Antike und AltertumRatgeber

Kunst der Antike: Bilder, Bauten und Skulpturen von Ägypten bis Rom

Als antike Kunst bezeichnet man die Kunst der frühen Hochkulturen am Mittelmeer und im Vorderen Orient, von Ägypten und Mesopotamien über Griechenland bis zum Römischen Reich. Viele heute weiße Marmorstatuen waren ursprünglich farbig bemalt. Reste dieser Bemalung lassen sich mit UV-Licht und anderen Verfahren nachweisen.

Sonnenbeschienene Ruinen eines griechischen Marmortempels mit Säulen auf einem Felshügel, Olivenbäume am Hang
Bild: KI-generiert

Antike Kunst umfasst Werke aus mehr als drei Jahrtausenden, vom ägyptischen Stil, der um 3000 v. Chr. entstand [1], bis zu den Kuppelbauten der römischen Kaiserzeit [8]. Viele Statuen und Reliefs hatten eine religiöse Aufgabe [1]. Viele Werke sehen heute anders aus als zu ihrer Entstehungszeit, weil ihre Bemalung verblasst ist [9]. Die Kunst späterer Epochen bis zur Gegenwart behandelt die Seite Kunstgeschichte: die Epochen im Überblick.

Ägypten: Bilder nach festen Regeln

Die ägyptische Kunst bildete ihren Stil um 3000 v. Chr. aus und behielt ihn fast drei Jahrtausende lang weitgehend bei [1]. Menschen erscheinen in Reliefs und Malereien in einer Mischung von Ansichten, die die Forschung nach der Ägyptologin Emma Brunner-Traut Aspektive nennt: Kopf, Hüfte und Beine im Profil, das Auge und die Schultern von vorn [1]. Die Figuren stehen meist vor leerem Hintergrund und überschneiden sich selten. Für Männer und Frauen gab es feste Haltungen und Hautfarben [1].

Wer wichtig war, wurde größer dargestellt. Diese Bedeutungsperspektive bestimmte die Bilder von Menschen mit hoher Stellung, etwa im Grab des Nacht in Theben, wo der Grabherr seine Diener deutlich überragt [1]. Statuen und Reliefs hatten eine religiöse Aufgabe. Man glaubte, sie könnten durch Rituale belebt werden, deshalb galt eine Beschädigung als Eingriff in die dargestellte Person [1]. Erst unter den Ptolemäern kam griechischer Einfluss hinzu. Trotzdem entstanden noch unter römischer Herrschaft Tempel für ägyptische Gottheiten im rein ägyptischen Stil, und einzelne Elemente lebten in der koptischen Kunst weiter [1]. Eines der bekanntesten Werke, die Büste der Nofretete, fand Ludwig Borchardt 1912 in der Werkstatt des Bildhauers Thutmosis in Amarna [1]. Mehr zur Geschichte des Landes steht unter Das Alte Ägypten.

Mesopotamien: Stelen und glasierte Ziegel

Im Zweistromland diente Kunst oft dem Herrscher. Die Stele mit dem Codex Hammurabi, 2,25 Meter hoch und aus Basalt, trägt oben ein Relief: Der Gott Schamasch und König Hammurabi stehen einander gegenüber, darunter folgt der Gesetzestext in Keilschrift [2]. Sie stammt aus der Zeit der 1. Dynastie von Babylon, als Hammurabi von 1792 bis 1750 v. Chr. herrschte [2].

Eine Wand aus tiefblau glasierten Ziegeln mit erhabenen gelben Stierreliefs im weichen Museumslicht
Bild: KI-generiert

Über tausend Jahre später ließ Nebukadnezar II. in Babylon Stadtmauern, eine Prozessionsstraße und das Ischtar-Tor bauen [4]. Das Tor ist nach der babylonischen Göttin Ischtar benannt, der Göttin der Liebe und des Krieges [3]. Deutsche Archäologen bargen viele Bruchstücke, die in Berlin wieder zusammengesetzt wurden. Seit 1930 steht das Tor im Pergamonmuseum [3]. Der Südflügel mit dem Tor und der Prozessionsstraße ist seit dem 23. Oktober 2023 wegen Sanierung geschlossen und soll nach den Staatlichen Museen zu Berlin voraussichtlich 2037 wieder öffnen. Nordflügel und Mittelbau mit dem Pergamonaltar eröffnen am 4. Juni 2027 [12].

