Das 20. JahrhundertRatgeber
Der Kalte Krieg: der Konflikt zwischen Ost und West 1947 bis 1991
Der Kalte Krieg war der weltweite Konflikt zwischen den USA mit ihren Verbündeten und der Sowjetunion mit ihren Verbündeten nach dem Zweiten Weltkrieg. Meist rechnet man ihn von der Truman-Doktrin 1947 bis zur Auflösung der Sowjetunion im Dezember 1991. Die beiden Supermächte führten keinen direkten Krieg gegeneinander, standen sich aber in Wettrüsten, Krisen und Stellvertreterkriegen gegenüber.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zerfiel das Bündnis der Siegermächte. Auf der einen Seite standen die USA und die westlichen Demokratien, auf der anderen die Sowjetunion und die kommunistischen Staaten, die sie in Osteuropa kontrollierte. Über vier Jahrzehnte rüsteten beide Lager gegeneinander auf, ohne dass die Supermächte direkt gegeneinander Krieg führten. Daher der Name Kalter Krieg. Auf dieser Seite findest du die wichtigsten Stationen von den Anfängen 1946 und 1947 bis zum Ende der Sowjetunion 1991.
Der Eiserne Vorhang
Am 05.03.1946 sprach der frühere britische Premierminister Winston Churchill am Westminster College in Fulton im US-Bundesstaat Missouri. Er sagte, über den Kontinent habe sich ein "iron curtain", ein Eiserner Vorhang, gesenkt. Die Trennlinie zog er von der Ostsee bis zur Adria [1]. Hinter dieser Linie lagen nach seinen Worten Warschau, Berlin, Prag, Wien, Budapest, Belgrad, Bukarest und Sofia, alle in der sowjetischen Einflusssphäre und zunehmend unter der Kontrolle Moskaus [1].
Eindämmung: Truman-Doktrin und Marshallplan
Am 12.03.1947 bat US-Präsident Harry S. Truman den Kongress um 400 Millionen Dollar Hilfe für Griechenland, wo ein Bürgerkrieg gegen die Kommunistische Partei tobte, und für die Türkei [2]. Außerdem wollte er amerikanisches ziviles und militärisches Personal in die Region schicken. Die USA sollten, so Truman, freie Völker unterstützen, die sich gegen Unterwerfung wehren [2]. Im selben Jahr veröffentlichte der Diplomat George F. Kennan anonym den sogenannten X-Artikel. Darin forderte er eine langfristige, geduldige und feste Eindämmung der sowjetischen Ausdehnung. Diese Politik des Containment wurde zur Grundlinie der USA im Kalten Krieg [3].
Am 05.06.1947 rief Außenminister George C. Marshall an der Harvard-Universität zu einem Programm für den Wiederaufbau Europas auf [4]. Der Kongress beschloss es im März 1948, am Ende flossen über 12 Milliarden Dollar nach Westeuropa. Die Sowjetunion beteiligte sich nicht, weil sie fürchtete, die USA könnten wirtschaftlichen Einfluss auf ihre osteuropäischen Satellitenstaaten gewinnen [4].
Berlin-Blockade und Luftbrücke
Am 24.06.1948 sperrte die Sowjetunion alle Wege zu Land und zu Wasser nach West-Berlin [5]. Die USA antworteten am 26.06.1948 mit einer Luftbrücke, der "Operation Vittles". Zwei Tage später beteiligte sich Großbritannien mit der "Operation Plainfare". In den Spitzenzeiten landete auf dem Flughafen Tempelhof alle 45 Sekunden ein Flugzeug [5]. Im Mai 1949 hob Moskau die Blockade auf [5]. Rund zwei Wochen danach wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet, die DDR folgte. Die Krise festigte die Teilung Europas [5]. Wie sich die beiden deutschen Staaten entwickelten, beschreibt die Seite DDR und Bundesrepublik.

Zwei Bündnisse
Am 04.04.1949 unterzeichneten westliche Staaten in Washington den Nordatlantikvertrag, die Gründungsurkunde der NATO [6]. Die Bundesrepublik trat dem Bündnis 1955 bei. Im selben Jahr gründeten die Sowjetunion und die von ihr abhängigen Staaten Osteuropas den Warschauer Pakt [6]. Wie die Sowjetunion ihren Machtbereich zusammenhielt, erklärt die Seite zum Ostblock.
