Antike und AltertumRatgeber
Die Kelten: von Hallstatt und La Tène bis zu Caesar
Kelten nennt man Gruppen mit verwandten Sprachen und gemeinsamer Kultur, die in der Eisenzeit von Nordspanien bis Böhmen lebten. Ein einheitliches Volk waren sie nie. Archäologisch gehören sie zur Hallstattkultur ab etwa 800 v. Chr. und zur Latènekultur ab etwa 480 v. Chr., die mit der römischen Eroberung Galliens durch Caesar 58 bis 51/50 v. Chr. endete.

Die Kelten waren nie ein einheitliches Volk. Griechische und römische Autoren fassten unter diesem Namen viele Stämme zusammen, die verwandte Sprachen sprachen und eine ähnliche Kultur hatten [1]. Der Keltologe Helmut Birkhan bringt es auf eine kurze Formel: Kelte ist, wer keltisch spricht [1]. In der Eisenzeit reichte dieser Kulturraum von Nordspanien bis Böhmen [1]. Wie die Eisenzeit in Europa begann, beschreibt der Artikel über die Eisenzeit.
Der Name und die ersten Nachrichten
Den Namen "Kelten" kennen wir aus griechischen Quellen des 6. und 5. Jahrhunderts v. Chr. Herodot nennt Kelten für ein Gebiet, das von den Quellen der Donau bis ins Hinterland von Massilia, dem heutigen Marseille, reichte [1]. Nach Diodor, Caesar und Strabon war "Kelten" ursprünglich der Name, den sich Menschen im mittleren Gallien selbst gaben. Woher das Wort kommt und was es bedeutet, ist ungeklärt [1].
Die Kelten hinterließen kaum eigene Texte. Die frühesten Inschriften in einer keltischen Sprache, dem Lepontischen in Oberitalien, stammen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. [1]. Später schrieben Gallier und Keltiberer teils mit eigenen Schriften, teils mit iberischen, etruskischen oder lateinischen Buchstaben. Aus Gallien ist der Kalender von Coligny erhalten, ein Mondsonnenkalender [1]. Was über Religion, Krieg und Gesellschaft bekannt ist, stammt daher vor allem aus Ausgrabungen und aus den Berichten ihrer Gegner.
Hallstatt und La Tène: zwei Zeitabschnitte
Die Archäologie teilt die keltische Eisenzeit in zwei große Abschnitte. Beide sind nach Fundorten benannt:

| Abschnitt | Zeitraum (etwa) | Namengebender Fundort |
|---|---|---|
| Hallstattzeit | ab 800/750 v. Chr., späte Phase 650 bis 475 v. Chr. | Gräberfeld am Salzberg von Hallstatt |
| Frühlatène | 480/450 bis 300 v. Chr. | La Tène am Neuenburgersee, Schweiz |
| Mittellatène | 300 bis 150 v. Chr. | |
| Spätlatène | 150 v. Chr. bis um die Zeitenwende |
Die Zeiträume der Tabelle folgen der Übersicht zu den Kelten; je nach Region endet die Latènezeit zwischen etwa 40 v. Chr. und der Zeitenwende [1]. Die Ortsseite hallstatt.net nennt für die Hallstattzeit 800 bis 400 v. Chr. [3]. Manche Autoren sprechen erst ab etwa 650 v. Chr. von Kelten im engeren Sinn [1].
In Hallstatt stieß Johann Georg Ramsauer im November 1846 beim Anlegen einer Schottergrube auf das Gräberfeld. In den folgenden 17 Jahren öffnete er 980 Gräber und barg 19.497 Gegenstände [3]. Angezogen hatte die Menschen das Salz im Berg, der als ältestes Salzbergwerk der Welt gilt [3].
Der zweite Fundort liegt am Neuenburgersee in der Schweiz. Im November 1857 holte der Fischer Hans Kopp, der für den Sammler Friedrich Schwab arbeitete, dort innerhalb einer Stunde 40 Gegenstände aus dem Wasser, darunter 14 Schwerter und 8 Lanzenspitzen, alle aus Eisen [8]. Auf einem Kongress in Stockholm 1874 erhielten die beiden Abschnitte der Eisenzeit die Namen Hallstatt und La Tène [8]. Die Fundstelle selbst stammt aus dem späten 3. Jahrhundert v. Chr. Ein Baum für einen der Schilde wurde um 225 bis 220 v. Chr. gefällt [8].
