Personen der GeschichteRatgeber
Mao Zedong: vom Bauernsohn aus Hunan zum Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas
Mao Zedong (1893 bis 1976) führte die Kommunistische Partei Chinas zur Macht und rief am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik aus. Der Große Sprung nach vorn ab 1958 endete in einer Hungersnot, bei der nach Schätzungen der Bundeszentrale für politische Bildung 15 bis 45 Millionen Menschen starben, ab 1966 folgte die Kulturrevolution. Er starb am 9. September 1976.

Mao Zedong wurde am 26. Dezember 1893 in Shaoshan in der Provinz Hunan geboren [1, 7]. Nach jahrzehntelangen Kämpfen führte er die Kommunistische Partei Chinas an die Macht und gründete die Volksrepublik China [1]. Als er am 9. September 1976 mit 82 Jahren starb, hatte er 27 Jahre an der Spitze des Landes gestanden [5]. Das maoistische Regime forderte nach wissen.de Millionen Opfer [1].
Herkunft in Hunan
Shaoshan ist ein kleines Dorf etwa 100 Kilometer von Changsha entfernt, der Hauptstadt der Provinz Hunan [7]. Maos Eltern waren Bauern, die nach Planet Wissen "halbwegs ein Auskommen" hatten [3]. Er lernte lesen und schreiben und sprach nur den Dialekt seiner Heimatprovinz [3]. Sein Geburtshaus war größer als die übrigen Häuser im Dorf, das Haus der Vorfahren wurde Anfang der 1950er Jahre wiederhergestellt [7]. Nach 1949 kehrte Mao nur zweimal in das Dorf zurück, 1959 und 1966 [7].
Kommunistische Partei und Bürgerkrieg
Die Kommunistische Partei Chinas wurde 1921 in Shanghai gegründet [2]. Sie ging aus dem linken Flügel der Neuen Kulturbewegung von 1919 hervor, führende Köpfe der ersten Jahre waren Chen Duxiu und Li Dazhao [2]. 1923 schloss die Partei ein Bündnis mit der Guomindang, das Chiang Kai-shek 1927 brach [2]. Danach mussten die Kommunisten in den Städten in den Untergrund gehen [2].
Das wichtigste kommunistische "Sowjetgebiet" entstand im Grenzland der Provinzen Jiangxi und Fujian, geführt von Mao und Zhu De [2]. Hier zeigte sich, was später Maoismus hieß: der Guerillakrieg und die Bauern als Träger der Revolution [1]. Wie sich diese Lehre zu anderen Spielarten verhält, erklärt der Artikel Der Kommunismus.
Der Lange Marsch
1934/35 entzog sich Maos Rote Armee der Umzingelung durch Truppen der Guomindang und zog nach Nordwestchina [2]. In Yan'an in der Provinz Shaanxi entstand ein neuer Stützpunkt [2]. Planet Wissen beschreibt den Langen Marsch als Flucht über etwa 12.000 Kilometer, von 100.000 bis 120.000 Teilnehmern hätten etwa 10.000 überlebt [3]. In Machtkämpfen während des Marsches gelangte Mao an die Spitze der Partei [3]. 1937 setzte er sich nach wissen.de endgültig als Parteiführer durch [2].

Der Bürgerkrieg zwischen den Kommunisten und den Truppen Chiang Kai-sheks dauerte bis 1949 und endete mit dem Sieg der Kommunisten [3]. Am 1. Oktober 1949 rief Mao auf dem Tiananmen-Platz in Peking die Volksrepublik China aus [3, 4].
Bodenreform und erste Jahre
Bei der Gründung lag das Einkommen pro Kopf nach Planet Wissen bei 54 US-Dollar, 70 Prozent der Bevölkerung waren besitzlose Bauern, Tagelöhner und Wanderarbeiter [4]. In der Bodenreform von 1949 bis 1952 wurde fast die Hälfte des Bodens neu verteilt, große und kleine Grundbesitzer wurden enteignet [4]. Die Partei förderte die gewaltsame Landnahme, es gab Schauprozesse, Demütigungen, Folter und Tötungen mit Tausenden Opfern [4]. Der erste Fünfjahresplan von 1953 bis 1957 setzte auf die Schwerindustrie, die Landwirtschaft blieb zurück [4].
1956 rief die Partei mit der Losung "Lasst hundert Blumen blühen" zur Kritik am System auf [4]. 1957 wurde daraus eine Kampagne gegen "Rechte": Wer sich kritisch geäußert hatte, wurde verfolgt, eingesperrt oder hingerichtet, Hunderttausende starben oder kamen in Arbeitslager [4].
