Ur- und FrühgeschichteRatgeber
Die Bronzezeit: Metall, Fernhandel und die Himmelsscheibe von Nebra
Die Bronzezeit ist die Epoche, in der Waffen, Geräte und Schmuck vor allem aus Bronze bestanden, einer Legierung aus Kupfer und meist Zinn. In Vorderasien begann sie um 3300 v. Chr., in Mitteleuropa um 2200 v. Chr. Im Vorderen Orient löste Eisen die Bronze spätestens um 1000 v. Chr. ab, in Mitteleuropa um 800 v. Chr.

Bronze ist eine Legierung aus Kupfer und anderen Elementen, vor allem Zinn, seltener Blei oder Arsen. Nach diesem Werkstoff ist die Epoche benannt, in der Waffen, Geräte und Schmuck überwiegend aus Bronze hergestellt wurden [1]. Den Begriff führte der dänische Prähistoriker Christian Jürgensen Thomsen 1836 in einem Museumskatalog ein [1]. In seinem Dreiperiodensystem steht die Bronzezeit zwischen Steinzeit und Eisenzeit [1]. Wann sie begann und endete, hängt stark von der Region ab.
Ein Zeitalter mit vielen Anfängen
Im Vorderen Orient setzt die Forschung den Beginn der Bronzezeit um 3300 v. Chr. an, in Ägypten kurz vor 2700 v. Chr. und in Mitteleuropa um 2200 v. Chr. [1]. In Skandinavien begann die Nordische Bronzezeit erst um 1800 v. Chr. Kupfer und Zinn mussten dorthin eingeführt werden, Bernstein ging als begehrte Ware in die Gegenrichtung [1]. Afrika kennt nach der Forschung keine eigentliche Kupfer- oder Bronzezeit zwischen Steinzeit und Eisenzeit, das europäische Dreiperiodensystem passt dort nur eingeschränkt [10]. Was davor lag, erklärt der Beitrag zur Kupfersteinzeit.
Für Mitteleuropa gliedert die Archäologie die Epoche in Stufen, die nach Bronzezeit (Bz) und Hallstattzeit (Ha) benannt sind [1]:
| Abschnitt | Stufen | Zeitraum (v. Chr.) |
|---|---|---|
| Frühe Bronzezeit | Bz A1, Bz A2 | 2200 bis 1600 |
| Mittlere Bronzezeit | Bz B, Bz C1, Bz C2 | 1600 bis 1300 |
| Späte Bronzezeit | Bz D, Ha A1 bis Ha B3 | 1300 bis 800 |
Die Namen der Kulturen kommen oft von der Art, wie die Menschen ihre Toten bestatteten. Die mittlere Bronzezeit heißt deshalb auch Hügelgräberbronzezeit, die späte Urnenfelderzeit [1]. Neuere Radiokarbondaten verschieben die frühen Stufen: Eine Studie von 2015 setzt den Beginn der frühen Bronzezeit in Mitteleuropa auf etwa 2150 v. Chr. und ihr Ende auf etwa 1700 v. Chr. und zeigt, dass sich Bz A1 und Bz A2 zeitlich überlappen [11].
Kupfer, Zinn und lange Handelswege
Zinn war selten und ungleich verteilt, was einen Handel über weite Strecken auslöste [1]. Bronzezeitliche Zinnbergwerke sind in Mittelasien nachgewiesen, etwa in Mushiston in Tadschikistan, wo Radiokarbondaten den Abbau von Kupfer und Zinn schon für das späte 3. Jahrtausend v. Chr. belegen [12]. Weil auf dem Iranischen Plateau bis etwa 2000 v. Chr. keine Zinnbronze vorkommt, vermutet die Forschung einen Handelsweg über den Persischen Golf nach Mesopotamien [1].

Die frühe Bronze war oft keine Zinnbronze. In Mesopotamien verarbeitete man bis in die frühdynastische Zeit Kupfer mit Arsen. Ab der Akkadzeit, also ab 2340 v. Chr., setzte sich Zinnbronze durch und verdrängte die Arsenbronze gegen 2000 v. Chr. [1]. In Ägypten bestand die erste echte Bronze aus Kupfer mit 7 bis 9 Prozent Zinn, später waren es 15 bis 20 Prozent [1].
Mitteldeutschland in der frühen Bronzezeit
Die frühe Bronzezeit Mitteleuropas, etwa 2200 bis 1600 v. Chr., ist die Zeit der Aunjetitzer Kultur [9]. Das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle beschreibt Mitteldeutschland als Knotenpunkt an Handelswegen zwischen Nord und Süd und zwischen Ost und West. Das Kupfer stammte überwiegend aus dem Ostalpengebiet, mitteldeutsche Metallgegenstände sind in Skandinavien, Oberitalien und Ungarn belegt [5].

