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Die Eisenzeit: wie das Eisen von Anatolien bis Afrika die Welt veränderte

Die Eisenzeit ist die dritte Periode des Dreiperiodensystems nach Stein- und Bronzezeit, benannt nach dem Eisen für Waffen und Geräte. Als archäologische Periode beginnt sie in Anatolien um 1200 v. Chr., in Mitteleuropa um 800 v. Chr. mit der Hallstattkultur. In Afrika folgte sie ohne eigentliche Bronzezeit auf die Steinzeit.

Ein nachgebauter Schachtofen aus Lehm in einem Freilichtgelände, an seinem Fuß glühende Holzkohle
Bild: KI-generiert

Die Eisenzeit ist nach dem Eisen benannt, aus dem die Menschen nun schneidende Waffen und Geräte herstellten. Im Dreiperiodensystem folgt sie als dritte Periode auf Steinzeit und Bronzezeit [1]. Dieses System führte der dänische Prähistoriker Christian Jürgensen Thomsen 1836 in einem Museumskatalog ein [7]. In vielen Regionen setzen mit der Eisenzeit die ersten Schriftquellen ein. Die Forschung unterscheidet deshalb eine frühgeschichtliche Eisenzeit, die sie aus Funden kennt, von einer historischen Eisenzeit, über die schon Texte berichten [1].

Eisen vor der Eisenzeit

Eisen war schon lange vor der Eisenzeit bekannt. In Anatolien wurde es im 3. Jahrtausend v. Chr. vereinzelt verarbeitet, ein frühes Beispiel ist ein Dolch aus Alaca Höyük um 2500 v. Chr. [1]. Ein Teil des frühen Eisens stammte aus Meteoriten. Ein Dolch aus dem Grab des ägyptischen Königs Tutanchamun, der etwa von 1332 bis 1323 v. Chr. regierte, kam 1925 bei der Untersuchung der Mumie zum Vorschein [2]. Ein Team um Daniela Comelli vom Polytechnikum Mailand maß 2016 in der Klinge mehr als 10 Prozent Nickel [2]. Eisen aus irdischem Erz enthielt vor dem 19. Jahrhundert meist weniger als 4 Prozent, Meteoriten etwa 10 bis 30 Prozent [2].

Ägypten hatte kaum Eisenerz und wenig Holz als Brennstoff und führte das Metall nur langsam ein. Eiserne Waffen und Werkzeuge wurden dort erst um 700 bis 800 v. Chr. üblich, Nachbarn wie die Hethiter und Kusch hatten sie früher [2]. Weil Eisen schwer zu verhütten und zu schmieden war, schätzten viele Völker des Altertums es höher als Gold [2].

Wie ein Rennofen Eisen lieferte

Eisen schmilzt erst bei 1539 Grad Celsius, und diese Temperatur erreichten die frühen Öfen selten [3]. Der Rennofen war ein Schachtofen aus Lehm oder Steinen, etwa 50 bis 220 Zentimeter hoch [3]. Man heizte ihn vor und füllte ihn dann von oben abwechselnd mit Holzkohle und fein zerkleinertem Erz. Je nach Bauart lagen die Temperaturen zwischen 1100 und 1550 Grad Celsius [3]. Die Schlacke floss aus Öffnungen ab, daher der Name. Zurück blieb eine mit Schlacke durchsetzte Luppe, die der Schmied ausschmieden musste [3].

Rostbraune Raseneisenerzbrocken und Holzkohlestücke auf einem Holzbrett neben einem Lehmofen
Bild: KI-generiert

Besonders verbreitet war Raseneisenerz aus feuchten Heidegebieten und von Gewässern. Die Ausbeute lag bei höchstens etwa der Hälfte des Eisens im Erz, und für 1 Kilogramm Eisen brauchte man samt Ausschmieden rund 30 Kilogramm Holzkohle [3]. In europäischen Öfen kamen auf einen Teil Erz etwa 2,5 bis 3 Teile Kohle, im japanischen Tatara-Ofen 1 bis 2 Teile [3]. Das Verfahren blieb über mehr als 2.000 Jahre in Gebrauch, bis der Hochofen es im hohen Mittelalter verdrängte [3].