Zur selben Zeit kühlte das Verhältnis zur Sowjetunion ab. Chruschtschows Geheimrede gegen Stalin auf dem 20. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 empfand die chinesische Führung als Vertrauensbruch [6]. 1960 zog Moskau seine technischen Berater ab und stellte die Hilfe beim chinesischen Atombombenprojekt ein, 1963/64 folgte der offene Streit über die Lehre [6]. Er spaltete die kommunistische Weltbewegung [1]. Den Rahmen beschreibt der Artikel Der Kalte Krieg.
Der Große Sprung nach vorn
Von 1958 bis 1961 sollte der Große Sprung nach vorn China rasch industrialisieren und die Landwirtschaft kollektivieren [5]. Bauern wurden in genossenschaftliche Großverbände gezwungen [4]. Auf Höfen und in Hinterhöfen sollten sie Hochöfen bauen und Stahl erzeugen, oft entstand nur minderwertiges Eisen, und landwirtschaftliche Geräte wurden eingeschmolzen [4]. Die Agrarproduktion brach ein [5].

Große Mengen Getreide gingen an die Städte, an die Industriearbeiter und in den Export, zulasten der Landbevölkerung [5]. In der folgenden Hungersnot starben nach den von der bpb genannten Schätzungen 15 bis 45 Millionen Menschen, die bpb datiert sie auf 1959 bis 1961 [5]. Planet Wissen setzt sie auf 1960 bis 1962 und berichtet, dass Menschen Rinde und Blätter aßen [4]. 1959 wurde Verteidigungsminister Peng Dehuai abgesetzt, weil er den Großen Sprung kritisiert hatte [6]. Staatspräsident Liu Shaoqi schrieb die Hungerkatastrophe eher politischen Fehlern zu [6]. Mao galt danach als diskreditiert, die Führung übernahmen Pragmatiker um Deng Xiaoping [4].
Die Kulturrevolution
Den Anlass gab im November 1965 die Kritik an einem Theaterstück von Wu Han [6]. Im Mai 1966 verabschiedete eine erweiterte Sitzung des Politbüros die "Mitteilung vom 16. Mai", die erst ein Jahr später veröffentlicht wurde [5, 6]. Am 8. August 1966 beschloss das Zentralkomitee das sogenannte 16-Punkte-Programm [5, 6]. Nach der Einschätzung von Historikern wollte Mao seine Macht zurückgewinnen, die Partei "säubern" und Rivalen ausschalten [5]. Anders als der Große Sprung zielte die neue Kampagne auf Politik, Kultur und Bildung, nicht auf Wirtschaft und Landwirtschaft [5]. Gesteuert wurde sie von 1966 bis 1969 von der Zentralen Gruppe Kulturrevolution um Maos Frau Jiang Qing [6].

Träger der ersten Phase waren die Roten Garden, meist Schülerinnen, Schüler und Studierende aus den Städten [5, 6]. Anfang August 1966 wurde an einer Pekinger Schule die stellvertretende Schulleiterin Bian Zhongyun erschlagen [6]. Zu acht Massenbegegnungen mit Mao kamen in der zweiten Hälfte des Jahres 1966 rund zwölf Millionen Menschen [6]. Im Oktober 1966 verloren Liu Shaoqi und Deng Xiaoping ihre Ämter, Liu überlebte die Angriffe nicht, Deng musste in einer Traktorenfabrik arbeiten [6]. Das Buch mit Mao-Zitaten, die "Mao-Bibel", erreichte in China eine Auflage von rund 1,1 Milliarden Exemplaren [5]. Der Personenkult um Mao erreichte in diesen Jahren seinen Höhepunkt [3]. Sein Geburtsort Shaoshan wurde zum Wallfahrtsort, im Jahr 1966 kamen etwa drei Millionen Besucher [7].
Nach dem Wuhan-Zwischenfall im Juli 1967, bei dem bewaffnete Gruppen gegeneinander kämpften, setzte Mao auf die Armee [5]. Schon im Dezember 1966 waren Organisationen von Arbeitern und Bauern zugelassen worden, im Januar 1967 folgte der Aufruf zu Machtübernahmen [6]. Im Februar 1967 lehnte Mao die Shanghaier Kommune ab und setzte stattdessen auf Revolutionskomitees, die bis September 1968 gebildet wurden [6]. Ab Juli 1968 wurden die Rotgardisten aufs Land geschickt, zwischen 1968 und 1980 betraf das rund 17 Millionen junge Menschen aus den Städten [6].