Inzwischen hatte auch die Sowjetunion eine Atombombe gezündet, und in China hatten die Kommunisten den Bürgerkrieg gewonnen. In den USA entstand daraufhin das Strategiepapier NSC-68, abgeschlossen am 07.04.1950 vom Planungsstab des Außenministeriums unter Paul Nitze. Das streng geheime Papier von 58 Seiten warnte vor feindlichen Absichten der Sowjetunion und empfahl eine starke Aufrüstung mit konventionellen und atomaren Waffen, bezahlt durch höhere Steuern und Einsparungen an anderer Stelle. Einen Rückzug aus der Weltpolitik lehnte es ebenso ab wie einen Präventivschlag. Öffentlich wurde es erst 1975 [7]. Als im Juni 1950 nordkoreanische Truppen mit sowjetischer und chinesischer Rückendeckung in Südkorea einmarschierten, setzte sich diese Linie in Washington durch [7].
Sputnik und das Rennen ins All
Am 04.10.1957 brachte die Sowjetunion mit Sputnik 1 den ersten künstlichen Satelliten in eine Umlaufbahn [8]. In den USA löste das einen Schock aus. Viele fürchteten, technisch und militärisch zurückzuliegen. Präsident Dwight D. Eisenhower spielte den Erfolg öffentlich herunter, stockte aber Geld und Mittel für das eigene Raumfahrtprogramm auf [8]. Im Dezember 1957 explodierte der amerikanische Vanguard-Satellit noch auf der Startrampe, erst am 31.01.1958 gelang mit Explorer der erste US-Satellit [8]. Die Angst vor einer "Raketenlücke" prägte noch den Präsidentschaftswahlkampf 1960 [8]. Wie das Rennen ins All weiterging, zeigt die Seite zur Mondlandung 1969.

Mauerbau und Kubakrise
In der Nacht vom 12. auf den 13.08.1961 gab Walter Ulbricht den Befehl, die Sektorengrenze in Berlin abzuriegeln. Am frühen Morgen des 13.08.1961 begannen bewaffnete Grenzpolizisten, mitten in Berlin das Straßenpflaster aufzureißen [14]. Die Mauer um den Westteil der Stadt war am Ende rund 156 Kilometer lang [9].
Ein Jahr später stand die Welt kurz vor einem Atomkrieg. Im Juli 1962 hatten Chruschtschow und Fidel Castro heimlich vereinbart, sowjetische Atomraketen auf Kuba zu stationieren. Am 14.10.1962 fotografierte ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug die Baustellen [10]. Präsident John F. Kennedy verhängte am 22.10.1962 eine Seeblockade, die er "Quarantäne" nannte, weil eine Blockade nach Kriegsrecht als Kriegshandlung gegolten hätte [10]. Kennedy forderte Chruschtschow am selben Tag schriftlich auf, die Raketen abzubauen. Am 27.10.1962 verlangte Chruschtschow in einer zweiten Botschaft zusätzlich den Abzug der amerikanischen Jupiter-Raketen aus der Türkei. Am selben Tag wurde über Kuba ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug abgeschossen [10]. Am 28.10.1962 kündigte Chruschtschow an, die Raketen abzubauen. Im Gegenzug versprachen die USA, Kuba nicht anzugreifen, und sagten insgeheim zu, ihre Jupiter-Raketen aus der Türkei abzuziehen. Das geschah im April 1963. Die Seeblockade endete erst am 20.11.1962, nachdem die Sowjetunion auch ihre Bomber vom Typ Il-28 abzuziehen bereit war [10]. Danach richteten beide Seiten einen direkten Draht zwischen Weißem Haus und Kreml ein [10]. Die dreizehn Tage im Oktober beschreibt die Seite zur Kubakrise 1962.
Entspannung und KSZE
In den 1970er Jahren suchten beide Seiten nach Wegen, die Konfrontation zu begrenzen. Ein Ergebnis war die Schlussakte von Helsinki, die 35 Staaten am 01.08.1975 unterschrieben: alle europäischen Staaten außer Albanien sowie die USA und Kanada [11]. Sie regelte Fragen der Grenzen und der Sicherheit, der Wirtschaft und der Zusammenarbeit. Ein eigener Teil betraf die Menschenrechte, darunter Ausreise, Familienzusammenführung und Pressefreiheit [11]. Bürgerrechtler in der Sowjetunion und in Osteuropa beriefen sich später auf diesen Teil und gründeten Helsinki-Gruppen, die Verstöße dokumentierten. Auf den Folgetreffen in Belgrad und Wien kamen Verfahren zur Überprüfung hinzu, in Wien erkannten die Staaten das Recht auf Ausreise und die Religionsfreiheit an [11].