Griechenland: der Parthenon

Die griechische Kunst war nach der Darstellung von Kunsthistorikern vor allem eine örtliche Kunst. Die Entwicklung verlief nicht überall gleich und nicht gleich schnell, lokale Kulte und Traditionen spielten dabei eine Rolle [11]. Das bekannteste Bauwerk ist der Parthenon auf der Akropolis von Athen. Auf Anregung des Perikles entwarfen die Architekten Iktinos und Kallikrates den Tempel, die Arbeiten am Bauschmuck leitete der Bildhauer Phidias [5]. Gebaut wurde von 447 bis 438 v. Chr., am Skulpturenschmuck arbeitete man mindestens bis 433 v. Chr. [5].

Im Inneren stand eine etwa elf Meter hohe Statue der Athena aus Gold und Elfenbein, geweiht 438 v. Chr. [5]. Rund um die Außenwand der Cella lief ein etwa 160 Meter langer Fries mit dem Festzug der Panathenäen. An den vier Seiten zeigten 92 Metopen Kämpfe aus der Mythologie: im Süden die Kentauren, im Osten die Giganten, im Westen die Amazonen und im Norden den Trojanischen Krieg [5]. Das Gold der Athenastatue wog rund 44 Talente, etwa 1.150 Kilogramm [5]. Auch der Parthenon war zumindest teilweise bemalt. Die Decken im Inneren waren dunkelblau, auf Teilen der Giebelskulpturen wurde Ägyptisch Blau nachgewiesen [5].

Am 26. September 1687 traf eine venezianische Kanonenkugel ein osmanisches Pulvermagazin im Tempel, die Explosion zerstörte ihn teilweise [5]. Zwischen 1801 und 1812 ließ Lord Elgin große Teile des Skulpturenschmucks abtransportieren. Seit 1817 sind sie im British Museum ausgestellt, Griechenland fordert sie seit 1982 zurück [5]. Die meisten in Athen verbliebenen Stücke zeigt das Akropolismuseum, am Bau selbst sitzen nur Kopien [5]. Mehr zur Polis Athen steht unter Das antike Griechenland.

Hellenismus: Bewegung und Ausdruck

Ab dem Hellenismus verbreitete sich griechisch geprägte Kunst über ein riesiges Gebiet, von Nubien bis zur Krim und vom Punjab bis Sizilien [11]. Die Zeit des Hellenismus reicht nach gängiger Einteilung bis 30 v. Chr., als Rom das Ptolemäerreich in Ägypten übernahm [7]. Den Begriff führte der Historiker Johann Gustav Droysen Mitte des 19. Jahrhunderts ein [7].

Die Bildhauer dieser Zeit strebten verstärkt nach Realismus, stellten auch die unteren Schichten dar und gingen dabei teils bis ins Groteske. Ihre Figuren greifen in den Raum aus, der Stil gilt als bewegt und emotional [7]. Für den bewegten Stil aus Pergamon prägte Jacob Burckhardt den Ausdruck "Pergamenischer Barock" [7]. Beispiele sind der Pergamonaltar in Berlin mit dem Kampf der Götter gegen die Giganten, die Laokoon-Gruppe in Rom und die Nike von Samothrake [7]. Viele Werke kennen wir nur aus römischen Kopien, etwa die Gallierfiguren, die König Attalos I. aufstellen ließ, darunter der "Sterbende Gallier" [7].

Auch die Aphrodite von Melos, bekannt als Venus von Milo, gehört in diese Reihe [7]. Sie wurde 1820 auf der Insel Milo gefunden und besteht aus mehreren Blöcken parischen Marmors. Der französische Botschafter Marquis de Rivière erwarb sie und schenkte sie König Ludwig XVIII., der sie im März 1821 dem Louvre übergab [6]. Weil die Arme fehlen, war lange unklar, ob sie Aphrodite oder Amphitrite darstellt. Den Ausschlag gaben Schmuckreste und eine Hand mit Apfel, die man mit ihr fand [6].