Um 2000 v. Chr. entstanden in der Region prächtige Grabhügel für wenige herausgehobene Männer und Frauen, darunter der Hügel von Leubingen [5]. Die Beigaben aus Leubingen datiert das Museum auf um 1942 v. Chr. [5]. Ihre Macht beruhte nach dem Museum vermutlich auf dem Reichtum der Region, der Kontrolle über den Metallaustausch und den Salzvorkommen an der Saale. Salz wurde in Halle schon in der frühen Bronzezeit gewonnen [5]. Vergleichbar reiche Bestattungen gab es danach fast zwei Jahrtausende lang nicht mehr [5].
Die Himmelsscheibe von Nebra
Im Juli 1999 gruben zwei Männer mit einem Metallsuchgerät auf dem Mittelberg bei Nebra einen Bronzeschatz aus, ohne den Fund zu melden, und verkauften ihn [6, 9]. Im Februar 2002 stellte die Polizei in Basel die Stücke zusammen mit dem Landeskriminalamt, dem Kultusministerium und dem Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt sicher [2]. Zum Schatz gehören neben der Scheibe zwei Schwerter, zwei Beile, die Reste zweier Armspiralen und ein Meißel [6].
Die Scheibe misst nach Angabe der Arche Nebra 32 Zentimeter im Durchmesser und trägt goldene Auflagen [6]. Zuerst zeigte sie eine Sonne oder einen Vollmond, eine Mondsichel und 32 Sterne [6]. Sieben davon bilden eine Gruppe, die als Plejaden gedeutet wird. Später kamen Horizontbögen am Rand und ein Schiff hinzu, danach Löcher am Rand, und ein Horizontbogen ging verloren [6]. Das Landesmuseum sieht darin ein Schiff in nächtlicher Fahrt über den Himmelsozean, die Arche Nebra spricht von einer Sonnenbarke [2, 6]. In Europa ist dieses mythische Bild hier zum ersten Mal überliefert [2]. Das Landesmuseum nennt sie "die weltweit älteste konkrete Darstellung astronomischer Phänomene, die wir kennen" [2].
Das Kupfer stammt vermutlich aus dem Ostalpenraum, wo um 1600 v. Chr. mehrere Bergwerke arbeiteten; das größte lag am Mitterberg [4]. Für die Goldbleche schlug man Vertiefungen in die Bronze, legte das Gold ein und klemmte es fest, indem man den Rand glatt hämmerte. Diese Technik heißt Tauschieren [4]. Im Juni 2013 nahm die UNESCO die Scheibe in das Register "Memory of the World" auf [2]. Seit dem 23.05.2008 ist sie in der Dauerausstellung des Landesmuseums in Halle zu sehen [2]. Wer die Gegend bereisen möchte, findet Anregungen im Beitrag Camping in Sachsen-Anhalt.
Streit um das Alter der Scheibe
Weil die Scheibe kein direktes Gegenstück hat, datiert das Landesmuseum sie über die Beifunde. Beile und Meißel weisen auf das Ende der frühen Bronzezeit um 1600 v. Chr. [3]. Die Schwerter verbinden Merkmale aus Südost- und Nordeuropa; vergleichbare, einfachere Waffen aus Deutschland stammen aus der Zeit von etwa 1700 bis 1500 v. Chr. Die Armspiralen waren zu lange in Gebrauch, um das Datum enger zu fassen [3]. Reste von Birkenrinde in den Schwertgriffen ergaben nach der Radiokarbonmethode das 16. bis 15. Jahrhundert v. Chr. [3]. Kupfer ist nach dem Verhütten etwa 100 Jahre lang schwach radioaktiv [3]. Die Scheibe zeigt keine messbare Strahlung mehr, ist also älter als diese rund 100 Jahre [3].
Im September 2020 widersprachen Rupert Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung München und Rüdiger Krause von der Goethe-Universität Frankfurt [7]. Nach ihrer Analyse ist der bisher angenommene Fundort wahrscheinlich nicht die Stelle, an der die Raubgräber gruben, und Schwerter, Beile und Armschmuck bilden kein sicher zusammengehöriges Ensemble [7]. Stilistisch passe die Scheibe besser in die Eisenzeit. Sie sei damit "rund 1000 Jahre jünger als bisher angenommen" [7]. Das Landesamt in Halle spricht in einer Mitteilung von 2023 weiter davon, dass die Scheibe um 1600 v. Chr. vergraben wurde [9].