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 05.03.1946 | Churchills Rede vom Eisernen Vorhang |
| 12.03.1947 | Truman-Doktrin |
| 24.06.1948 | Beginn der Berlin-Blockade |
| 04.04.1949 | Gründung der NATO |
| 04.10.1957 | Start von Sputnik 1 |
| 13.08.1961 | Beginn des Mauerbaus in Berlin |
| Oktober 1962 | Kubakrise |
| 01.08.1975 | Schlussakte von Helsinki |
| Dezember 1979 | Sowjetischer Einmarsch in Afghanistan |
| 25.12.1991 | Rücktritt Gorbatschows, Ende der Sowjetunion |
Afghanistan und neue Spannungen
Ende Dezember 1979 marschierten sowjetische Truppen in Afghanistan ein [12]. Präsident Jimmy Carter verurteilte den Einmarsch scharf, verhängte Wirtschaftssanktionen und rief zum Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau auf. In seiner Rede zur Lage der Nation kündigte er an, die USA würden die Ölversorgung aus dem Nahen Osten gegen sowjetische Übergriffe verteidigen. Die USA verstärkten zudem ihre Hilfe für die afghanischen Aufständischen, die Mudschahedin, die sie schon seit Mitte 1979 mit nichtmilitärischen Gütern unterstützt hatten [12]. Solche Kriege, in denen die Supermächte über Verbündete gegeneinander antraten, beschreibt die Seite zu den Stellvertreterkriegen im Kalten Krieg.
Das Ende der Sowjetunion
Michail Gorbatschow ließ in der Sowjetunion Wahlen mit mehreren Parteien zu und schuf das Amt eines Präsidenten. Damit begann eine Demokratisierung, die die Herrschaft der Kommunistischen Partei schwächte. Auch den Griff Moskaus auf Osteuropa lockerte er [13]. Im November 1989 fiel in Berlin die Mauer [9]. Wie es dazu kam, beschreibt die Seite zum Mauerfall.

Im August 1991 scheiterte ein Putsch kommunistischer Hardliner gegen Gorbatschow. Danach gewannen Boris Jelzin und die demokratischen Kräfte an Einfluss [13]. Anfang Dezember 1991 gründeten Russland, die Ukraine und Belarus die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten und erklärten das Ende der Sowjetunion. Am 25.12.1991 trat Gorbatschow als Präsident zurück, am selben Tag wurde die sowjetische Flagge über dem Kreml eingeholt [13]. Mehr über ihn steht auf der Seite zu Michail Gorbatschow.
- Organisation The Sinews of Peace ("Iron Curtain Speech"). International Churchill Society. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde The Truman Doctrine, 1947 (Milestones). U.S. Department of State, Office of the Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Kennan and Containment, 1947 (Milestones). U.S. Department of State, Office of the Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Marshall Plan, 1948 (Milestones). U.S. Department of State, Office of the Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde The Berlin Airlift, 1948 to 1949 (Milestones). U.S. Department of State, Office of the Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation NATO Declassified: A short history of NATO. NATO. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde NSC-68, 1950 (Milestones). U.S. Department of State, Office of the Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Sputnik, 1957 (Milestones). U.S. Department of State, Office of the Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Chronik der Mauer. Bundeszentrale für politische Bildung, Zentrum für Zeithistorische Forschung, Deutschlandradio. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde The Cuban Missile Crisis, October 1962 (Milestones). U.S. Department of State, Office of the Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Helsinki Final Act, 1975 (Milestones). U.S. Department of State, Office of the Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde The Soviet Invasion of Afghanistan and the U.S. Response, 1978 to 1980 (Milestones). U.S. Department of State, Office of the Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde The Collapse of the Soviet Union (Milestones). U.S. Department of State, Office of the Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Chronik der Mauer: Überblick August 1961 (12. und 13. August 1961). Bundeszentrale für politische Bildung, Zentrum für Zeithistorische Forschung, Deutschlandradio. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
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