte es für den Katalog "Impression" [9]. Der Kritiker Louis Leroy übernahm den Titel am 25. April 1874 für seine spöttische Besprechung "L'exposition des impressionnistes" in der Satirezeitschrift "Le Charivari". Wenige Tage später verwendete der Kritiker Jules Castagnary den Begriff anerkennend, und er setzte sich für den Kreis um Monet durch [9].

Japan beendete in den 1850er-Jahren seine Abschottung, und japanische Farbholzschnitte (Ukiyo-e) mit geschwungenen Linien, Leerflächen und flacher Bildebene wurden in Europa bekannt. Der Kritiker Philippe Burty prägte 1872 den Begriff "Japonismus" [10]. Zu den beeinflussten Künstlern gehörten Manet, Monet, Pissarro, Degas, Gauguin und Vincent van Gogh, der Ukiyo-e in Stil und Motiv nachahmte. Auf seinem Bildnis "Le Père Tanguy" von 1887 steht der Farbhändler vor einer Wand voller japanischer Farbholzschnitte, die Vincent und sein Bruder Theo gesammelt hatten [17].

Moderne und Bauhaus

1919 nahm in Weimar das Bauhaus unter Walter Gropius seine Arbeit als Hochschule für Gestaltung auf. Es verband Kunst und Handwerk, wollte Architektur und Gestaltung grundlegend erneuern und nutzte Stahlbeton, Glas und Stahl. Die Deutsche UNESCO-Kommission beschreibt seinen Anspruch als "Moderne mit menschlichem Antlitz" [13]. 1926 wurde das Bauhausgebäude in Dessau eingeweiht, 1933 endete die Arbeit der Schule. Seit 1996 gehören die Bauhausstätten in Weimar und Dessau zum Welterbe, seit 2017 auch Bauten in Dessau und Bernau [13].

Ein weißes Gebäude der Moderne aus den 1920er Jahren mit großer Glasfassade und Flachdach
Bild: KI-generiert

Die Nationalsozialisten beschlagnahmten rund 16.000 moderne Kunstwerke [14]. Am 19. Juli 1937 eröffneten sie in München die Ausstellung "Entartete Kunst" mit 650 Werken aus 32 deutschen Museen. Sie diffamierten darin Expressionismus, Impressionismus, Dadaismus, Neue Sachlichkeit, Surrealismus, Kubismus und Fauvismus. Bis April 1941 zog die Schau durch zwölf weitere Städte und hatte mehr als drei Millionen Besucher [14]. Wie sich die Kunst nach 1900 weiterentwickelte, beschreibt der Artikel zur modernen Kunst. Welche Künstlerinnen und Künstler Google mit Doodles geehrt hat, sammelt doodle.domain-root.de.

Kunst aus Afrika in europäischen Museen

Die Benin-Bronzen stammen aus Benin im heutigen Nigeria. Britische Truppen raubten sie 1897 bei der sogenannten Strafexpedition [11]. Im Juni 2022 beschloss die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Eigentum an allen Objekten in Berlin, die aus diesem Raub stammen, an Nigeria zu übertragen. Ein Teil soll als Leihgabe langfristig in Deutschland bleiben [11]. Grundlage ist eine Gemeinsame Politische Erklärung Deutschlands und Nigerias vom 1. Juli 2022 [12].

  1. Organisation Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb. Deutsche UNESCO-Kommission. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation A cosmopolitan based in Frankfurt (Forschung zur Polychromie). Liebieghaus Skulpturensammlung Frankfurt am Main. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Speyerer Dom. Deutsche UNESCO-Kommission. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Hillary Smith: Gothic Cathedrals: Architecture and Divine Light. World History Encyclopedia. Stand 08.12.2020. abgerufen am 29.10.2026
  5. Mark Cartwright: Renaissance Art. World History Encyclopedia. Stand 10.11.2020. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Hana Gründler, Fabian Jonietz: Vasari 1511 bis 2011 (Forschungsbericht 2011, Kunsthistorisches Institut in Florenz). Max-Planck-Gesellschaft. Stand 2011. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Gaby Böhne: Barock (Planet Wissen). SWR, WDR. Stand 20.04.2020. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Claudia Posca: Caspar David Friedrich (Planet Wissen). WDR. Stand 02.05.2024. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Claude Monet: Impression, soleil levant (Inventar 4014). Musée Marmottan Monet, Paris. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Japonismus. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. Organisation Humboldt Forum: Vereinbarung zu Rückführung der Benin-Bronzen aus dem Ethnologischen Museum noch 2022 geplant. Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Stand 29.06.2022. abgerufen am 29.10.2026
  12. Behörde Rückgabe der Benin-Bronzen (hib 603/2022, Kultur und Medien, Antwort). Deutscher Bundestag. Stand 26.10.2022. abgerufen am 29.10.2026
  13. Organisation Das Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau. Deutsche UNESCO-Kommission. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  14. Organisation Carola Jüllig: "Entartete Kunst" (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 13.08.2015. abgerufen am 29.10.2026
  15. Organisation Residenz Würzburg mit Hofgarten und Residenzplatz. Deutsche UNESCO-Kommission. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  16. Organisation Wallfahrtskirche "Die Wies". Deutsche UNESCO-Kommission. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  17. Organisation Père Tanguy (Werk von Vincent van Gogh, 1887). Musée Rodin, Paris. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.