Ein Zeitalter mit vielen Anfängen

Als archäologische Periode beginnt die Eisenzeit in Anatolien um 1200 v. Chr. mit dem Untergang des Hethiterreiches [1]. Wie es dazu kam, beschreibt der Beitrag über die Bronzezeit. Andernorts liegen die Anfänge Jahrhunderte auseinander [1]:

RegionBeginn der Eisenzeit (etwa)
Anatolien, Levante1200 v. Chr.
Nordindien13. Jahrhundert v. Chr.
Griechenlandum 1050/1000 v. Chr.
Mitteleuropa (Hallstattkultur)800 v. Chr.
Norddeutschland750 v. Chr.
Dänemark500 v. Chr.
ChinaEnde des 6. Jahrhunderts v. Chr.

In Anatolien gliedert die Forschung die Eisenzeit in eine frühe Phase, die "Dunklen Jahrhunderte", eine mittlere mit phrygischer und urartäischer Zeit und eine späte, persische Zeit [1]. Ein Reich dieser mittleren Phase stellt der Beitrag über Urartu vor. In Griechenland folgte auf eine protogeometrische Zeit von 1050/1000 bis 900 v. Chr. die geometrische Zeit bis 700 v. Chr. Die Spanne von etwa 1050 bis 700 v. Chr. heißt auch dort "Dunkle Jahrhunderte", die archaische Zeit danach zählt schon zur Antike [1]. Das älteste Eisenstück Mitteleuropas ist eine Messerklinge aus Gánovce, die um 1500 v. Chr. datiert wird und vermutlich eingeführt wurde [1].

Afrika: Eisen nach der Steinzeit

In Afrika folgte die Eisenzeit ohne eine eigentliche Kupfer- oder Bronzezeit auf die Steinzeit, das europäische Dreiperiodensystem passt dort deshalb nur eingeschränkt [1]. Öfen zur Eisenverhüttung in Taruga in Zentralnigeria und bei N'Djamena im Tschad stammen aus dem ersten Jahrtausend v. Chr., etwa 800 bis 500 v. Chr. [1]. Die Forschung hält die Eisenverhüttung dort wahrscheinlich für eine eigene Erfindung. Eine Herkunft aus Meroe widerlegt die Datierung von Taruga, eine Übernahme von Karthago gilt als unwahrscheinlich [1].

Eine weite Savanne mit Granithügeln und vereinzelten Bäumen im goldenen Licht des späten Nachmittags
Bild: KI-generiert

Taruga gehört zur Nok-Kultur in Zentralnigeria, zwischen Abuja, Jos und Kaduna. Ein Forschungsprojekt der Goethe-Universität Frankfurt unter Peter Breunig setzt ihren Beginn um 1500 v. Chr. an, rund ein Jahrtausend früher als zuvor angenommen [6]. Die Nok-Kultur ist vor allem für ihre Figuren aus Terrakotta bekannt, die ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. belegt sind [6]. Sie gelten als die ältesten großen Skulpturen Westafrikas [6]. Die Eisentechnik kam nach diesen Ergebnissen erst einige Jahrhunderte nach den ersten Figuren hinzu [6]. Um 400 v. Chr. ging die Herstellung der Figuren stark zurück oder endete [6]. Weil sie oft nahe bei Bestattungen liegen, bringt die Forschung sie mit Begräbnisritualen in Verbindung [6].

Indien, China, Korea und Japan

Im heutigen Uttar Pradesh nutzten Menschen Eisen vielleicht schon zwischen dem 18. und 12. Jahrhundert v. Chr., wofür es nur wenige Belege gibt [1]. Ab dem 13. Jahrhundert v. Chr. ist eine weit verbreitete Verhüttung nachgewiesen, die als Beginn der indischen Eisenzeit gilt [1]. In China sind Kenntnisse der Eisenverarbeitung ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. belegt, im 7. Jahrhundert v. Chr. arbeiteten im Tal des Jangtse fortgeschrittene Werkstätten [1]. Die chinesische Eisenzeit fällt in die Zeit der Frühlings- und Herbstannalen und der Streitenden Reiche und endet nach der Übersicht 221 v. Chr. mit der Qin-Dynastie [1]. Mehr dazu steht im Beitrag über das antike China.