Bronzezeit in Vorderasien und China
Im Vorderen Orient reichte die frühe Bronzezeit etwa von 3300 bis 2000 v. Chr., die späte in der Levante etwa von 1550 bis 1200 v. Chr. [1]. In Ägypten gilt das Neue Reich, etwa 1550 bis 1070 v. Chr., als späte Bronzezeit [1]. Zu den Reichen dieser Zeit gehörten die Hethiter in Anatolien und die Stadtstaaten Mesopotamiens, die der Beitrag über Sumer vorstellt.
In China folgte nach der Überlieferung auf die Xia-Dynastie, für die je nach Zählung etwa 2200 bis 1800 v. Chr. oder 2070 bis 1600 v. Chr. angegeben werden, die Shang-Dynastie, etwa 1600 bis 1046 v. Chr., mit ihrer Hauptstadt bei Anyang [1]. Bronze diente dort vor allem für Ritualgefäße, Waffen und Tierfiguren. Werkzeuge stellte man weiter aus Holz und Stein her [1].
Das Ende um 1200 v. Chr.
Zwischen dem späten 13. und dem frühen 12. Jahrhundert v. Chr. brach im östlichen Mittelmeerraum ein Gefüge von Reichen und Handelsstädten zusammen [8]. Die Stadt Ugarit wurde zwischen 1194 und 1186 v. Chr. angegriffen und zerstört [8]. Die hethitische Hauptstadt Hattuša wurde gegen Ende des 13. oder zu Beginn des 12. Jahrhunderts v. Chr. aufgegeben [8].

Ägyptische Quellen berichten von fremden Angreifern, die die Forschung seit dem späten 19. Jahrhundert "Seevölker" nennt [8]. Merenptah meldet in seinem 5. Regierungsjahr, um 1208 v. Chr., einen Angriff von Libyern und Seevölkern [8]. Ramses III. ließ Kämpfe aus seinem 8. Regierungsjahr, um 1180 v. Chr., an seinem Totentempel in Medinet Habu darstellen [8, 13]. Die Inschrift dort nennt Gruppen wie Peleset, Tjeker, Šekeleš, Danuna und Waschasch. Jean-François Champollion setzte die Peleset mit den Philistern gleich [8]. Nach einem Lehrmaterial der Universität Hamburg ist das die einzige Gleichsetzung, die als sicher gilt, bei den übrigen Namen gibt es Schwierigkeiten [13]. Der Papyrus Harris I, kurz nach dem Tod Ramses' III. entstanden, erwähnt gefangene Šardana, die als Hilfstruppen angesiedelt wurden [8]. Ob die Seevölker die Zerstörungen verursachten, ist nicht in allen Fällen belegt [8].
Als Ursachen diskutiert die Forschung Trockenphasen zwischen etwa 1250 und 1100 v. Chr., die Pollenanalysen nahelegen, dazu Erdbeben, politische Krisen, gestörten Handel und Wanderungen [8]. Hungersnöte und Getreidelieferungen, etwa aus Ägypten, sind belegt [8]. Auch Folgen von Vulkanausbrüchen wie dem auf Thera werden genannt, diese Annahmen sind umstritten [8]. Eine Erdbebenserie zwischen etwa 1230 und 1170 v. Chr. vertreten Nur und Cline in einer Arbeit von 2000, Grabungen in Tiryns und Midea lieferten dafür jedoch keine Belege [8]. Neuere Arbeiten sehen eine Krise mit mehreren Ursachen, die sich gegenseitig verstärkten [8]. Wie es danach weiterging, zeigt der Beitrag über die Eisenzeit.
- Bronzezeit. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Himmelsscheibe von Nebra. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Datierung (Himmelsscheibe von Nebra). Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Vom Kupfererz zum Himmelsbild (Himmelsscheibe von Nebra). Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Die Zeit der Himmelsscheibe. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation The Sky Disc of Nebra. Arche Nebra, Himmelsscheibe erleben. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Neue Datierung der Himmelsscheibe von Nebra (Pressemitteilung). Goethe-Universität Frankfurt, idw Informationsdienst Wissenschaft. Stand 03.09.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Seevölker. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Himmelsscheibe von Nebra: 10. Jahrestag der Aufnahme in das Weltdokumentenerbe (Pressemitteilung). Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, idw Informationsdienst Wissenschaft. Stand 16.06.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Eisenzeit. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Rewriting the Central European Early Bronze Age Chronology: Evidence from Large-Scale Radiocarbon Dating (P. W. Stockhammer u. a., PLOS ONE 10, Nr. 10, e0139705). PLOS ONE. Stand 2015. abgerufen am 29.10.2026
- Studie The rise of bronze in Central Asia: new evidence for the origin of Bronze Age tin and copper from multi-analytical research (D. Berger u. a., Frontiers in Earth Science 11). Frontiers Media. Stand 2023. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Die Seevölker: Leitfragen und Kommentar (eManual Alte Geschichte). Universität Hamburg. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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