Fürsten und ihre Gräber
In der späten Hallstattzeit entstanden auf Anhöhen befestigte Siedlungen, die man "Fürstensitze" nennt, etwa die Heuneburg an der oberen Donau oder der Mont Lassois bei Vix. Dort fanden sich eingeführte Waren aus Griechenland, in der Nähe lagen reich ausgestattete Gräber [1]. Neuere Grabungen zeigen, dass es auch unbefestigte Siedlungen im Flachland mit solchen Einfuhren gab [1].
Das bekannteste dieser Gräber liegt in Hochdorf an der Enz in Württemberg. Renate Leibfried, eine ehrenamtliche Helferin der Denkmalpflege, bemerkte dort ab 1968 Steine, die der Pflug an die Oberfläche geholt hatte. 1978/79 grub das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg unter Jörg Biel den Hügel vollständig aus [2]. Das Grab eines Mannes in einer großen Holzkammer stammt nach dem Keltenmuseum Hochdorf aus der Zeit um 540 v. Chr. [2]. Der Hügel hatte 60 Meter Durchmesser und war 6 Meter hoch. Aufgeschüttet waren 7.000 Kubikmeter Erde und 280 Tonnen Steine [2]. Seit 1987 steht der Hügel wieder aufgeschüttet in der Landschaft, seit 1991 gibt es in Hochdorf ein Museum zum Grab [2].
Kelten in Rom und Delphi
Im 4. Jahrhundert v. Chr. zogen keltische Gruppen nach Süden. Die Senonen griffen in Mittelitalien die Stadt Clusium an und besiegten danach das römische Heer an der Allia, einem Nebenfluss des Tiber, je nach Angabe gut 10 bis 16 Kilometer nördlich von Rom [4]. Die Datierung ist umstritten. Livius und Varro nennen 390 v. Chr., die moderne Forschung hält 387 v. Chr. für wahrscheinlicher, meist mit dem 18. Juli als Tag [4]. Die Kelten nahmen die Stadt ein, nur das Kapitol hielt stand. Nach der antiken Überlieferung dauerte die Belagerung sieben Monate und endete mit einem Lösegeld von 1.000 Pfund Gold [4]. Der Anführer Brennus soll dabei sein Schwert auf die Waage geworfen und "Vae victis", "Wehe den Besiegten", gerufen haben [4].
Im Jahr 279 v. Chr. zogen keltische Verbände bis vor Delphi und wurden zurückgeschlagen. Auch ihr Anführer heißt in den Quellen Brennus, was eher ein Titel als ein Name gewesen sein dürfte [1]. Ein Teil von ihnen ließ sich in Zentralanatolien nieder und hieß dort Galater [1]. Von 277 bis 189 v. Chr. siedelten sie unter anderem in der Gegend von Gordion [7]. Ihre Geschichte vor Ort erzählt der Artikel Phryger und Lyder. An die Galater richtet sich auch ein Brief des Apostels Paulus im Neuen Testament [1]. Mehr dazu steht auf bibel.domain-root.de im Beitrag Der Brief an die Galater.
Oppida, Münzen und Handwerk
Ab der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. gründeten keltische Gruppen große befestigte Orte, die Oppida. Beispiele sind Manching in Oberbayern und der Staffelberg in Oberfranken [1]. Manche hatten 5.000 bis 10.000 Einwohner. Ihre Blüte lag zwischen dem späten 2. und dem späten 1. Jahrhundert v. Chr. [1].

Seit dem Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. prägten keltische Gruppen eigene Goldmünzen. Im frühen 1. Jahrhundert v. Chr. gab es in den Oppida Galliens Geld aus drei Metallen: Gold, Silber und Potin [1]. Zu den bekanntesten Werken keltischer Metallkunst gehört der Kessel von Gundestrup, den die Forschung in die Latènezeit setzt [1].