Wie viele Menschen starben, lässt sich nicht genau sagen. Veröffentlichte Schätzungen reichen nach der bpb von einigen Zehntausend bis zu mehreren Millionen, chinesische Lokalchroniken ergeben für die Zeit bis 1971 1,1 bis 1,6 Millionen Tote [5]. Der Sinologe Daniel Leese nennt rund 1,7 Millionen Todesopfer, die meisten in den Jahren 1968 bis 1970, und politische Verfolgung im zweistelligen Millionenbereich [6]. Der damalige stellvertretende Parteivorsitzende Ye Jianying sprach im Dezember 1978 in einer internen Rede von rund 100 Millionen Menschen, die von den Verfolgungen betroffen waren [5]. Viele von ihnen wurden öffentlich gedemütigt, zu Geständnissen gezwungen, enteignet oder gefoltert [5]. Etwa drei Viertel der Toten und rund 90 Prozent der Verfolgungen gingen nach Leese auf staatliche Stellen zurück, etwa Milizen, Armee und Sicherheitsorgane [6].
Lin Biao, Nixon und Maos Tod
Der 9. Parteitag erklärte die Kulturrevolution im April 1969 für beendet, ob sie damals oder erst mit Maos Tod endete, ist in der Forschung umstritten [2, 6]. Lin Biao, 1969 zu Maos Nachfolger bestimmt, geriet mit ihm in Konflikt und starb im September 1971 bei einer Notlandung in der Mongolei [6]. Im Oktober 1971 erhielt die Volksrepublik den Sitz im UN-Sicherheitsrat, 1972 besuchte US-Präsident Richard Nixon China [6].
Deng Xiaoping wurde 1973 rehabilitiert [5, 6]. Nach dem Tod Zhou Enlais im Januar 1976 und gewaltsam aufgelösten Protesten auf dem Tiananmen-Platz im April 1976 machte man ihn für die Proteste verantwortlich und stürzte ihn erneut [5]. Mao starb am 9. September 1976 in Peking an den Folgen seines dritten Herzinfarkts [1, 3]. Zu seinem Nachfolger hatte er kurz zuvor Hua Guofeng bestimmt [5].
Am 6. Oktober 1976 ließ Hua Guofeng die sogenannte Viererbande verhaften: Maos Witwe Jiang Qing, Zhang Chunqiao, Yao Wenyuan und Wang Hongwen [5]. Die Partei datiert das Ende der Kulturrevolution auf diesen Tag [5]. Der Prozess begann am 20. November 1980, das Urteil fiel am 25. Januar 1981; Jiang Qing und Zhang Chunqiao wurden zum Tode verurteilt, die Strafen später in lebenslange Haft umgewandelt [5].
Die Resolution von 1981
Im Juni 1981 verabschiedete die Partei eine "Resolution über einige Fragen in unserer Parteigeschichte seit Gründung der Volksrepublik China" [5, 6]. Darin trägt Mao die Hauptverantwortung für den "linken" Fehler der Kulturrevolution, Verbrechen seien hinter seinem Rücken von Lin Biao, Jiang Qing und ihren Helfern begangen worden [5]. Historiker sehen darin den Versuch, die Verantwortung auf einen kleinen Kreis zu verlagern [5]. Die Resolution gibt bis heute den offiziell zulässigen Rahmen für die Bewertung vor [6]. Eine offene gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Kulturrevolution findet nach der bpb in China bis heute nicht statt, ein öffentliches Gedenken an die Opfer gibt es nicht [5]. Wie sich das Land danach entwickelte, zeigen die Artikel Die Geschichte Chinas und Die Diktatur.
- Mao Zedong (Lexikon). wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Kommunistische Partei Chinas (Lexikon). wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Mao Zedong: gnadenloser Machtmensch (Gregor Delvaux de Fenffe). Planet Wissen, WDR. Stand 30.06.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation China unter Mao: 1949 bis 1966 (Gregor Delvaux de Fenffe). Planet Wissen, WDR. Stand 30.06.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 1976: Das Ende der Kulturrevolution in China. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 02.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Kulturrevolution in China: Ursachen, Verlauf und Folgen (Daniel Leese, Aus Politik und Zeitgeschichte). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 03.06.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Shaoshan. chineseposters.net. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
PersonenJohn F. KennedyJohn F. Kennedy von Brookline bis Dallas: Kriegseinsatz auf PT 109, Wahl 1960, Schweinebucht, Kubakrise, Berlin-Besuch 1963 …
PersonenMartin Luther KingMartin Luther King von Atlanta bis Memphis: Busboykott in Montgomery, Brief aus Birmingham, Marsch auf Washington …
PersonenNelson MandelaNelson Mandela von Mvezo bis Johannesburg: ANC-Jugendliga, Hochverratsprozess, bewaffneter Kampf, Rivonia-Prozess, 27 Jahre …