Rom: Beton und Kuppeln

Am Ende des Hellenismus verschmolz die griechische Kunst zunehmend mit der römischen [11]. Ein Hauptwerk römischer Baukunst ist das Pantheon in Rom. Kaiser Hadrian ließ es neu errichten. Die Bauzeit wird traditionell auf 118 bis 125 n. Chr. angesetzt. Neuere Auswertungen von Ziegelstempeln deuten auf einen Baubeginn schon zwischen 114 und 119 hin, also womöglich noch unter Trajan [8]. Die Kuppel besteht aus römischem Beton, dem Opus caementicium, gemischt mit Tuff und Bimsstein, und hat einen Innendurchmesser von rund 43 Metern [8]. In ihrem Scheitel liegt eine runde Öffnung von etwa neun Metern [8].

Das Innere eines antiken Kuppelbaus mit Kassettendecke und runder Öffnung, durch die ein Sonnenstrahl fällt
Bild: KI-generiert

Mehr als 1.700 Jahre lang war das Pantheon die größte Kuppel der Welt, gemessen am Innendurchmesser [8]. Erhalten blieb es, weil der oströmische Kaiser Phokas den Tempel 608 dem Papst schenkte. Bonifatius IV. weihte ihn vermutlich 609 als Kirche [8]. Die Geschichte des Reiches dahinter erzählt die Seite Das Römische Reich.

China: eine Armee aus Ton

Auch außerhalb des Mittelmeerraums entstanden große Werke. Beim Grab des ersten chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi stießen Bauern am 29. März 1974 beim Brunnenbau auf die ersten Figuren der Terrakotta-Armee [13]. Die Zahlen schwanken: Die Wikipedia nennt gut 8.000 Figuren [10], die World History Encyclopedia über 7.000 Krieger, 600 Pferde und knapp 100 Streitwagen [13]. Das Grabmal ließ der Herrscher schon in seinem ersten Jahr als König von Qin anlegen [10]. Mehr dazu steht unter Das antike China.

Die Antike war farbig

Die Vorstellung, antike Skulptur sei von Natur aus weiß gewesen, nennt die Liebieghaus Skulpturensammlung in Frankfurt ein Missverständnis, das auf den Kunstgelehrten Johann Joachim Winckelmann (1717 bis 1768) zurückgeht [9]. Schon Adolf Furtwängler fertigte Anfang des 20. Jahrhunderts in München Farbrekonstruktionen an. Mitte der 1960er Jahre untersuchte Volkmar von Graeve den Alexandersarkophag mit UV-Licht, das verblasste Malerei auf Marmor sichtbar macht [9]. Seit einigen Jahren lässt sich das Pigment Ägyptisch Blau zusätzlich über Infrarot-Lumineszenz nachweisen [9].

Eine Restauratorenwerkbank mit Schälchen voller Farbpigmente in Blau, Rot, Ocker und Grün, Pinseln und einem Marmorfragment
Bild: KI-generiert

Aus dieser Forschung entstand die Ausstellung "Bunte Götter". Sie begann 2003 in der Münchner Glyptothek und war danach unter anderem in den Vatikanischen Museen, in Kopenhagen und 2008 im Liebieghaus zu sehen. Eine Neuauflage unter dem englischen Titel "Gods in Color: Golden Edition" lief vom 30.01.2020 bis zum 26.09.2021 [9]. Jede Farbrekonstruktion gibt den Stand der Methoden wieder. Sie entsteht gemeinsam mit Fassmalern, Vergoldern, Gießern und Restauratoren [9]. Derzeit arbeitet das Haus an der Bemalung antiker Bronzen, unter anderem an den beiden Kriegern von Riace [9]. Wie die Renaissance die antiken Vorbilder wiederentdeckte, beschreibt die Seite Kunst der Renaissance.

  1. Altägyptische Kunst. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Code de Hammurabi, roi de Babylone (Stele, Inventar Sb 8). Musée du Louvre. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Babylon (Martina Janning). WDR, Planet Wissen. Stand 09.08.2024. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Babylonien. WDR, Planet Wissen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Parthenon. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Aphrodite, dite Vénus de Milo (Werkbeschreibung). Musée du Louvre. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Hellenismus. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Pantheon (Rom). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation A cosmopolitan based in Frankfurt (Forschung zur Polychromie). Liebieghaus Skulpturensammlung Frankfurt am Main. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Qin Shihuangdi. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. Griechische Kunst. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  12. Behörde Pergamonmuseum: Profil und Sanierung. Staatliche Museen zu Berlin. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  13. Terracotta Army (Mark Cartwright). World History Encyclopedia. Stand 06.11.2017. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.