Druiden und Opfer
Über die Druiden berichtet vor allem Caesar. Nach ihm leiteten sie Gottesdienste und Opfer, viele junge Männer gingen bei ihnen in die Lehre, und die Ausbildung konnte bis zu 20 Jahre dauern [1]. Druiden mussten nach Caesar in der Regel weder Kriegsdienst leisten noch Abgaben zahlen [1]. Caesar schrieb als Eroberer Galliens und schildert die Dinge aus seiner Sicht [5].
Die Funde von La Tène zeigen eine andere Seite. Gefunden wurden dort Reste von 26 Menschen, ursprünglich waren es vielleicht 50 bis 100. Sieben von 16 erhaltenen Schädeln zeigen Schnitte oder Verletzungen, die nach dem Tod entstanden [8]. Der Archäologe Klaus Raddatz deutete die Waffen 1952 als Waffen eines besiegten Heeres, die die Sieger den Göttern weihten. Thierry Lejars sieht in ihnen ein Siegesmal, vergleichbar dem von Ribemont-sur-Ancre [8].
Caesar erobert Gallien
Den Krieg in Gallien führte Gaius Julius Caesar von 58 bis 51/50 v. Chr. [5]. Er begann mit dem Zug der Helvetier, die im März 58 v. Chr. durch die römische Provinz Gallia Narbonensis ziehen wollten und im Juni bei Bibracte geschlagen wurden [5]. Im Jahr 52 v. Chr. erhoben sich viele gallische Stämme unter dem Arverner Vercingetorix. Nach einem römischen Rückschlag bei Gergovia zog er sich nach Alesia zurück. Caesar schloss die Stadt mit einem doppelten Belagerungsring ein, und Ende September 52 v. Chr. ergaben sich die Gallier [5]. Vercingetorix wurde als Gefangener nach Rom gebracht und später hingerichtet [5].
Die wichtigste Quelle ist Caesars eigener Bericht, die "Commentarii de bello Gallico", dessen achtes Buch sein Offizier Aulus Hirtius schrieb [5]. Plutarch spricht von etwa einer Million getöteten und einer weiteren Million versklavten Galliern. Alle diese Zahlen gelten als Schätzungen ohne sichere Grundlage [5]. Wie das Römische Reich sich danach entwickelte, zeigt der Artikel über das Römische Reich.
Boudicca und das Ende in Britannien
In Britannien erhob sich 60/61 n. Chr. Boudicca, die Anführerin der Icener, zusammen mit den benachbarten Trinovanten gegen Rom [6]. Die Aufständischen brannten Camulodunum, das heutige Colchester, nieder und griffen Londinium und Verulamium an [6]. Tacitus nennt mindestens 70.000 Tote in diesen Orten [9]. Für die Schlacht, in der der Statthalter Suetonius Paulinus die Aufständischen besiegte, nennt er mindestens 80.000 getötete Briten gegen etwa 400 Römer [9]. Historiker halten die Zahl der britischen Toten für übertrieben [6]. Eine Brandschicht in allen drei Städten bestätigt die Zerstörungen [6].
Was von den Kelten bleibt
Die keltischen Sprachen auf dem Festland sind ausgestorben. Galatisch wurde in Kleinasien noch bis in die Spätantike gesprochen [1]. Erhalten sind die inselkeltischen Sprachen Walisisch, Irisch, Schottisch-Gälisch und Bretonisch. Manx starb in den 1970er Jahren aus, Kornisch im 18. Jahrhundert, für beide gibt es Bemühungen um eine Wiederbelebung [1]. In Gallien und den Alpenländern entstanden nach der Eroberung durch Caesar und Augustus gallorömische und norisch-pannonische Mischkulturen [1]. Die Nachbarn im Norden behandelt der Artikel über die Germanen.

- Kelten. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Das Museum. Keltenmuseum Hochdorf/Enz. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Die Urgeschichte. Hallstatt.net. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Schlacht an der Allia. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Gallischer Krieg. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Boudicca. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Gordion Archaeological Project. Penn Museum, University of Pennsylvania. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Andrew Fitzpatrick, Marc-Antoine Kaeser: La Tène: a place of memory (World Archaeology 120). The Past. Stand 20.07.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Tacitus on Boudicca's Revolt (Annalen 14, Übersetzung). World History Encyclopedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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