Nach Korea gelangten Eisengegenstände ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. in den Norden, ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. auch in den Süden [1]. In großem Umfang verarbeitete man Eisen dort ab dem 1. bis 2. Jahrhundert v. Chr. [1]. Die ersten Eisenwerkzeuge Japans kamen aus Korea. Dort endet die Eisenzeit nach der Übersicht mit dem Ende der Kofun-Zeit 538 n. Chr. [1].

Hallstatt und La Tène in Mitteleuropa

Um 800 v. Chr. ging in Mitteleuropa aus der Urnenfelderkultur die Hallstattkultur hervor [1]. Die frühe Eisenzeit reichte bis etwa 450 v. Chr., danach folgte bis zum Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. die Latènezeit [1]. Die Hallstattzeit teilt man in die Stufen Ha C (800 bis 620 v. Chr.) und Ha D (620 bis 450 v. Chr.), die Latènezeit in LT A bis LT D [1]. Die Unterteilung stellte Hans Hildebrand 1874 auf [1]. Die Menschen dieser Zeit stellt der Beitrag über die Kelten vor.

In Hallstatt bauten Bergleute vor allem in der Bronze- und Eisenzeit Salz ab [4]. Das Gräberfeld von Hallstatt enthält Brand- und Körperbestattungen aus der Zeit von 800 bis 400 v. Chr., nach Schätzung des Naturhistorischen Museums Wien waren es einst 5.000 bis 6.000 Gräber [4]. Im Bergwerk haben sich neben Keramik und Metall auch Gegenstände aus Holz, Leder und Textil erhalten [4].

Der Norden: ein Boot im Moor

In Norddeutschland reichte die ältere vorrömische Eisenzeit von 750 bis 480 v. Chr., die jüngere bis 30/60 v. Chr. Danach folgte die römische Kaiserzeit [1]. In Dänemark gliedert die Forschung in vorrömische Eisenzeit (500 bis 1 v. Chr.), römische Eisenzeit (1 bis 375 n. Chr.), germanische Eisenzeit (375 bis 775 n. Chr.) und Wikingerzeit (775 bis 1050 n. Chr.) [1]. Über die Nachbarn der Römer im Norden informiert der Beitrag über die Germanen.

Ein stilles Torfmoor auf einer dänischen Insel mit Schilf und dunklem Wasser unter grauen Wolken
Bild: KI-generiert

Ein bekannter Fund dieser Zeit ist das Boot von Hjortspring auf der Insel Als. Torfstecher stießen in den 1880er Jahren darauf, ausgegraben wurde es 1920 und 1921. Dabei kamen etwa 40 Prozent des Bootes zutage [5]. Eine Radiokarbondatierung der Seile ergab das 4. Jahrhundert v. Chr. [5]. Im Boot lagen Schilde, Speerspitzen, Schwerter und Kettenhemden für 80 bis 100 Krieger [5]. Das Boot gehörte nach der Deutung der Forschung wahrscheinlich zu einer Flotte von vier oder fünf Schiffen, die Als angriff. Die Bewohner wehrten die Angreifer ab, füllten ein erbeutetes Boot mit deren Waffen und versenkten es als Dankopfer im Moor [5].

Wann die Eisenzeit endete

Das Ende ist ebenso uneinheitlich wie der Anfang. In Mitteleuropa endet die Eisenzeit mit der Eingliederung ins Römische Reich, in Noricum etwa 15 v. Chr. [1]. In der Levante endete sie spätestens 332 v. Chr. mit Alexander dem Großen, im Mittelmeerraum geht sie allgemein in die Antike über [1]. In Nordeuropa dauerte sie bis zur Christianisierung im Mittelalter, in Korea bis zur Zeit der Drei Reiche [1]. In Amerika verwendet die Forschung den Begriff Eisenzeit im engeren Sinn nicht [1].

  1. Eisenzeit. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Pharaoh's Iron Dagger Made from a Meteorite, Study Confirms. Eos, American Geophysical Union. Stand 01.06.2016. abgerufen am 29.10.2026
  3. Rennofen. chemie.de Lexikon. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Prähistorie Sammlung Hallstatt (Naturhistorisches Museum Wien). Forschungsinfrastruktur-Datenbank des BMFWF. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Re-examining the Hjortspring boat. The Past. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Professor Peter Breunig: The Significance of Nok Culture Sculptures in Nigerian Prehistory. Scientia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Bronzezeit. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.